Fast überall gibt es ihn – den hilfsbereiten und durch und durch netten Kollegen, der niemals „Nein“ sagen kann. Er ist gerade bei seinen Mitarbeitern höchst beliebt, übernimmt er doch gerne mal etwas Arbeit und macht dadurch vor allem das Leben der Kollegen leichter. Doch obwohl sich dies zunächst etwas ungewöhnlich anhört, ist diese Haltung nicht förderlich für die Karriere, sondern kann sie sogar behindern. Nur, wie genau funktioniert dieses Nein sagen eigentlich?
Nein zu sagen und Grenzen setzen

Inhalt
1. Die Ursachen und Ängste bekämpfen
2. Ist „Ja“ eine Frage der Höflichkeit…
3. …oder des „Egos“?
4. Die Gefälligkeitsfalle im beruflichen Alltag
5. Schritt für Schritt zum bestimmten – aber höflichen – „Nein“
6. Die Schuldgefühle überwinden
7. Nein sagen erlernen
8. Die eigenen Denkweisen durchbrechen

Die Ursachen und Ängste bekämpfen

Es gibt viele Begründungen und Ursachen, warum Menschen sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld einfach nicht Nein sagen können. Der vielleicht verbreitetste Grund ist die Angst vor den Konsequenzen, die sich aus einer Absage entwickeln könnten. Gerade, wenn der eigene Chef die Bitte äußert, so ist der erste Reflex immer zunächst die Zusage, denn bekanntlich befördern Vorgesetzte keine Mitarbeiter, die nicht entsprechende Bitten erfüllen. Doch Arbeiten am Wochenende oder Überstunden unter der Woche sind nur eine begrenzte Zeit möglich und auch die Vorgesetzten müssen die Grenzen ihrer Mitarbeiter erkennen können – oder diese aufgezeigt bekommen.

Infografik: Die stärksten Belastungen im Arbeitsalltag | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Es ist also nicht immer ratsam, die Wünsche ohne Wenn und Aber anzunehmen. Stattdessen sollte irgendwann der Selbstschutz greifen und dem Chef auf einer rationalen Ebene klargemacht werden, warum die Bitte nun nicht erfüllt werden kann. Auch Vorgesetzte sind nur Menschen, die sich mit entsprechenden Argumenten überzeugen lassen und eine abgeschlagene Bitte dann nicht schlecht aufnehmen.

Ist „Ja“ eine Frage der Höflichkeit…

Auch die Angst vor der Ablehnung ist ein immer wieder genannter Grund, der dafür sorgt, dass Bitten regelmäßig erfüllt werden. So ist oftmals der Gedanke vorhanden, dass die Beziehung zu den Kollegen gestört wird, wenn entsprechende Anfragen abgelehnt werden. Hinzu kommt noch das schlechte Gewissen, denn in der Regel wird uns schon in Kindheitstagen beigebracht, dass Hilfe nicht verweigert werden darf, wenn sie denn geleistet werden kann. Wird diese Hilfe einmal nicht erbracht, so denken viele Menschen, dass sie in den Augen ihrer Mitarbeiter als herzlos und egoistisch eingestuft werden – was natürlich niemand möchte.

Lese-Tipp:Gruselkabinett im Büro: Ist Ihr Chef ein Psychopath?

Allerdings sollten Sie sich vor Menschen, die genau diese Argumente benutzen, am besten hüten, denn in vielen Fällen dienen solche Aussagen nur zur Manipulation. Lernen Sie, diesen Personen nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen und bei einer Konfrontation einfach selbstbewusst abzulehnen. Denn grundsätzlich gilt, dass Sie auch nicht von jedem Kollegen gemocht werden müssen – vor allem dann nicht, wenn diese Zuneigung nur mit Gefälligkeiten „erkauft“ werden kann.

…oder des „Egos“?

Fühlen Sie sich geschmeichelt, wenn Ihre Kollegen mit Fragen und Bitten zu Ihnen kommen? Vielen Menschen bringt dies eine emotionale Aufwertung und sie fühlen sich kurzzeitig gut und schon fast ein wenig machtvoll. Doch auch hier sollten Sie sich vor Menschen in Acht nehmen, die mit schmeichelhaften Worten versuchen, Ihr Ego aufzuwerten, um dann die Arbeit auf Sie abzuwälzen. Früher wie heute gilt nämlich das Sprichwort

„Der Schmeichelei gehen auch die Klügsten auf den Leim.“
(Molière)

Natürlich fühlen sich Komplimente immer gut an, doch tun Sie sich langfristig keinen Gefallen damit, wenn Sie auf entsprechende Anfragen nicht mit einem bestimmten „Nein“ reagieren.

Die Gefälligkeitsfalle im beruflichen Alltag

Tatsächlich haben immer mehr Berufstätige das Gefühl, dass das Wort „Nein“ zu einem absoluten Tabu-Thema im Alltag mutiert: Worte wie „unkollegial“, „egoistisch“ und sogar „faul“ fallen dann nämlich hinter hervorgehaltener Hand und wenn solche Gerüchte erst einmal im Umlauf sind, ist es immer schwer, sie wieder loszuwerden. Im schlimmsten Fall wird sogar angenommen, dass die Arbeit deshalb abgelehnt wird, weil Sie nicht kompetent genug sind und die Aufgabe Sie komplett überfordern würde.

Lese-Tipp:Lästereien am Arbeitsplatz: So gehen Sie damit um

So entsteht eine unschöne Erwartungshaltung, die dazu führt, dass Anfragen nicht abgelehnt werden. Teilweise entstehen sogar regelrechte Ängste vor weiteren Anfragen, da Sie bereits an den Grenzen Ihrer Kapazität angelangt sind, weitere Bitten aber nicht abschlagen wollen. Das ist weder gesund noch sinnvoll und in der Regel entsteht aus dieser „Gefälligkeitsfalle“ ein Teufelskreis mit negativen Konsequenzen:

  • Sie verlieren die Fähigkeit, sich durchzusetzen, was essentiell für Ihre Karriere und eine Stelle in einer Führungsposition wäre.
  • Sie werden komplett abhängig von der Meinung der Kollegen und Vorgesetzten, sodass Sie sich gar nicht entfalten können und Ihr Selbstbewusstsein verlieren.
  • Sie möchten es immer allen recht machen und nehmen mehr und mehr Aufgaben an, was jedoch zu vielen Fehlern führt, wodurch Sie es niemandem mehr recht machen – am wenigsten Ihnen selbst.
  • Sie lassen sich immer weiter ausnutzen, denn sobald Sie erst einmal zu einem Kollegen „Ja“ gesagt haben, möchten Sie niemanden ablehnen – wodurch sich immer mehr Mitarbeiter an Sie wenden werden.
  • Sie übernehmen sich letztendlich vollkommen und überlasten Ihre eigenen Möglichkeiten, was im schlimmsten Fall sogar gesundheitliche Konsequenzen nach sich zieht.

Es hat also viele Gründe, warum Sie das Nein sagen erlernen sollten. Natürlich erhalten kleinere Gefälligkeiten die Freundschaft beziehungsweise die gute Beziehung zu den Kollegen, doch wer immer nur „Ja und Amen“ sagt, der wird schnell in die Gefälligkeitsfalle treten und nur schwer wieder herauskommen.

Schritt für Schritt zum bestimmten – aber höflichen – „Nein“

Der erste Schritt, um aus diesem Teufelskreis wieder herauszukommen, ist zunächst einmal das Erkennen der aktuellen Situation. Erst, wenn Sie sich im Klaren darüber sind, dass Sie in die klassische Entscheidungsfalle geraten sind, können Sie Schritte einleiten, um dort wieder herauszukommen. Dabei sollten Sie zunächst versuchen, zu ergründen, welcher individuelle Grund Sie überhaupt erst in diese Situation geführt hat, damit dies in Zukunft vermieden werden kann:

a) Helfersyndrom

Hinter dem klassischen Helfersyndrom stecken gleich mehrere Gründe und so lieben manche Menschen das Gefühl, gebraucht zu werden. Werden sie von Kollegen und Vorgesetzten regelmäßig um Hilfe gebeten, so zeigt dies ihre eigene Unersetzbarkeit, weshalb sie jede Bitte bejahen und sich mit ihren falschen Vorstellungen so langsam aber sicher in die Gefälligkeitsfalle begeben.

b) Minderwertigkeitsgefühle

Ein anderer, häufiger Grund liegt in vorhandenen Minderwertigkeitsgefühlen, die durch das Annehmen von sämtlichen Anfragen kompensiert werden sollen.

Lese-Tipp:Selbstbewusstsein stärken: Tipps & Übungen für mehr Selbstvertrauen

Allerdings handelt es sich hier ebenfalls um eine falsche Denkweise, denn obwohl es zwar kurzfristige Anerkennung und positive Reaktionen vom Chef oder den Kollegen gibt, führt dies in der Regel zu einer klassischen Abwärtsspirale: Die vielen Gefälligkeiten summieren sich schnell, wodurch die eigene Arbeit leiden wird und damit schwindet wiederum die Anerkennung. Das führt dazu, dass jede Anerkennung als besonders angesehen wird und weitere Bitten bejaht werden – so entsteht ein Teufelskreis, der sich immer weiter hochschaukelt und letztendlich in massivem Stress oder sogar Burnout endet.

c) Verantwortungsgefühl

Ein anderer Grund, warum Sie in diese Entscheidungsfalle geraten könnten, ist ein falsches Gefühl von Verantwortung: Der neue Kollege kommt einfach nicht mit dem System zurecht und macht ständig Fehler? Oder steht bei einem Mitarbeiter eine Präsentation an, doch bisher ist diese alles andere als vorzeigbar? Viele Menschen möchten in so einer Situation nett sein, helfen und übernehmen Teile der Arbeit – doch nicht selten handelt es sich hierbei nur um eine manipulative Masche der Kollegen.

Lese-Tipp:Perfektionist & stolz darauf? Wieso Sie Perfektionismus ablegen sollten

Wer regelmäßig auf diese Art und Weise nach Hilfe sucht, der hat bereits erkannt, dass Sie auf diesen Trick hereinfallen. Es ist vollkommen in Ordnung, entsprechende Fragen abzulehnen, schließlich müssen Sie selbst Ihre Arbeit erledigen und sind nicht für die schlechte Zeiteinteilung oder Fehler Ihrer Mitarbeiter verantwortlich.

d) „Ich möchte nichts verpassen“

Dieser Satz wird immer wieder als Grund genannt, warum Menschen nicht Nein sagen können. Sie müssen bis morgen ein Projekt fertigstellen, doch die Kollegen möchten Sie auf ein Bier einladen? Oder gilt es noch wichtige Anrufe zu erledigen, doch die Mitarbeiter treffen sich im Café gegenüber auf einen kurzen Snack? Es ist nicht immer einfach, in solchen Situationen ein „Nein“ zu verwenden, denn schließlich besteht die Möglichkeit, dass Sie spannende oder lustige Situationen verpassen könnten, an denen alle anderen Kollegen beteiligt waren. Viele Menschen haben zudem Angst davor, als “Spalter” oder gar als langweilig zu gelten, und lassen sich deshalb zum Feierabendbier überreden, obwohl der Körper den Schlaf dringend benötigen würde.

Lese-Tipp:Vitamin „B“: Wie Sie im Job Freundschaften knüpfen

Doch auch hier gilt: Es ist besser, die sozialen Kontakte ruhen zu lassen und dafür eine gute Arbeit zu liefern, als zwar das Ansehen bei den Kollegen aufrecht zu erhalten, dafür jedoch zeitlich einfach nicht hinterher zu kommen. Letztendlich können Sie nämlich auch an einem anderen Tag mit zum Kaffeetrinken gehen oder sich ein Feierabendbier gönnen. Nur, wenn Sie die richtigen Prioritäten setzen, können Sie aber auch tatsächlich Karriere machen oder mit der Arbeit rechtzeitig fertig werden.

e) Wettbewerbsorientierung

Wir Menschen sind wettbewerbsorientiert und unsere Urinstinkte sorgen dafür, dass wir uns ständig mit unseren Mitmenschen vergleichen. Gerade auf beruflicher Basis kann dies jedoch zu Trugschlüssen führen, denn letztendlich besitzt jeder sein eigenes Tempo und ein anderes Arbeitspensum. Trotzdem kommen Schuldgefühle auf, wenn der Kollege freiwillig Überstunden macht oder zusätzliche Projekte annimmt, während Sie selbst mit Ihren bisherigen Aufgaben zeitlich bereits gut ausgefüllt sind. Dies führt oftmals dazu, dass zusätzliche Anfragen trotzdem angenommen werden, denn schließlich möchte niemand im Vergleich schlechter abschneiden und weniger leisten – obwohl dies gar nicht der Fall wäre. Versuchen Sie einfach, Ihren eigenen Ansprüchen zu genügen und sich nicht mit den Leistungen der Mitarbeiter zu vergleichen, dann fällt auch das Nein sagen wesentlich einfacher.

Die Schuldgefühle überwinden

Egal, wie oft Sie das Nein sagen üben oder wie oft Sie sich klar machen, dass Sie bereits ausgelastet sind, letztendlich bleibt fast immer ein Schuldgefühl zurück, wenn Sie entsprechende Bitten ablehnen. Denn irgendwo im Hinterkopf stellt eine leise Stimme immer die Frage:

„Ist es nicht viel zu egoistisch, einfach Nein zu sagen?“

Tatsächlich lässt sich diese Frage sowohl mit einem „Ja“ als auch mit einem „Nein“ beantworten, denn einerseits ist es natürlich egoistisch, die Anfragen von Kollegen und Vorgesetzten abzulehnen. Doch muss das nichts Schlechtes sein, denn wenn Sie versuchen, mehr zu leisten als Sie können, so wird dieser Versuch mit Sicherheit negative Konsequenzen in unterschiedlichen Formen nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall sehen Sie sich mit Burnout konfrontiert oder haben sogar körperliche Schäden durch Schlafmangel und zu viel Stress zu bekämpfen.

Lese-Tipp:Egoismus und Job-Erfolg – Ellenbogen raus oder rein?

Somit ist ein „Nein“ als Selbstschutz zwar eine egoistische Entscheidung, die jedoch auch dem Arbeitgeber zugute kommt. Sind Sie nämlich krank, so können Sie keine Arbeitsleistung erbringen. Letztendlich sollten Sie sich bei Bitten und Anfragen folgende Fragen stellen, bevor Sie sich dafür oder dagegen entscheiden:

  • Wer bittet mich eigentlich um den Gefallen und warum?
  • Hilft auf lange Sicht betrachtet ein „Ja“ oder ein „Nein“ eher weiter?
  • Um was genau handelt es sich eigentlich bei dieser Anfrage und kann ich das überhaupt leisten?
  • Entspricht die Bitte meinen eigenen Zielen und Werten?
  • Habe ich aktuell die zeitlichen Möglichkeiten oder fehlt mir einfach die Kraft dafür?
  • Ist die Bitte im Sinne meines Arbeitgebers oder sollte ich sie nicht doch lieber ablehnen?

Gerade Letzteres ist eine nicht zu unterschätzende Überlegung, denn hilft es dem Arbeitgeber wirklich weiter, wenn Sie die Arbeiten des neuen Kollegen übernehmen, damit er keine Fehler macht? Oder wirkt sich das nicht langfristig betrachtet negativ auf seine Leistung aus?

Nein sagen erlernen

Fall 1: Natürlich ist es in der Theorie immer einfacher, Nein zu sagen, als in der Praxis. Eine gute Möglichkeit, um trotzdem in den Situationen entsprechend zu reagieren, ist der Verweis auf Autoritäten: Wenn Ihre Kollegen um einen Gefallen bitten, für den Sie einfach keine Zeit haben, dann verweisen Sie zum Beispiel auf das Projekt, das Sie bereits vom Chef übernommen haben oder auf das wichtige Kundenprojekt, das Sie zuerst einmal anfertigen sollen. Diese Aufgaben stehen in der Rangordnung über den Bitten der Kollegen und so haben Sie einen vernünftigen Grund gefunden, um eine Ablehnung auszusprechen.

Beispiel:

„Es tut mir leid, aber ich bin momentan mit dem von Herrn Mustermann beauftragten Projekt XXX voll ausgelastet und kann Ihnen daher im Moment leider nicht unter die Arme greifen.“

„Ich würde Ihnen wirklich gerne helfen, allerdings wissen Sie ja, dass die Deadline für das wichtige Kundenprojekt XXX vor der Tür steht und dieses momentan Priorität hat. Gerne greife ich Ihnen anschließend unter die Arme, wenn Sie meine Hilfe dann noch benötigen.“

„Ich würde Ihnen wirklich gerne helfen, doch arbeite ich gerade mit Herrn Mustermann an dem wichtigen Kundenprojekt XXX, das vom Management oberste Priorität erhalten hat. Ich bin daher zeitlich momentan nicht flexibel. Sobald sich das wieder ändert, komme ich auf Sie zurück.“

Fall 2: Sollten Ihre Mitarbeiter oder Vorgesetzten regelmäßig auf Ihren „Expertenstatus“ zu einem Thema pochen, können Sie die Anfragen einfach delegieren, indem Sie darauf verweisen, dass ein anderer Kollege sich ebenfalls in dem Gebiet auskennt oder auch unerfahrene Kollegen eine Chance bekommen sollten – gerade mit dem Hinweis darauf, dass Sie im Krankheitsfall doch jemand vertreten können sollte.

Beispiel:

„Da ich gerade zeitlich sehr ausgelastet bin, könnten Sie vielleicht Herrn Mustermann oder Frau Musterfrau um Hilfe bitte. Die kennen sich in dem Bereich sogar noch etwas besser aus als ich. Wäre das für Sie in Ordnung?“

„Das Projekt XXX benötigt derzeit meine volle Aufmerksamkeit. Ich habe aber vollstes Vertrauen in Herrn Mustermann. Er wird Ihnen gewiss weiterhelfen können. Wenn nicht, kommen Sie gerne noch einmal auf mich zu.“

„Ich lerne gerade Frau Musterfrau in diesen Themenbereich ein. Vielleicht kann sie Ihnen weiterhelfen? Dadurch könnte sie sich tiefergehend mit der Thematik befassen und mich hoffentlich auch in Zukunft optimal entlasten. Sollten Sie anschließend noch offene Fragen haben, stehe ich Ihnen natürlich gerne zur Verfügung. Klingt das nach einer akzeptablen Lösung für Sie?“

Fall 3: Nicht immer sind Sie allerdings in der Lage, dem Bittsteller (sinnvolle) Alternativen anzubieten. Dennoch sind Sie natürlich nicht gezwungen, stets “Ja und Amen” zu sagen. Ganz ohne Begründung sollten Sie ein Nein aber trotzdem nicht im Raum stehen lassen. Was Sie tun können? Versuchen Sie Ihrem Gegenüber nachvollziehbar zu erläutern, weshalb Sie seine Anfrage momentan leider ablehnen müssen.

Beispiel:

„Ich würde Ihnen wirklich gerne helfen, Herr Mustermann. Ich freue mich, dass Sie mir die entsprechende Kompetenz zurechnen. Gerne greife ich Ihnen in Zukunft bei ähnlichen Bitten unter die Arme, nur bin ich momentan mit den Projekten X, Y und Z so ausgelastet, dass ich keine zeitlichen Kapazitäten für weitere Baustellen habe. Sie können das sicherlich nachvollziehen?!“

„Die Anfrage überrascht mich ehrlich gesagt. Ich würde Ihnen wirklich gerne helfen, doch denke ich, dass Sie jemanden finden werden, der sich in diesem Fachbereich besser auskennt als ich. Sie wissen ja, ich bin eher Spezialist/in für das Marketing.“

„Ich weiß, dass ich die letzten Jahre stets für dieses Projekt zuständig war. Doch bin ich momentan mit meinen Kapazitäten an der Obergrenze. Ich denke deshalb, dass es besser wäre, wenn sich dieses Jahr jemand anderes dieser Aufgabe annimmt. Das bringt gewiss auch frische Ideen und kreative Lösungsansätze mit sich, auf die ich bislang noch nicht gekommen bin. Ich finde, Abwechslung ist etwas Gutes, denken Sie nicht?!“

Lese-Tipp:Die Körpersprache – Mimik, Gestik und Haltung

Genauso wichtig wie der Inhalt Ihrer Absage ist zudem die Körpersprache, denn wenn Sie nicht selbstbewusst wirken, werden die Kollegen kurz darauf erneut mit einer Anfrage kommen. Versuchen Sie, aufrecht zu sitzen oder zu stehen und den Rücken durchzudrücken, bevor Sie mit fester Stimme das „Nein“ aussprechen. Auch Augenkontakt ist sehr wichtig, damit der Kollege mitbekommt, dass Sie es wirklich ernst meinen.

Die eigenen Denkweisen durchbrechen

Selbstverständlich geht es nicht darum, jede Bitte abzulehnen und ständig Nein zu sagen, allerdings sollten Sie sich immer genau überlegen, was in der aktuellen Situation sinnvoll wäre – und dann gegebenenfalls ablehnen. Sie sind weder egoistisch noch unkollegial, wenn Sie einfach mal Nein sagen und sollten trotzdem Schuldgefühle aufkommen, so versuchen Sie sich selbst mit den entsprechenden Argumenten zu überzeugen. Denn nur, wenn Sie selbst davon überzeugt sind, dass Sie Nein sagen dürfen, können Sie auch selbstbewusst Anfragen ablehnen und aus dem Teufelskreis ausbrechen. Es ist also durchaus wichtig, anderen zu helfen, viel wichtiger ist jedoch, Ihre eigenen Grenzen zu kennen und das eigene Wohlbefinden zu priorisieren. So werden Sie langfristig nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Bereich erfolgreich sein.

Was denken Sie zu dem Thema? Sind Sie selbst eher ein „Ja-“ oder „Nein-Sager“? Welche Konsequenzen hatte es für Sie in der Vergangenheit, im Job hin und wieder Nein zu sagen? Worauf müssen unsere Leser Ihrer Meinung nach (noch) achten? Wir bedanken uns für Ihren Beitrag in den Kommentaren!

Kommentieren