Der Jobverlust ist für viele Menschen ein absolutes Horrorszenario. Ist der erste Schock überwunden, stellen sich viele Arbeitnehmer die Frage, ob ihnen nach der Kündigung eine Abfindung zusteht. Und wenn ja, in welcher Höhe und was bleibt nach Steuern am Ende überhaupt übrig?

Steht dem Arbeitnehmer im Falle einer Kündigung eine Abfindung zu.
Bildnachweis: fizkes/Shutterstock.com

#Inhalt
1. Definition: Abfindung – was ist das eigentlich?
2. Wer hat Anspruch auf eine Abfindung?
3. Anrechnung einer Abfindung auf das Arbeitslosengeld
4. Abfindung einfordern: So funktioniert die Kündigungsschutzklage
5. Abfindungshöhe: Wie viel Geld steht Ihnen zu?
6. Abfindung: Der Fiskus kassiert mit
7. Abfindung: Die Fünftelregelung mindert Steuerlast
8. Fazit: Im Zweifelsfall für die Abfindung

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Definition: Abfindung – was ist das eigentlich?

Bei der Abfindung handelt es sich um eine Entschädigungszahlung des Arbeitgebers an den gekündigten Arbeitnehmer, wenn das Arbeitsverhältnis vorzeitig beendet wird. Ob dem Arbeitnehmer allerdings eine solche Abfindung zusteht und in welcher Höhe, hängt stark vom jeweiligen Einzelfall ab. Das bedeutet nun aber nicht, dass Sie sich als Arbeitnehmer der Willkür des Arbeitgebers beugen müssen. Die Abfindung ist in Deutschland nämlich gesetzlich verankert. Sollten Sie also vermuten, dass Sie bei einer arbeitnehmerseitigen Kündigung Anspruch auf eine Abfindung haben könnten, oder aber Sie möchten sich über die Ihnen zustehende Höhe informieren, suchen Sie am besten einen auf das Arbeits- und Kündigungsschutzrecht spezialisierten Anwalt. Wir haben Ihnen aber dennoch einmal die wichtigsten Regelungen zum Thema Abfindung zusammengetragen (ohne Gewähr).

Wer hat Anspruch auf eine Abfindung?

Nicht immer erhalten Sie jedoch bei einer arbeitgeberseitigen Kündigung automatisch eine angemessene oder überhaupt eine Abfindung. Im Gegenteil: Wie in folgendem Video erklärt wird, handelt es sich bei der Abfindung sogar um einen absoluten Ausnahmefall.

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Abfindung ausschließlich in folgenden fünf Fällen:

  1. Der erste Blick sollte in Ihren Arbeitsvertrag wandern, denn in Ausnahmefällen hat der Arbeitgeber hier Regelungen zu einer eventuellen Abfindungszahlung festgehalten, im Sinne von: Wenn Sie aus diesem oder jenem Grund gekündigt werden sollten, erhalten Sie eine Abfindung in folgender Höhe…
  2. Häufiger ist allerdings der Fall eines Aufhebungsvertrages: Da der Arbeitgeber Sie nicht einfach grundlos kündigen kann, offeriert er Ihnen eventuell die freiwillige Auflösung Ihres Arbeitsvertrages gegen Zahlung einer entsprechenden Abfindung. (Achtung: Dies kann die Sperrung des Arbeitslosengeldes zur Folge haben)
  3. Werden Sie hingegen aufgrund eines Sozialplans oder einer Betriebsänderung entlassen, steht Ihnen eine Abfindung als Ausgleich der Ihnen dadurch entstandenen Nachteile zu. Sie können aber dennoch Kündigungsschutzklage einreichen und so entweder die Wiedereinstellung erwirken oder sogar die Zahlung einer weiteren, noch höheren Abfindung.
  4. Eine solche Kündigungsschutzklage können Sie natürlich auch bei jeder anderen Art der Kündigung einreichen. Ziel ist prinzipiell die Wiedereinstellung. Ist diese jedoch für Sie als Arbeitnehmer unzumutbar, wird eventuell die Zahlung einer Abfindung im Urteil festgelegt.
  5. Es gibt zudem einen weiteren Sonderfall: Manchmal weist der Arbeitgeber in der Kündigungserklärung aus betriebsbedingten Gründen darauf hin, dass Sie im Falle des Unterlassens einer solchen Kündigungsschutzklage eine Abfindung erhalten. Die Zahlung findet dann in der Regel nach drei Wochen statt, nachdem also Ihre Frist zur Klageeinreichung abgelaufen ist. Lesen Sie das Kündigungsschreiben daher stets genau und lassen Sie sich Passagen, die Ihnen unverständlich erscheinen, von einem Anwalt erläutern.

Anrechnung einer Abfindung auf das Arbeitslosengeld

Die Frage, die sich nun viele Betroffene stellen, lautet aber: Lohnt es sich überhaupt, eine Abfindung einzuklagen? Wird diese nicht ohnehin in voller Höhe mit dem Arbeitslosengeld verrechnet oder erwirkt Sie eventuell sogar eine vorübergehende Sperre das ALGI? Nein! Eine Abfindung verkürzt Ihren ALGI-Anspruch nicht und auch angerechnet wird sie nicht prinzipiell. Einzige Ausnahme: Sollten Sie durch einen Aufhebungsvertrag oder Tarifvertrag die Kündigungsfrist verkürzen und dadurch die im Arbeitsvertrag festgelegte Kündigungsfrist nicht einhalten, erhalten Sie das Arbeitslosengeld erst ab dem Zeitpunkt, an welchem die ordentliche Kündigung wirksam gewesen wäre. Sie müssen die Abfindung dann zur Überbrückung dieses Zeitraums nutzen. Zu diesem Zweck wird die Abfindung anteilig mit dem Arbeitslosengeld verrechnet.

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Abhängig von den Jahren Ihrer Unternehmenszugehörigkeit und Ihrem Alter werden dabei 25 bis 60 Prozent Ihrer Abfindung berücksichtigt. Andersherum bedeutet das: Solange Sie die ordentliche Kündigungsfrist einhalten, wird die Abfindung in der Regel nicht mit dem Arbeitslosengeld verrechnet. Sie sollten Ihren Abfindungsanspruch daher unbedingt einfordern.

Abfindung einfordern: So funktioniert die Kündigungsschutzklage

Der einzige Weg, eine Abfindung einzufordern, wenn sich diese nicht bereits aus Regelungen im Arbeits-, Aufhebungsvertrag oder der Kündigungserklärung ableitet, ist die sogenannte Kündigungsschutzklage.

Beachten Sie: Für die Einreichung einer Kündigungsschutzklage haben Sie ab Erhalt der Kündigung lediglich drei Wochen Zeit.

Wird die Kündigungsschutzklage also innerhalb dieser dreiwöchigen Frist eingereicht, befinden Sie sich entweder wieder mit dem Arbeitgeber in Verhandlung oder der Fall geht vor Gericht. Das Ziel einer Kündigungsschutzklage ist aber in erster Linie nicht die Abfindung, sondern stets die Wiedereinstellung. Haben Sie also „gewonnen“, können Sie prinzipiell an Ihre alte Arbeitsstelle zurückkehren. Dass dies für viele Arbeitnehmer allerdings nicht zumutbar ist, da sie offensichtlich unerwünscht sind oder sogar gemobbt wurden, ist auch dem Gericht klar. Können Sie diese Unzumutbarkeit also glaubhaft darlegen, wird im Urteil anstelle der Wiedereinstellung eventuell eine Abfindung bestimmt. Ansonsten wäre nach der Wiedereinstellung auch ein einvernehmlicher Aufhebungsvertrag mit entsprechender Abfindung zwischen Ihnen und dem Arbeitgeber denkbar.

Abfindungshöhe: Wie viel Geld steht Ihnen zu?

Bei der Festlegung der Abfindungshöhe orientiert sich das Gericht in der Regel an folgenden Werten: Pro Beschäftigungsjahr bei dem Unternehmen erhalten Sie ein halbes bis ganzes Bruttomonatsgehalt.
Eine gesetzliche Grundlage gibt es hierfür allerdings nicht. Die Abfindung ist daher stets Verhandlungssache – in folgendem Video auch als „Poker-Spiel“ betitelt.

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Da das Gericht natürlich verhindern möchte, dass Unternehmen willkürlich Kündigungen aussprechen, wenn der Arbeitnehmer ohnehin noch nicht so lange beschäftigt war und die Abfindung dadurch „günstig“ wäre, sind Abfindungen bei kürzeren Beschäftigungsdauern im Vergleich höher als bei längerer Betriebszugehörigkeit.

Auch eine noch höhere Abfindung ist möglich, wenn Sie aufgrund einer Kündigung nach Sozialplan bereits eine Zahlung erhalten haben, aber dennoch gegen die Entlassung den Klageweg beschreiten. Es gilt also: Spielen Sie Ihre Verhandlungsposition so gut wie möglich aus, heben Sie die Ihnen aus der Kündigung entstandenen Nachteile hervor und testen Sie Ihr Verhandlungsgeschick. Ein erfahrener Anwalt an Ihrer Seite ist bei der Kündigungsschutzklage Gold wert. Wie unterschiedlich die Abfindungshöhe schlussendlich sein kann, zeigt folgende auf Statista veröffentlichte Grafik:
Statistik: Wie hoch war die Abfindung, die Sie nach dem Ausscheiden aus Ihrer beruflichen Tätigkeit erhalten haben? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Abfindung: Der Fiskus kassiert mit

Leider bleibt Ihnen von Ihrer Abfindung nicht der gesamte Betrag erhalten. Sie wird vom Fiskus nämlich seit dem Jahr 2006 als übliche Lohnzahlung behandelt und entsprechend versteuert. Allerdings fällt sie unter die sogenannten außerordentlichen Einkünfte. Das bedeutet, dass Sie die Vorteile der sogenannten Fünftelregelung nutzen können.

Abfindung: Die Fünftelregelung milder Steuerlast

Bei der Fünftelregelung wird – wie der Name bereits vermuten lässt – die Abfindung durch Fünf geteilt. Das Fünftel wird anschließend auf das Jahresbruttogehalt angerechnet und daraus errechnet der Steuerbeamte den Steuersatz sowie den auf die Abfindung zu zahlenden Steuerbetrag. Dieser wird wieder mit Fünf multipliziert und schon ergibt sich die endgültige auf die gesamte Abfindung zu zahlende Steuer. Sie halten den Steuersatz dadurch also „künstlich“ niedriger als bei der Anrechnung der gesamten Abfindung auf ein Steuerjahr. Gerade bei hohen Abfindungen im fünf- oder sogar sechsstelligen Bereich sparen Sie sich hierdurch mehrere hundert bis tausend Euro. Zum besseren Verständnis ein kurzes Beispiel als exemplarische Rechnung mit gerundeten Werten:

Nehmen wir einmal an, Sie erhalten eine Abfindung in Höhe von 25.000 Euro brutto bei einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro. Ihr zu versteuerndes Einkommen in dem entsprechenden Kalenderjahr liegt damit bei 85.000 Euro, Ihre Abgaben als Alleinstehende/r im Jahr 2016 bei rund 33,89 Prozent Lohnsteuer, also rund 28.806 Euro.

Dank der Fünftelregelung müssen Sie allerdings nur ein Fünftel der Abfindung auf Ihr Jahreseinkommen anrechnen, also 5.000 Euro. Ihr zu versteuerndes Einkommen in dem entsprechenden Jahr liegt damit bei 65.000 Euro. Dies bedeutet einen Lohnsteuersatz von gerade einmal rund 30 Prozent, also etwa 19.900 Euro.

Ohne die Abfindung, also nur für die 60.000 Euro Jahresbruttoeinkommen, lägen die Abgaben hingegen bei rund 17.700 Euro. Der Beamte nimmt nun also die Differenz 19.900 Euro – 17.700 Euro = 2.200 Euro. Dies ist die rein auf die Abfindung zu zahlende Steuer. Da es sich aber erst um ein Fünftel der Abfindung handelt, werden die 2.200 Euro mit Fünf multipliziert: 2.200 Euro x 5 = 11.000 Euro.

Sie zahlen also 17.700 Euro Lohnsteuer + 11.000 Euro Steuern auf die Abfindung = 28.700 Euro. Sie sparen sich demnach durch die Fünftelregelung 106 Euro.

Fazit: Im Zweifelsfall für die Abfindung

Unser Fazit lautet: Die Abfindung ist ein solch komplexes Thema, dass Sie am besten direkt nach Erhalt der Kündigung die Beratung durch einen erfahrenen Rechtsanwalt suchen. Selbst, wenn Sie bereits eine Abfindung erhalten haben, kann nämlich der Klageweg im Sinne einer Kündigungsschutzklage lohnenswert sein. Und sollten Sie schlussendlich doch keine Abfindung erhalten, so können Sie die kritische Zeit ja zumindest mit dem ALGI überbrücken. Ein finanzielles Polster für schlechte Zeiten kann zudem nie schaden, denn wie Sie im Artikel „Reich werden: In 6 legalen Schritten zum Millionär“ bereits erfahren haben, liegt der Schlüssel zum Reichtum nicht in Ihrem Einkommen, sondern im Sparen.

Wurden auch Sie schon einmal von Ihrem Arbeitgeber gekündigt? Und wenn ja, erhielten Sie eine Abfindung und warum (nicht)? Wie konnten Sie die finanzielle Lücke überbrücken? Wir freuen uns auf Ihre persönliche Geschichte, hilfreiche Tipps und Tricks sowie Expertenmeinungen in den Kommentaren.

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