So manche Führungsetage in deutschen (Groß-) Unternehmen gleicht einem wahren Gruselkabinett. Die Wahrscheinlichkeit, hier auf einen Psychopathen zu treffen, ist laut Experten vier- bis sechsmal größer als im Alltag. Gehört Ihr Chef vielleicht auch dazu?

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Inhalt
1. Immer mehr Psychopathen steigen beruflich auf
2. Psychopathen im Unternehmen sind gefährlich
3. Auf den Höhenflug folgt der tiefe Fall
4. Wird ein Psychopath irgendwann kriminell?
5. Psychopathie bleibt meist unerkannt
6. Woran erkennen Sie einen Psychopathen?
7. Psychopathen tummeln sich in gewissen Branchen
8. Wie verhalten Sie sich, wenn Ihr Chef ein Psychopath ist?

Immer mehr Psychopathen steigen beruflich auf

Mussten Sie beim Verhalten Ihres Vorgesetzten schon öfter einmal ungläubig den Kopf schütteln? Oder haben Sie sich vielleicht wütend gedacht „So ein Psychopath“? Dann hatten Sie vielleicht gar nicht einmal so Unrecht. In den Führungsetagen der westlichen Arbeitswelt wimmelt es nämlich geradezu von Psychopathen. Studien belegen:

Dieser Zusammenhang ist natürlich nicht zufällig. Die Eigenschaften, die ein Psychopath mit sich bringt, helfen ihm bei seiner steilen Karriere. Dazu gehören vor allem innere Kälte, Skrupellosigkeit und die Fähigkeit zur gezielten Manipulation von Menschen. Da drängt sich die Frage auf: In was für einer (Arbeits-) Welt leben wir eigentlich?

Psychopathen im Unternehmen sind gefährlich

Noch erschreckender werden diese Zahlen, wenn Sie bedenken, wie gefährlich Psychopathen für ein Unternehmen werden können. Nicht nur, dass sie Mitarbeiter manipulieren, mobben oder gar zur Kündigung treiben können, sie zerstören gezielt – wenn auch unbewusst – das Betriebsklima. Das Schlimmste: Sie handeln stets und ausschließlich im eigenen Vorteil. Sie interessieren sich also nicht für ihre Mitarbeiter, Kollegen und auch nicht für das Unternehmen. Im Fokus stehen nur der eigene Erfolg und das Erreichen der selbstgesteckten Ziele. Diese werden ohne Rücksicht auf Verluste verfolgt, egal ob menschlicher oder finanzieller Art. Durch den beruflichen Erfolg möchten sie eine innere Leere füllen, was aber niemals funktionieren wird. Daher jagen sie immer verzweifelter ihren Zielen nach und beuten nicht nur andere, sondern auch sich selbst gnadenlos aus. Sie gelten daher häufig als besonders fleißig, engagiert oder diszipliniert. Ein Psychopath wird umso gefährlicher, je mehr Macht er erhält.

Auf den Höhenflug folgt der tiefe Fall

Mit ihrer Strategie der Selbst- und Fremdausbeutung haben Psychopathen zu Beginn oftmals geradezu einen Höhenflug. Der Erfolg kommt schnell und ist groß. Früher oder später folgt daraufhin aber zwangsweise der Absturz. Das Unternehmen wird beinahe systematisch in den Ruin getrieben. Wieso? Weil ein Psychopath kein Mittelmaß kennt. Kein Erfolg, kein Reichtum, keine Macht sind ihm jemals genug. Zudem kennt er keinerlei Angst bei Unternehmensentscheidungen. Dadurch überschreitet er Grenzen, zerstört sich selbst und sein gesamtes Umfeld. Robert Maxwell, Bernie Madoff, Lord Conrad Black – das sind nur einige wenige berühmte Beispiele für das Ausmaß an Zerstörung, die ein Psychopath an der Spitze eines Unternehmens anrichten kann. Wieso also, mögen Sie sich fragen, werden dann gerade Psychopathen an die unternehmerische Spitze befördert? Ganz einfach: Ihre Krankheit ist für Außenstehende nur schwer zu erkennen.

Wird ein Psychopath irgendwann kriminell?

Bei dem Wort „Psychopath“ denken viele Menschen an Massenmörder aus US-amerikanischen Krimiserien, an Vergewaltiger, Folterer oder Tierquäler. Tatsächlich werden Sie im Gefängnis unzählige Psychopathen antreffen. Leider aber auch in den Führungsetagen Ihres Unternehmens. Ein Psychopath muss nicht zwangsläufig kriminell sein. Auch Narzissten zählen die Experten zu den Psychopathen in der Chefetage. Und davon gibt es in der modernen Gesellschaft bekanntlich zahlreiche. Was einen Psychopathen wirklich ausmacht, ist seine Fokussierung auf sich selbst. Egal, ob Narzisst oder eine andere psychische Störung: Der Psychopath hat ausschließlich seine eigenen Interessen im Blick und kennt keine Rücksicht und kein Mitleid mit seinem Umfeld. Dennoch kommt es nicht selten vor, dass ein Psychopath beziehungsweise Narzisst früher oder später kriminell wird. Das muss nicht unbedingt in Form von Gewalttätigkeit passieren:

Psychopathen, die viel Macht besitzen und mit großen Summen an Geld hantieren, neigen dazu sich selbst zu bereichern oder ihre Macht zu missbrauchen. Steuerhinterziehung, Korruption, Erpressung – das sind typische Vergehen der Psychopaten in der Führungsetage.

Psychopathie bleibt meist unerkannt

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass alle Psychopathen kriminell sind. Im Gegenteil: Bei einem Großteil bleibt die Krankheit für lange Zeit oder auch für immer unerkannt. Sie selbst sind sich dessen natürlich ebenfalls nicht bewusst. Stattdessen gelten sie als High Performer. Sie „funktionieren“, sind charmant, intelligent und fleißig. Der Traum eines jeden Arbeitgebers eben und der Grund dafür, dass Psychopathen häufig schnell und hoch aufsteigen. Der kanadische Wissenschaftler Robert Hare bezeichnet sie auch als „Sozialstraftäter“. Sobald sie einen gewissen Grad an Macht erreicht haben, gibt es am Ende nur Verlierer, so der Experte. Was also können Sie als Arbeitgeber tun, um Psychopathen frühzeitig zu erkennen? Und wie gehen Sie als Mitarbeiter mit einem psychopathischen Chef um?

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Woran erkennen Sie einen Psychopathen?

Beim Thema Psychopathen hilft nur eines: Die Augen offen halten und aufmerksam beobachten. Folgende Eigenschaften lassen bei einem Menschen auf Psychopathie schließen. Sie können vereinzelt, aber auch in Kombination auftreten:

  • Gefühlskälte
  • fehlende Empathie
  • Arroganz
  • Manipulation
  • Abwälzen von Fehlern auf andere
  • Stalking
  • Angstfreiheit
  • mangelndes Verantwortungsbewusstsein
  • Stressresistenz
  • Aggressivität
    Dominanz
    Spaß an der Demütigung ihres Umfeldes
  • Kontrollsucht
  • Aussprechen von Drohungen
  • Mobbing
  • Egozentrik
  • Unfähigkeit zur Arbeit im Team
  • fehlende Einsicht oder Kritikfähigkeit
  • Unberechenbarkeit
  • Oberflächlichkeit
  • Impulsivität

Das bedeutet nun aber nicht, dass ein Psychopath eine durch und durch unangenehme Persönlichkeit sein muss. Seine negativen Eigenschaften werden stattdessen häufig durch positive Charakterzüge überschattet. Die Furchtlosigkeit erscheint als Selbstbewusstsein, seine Gabe zur Manipulation geht mit Charme einher. Psychopathen sind daher meist erst auf den zweiten Blick erkennbar, oder aber mit steigender Macht. Die Krankheit schreitet nämlich in der Regel parallel zum Erlangen von noch mehr Macht, Ruhm oder Geld fort. Je höher ein Psychopath also in der Hierarchie aufsteigt, desto mehr wird er beginnen, seine Macht zu missbrauchen, und desto einfacher ist er zu erkennen.

Psychopathen tummeln sich in gewissen Branchen

Besonders aufmerksam auf Psychopathen achten sollten Sie bei Anwälten, Medizinern, Bänkern, Börsenmaklern sowie bei allen Personen, auf deren Visitenkarte die drei Buchstaben „CEO“ stehen. Doch das sind nicht die einzigen Branchen, in welchen die Psychopathen vermehrt zu finden sind. Prinzipiell sind alle Berufe gefährdet, in welchen ein gewisser Grad an Macht erlangt werden kann. Überraschenderweise sind daher auch Polizisten, Journalisten, Beamte, Köche und selbst Geistliche vermehrt psychopathisch veranlagt.

Wie verhalten Sie sich, wenn Ihr Chef ein Psychopath ist?

Gerade Mitarbeiter auf den unteren Hierarchieebenen bekommen die Auswirkungen des fehlgeleiteten Managements eines Psychopathen zu spüren. Jene Personen im Unternehmen also, die der Situation völlig machtlos ausgeliefert sind. Dennoch können Sie sich durch das richtige Verhalten vor einem psychopathischen Chef schützen oder sich gegen diesen wehren:

  • Gehen Sie dem Psychopathen aus dem Weg!
  • Legen Sie sich niemals alleine mit ihm an!
  • Zeigen Sie keinerlei Emotionen, denn diese machen Sie angreifbar!
  • Ziehen Sie klare Grenzen!
  • Zeigen Sie niemals Schwäche, sonst werden Sie zum bevorzugten Mobbing-Opfer!
  • Versuchen Sie nicht, den Psychopathen zu ändern, denn das ist schlichtweg unmöglich!
  • Suchen Sie weitere Betroffene und handeln Sie im Team!
  • Dokumentieren Sie die Verhaltensweisen des Psychopathen und sammeln Sie Beweise!
  • Sprechen Sie (gemeinschaftlich als Team) mit der Personalabteilung!
  • Führen Sie Konfliktgespräche, gerne mit einem Mediator!
  • Holen Sie Hilfe beim Betriebsrat!
  • Gehen Sie bei kriminellen Vergehen den Klageweg!

Leider ist es quasi unmöglich, einen Psychopathen zu ändern. Verschwenden Sie also keine Energie auf diesen Versuch. Wenn Sie es mit einem psychopathischen Vorgesetzten zu tun haben, hilft nur eines: Schützen Sie sich selbst, so gut es geht. Holen Sie sich Hilfe bei Mediatoren, einem Anwalt oder auch dem Betriebsrat. Bringt das alles nichts, bleibt manchmal der Jobwechsel oder die interne Versetzung als einzige Möglichkeit. Ansonsten gibt es am Ende nur Verlierer.

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2 Kommentare

  1. Werner Striedl

    Leider stimmt jedes Wort in diesem Kommentar, aber es wurde eine weitere Art dieser Gattung nicht angesprochen: Die Menschen mit psychopatischer Character-Strukturen.
    Sie ähneln dem Psychopathen, aber sie sind nicht unbedingt intelligent und auch nicht angstfrei.
    Ansonsten sind sie wie Psychopathen und jeder hier gegebene Tipp ist auch bei ihnen Gold wert.
    Erkennen kann man sie neben den oben genannten Kennzeichen oft daran, dass sie zwar Entscheidungen treffen, diese aber immer durch ein menschliches Schutzschild getragen werden und im Ernstfall das menschliche Schutzschild geopfert wird. So kann ihnen in der Regel nichts passieren.
    Solange das Schutzschild das erwartete tut, ist alles OK, aber wehe wenn es einer anderen Meinung ist, dann gute Nacht, dieser arme Mensch wird nach allen Regeln der Kunst fertig gemacht und da gibt es keine Grenzen. Und so auch mein Tipp: Immer schön die Augen und Ohren auf.

  2. anonym

    An sich ist die Beschreibung von manipulativen Personen gut. Auch die Anmerkung von Herrn Striedl. Psychopathen sind, meiner Erfahrung nach, nicht impulsiv. Für mich hat es eher immer den Eindruck gemacht, dass sie keine Energie verschwenden. Sie gehen die Dinge eher langsam und besonnen an. Und: hat man Konflikte in der Firma mit einer Person, die die im Artikel genannten Eigenschaften trägt, wird dieser Konflikt oft nicht in der Firma bleiben. Ich hatte bereits Probleme mit cholerischen Personen gehabt, die bereits morgens um 7 oder früher anriefen und herumschrien. Beim psychopathischen Personen oder Menschen mit psychopathischen Charakterstrukturen, wie sie Herr Striedl bezeichnet, verlagert sich das Ganze dann auch ins Privatleben – online und offline. In meinem Fall waren auch Personen mit im Spiel – nichts anderes ist es für solche Personen als ein Spiel – mit eher ungewöhnlichen Selbstbildern/ -wahrnehmungen, z. B. einem IQ von 190 oder Imitationen von Bekannten von mir, die diese Person gar nicht kennen kann. Daher ist es, denke ich, letztendlich gut, wenn man sich nicht auf irgendeine “Diagnose” versteift. Zum Einen führt das dazu, dass auch “unschuldige” Psychopathen mit unter einen Kamm geschert werden und zum Anderen geht’s nur noch um die Diagnostik, was, wenn man sich auf diversen Social Media-Plattformen zu diesem Thema kundig macht – zu einer Art Jagd ausarten kann. Vor allem die Selbsthilfe-Industrie mit ihren zahlreichen Ratgebern zur Psychopathie profitiert davon.

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