Selbstbewusstsein ist einer dieser Begriffe, die uns tagtäglich durch das Leben begleiten. Und die traurige Realität ist: Die meisten Menschen in Deutschland leiden an Problemen mit dem eigenen Selbstwertgefühl. Während andere scheinbar zu viel davon abbekommen haben und ihnen der Erfolg geradezu zufliegt, sei es beruflich oder privat, haben immer mehr Deutsche mit mangelndem Selbstbewusstsein zu kämpfen. Kein Wunder also, dass wir uns mehr und mehr zu einer narzisstischen Gesellschaft entwickeln. Doch hier kommt die gute Nachricht: Wir haben zwar nicht in der Hand, wie viel Selbstbewusstsein uns in unserer Kindheit mit auf den Weg gegeben wird, doch wir können jederzeit handeln. Denn Selbstbewusstsein kann sich entwickeln, und zwar nicht nur passiv, sondern Sie können es aktiv erlernen und stärken. Wie? Das werden wir Ihnen im heutigen Artikel verraten.

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Junge Frau hat neue Kraft getankt und ihr Selbstbewusstsein gestärkt
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Inhalt
1. Was bedeutet eigentlich Selbstbewusstsein?
2. Sind Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen dasselbe?
3. Wie immer im Leben, geht es um das richtige Maß
4. Wo kommt unser Selbstbewusstsein eigentlich her?
5. Selbstbewusstsein aktiv stärken: So geht’s
6. Checkliste: In 20 einfachen Schritten Ihr Selbstbewusstsein stärken
7. 3 effektive Übungen für ein stärkeres Selbstbewusstsein
8. Selbstbewusstsein ist der erste Weg zur Selbstliebe

Was bedeutet eigentlich Selbstbewusstsein?

Das Wort Selbstbewusstsein spricht eigentlich für sich: Es geht darum, dass Sie sich selbst bewusst sind. Häufig kennen wir uns selbst nämlich gar nicht so gut, wie wir vielleicht denken mögen. Unsere Gedanken, Emotionen und unser Handeln haben sich über die Jahre automatisiert, wir reflektieren sie nicht mehr und wissen auch häufig gar nicht, ob wir glücklich sind beziehungsweise was uns glücklich macht oder machen könnte. Stattdessen leben wir in einem sich selbst bestätigenden Kreislauf aus Selbstzweifeln, Ängsten und negativen Erlebnissen, die unsere negativen Gedanken weiter verstärken.

Ein selbstbewusster Mensch hingegen, kann sich als Person sowie seine Erfahrungen, Denkweisen und Emotionen reflektieren und aktiv steuern. Er hat also ein möglichst realitätsnahes Selbstbild. Daraus trifft er wichtige Entscheidungen für sein Leben, lässt Dinge hinter sich, die ihn unglücklich machen, und sucht gezielt nach einem Beruf, Hobbies oder auch Personen in seinem Leben, die ihm guttun.

Selbstbewusste Menschen strahlen daher eine tiefe Zufriedenheit mit sich selbst und ihrem Leben aus, die auf andere, unsichere Menschen geradezu anziehend wirkt. Deshalb „ziehen“ selbstbewusste Menschen den beruflichen und privaten Erfolg häufig scheinbar mühelos an.

Sind Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen dasselbe?

Zwar werden die Begriffe Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen häufig als Synonyme verwendet, haben prinzipiell aber unterschiedliche Bedeutungen. Das Selbstvertrauen ist nämlich nur ein Aspekt des Selbstbewusstseins. Wer sich selbst bewusst ist, kann nämlich auch seine Stärken und Schwächen deutlicher wahrnehmen. Selbstbewusste Menschen wissen, was sie sich zutrauen können und wo die Grenzen liegen. Dadurch erlangen sie ein stärkeres Vertrauen in ihre Fähigkeiten und trauen sich mehr zu. Eine sehr wichtige Eigenschaft im Beruf.

Wie immer im Leben, geht es um das richtige Maß

Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sind sehr wichtige Zutaten für ein glückliches und erfülltes Leben, sowohl privat als auch im Beruf. Viele Menschen jedoch, legen sich ein künstlich aufgeblähtes Selbstbewusstsein zu, beziehungsweise Mechanismen, um dieses vorzutäuschen. Kein Wunder also, dass viele der vor Selbstvertrauen strotzenden Jungmanager früher oder später ins Straucheln kommen. Denn hinter der scheinbar so selbstbewussten Fassade verbirgt sich nicht selten ein unsicherer und häufig narzisstisch veranlagter Charakter.

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Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen hingegen, ziehen auch etwas magisch an: Enttäuschungen. Wie soll Ihr Chef Ihnen eine Aufgabe zutrauen, wenn Sie dies selbst nicht tun? Falsche Bescheidenheit ist daher im Beruf ebenso fehl am Platz wie eine übertriebene Selbstsicherheit. Beim Selbstbewusstsein geht es also, wie so oft im Leben, darum das richtige Maß zu finden.

Wo kommt unser Selbstbewusstsein eigentlich her?

Während einige Menschen von Natur aus ein gesundes Selbstbewusstsein haben, liegt vor vielen anderen eine Menge Arbeit. Doch woher kommen eigentlich diese unterschiedlichen Startvoraussetzungen? Die Antwort auf diese Frage liegt, wie in der Psychologie üblich, in der Kindheit. Frühkindliche Erfahrungen bilden die Basis für ein späteres gesundes oder mangelndes Selbstbewusstsein einer Person. Darauf aufbauend können die Erlebnisse während der Kindheit, Jugend und auch im Erwachsenenalter diesen Grundstein festigen oder aber auch das Selbstbewusstsein nach und nach untergraben. Zum Glück funktioniert der Mechanismus aber laut Psychologen und Wissenschaftlern auch in die andere Richtung:

Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen können aktiv erlernt und durch die Wechselwirkung von Gedankenkraft, Emotionen und positiven Erlebnissen (wieder) gestärkt werden. Alles, was Sie dazu brauchen, sind der Wille und eine Menge Disziplin.

Selbstbewusstsein aktiv stärken: So geht’s

Prinzipiell ist der Weg zu mehr Selbstbewusstsein sehr einfach und bedient sich dem Mechanismus der selbsterfüllenden Prophezeiung: Was Sie denken, wird passieren. Wer also wenig Selbstbewusstsein hat, fokussiert sich auf die negativen Erfahrungen in seinem Leben, wird dadurch bestätigt und verliert immer mehr an Selbstbewusstsein. Wenn Sie stattdessen damit beginnen, positiv zu denken und sich auf die positiven Erlebnisse zu konzentrieren, stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein und drehen die Spirale um.

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So viel zur Theorie. In der Praxis ist das nämlich leider alles andere als einfach. Denn Ihre Gedanken und Emotionen sind tief verwurzelt und Sie müssen Ihr Gehirn nun quasi dazu zwingen, die neuronalen Verbindungen neu auszurichten. In diesem kurzen Video ist der Mechanismus sehr einfach und verständlich erklärt:

Checkliste: In 20 einfachen Schritten Ihr Selbstbewusstsein stärken

  • Gehen Sie aufrecht.
  • Stärken Sie Ihren Körper durch Sport.
  • Finden Sie eine persönliche Motivation, zum Beispiel durch ein Belohnsystem.
  • Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken.
  • Lachen Sie so viel wie möglich. Ein Lächeln macht umgehend glücklicher, probieren Sie es aus!
  • Nehmen Sie sich nicht zu ernst und lachen Sie auch über sich selbst.
  • Gehen Sie offen auf Menschen zu und Sie werden Anerkennung erfahren.
  • Akzeptieren Sie Ihre Schwächen und gestehen Sie sich auch Fehler zu.
  • Hören Sie damit auf, sich selbst zu kritisieren.
  • Lernen Sie, Kritik an- aber nicht persönlich zu nehmen.
  • Setzen Sie sich Ziele, die Sie glücklich machen.
  • Verbannen Sie Gedanken an die Vergangenheit und leben Sie im Hier und Jetzt.
  • Denken Sie nur positiv an die Zukunft.
  • Sie sollten sich in Ihrer Haut wohlfühlen, mit Ihrem Gewicht, Ihrer Frisur usw. Wenn nicht, ist jetzt die Zeit zum Handeln.
  • Nehmen Sie ein Kompliment auch an.
  • Stehen Sie für sich selbst, Ihre Bedürfnisse und Ihre Grenzen ein.
  • Sprechen Sie Ihre Wünsche laut aus.
  • Lernen Sie Ihre Grenzen durch ein klares Nein einzuhalten.
  • Knüpfen Sie neue Freundschaften.
  • Verbannen Sie negative Gedanken sofort.

3 effektive Übungen für ein stärkeres Selbstbewusstsein

Doch nicht nur mit Ihren alltäglichen, neuen Verhaltensweisen können Sie Ihr Selbstbewusstsein dauerhaft stärken. Auch durch die folgenden drei Übungen können Sie effektiv an Ihrem Selbstbild arbeiten:

1. Verabschieden Sie sich von negativen Gedanken!

Die wichtigste und eigentlich einzige Grundregel des beschriebenen Mechanismus zu mehr Selbstbewusstsein ist häufig zugleich die schwierigste. Sie können daher zu einem kleinen Trick greifen:

Schneiden Sie aus einem Stück Stoff (notfalls geht auch dickes Papier oder Pappe) einen rund 30 Zentimeter langen Streifen. Färben Sie nun die ersten zehn Zentimeter grün ein, das zweite Drittel gelb und die letzten zehn Zentimeter in roter Farbe.

Jedes Mal, wenn Sie sich ab sofort selbst dabei erwischen, dass Sie negative Gedanken hegen, sich selbst kritisieren oder eine negative Erwartungshaltung aufbauen, schneiden Sie einen Zentimeter ab. Mit der Zeit werden Sie sich der gelben oder gar roten Linie immer langsamer nähern. Während Sie zu Beginn vielleicht noch mehrmals einen neuen Streifen erstellen müssen, ist es das Ziel, dass Sie irgendwann nie wieder einen Zentimeter abreißen müssen. So können Sie Ihrem Erfolg sprichwörtlich zusehen.

2. Mut fassen in 30 Sekunden

Sollte eine konkrete Situation eintreten, vor der Sie aus irgendeinem Grund Angst haben, sammeln Sie sich für 30 Sekunden. In diesen 30 Sekunden atmen Sie ruhig und tief, schließen die Augen und zählen konzentriert von 30 bis 0 mit. So verbannen Sie alle anderen, vor allem negativen, Gedanken aus Ihrem Kopf. Wichtig ist, dass Sie bei „0“ direkt aufstehen und die Situation angehen, zum Beispiel die bevorstehende Aufgabe, das Gespräch mit dem Chef oder den Bungee-Sprung. Nach 30 Sekunden gibt es kein Zurück mehr!

3. Sich selbst lieben lernen

Viele Menschen würden sich gerne selbst lieben, wissen aber gar nicht, wo sie ansetzen sollen. Wenn sie in den Spiegel sehen, gefällt ihnen nicht wer sie anblickt, für ihren Job sind sie eigentlich völlig überqualifiziert und der Partner hat sie erst kürzlich verlassen. Dennoch: Jeder Mensch hatte bereits Erfolge im Leben, hat Talente und liebenswerte Eigenschaften. Nehmen Sie sich deshalb einen Zettel und einen Stift zur Hand und schreiben Sie mindestens zehn Dinge nieder, die Sie an sich mögen. Dies können berufliche Erfolge in der Vergangenheit sein, Ihre Haare oder dass Sie ein hilfsbereiter Mensch sind. Nach und nach werden Ihnen immer mehr Dinge einfallen und vielleicht können Sie sich irgendwann nicht nur mögen, sondern wahrhaftig lieben.

Selbstbewusstsein ist der erste Weg zur Selbstliebe

Ein starkes Selbstbewusstsein ist in so vielen Bereichen unseres Lebens von großer Bedeutung. Vor allem ist es der erste Schritt zur Selbstliebe und einem daraus resultierenden glücklichen und erfüllten Leben. An seinem 70. Geburtstag schrieb Charlie Chaplin folgende weise Worte:

Als ich mich selbst zu lieben begann…
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig
ist – von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man
SELBST-BEWUSST-SEIN

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass
emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen
meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man
AUTHENTISCH SEIN

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, wie sehr es jemand beleidigen kann,
wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzudrücken,
obwohl ich wusste, dass die Zeit nicht reif war und der Mensch nicht bereit,
und auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß ich: Das nennt man
RESPEKT

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach
einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Einladung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man
REIFE

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose
Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Freude und Glück bringt,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem eigenen Rhythmus.
Heute weiß ich, das nennt man
EINFACHHEIT

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder
hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist
SELBSTLIEBE

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man
BESCHEIDENHEIT

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter
in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag,
Tag für Tag, und nenne es
BEWUSSTHEIT

Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken
behindern und krank machen kann. Als ich mich
jedoch mit meinem Herzen verband, bekam
der Verstand einen wertvollen Verbündeten.
Diese Verbindung nenne ich heute
HERZENSWEISHEIT

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal auf
einander und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich:
DAS IST DAS LEBEN!

Hoffentlich brauchen Sie keine 70 Jahre, um zu begreifen, dass Selbstliebe und Selbstbewusstsein miteinander einhergehen und der Schlüssel zu beruflichem wie privaten Glück sind. Und noch etwas möchten wir Ihnen mit auf den Weg geben: Lassen Sie sich auf Ihrem Weg helfen. Probleme mit dem Selbstbewusstsein können tief verwurzelt sein und eine Psychotherapie kann dabei große Erfolge erzielen. Finden Sie Ihren persönlichen Weg zu mehr Selbstbewusstsein und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns in den Kommentaren.

Wie haben Sie zu mehr Selbstbewusstsein gefunden? Welche sind Ihre persönlichen Tipps und Tricks? Und vor allem: Wie hat sich Ihr Berufs- und vielleicht auch Privatleben durch mehr Selbstbewusstsein verändert?


2 Kommentare

  1. Walter Knorr

    Selbstbewusstsein heisst doch, dass ich ein eigenes Bewusstsein besitze und kein “Fremdbewusstsein”. Was soll daran negativ sein? Was sagt der Philosoph Imanuel Kant dazu? “Habe Mut, deinen eigenen Verstand zu benützen”. Er war ein Vorkämpfer der geistigen Aufklärung. Wir sollten uns nicht immer nur den Mehrheitsmeinungen “beugen”.

  2. Maximilian

    in zeiten von FB, Instagram und youtube ist das alles gar nicht mehr soo einfach. Ständig kann man sich mit anderen vergleichen, die gerade im Urlaub sind, einen hohen berg bestiegen haben oder beruflich, so wirkt es, ganz weit oben sind. Selbst sieht man dann aus wie eine kleine Maus die ihren geregelten Alltag hat und nicht weiß wohin….

    Man kann nicht so ein tolles foto schießen und fühlt sich dann mies.
    Weniger Vergleichen würde denke ich den meisten Menschen helfen.

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