„Burnout“ – ein Modewort. Im allzu inflationären Gebrauch dieses Begriffs steckt eine Gefahr: Die Sicht auf die eigentliche Problemlage vernebelt! Das „Burn-out-Syndrom“ ist weit mehr als eine vorübergehende Erschöpfung, der man mit einem wohlmeinenden „Mach mal Urlaub“ begegnen kann. Die Betroffenen sind “heiß gelaufen”. Ihr “inneres Feuer” ist erloschen. Sie sind resigniert, emotional völlig verausgabt und erschöpft – und zwar so, dass sie im Gegensatz zu einer „normalen“ Erschöpfung nicht mehr in der Lage sind, aufzutanken!

Anzeige

Immer mehr Unternehmen und Organisationen sehen diese Entwicklung mit Besorgnis und versuchen dagegen zu steuern. Denn die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden ist mittlerweile zu ein ernstzunehmender Kostenfaktor geworden, aber auch ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Denn es sind in der Regel die Leistungsträger, die ausbrennen, es sind die Engagierten und Verantwortungsbewussten, die „Säulen“ eines Unternehmens. Und angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels kann es sich kein Unternehmen dauerhaft leisten, seine besten Mitarbeiter, Know-how und Leistungsfähigkeit zu verlieren.

Was ist „Burnout“?

Ursprünglich stammt der Begriff „burn out“ aus der Luft- und Raumfahrt und bezeichnet den Brennschluss eines Triebwerks infolge von Treibstoffmangel. Überträgt man dies auf den Menschen, dann geht es beim Burnout-Syndrom um Menschen, die „heiß gelaufen“ sind. Ihr „inneres Feuer“ ist erloschen. Sie sind resigniert, emotional völlig verausgabt und erschöpft – und zwar so, dass sie im Gegensatz zu einer „normalen“ Erschöpfung nicht mehr in der Lage sind, aufzutanken. Im Grunde ist „Burnout“ ein neuer Begriff für ein altes Phänomen: die Erschöpfungsdepression. Wir reden von einem kritischen Zustand, der nicht mit einem einfachen „Mach mal Urlaub!“ überwunden werden kann.

Was sind die Symptome des Burnout Syndroms?

Im Verlauf einer Burnout Erkrankung zeigen sich Symptome, die auf einen dramatischen Einbruch der Leistungsfähigkeit hindeuten – emotional, sozial, intellektuell und körperlich.

Zu den emotionalen Symptomen des Burnout Syndroms gehören:

  • verringerte emotionale Belastbarkeit,
  • mechanisches „Funktionieren“,
  • vermindertes Einfühlungsvermögen,
  • Hang zur Nörgelei, Ungeduld, Intoleranz,
  • Dünnhäutigkeit, leichte Reizbarkeit
  • starker Widerwille, täglich zur Arbeit zu gehen,
  • Grundgefühl der Niedergeschlagenheit und Entmutigung,
  • Desillusion, Frustration,
  • vermehrt depressive Reaktionen und Rückzug,
  • Gefühl der Hilflosigkeit, Ohnmacht
  • Gefühl der inneren Leere,
  • Flucht- und Suizidgedanken,
  • etc.

Zu den sozialen Symptomen des Burnout Syndroms gehören:

  • Überdruss, Unlust, Menschen zu begegnen,
  • Unfähigkeit sich auf Mitarbeiter, Kunden, Klienten,
  • Schüler, Patienten einzulassen oder ihnen zuzuhören,
  • soziale Kontakte werden als Belastung empfunden,
  • Verschieben von Kunden- oder Klientenkontakten,
  • häufigere Fehlzeiten am Arbeitsplatz (z. B. Krankschreibungen),
  • verringerte Konfliktfähigkeit, übersteigerte Reaktionen,
  • Rückzug (z. B. Flucht in Computerspiele, Versumpfen vor dem Fernsehgerät, usw.),
  • Ehe- und Familienprobleme,
  • etc.

Zu den intellektuellen Symptomen des Burnout Syndroms gehören:

  • Konzentrationsstörungen, Neigung zu Tagträumen,
  • Unproduktivität,
  • Gedächtnisschwäche,
  • Gefühl der Überforderung – vor allem bei komplexen
  • Aufgaben oder Veränderungen,
  • mangelnde Fähigkeit, sich auf Neues einzulassen,
  • Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen und
  • durchzusetzen,
  • Einbuße an Phantasie und Flexibilität,
  • Initiativlosigkeit, Minimalismus, Dienst nach Vorschrift,
  • etc.

Zu den körperlichen Symptomen des Burnout Syndroms gehören:

Anzeige
  • Schlafstörungen, Alpträume,
  • Müdigkeit, Erschöpfung, Energiemangel,
  • vermehrtem Griff zu Aufputschmitteln, Hilfs- oder Verdrängungsmitteln (z. B. erhöhter oder gar exzessiver Konsum von Koffein, Nikotin, Alkohol der anderer stimulierender Drogen; erhöhte Einnahme on Medikamenten),
  • Verspannungen, v. a. Hals- und Schultermuskulatur, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen
  • Tinitus / Hörsturz
  • Immunschwäche, häufige Erkältungen,
  • Magen-Darm-Beschwerden,
  • erhöhte Pulsfrequenz, erhöhter Blutdruck,
  • Nervenreizung, nervösen Ticks,
  • sexuelle Probleme, mangelnde Lust,
  • etc.

Wie entsteht das Burnout-Syndrom?

Über weite Strecken werden die äußeren Umstände für diesen Zustand verantwortlich gemacht: hohe Arbeitsbelastung, Stress, mangelnde Ressourcen (Personal, Finanzmittel), problematische Arbeitsorganisation, Strukturen und Rahmenbedingungen, fehlendes oder wenig positives Feedback, zu hohe oder unklare Erwartungen und Zielvorgaben, schlechte Teamarbeit, Konflikte, Kompetenzgerangel ständige Konfrontation mit Problemen, etc. Keine Frage: Diese Faktoren erhöhen das Burnout Risiko deutlich. Und der Druck in unseren Wirtschafts-, Gesundheits- und Sozialsystemen nimmt weiter zu.

Doch den äußeren Umständen allein die Schuld für das Ausgebranntsein zuzuschieben, wäre falsch. Denn unter den gleichen Arbeitsbedingungen brennt der eine aus, während der andere scheinbar immun gegen das Burnout Syndrom ist – und das, obwohl er in derselben Abteilung arbeitet und mit den gleichen Umständen und dem gleichen Druck zu kämpfen hat. Deshalb muss zu den äußeren Umständen noch eine zweite Komponente kommen: die Persönlichkeitsstruktur des Betroffenen. Es fällt auf, dass vor allem diejenigen Burnout gefährdet sind, die sich stark engagieren und bereit sind, an ihre Leistungsgrenze und darüber hinaus zu gehen. Hier kommen unterbewusste Leitsätze ins Spiel, innere Antreiber, die so stark sein können, dass sie einen Menschen letztlich so „heiß“ laufen lassen können, dass er kollabiert.

Merkmale Burnout-gefährderter Menschen

  • alle sind bereit an und auch über ihre Leistungsgrenze gehen.
  • manche können nur schlecht „nein“.
  • manche möchten es gerne allen Recht machen.
  • manche stellen (zu) hohe Ansprüche an sich.
  • manche haben einen Hang zum Perfektionismus.

Wie kann Burnout behandelt werden?

Nur wenn der Burnout-Mechanismus – also das Zusammenspiel zwischen den äußeren Rahmenbedingungen in meinen inneren Leitsätzen und Antreibern (z.B. „du musst perfekt sein“, „du darfst andere nicht hängen lassen“, „du musst den Erwartungen anderer gerecht werden“, etc.) entlarvt ist, können maßgeschneiderte – und damit wirksame – Strategien zur Überwindung des Burnout Syndroms entwickelt werden. Deshalb sind Medikamente allein auch nicht die Lösung. Sie dämmen lediglich die Symptome ein. Die eigentliche Ursache bleibt jedoch unangetastet.

Bei der Burnout-Prävention geht es deshalb darum, die inneren Faktoren zu verändern. Die Chance, die Umstände oder gar die Welt zu verändern, ist begrenzt. Wir haben aber die große Chance, unsere Leistungsträger zu stärken, und sie dazu zu befähigen, langfristig leistungsfähig zu sein, ohne dabei auszubrennen.

Burnout für Anfänger – 7 exklusive Tipps für den Kollaps

Burnout-Test – Bin ich betroffen?

Testen Sie mit folgendem Fragebogen (PDF), ob Sie unter Burnout leiden oder Gefahr laufen auszubrennen.

Diesen Test können Sie auch online unter: http://www.burnout-fachberatung.de/burnout-test.htm durchführen.

Anzeige

5 Kommentare

  1. Natanja Jäger

    Sehr wahrer Beitrag.

  2. Andrea Nikolaya Meyer

    Frank, ein sehr guter Beitrag!

  3. Wolfgang Spitz

    Vor allem ist es nicht ein vorübergehendes Problem und gehört langfrisig in Angriff genommen, hier ist in Österreich von den Krankenkassen und der Gesellschaft noch viel Nachholbedarf notwendig.

  4. Elke Deeg

    Schön, daß das endlich thematisiert wird. Jeder Mensch braucht Work-Life-Balance.

  5. “Burnout gefährdet sind, die sich stark engagieren und bereit sind, an ihre Leistungsgrenze und darüber hinaus zu gehen.” – Das Problem ist doch, dass die “Leistungsgrenze” von vielen Menschen abnehmend ist. Und Leistungsgrenze hat etwas mit Belastung zu tun. In unserer heutigen Gesellschaft ist es aber schick, schon als Kind immer das zu tun, was Spaß macht. Dass Schüler, Jugendliche sich auch mal durchbeißen müssen und Forderungen auch erfüllen, wird als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Und später kommt auf einmal der Arbeitgeber mit Aufgaben, die zu einen bestimmten Zeitpunkt erledigt sein müssen. Dann brennen alle Sicherungen durch… Burnout ist ein gesellschaftliches Problem, solange die sich nicht ändert, wird auch das Burnout-Thema immer aktuell bleiben. Die Pharma-Industrie wird sich noch lange freuen können! 😉

Ihr Kommentar zum Thema