Grundsätzlich wird Empathie als etwas Gutes und Positives empfunden. Gerade in Führungspositionen ist es enorm wichtig, sich in sein Gegenüber hineinversetzen zu können und zu verstehen, welche Gefühle es aktuell beschäftigen. Sollten Sie also selbst eine Führungsposition anstreben oder einfach ein besserer Chef werden wollen, dann ist die Fähigkeit zum empathischen Verständnis essentiell für Ihren beruflichen Alltag.

Inhalt
1. Emotionale Intelligenz als wichtige Eigenschaft
2. Die verschiedenen Komponenten der Empathie
3. Vertauschte Geschlechterrollen im Alltag
4. Konflikte dank gegenseitigem Verständnis lösen
5. Die Kollegen besser verstehen
6. Achtung vor manipulativer Empathie
7. Empathie und Karriere – die richtige Dosis macht’s

Emotionale Intelligenz als wichtige Eigenschaft

Grundsätzlich wird unter dem Begriff „Empathie“ die Fähigkeit verstanden, die Motive, Emotionen und Gedanken des Gegenübers zu erkennen und zu verstehen. Ein weiterer essentieller Punkt in diesem Zusammenhang ist jedoch auch die Bereitschaft, die Gefühle und Motive nicht nur zu verstehen, sondern auch darauf einzugehen und entsprechend zu reagieren. Dabei unterscheidet die Wissenschaft zwischen der angeborenen Empathie, der im Kindesalter erworbenen Empathie sowie der gezielt erlernten Empathie. Für den Alltag ist letztendlich egal, zu welchem Zeitpunkt und auf welche Art und Weise Sie Ihre empathischen Fähigkeiten erworben haben – für den beruflichen Alltag ist nur wichtig, dass Sie sie gezielt einsetzen können.

„Mitleid ist die wahre Grundlage des Charakters.“
(Anatole France)

Noch immer beschäftigen sich viele Forschungsfelder mit dem Bereich der Empathie und spätestens, seitdem der US-amerikanische Autor und Psychologe Daniel Goleman den Begriff der „emotionalen Intelligenz“ geprägt hat, gibt es einen klaren Gegensatz zur klassischen Intelligenzforschung. Allerdings scheinen sich die meisten Forscher zumindest diesbezüglich einig zu sein, dass eine gute Empathie von einer gesunden Selbstwahrnehmung abhängt. Verstehen Sie also Ihr eigenes Gefühlsleben und können sich selbst gut einschätzen, dann sind Sie auch in der Lage, Ihr Gegenüber einzuschätzen und zu verstehen. Die Beziehung zu Ihren eigenen Emotionen ist also der Grundpfeiler für empathische Fähigkeiten.

Die verschiedenen Komponenten der Empathie

Der Umgang mit Menschen ist ein wichtiger Bestandteil der Empathie und tatsächlich wird unter dem Begriff der emotionalen Intelligenz gleich eine Vielzahl von Fähigkeiten gesammelt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Stärken und Schwächen erkennen: Nur, wenn ein umfassendes Selbstbewusstsein vorhanden ist und die eigenen Stärken und Schwächen bekannt sind, ist es möglich, diese auch bei anderen zu erkennen und zu verstehen.
  • Kontrolle der eigenen Emotionen: Eine gewisse Selbstkontrolle der eigenen Emotionen gehört ebenfalls zur emotionalen Intelligenz und ermöglicht nicht nur das Erfassen, sondern das auch das Steuern der Gefühle.
  • Beziehungen aufbauen: Unter dem Oberbegriff der „sozialen Kompetenz“ zusammengefasst, ist dies eine wichtige Fähigkeit. Egal, ob im privaten oder beruflichen Leben, nur wer Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen und aufrechterhalten kann, wird langfristig erfolgreich sein.
  • Klare Kommunikation: Wer selbst schlecht ausdrücken kann, was er fühlt und denkt, der wird ebenfalls Schwierigkeiten haben, die Botschaften seines Gegenübers richtig zu interpretieren.
  • Empathische Fähigkeiten: Hier ist es nicht nur wichtig, dass die Gefühle und Wünsche des Gegenübers verstanden werden, sondern auch, dass signalisiert wird, dass Sie darauf eingehen möchten.

Emotionale Intelligenz besitzt also nicht nur viele verschiedene Formen und Eigenschaften, sondern erfordert gleich ein ganzes Kontingent an Verständnis. Wer dies jedoch leisten kann, der wird beruflich schnell voranschreiten und seine Karriere fördern können.

Vertauschte Geschlechterrollen im Alltag

Ein emotional kalter Vorgesetzter wirkt nicht nur verstörend, sondern sorgt auch dafür, dass viele Mitarbeiter sich mit ihren Problemen gar nicht erst an ihren Chef wenden. So sinkt die Leistung und es entstehen Fehler, die eigentlich vermeidbar gewesen wären. Zu viel Empathie ist allerdings auch nicht sinnvoll, denn ein Vorgesetzter, der zu viel Verständnis zeigt, erzeugt gleichzeitig auch eine Abwehrreaktion bei den anderen Kollegen und schadet gegebenenfalls sogar dem Unternehmen. Rechtfertigt er nämlich schlechter werdende Leistung von Mitarbeitern, so sinkt die Produktion und es entstehen Schäden. Gibt ein Chef einem anderen Mitarbeiter zu viele Freiheiten oder befreit ihn von Arbeitsstunden, so erzeugt das Neid bei den anderen Kollegen, die dafür mehr Arbeit leisten müssen. So ist eine gewisse Balance gefragt.

Ebenfalls erstaunlich ist die Tatsache, dass sich Empathie auf die Karrierechancen von Männern positiv auswirkt, während zu empathische Frauen sich eher selbst damit schaden. Es ist allgemein bekannt und nachgewiesen, dass Frauen die empathischeren Menschen sind und bereits 2011 wurde in Mexiko an der Universität Queretaro diese Theorie nachgewiesen: Während einem Gehirnscan wurden Männern und Frauen Bilder von kranken Kindern gezeigt und während beide Gruppen emotional betroffen waren, wurden bei den Männern nur einzelne Teile des Gehirns angesprochen, während bei den Frauen ein ganzes Netzwerk an Hirnaktivitäten zu sehen waren. Sie hatten stärkere Gefühle und eine höhere Hilfsbereitschaft als ihre männlichen Pendants.

„Gefühlskälte beruht auf einer Überaktivität des Kopfes und einer Unterfunktion des Herzens.“
(Irina Rauthmann)

Somit wird im beruflichen Alltag erwartet, dass Männer eher gefühllos und kalt sind, während eine gewisse Empathie bei Frauen vorausgesetzt wird. Dadurch werden Männer mit empathischen Fähigkeiten gerne in Führungspositionen erhoben, während dies bei Frauen negativ auffällt. Viele Frauen haben außerdem das Problem, dass sie sich selbst im Weg stehen, indem sie zu viel Verständnis, Mitleid und Empathie zeigen und so viel Kraft für Situationen aufbringen, die sie dann nicht mehr in ihre Arbeit stecken können.

Konflikte dank gegenseitigem Verständnis lösen

Empathische Fähigkeiten werden in der Berufswelt unter anderem dann benötigt, wenn es um das Lösen von Konflikten geht: Zunächst einmal muss erkannt werden, was beide Parteien eigentlich benötigen und wo genau das Problem liegt. Erst danach ist das gemeinsame Erarbeiten einer Lösung beziehungsweise eines Kompromisses möglich. Grundsätzlich ist es auch schwieriger, einem Kollegen oder einem Vorgesetzten, der Mitgefühl und Empathie beweist, etwas abzuschlagen. So wird recht schnell klar: Sie erreichen Ihr Ziel schneller, wenn Sie mit Verständnis und Freundlichkeit arbeiten, als wenn Sie auf Desinteresse und eine neutrale Haltung zurückgreifen. Gerade, wenn Sie neu in einem Unternehmen und mit den Kollegen noch nicht vertraut sind, so sind die empathischen Fähigkeiten eine gute Möglichkeit, um sich schnell zurecht zu finden und neue Kontakte zu knüpfen.

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In den letzten Jahren wurde immer wieder der Begriff der „Ellenbogen-Gesellschaft“ verwendet und angeblich ist es wichtig, sich immer selbst an erster Stelle zu sehen. Beruflich erfolgreiche Menschen berichten allerdings, dass diese Haltung niemanden weiterbringt und schon gar nicht zu einer steilen Karriere führt. Stattdessen muss eine Karriere einerseits bewusst und konsequent geplant werden, ohne dass sie erzwungen wird. Andererseits helfen Eigenschaften wie Selbstbewusstsein und Geradlinigkeit sowie auch ein gesunder Ehrgeiz. Und zuletzt sind sogenannte Soft Skills wie eben Empathie, Besonnenheit und Ausgeglichenheit ebenfalls essentiell. Wer nämlich nur den Ellenbogen einsetzt, der wird schnell einen schlechten Ruf bei Kollegen und Vorgesetzten erhalten und bei der nächsten Beförderung übersprungen werden. Schließlich sollte immer der faire Wettbewerb im Vordergrund stehen.

Die Kollegen besser verstehen

Noch immer handelt es sich bei Empathie im beruflichen Alltag um ein seltenes Talent, das entweder nicht vorhanden ist oder einfach nicht eingesetzt wird. Gerade beim direkten Kontakt mit dem Kunden sind solche Fähigkeiten aber eine wichtige Voraussetzung dafür, dass er beim nächsten Mal wiederkommt und nicht verschreckt wird. Doch auch der Umgang mit Kollegen ist wesentlich besser, wenn eine gewisse Sozialkompetenz gegeben ist und so langanhaltende Beziehungen entstehen können. Nicht immer ist das Erkennen und Verstehen der Emotionen des Gegenübers einfach, doch mit ein paar einfachen Tipps und Tricks können Sie gezielt Ihre Empathie verbessern und trainieren:

  • Übereilen Sie nichts: Es ist vollkommen in Ordnung, wenn Sie zuerst einmal die neuen Kollegen kennenlernen wollen, bevor Sie auch außerhalb der Arbeit Zeit mit ihnen verbringen möchten. Beginnen Sie doch mit kleinen Schritten und nehmen Sie sich eine Pause für einen Kaffee oder ein gemeinsames Mittagessen.
  • Seien Sie offen für Neues: Manchen Menschen fällt es einfach, eine Beziehung aufzubauen, während andere sich damit schwer tun. Versuchen Sie doch einfach, die inneren Barrieren langsam zu überwinden und nach und nach auf die Kollegen zuzugehen – vielleicht entdecken Sie dann die eine oder andere positive Eigenschaft an Ihren Mitarbeitern, die Sie zuvor übersehen hatten.
  • Zeigen Sie Interesse: Genau wie Sie selbst haben auch Ihre Kollegen Wünsche, Bedürfnisse und Träume. Versuchen Sie, diese zu erfahren und entsprechend zu reagieren. Ist Ihr Büronachbar zum Beispiel ein Morgenmuffel, dann stören Sie Ihn doch erst, nachdem er einen Kaffee hatte und tatsächlich wach ist.
  • Seien Sie aufmerksam: Nur durch Beobachtungen können Sie erfahren, wie Ihre Mitmenschen denken und fühlen. So können Sie zum Beispiel Gemeinsamkeiten entdecken und vielleicht fiebern Sie für den gleichen Sportclub oder haben gemeinsame Interessen in anderen Bereichen.
  • Zeigen Sie Verständnis: Es reicht bereits aus, dass Sie so tun, als würden Sie Ihr Gegenüber verstehen. In der Regel wird eine Person dann als sympathisch empfunden. Noch besser ist es natürlich, wenn Sie auch tatsächlich die Probleme Ihrer Mitmenschen verstehen und nachvollziehen können.

Letztendlich ist es gar nicht so schwer, sich in die Gedankenwelt seines Gegenübers hineinzuversetzen, wenn ein wenig Zeit in die Person investiert wird. Oftmals hilft auch einfaches Nachfragen, denn die meisten Menschen erzählen gerne von ihren Problemen oder Bedürfnissen.

Achtung vor manipulativer Empathie

Dass Empathie nicht nur Vorteile mit sich bringt, wurde ja bereits erwähnt. Doch tatsächlich gibt es Situationen und Menschen, die eine zu hohe Empathie einfach ausnutzen. Ein Mitarbeiter bittet um zusätzlichen Urlaub und wird zunächst abgelehnt, erzählt dann jedoch von seinen kleinen Kindern und seiner kranken Frau, die unbedingt Unterstützung braucht. Oder von seiner hässlichen Scheidung, die als Grund für die schlechte Leistung in den letzten Wochen genannt wird. Je mehr Hintergrundinformationen geliefert werden, desto empathischer reagieren wir Menschen. Die meisten Menschen interessieren sich wesentlich mehr für Einzelschicksale als für das große Ganze, wodurch wir uns zu irrationalen Handlungen verleiten lassen. Es ist nun einmal so, dass unsere emotionale Intelligenz eine ungerechte Verteilung der Empathie mit sich bringt.

Lese-Tipp:EQ statt IQ: Mit emotionaler Intelligenz zum beruflichen Erfolg

Je fremder die Kultur, je unterschiedlicher die Hautfarbe und je schlechter die Sprachkenntnisse, umso weniger können wir uns in die Person hineinversetzen und umso schwächer ist unsere emotionale Verbundenheit. So entstehen Cliquen in der Schule und auch im beruflichen Alltag gibt es Gruppen, die sich von anderen abgrenzen. Das kann nicht nur die Leistung schmälern, sondern auch zu Neid, Mobbing und gar Hass führen. In solchen Fällen ist die Empathie ein gefährlicher Faktor.

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Nicht selten nutzen Menschen allerdings unsere empathischen Fähigkeiten auch zu ihrem eigenen Vorteil und erzählen schreckliche Geschichten, um einen Gefallen zu bekommen. Ganze Bettlerbanden sind organisiert und nutzen das menschliche Mitgefühl aus, um Geld zu bekommen. Auch am Arbeitsplatz ist dieses Phänomen vertreten und wer früher nach Hause möchte oder einige Tage Urlaub braucht, der drückt nicht selten auf die Tränendrüse und versucht so, das Mitgefühl seiner Vorgesetzten zu bekommen. Tatsächlich ist diese Methode sowohl bei Männer als auch bei Frauen zu finden, sodass Sie sich nach Möglichkeit von niemanden manipulieren lassen sollten. Selbstverständlich sagt sich das einfacher als es in der Praxis auch wirklich ist und darüber hinaus ist es nicht immer möglich, zu unterscheiden, wann Sie manipuliert werden und wann jemand tatsächlich nur von seinen Problemen erzählen möchte.

Gerade als Führungspersönlichkeit müssen Sie in solchen Situationen mit Fingerspitzengefühl agieren und versuchen, eine gute Balance zwischen emotionaler Hilfsbereitschaft und Empathie sowie berufsbedingter Kälte zu zeigen. Auch als Mitarbeiter müssen Sie nicht immer nur Empathie zeigen, sondern dürfen auch einfach Nein sagen, wenn Sie jemand um Hilfe bittet. Hier wird gerne das Berufsfeld des Chirurgen genannt, der im Operationssaal kalt und emotionslos agieren muss, danach jedoch empathisch auf die Angehören zugehen sollte. Diesen Spagat zu schaffen, ist nicht immer einfach und erfordert viel Übung und Erfahrung.

Empathie und Karriere – die richtige Dosis macht’s

Wer also im beruflichen Alltag bestehen möchte und gleichzeitig versucht, eine höhere Führungsposition zu erreichen, der wird ohne Empathie nicht weit kommen. Ein gemeinsames Miteinander mit den Kollegen ist genauso wichtig wie ein Verständnis für Vorgesetzte und Mitarbeiter. Zu viel Empathie ist allerdings auch nicht sinnvoll. Hier ist eine passende Balance wichtig, die jedoch nicht immer einfach zu erreichen und zu halten ist. Schließlich spielt Ihre eigene Gefühlswelt eine wichtige Rolle und einen schlechten Tag hat jeder einmal. Es ist jedoch möglich, dass Sie die empathischen Reaktionen gezielt trainieren und sich damit die Fähigkeiten aneignen, die Sie für das berufliche und private Leben benötigen. Dann steht dem Erfolg auch nichts mehr im Weg.

Als wie empathisch empfinden Sie Ihr berufliches Umfeld, Ihren Chef, die Kollegen oder vielleicht sogar sich selbst? Welche Vor- und Nachteile bringt die Empathie Ihrer Meinung nach im (Berufs-) Leben mit? Kennen Sie weitere Methoden, um Empathie zu erlernen beziehungsweise trainieren? Wir freuen uns auf Ihren Beitrag in den Kommentaren!

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