Patchwork-Lebensläufe werden immer mehr zur Normalität und Industriebeamte gehören längst der Vergangenheit an. Eine Entwicklung, die vielen Menschen Angst macht, da sie sich vor allem nach finanzieller Sicherheit und Routine sehnen. Experten bewerten diesen Trend aber positiv, denn sie empfehlen: Nach spätestens fünf bis sieben Jahren sollten Sie Ihre Arbeitsstelle wechseln, am besten sogar den Arbeitgeber. Denn jeder Job unterliegt einem Zyklus, welcher in sieben Phasen abläuft.

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Mitarbeiter verlässt nach 7 Jahren das Unternehmen und wechselt den Job
Bildnachweis: iStock.com/Teerapol24

Inhalt
1. Deutsche Arbeitnehmer bleiben rund 10 Jahre in einem Job
2. Experten empfehlen Jobwechsel nach spätestens 7 Jahren
3. Phase 1: Enthusiasmus
4. Phase 2: Wehmut
5. Phase 3: Einleben
6. Phase 4: Stabilität
7. Phase 5: Bestleistung
8. Phase 6: Wende
9. Phase 7: Abwärtsspirale
10. Jobwechsel als Chance begreifen, statt als Risiko
11. Überlassen Sie Ihren Jobzyklus nicht dem Zufall

Deutsche Arbeitnehmer bleiben rund 10 Jahre in einem Job

Aber stimmt das überhaupt? Während deutsche Arbeitnehmer im Jahr 1992 durchschnittlich 10,3 Jahre in demselben Job verweilten, waren dies im Jahr 2008 sogar 10,8 Jahre (Quelle: IAB). Von wegen unsichere Arbeitssituation und „Generation Praktikum“? Nicht wirklich!

Die Statistik verbirgt nämlich, dass es vor allem für Berufseinsteiger immer schwieriger wird, einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu ergattern. Zudem gibt es große Branchenunterschiede. Während in Bereichen mit Fachkräftemangel befristete Arbeitsverträge wieder zum Auslaufmodell werden, weisen Arbeitnehmer in überfüllten Branchen, wie zum Beispiel bei Marketing- oder Werbeagenturen, häufig beeindruckende Patchwork-Lebensläufe mit einer beachtlichen Anzahl an kurzfristigen Jobs, Praktika, Volontariaten oder Trainee-Stellen auf. Zudem bilden die Statistiken nur einen Durchschnitt jener alteingesessenen Industriebeamten von einst, welche sich mittlerweile kurz vor dem Renteneintritt befinden, und der jungen Generation, mit Schwierigkeiten sich auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren.

Um sich ein etwas genaueres Bild von der aktuellen Arbeitsmarktsituation in Deutschland zu bilden, benötigen wir daher weitere Zahlen: Eine auf Statista veröffentlichte Umfrage verrät, dass rund 55 Prozent der Deutschen gelegentlich über einen Jobwechsel nachdenken. Etwa 16 Prozent suchen bereits aktiv nach einer neuen Anstellung.
Statistik: Welche Einstellung haben Sie zu einem Wechsel des Arbeitnehmers? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Experten empfehlen Jobwechsel nach spätestens 7 Jahren

Zehn Jahre – das ist noch lange kein Berufsleben, laut Experten ist das aber bereits deutlich zu viel. Nach drei bis fünf, spätestens aber sieben Jahren empfehlen diese stattdessen einen Jobwechsel. Die möglichen Gründe für den Wunsch nach einer neuen beruflichen Herausforderung sind vielfältig:

  • Wunsch nach neuen Perspektiven
  • Fehlende Anerkennung
  • Umstrukturierungen
  • Schlechtes Betriebsklima
  • u. v. m.

Experten plädieren dafür, nach spätestens sieben Jahren den Arbeitgeber zu wechseln. Ansonsten seien die Arbeitnehmer häufig früher oder später ohnehin unfreiwillig zu einer beruflichen Veränderung gezwungen. Auch die Unternehmen entwickeln sich nämlich weiter, verlagern ihre Schwerpunkte, verändern interne Strukturen oder bauen Personal ab.

Je schnelllebiger die Branche, umso wichtiger sind daher häufige Jobwechsel. Während für ITler oder Marketingfachleute deshalb rund drei Jahre als empfehlenswert gelten, fühlen sich Buchhalter gerne auch über zehn Jahre hinweg in ihrer Anstellung wohl. Wann genau für Sie der richtige Zeitpunkt für einen Jobwechsel gekommen ist, müssen Sie daher stets gemäß Ihrer individuellen Situation entscheiden. Alles in allem beobachten Experten laut Job.de aber in jedem Arbeitsverhältnis folgende sieben Phasen:

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Phase 1: Enthusiasmus

Endlich ein neuer Job. Egal, ob Sie sich lange auf Jobsuche befunden haben oder von einem Headhunter abgeworben wurden: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne und daher starten Sie in der Regel hoch motiviert, voller Vorfreude und auch ein wenig aufgeregt in die neue Anstellung. Sie müssen erst einmal ankommen, sich orientieren und vielleicht auch die ein oder andere Traumvorstellung durch die Realität ablösen.

Phase 2: Wehmut

Wenn nach den ersten ein bis zwei Monaten eben jene Realität Einzug hält und Ihre hohen Erwartungen vielleicht nicht (vollständig) erfüllt wurden, hängen viele Menschen erst einmal der Vergangenheit nach. Sie zweifeln daran, ob der Jobwechsel die richtige Entscheidung war, und neigen dazu, den vorherigen Arbeitsplatz zu romantisieren. Irgendwie waren die Kollegen netter, die Aufgaben anspruchsvoller und der Chef doch gar nicht so schlimm. Wehmut ist normal – lassen Sie sich davon nichts ins Bockshorn jagen!

Phase 3: Einleben

Irgendwann pendelt sich Ihre Stimmung zwischen Enthusiasmus und Wehmut ein und Sie beginnen, sich in Ihrer neuen beruflichen Heimat einzuleben. Sie knüpfen neue Freundschaften, arbeiten sich in ihre Tätigkeitsbereiche ein und übernehmen etwas mehr Verantwortung. An diesem Punkt setzt auch die Motivation wieder ein und Sie möchten sich von Ihrer besten Seite präsentieren. Diese dritte Phase dauert laut Jörg Stegemann etwa ein Jahr lang an. Ein Jahr voller Höchstleistungen und Erfolge.

Phase 4: Stabilität

Nach dem ersten Jahr sind Sie endlich richtig eingearbeitet und konnten sich durch Ihre exzellenten Leistungen bereits Respekt bei den Kollegen und Vorgesetzten erarbeiten. Sie bewegen sich auf einem guten, nicht aber herausragenden Niveau. Nach dem anstrengenden ersten Jahr und den zahlreichen Veränderungen heißt es erst einmal durchatmen und Stabilität finden.

Phase 5: Bestleistung

Aufwärts geht es wieder in der fünften Phase, welche laut Stegemann etwa um das dritte Jahr einsetzt. Sie sind nun im Unternehmen etabliert, fühlen sich zuhause und gehen routiniert Ihrer Arbeit nach. Jetzt wollen Sie mehr und laufen zur Höchstform auf. Diese fünfte Phase hält mehrere Monate bis Jahre an und bedeutet häufig den Aufstieg in der Hierarchie. Länger als fünf Jahre jedoch, sei die Phase „Bestleistung“ nur selten zu beobachten, so der Experte.

Phase 6: Wende

Und dann? Der Jobzyklus ist vergleichbar mit einem klassischen Drama: Nach dem Höhepunkt folgt die Retardation. Ihre Leistung lässt nach, erste Zweifel kommen auf oder es entstehen Konflikte mit Teamkollegen beziehungsweise Vorgesetzten. Sie fühlen sich nicht mehr hundertprozentig wohl in Ihrem Job, sehnen sich nach Veränderung oder fühlen sich in der Stagnation gefangen und es fehlt an neuen Herausforderungen. Jetzt wäre der optimale Zeitpunkt für einen Jobwechsel gekommen. Viele Menschen schrecken aber noch aus Angst vor der Unsicherheit vor diesem Wechsel zurück oder werten die sechste Phase als einen vorübergehenden Durchhänger.

Phase 7: Abwärtsspirale

Dem sei aber nicht so, sagt Jörg Stegemann. Wer in der sechsten Phase nicht die Notbremse zieht und den Absprung schafft, begibt sich in eine gefährliche Abwärtsspirale. Häufig mündet diese in psychischen wie physischen Problemen, einer sinkenden Leistungsfähigkeit bis hin zum Burnout oder anderen stressbedingten Erkrankungen. Am Ende der siebten Phase werden Sie zum Jobwechsel gezwungen, sei es durch eine Krankheit oder die arbeitgeberseitige Kündigung.

Jobwechsel als Chance begreifen, statt als Risiko

Alle drei bis fünf Jahre sollten Sie daher den Mut zum Jobwechsel fassen, spätestens aber nach sieben Jahren. Prüfen Sie regelmäßig, in welcher Phase des Jobzyklus Sie sich gerade befinden und ziehen Sie rechtzeitig in der sechsten Phase die Notbremse, bevor Sie wirklich wie im klassischen Drama in der Katastrophe enden. Vielen Menschen fehlt es allerdings am notwendigen Selbstbewusstsein für einen Jobwechsel oder die Angst vor dem Risiko „Unsicherheit“ überwiegt die zahlreiche positiven Aspekte, welche solch ein beruflicher Schritt mit sich bringt. So ein Wechsel des Arbeitsplatzes birgt nämlich auch zahlreiche Chancen:

  • Sie entwickeln sich beruflich und persönlich weiter.
  • Die Betriebsblindheit weicht neuen Sichtweisen und Perspektiven.
  • Sie bleiben up-to-date und erschließen sich immer wieder neues Knowhow in Ihrem Fachbereich.
  • Sie werden vor neue Herausforderungen gestellt und können dadurch sowohl Ihre Hard als auch Soft Skills trainieren.
  • Dadurch werden Sie auch nicht zu spezialisiert oder festgefahren, sondern trainieren Ihre Auffassungsgabe, Lernbereitschaft sowie die Offenheit für neue Sichtweisen und Problemlösungsansätze.
  • Ihr Lebenslauf wird durch Jobwechsel aufgewertet, solange sie einen roten Faden erkennen lassen und zumindest die Probezeit überdauern.
  • Sie knüpfen neue Kontakte und bauen Ihr berufliches Netzwerk aus. „Vitamin B“ ist schließlich der wichtigste Erfolgsfaktor für Ihre Karriere, wie wir Ihnen bereits im Artikel „Nicht wer leistet, wird befördert. Sondern…?“ erläutert haben.

Überlassen Sie Ihren Jobzyklus nicht dem Zufall

Ergreifen Sie diese Chance und seien Sie Ihrer Konkurrenz dadurch stets einen (Karriere-) Schritt voraus. Wenn Sie Ihren Jobzyklus nämlich ab sofort nicht mehr dem Zufall überlassen, sondern Ihre Karriere aktiv planen, werden Sie die Karriereleiter schneller und höher erklimmen. Beobachten Sie daher stets, in welcher Phase Sie sich derzeit befinden und sehen Sie sich ab Phase 6 nach einer neuen Anstellung um.

Achtung: Wenn Sie sich auf Jobsuche begeben, obwohl Sie sich noch in der Anstellung bei einem anderen Unternehmen befinden, müssen Sie die Bewerbung unbedingt vor Ihrem Arbeitgeber geheim halten. Sie kann sonst zum Kündigungsgrund werden. Solche Lücken im Lebenslauf möchten Sie aber, wenn möglich, vermeiden. Je fließender der Übergang von einem Job in den nächsten, umso besser. Sie können dafür in Ihrer Bewerbung entweder um Geheimhaltung bitten, oder aber Sie wählen direkt eine anonyme Bewerbungsmethode, wie die Zielgruppen Kurzbewerbung.

Extra-Tipp: Fordern Sie unbedingt in regelmäßigen Abständen ein Zwischenzeugnis an. So sind Sie jederzeit bereit für eine Bewerbung, sobald Sie in Phase 6 des Jobzyklus eintreten. Zudem kann es vorkommen, dass Sie Ihr vorheriges Unternehmen nicht immer im Guten verlassen. Vielleicht gibt es kurz vor Ihrem Jobwechsel auch einen Führungswechsel und das Zeugnis lässt erahnen, dass der neue Chef so gar nicht gut auf Sie zu sprechen ist. Gut, wenn Sie dann noch mehrere Zwischenzeugnisse aus besseren Zeiten vorlegen können.

Welche weiteren Tipps und Erfahrungen haben Sie zum Thema Jobzyklus und Jobwechsel? Sehen Sie die Entwicklung hin zum Patchwork-Lebenslauf positiv oder sehnen Sie die Zeiten der Industriebeamten zurück?