In der Berufswelt – aber auch im Privaten – kommen wir immer wieder in Kontakt für Kritik. Mal üben wir uns in Kritik und weisen unsere Mitmenschen auf ihre Fehler hin und mal werden wir selbst zur Zielscheibe. Kritik ist ein wichtiges Mittel der Kommunikation und des Austauschs und als solches unverzichtbar. Sie kann allerdings auch verletzend sein und das genaue Gegenteil bewirken. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Kritik nicht als konstruktiv bezeichnet werden kann. Doch was genau ist konstruktive Kritik eigentlich? Wie formuliert man Kritik am besten und kann man auch lernen, besser mit ihr umzugehen? Erfahren Sie es in diesem Beitrag.
konstruktiv zu kritisieren will geübt sein
Inhalt
1. Was ist Kritik?
2. Was ist konstruktive Kritik?
3. So formulieren Sie konstruktive Kritik
4. Was ist keine konstruktive Kritik?
5. Der richtige Umgang mit Kritik

Was ist Kritik?

Wenn eine Person, eine Arbeit, ein Buch, ein Theaterstück oder etwas anderes kritisiert wird, dann handelt es sich dabei um eine Beurteilung, die nicht selten auch mit einer Infragestellung und immer mit Reflexion einhergeht. Anders als das oftmals vermutet wird, muss Kritik nicht zwangsläufig negativ sein. Es gibt durchaus auch positive Kritik, die Wohlwollen und Anerkennung ausspricht. Positive Kritik kann auch schlichtweg als Lob bezeichnet werden.

Kritik wird allgemein in die folgenden Unterformen gegliedert:

  • Positive Kritik
  • Negative Kritik
  • Konstruktive Kritik
  • Destruktive Kritik
  • Selbstkritik

Was ist konstruktive Kritik?

Während positive und negative Kritik nur aussagt, ob etwas oder jemand gut oder schlecht bewertet wird, geht die konstruktive Kritik noch einen Schritt weiter. Wer sich in konstruktiver Kritik übt, zeigt nicht nur auf, was gut und weniger gut war, sondern bringt an entsprechenden Stellen auch gleich Vorschläge zur Verbesserung an. Analytisches Betrachten und die Fähigkeit, auch um die Ecke und alternativ zu denken, sind hierfür unverzichtbar.

Info: Synonyme für konstruktiv sind unter anderem förderlich, fruchtbar, nutzbringend, nützlich, sachdienlich und hilfreich. Hieran wird noch einmal sehr schön deutlich, was die Aufgabe von konstruktiver Kritik ist.

Weiterhin zeichnet sich konstruktive Kritik immer auch durch ihre Formulierung aus. Sie ist stets:

  • höflich und respektvoll
  • auf den Punkt gebracht (und nicht unnötig ausschweifend)
  • reflektierend
  • um die optimale Lösung bemüht

So formulieren Sie konstruktive Kritik

Auch wenn jeder darum bemüht ist, konstruktiv zu kritisieren, gelingt dieses Vorhaben nicht immer. Das Formulieren förderlicher Kritik gehört zu den Königsdisziplinen im Umgang mit den Kollegen. Die folgenden Beispiele helfen Ihnen dabei, Ihre Kritik fortan so auszudrücken, dass sie auch wirklich als konstruktiv bezeichnet werden kann.

  • „Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass Sie…. An diesem Punkt fände ich es besser, wenn wir…“
  • „Meine Recherchen haben ergeben, dass XY nicht möglich ist. Was halten Sie davon, wenn wir stattdessen..“
  • „Mit dem Aspekt XY bin ich nicht einverstanden. Ich habe mir dazu bereits Gedanken gemacht und möchte gern vorschlagen, dass wir…“

Wichtig: Konstruktive Kritik ist immer „on point“. Scheuen Sie sich nicht davor, konkrete Fehler zu benennen und anhand von diesen Verbesserungsvorschläge zu machen. Eine allgemeine Kritik à la „Na da haben Sie aber was abgeliefert…“ kann einfach nicht konstruktiv sein.

Was ist keine konstruktive Kritik?

Sie sind sich immer noch nicht ganz sicher, wie Sie zukünftig Ihre konstruktive Kritik formulieren? Vielleicht hilft es Ihnen, wenn wir Ihnen noch einmal vor Augen führen, was keine konstruktive, also destruktive Kritik ist.

Destruktive Kritik zielt einzig darauf ab, eine Idee, ein fertiges Produkt usw. abzuweisen und am liebsten komplett zu verwerfen. Reflexion, Verbesserungsvorschläge, Analysieren? Alles Fehlanzeige!

Einer der häufigsten Fehler im Hinblick auf Kritik, die zwar konstruktiv gemeint ist, aber destruktiv beim Empfänger ankommt, ist die Taktik, seinem Gegenüber Honig ums Maul zu schmieren. Vertröstende Formulierungen wie „Das war ja schon ganz nett, aber…“ sind nicht nur nichtssagend, sondern auch degradierend und unterschwellig respektlos.

Ein anderes, großes Problem ist eine verallgemeinerte Kritik, die sich sozusagen auf das Gesamtwerk bezieht. Diese ist vielleicht eindeutig (der Kritiker findet schlichtweg alles schlecht), bringt einen aber dennoch nicht weiter. Hier wird deutlich, warum es im Fall von konstruktiver Kritik so wichtig ist, sich auf konkrete Punkte und Beispiele zu beziehen.

Kritik sollte den Empfänger des Weiteren niemals vorführen oder erniedrigen. Rückmeldungen, die ganz eindeutig negativ wertend beginnen, können auf keinen Fall konstruktiv sein. Der Klassiker „Was haben Sie sich hierbei nur gedacht?“ ist nur eines von vielen Beispielen.

Info: Eine Kritik, die mit “Meiner Meinung nach…” beginnt, ist keine Bewertung, die auf Analysen und Fakten beruht. Auch in diesem Fall kann nicht von Konstruktivität gesprochen werden.

Destruktive Kritik kann folgendermaßen zusammengefasst werden:

  • vernichtend
  • verallgemeinernd
  • eindeutig wertend
  • nicht analysierend und reflektierend
  • schuldzuweisend

Tipp: Wenn Sie ein Praxisbeispiel für destruktive Kritik suchen, müssen Sie sich einfach nur die Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ anschauen und den Worten von Juror Dieter Bohlen lauschen. Der sogenannte „Pop-Titan“ ist der unangefochtene Meister der vernichtenden Kritik.

Übrigens: Wenn die gewählten Worte auf eine konstruktive Kritik schließen lassen, Ihre Körpersprache aber etwas anderes aussagt (beispielsweise durch Augenrollen, Naserümpfen, etc.), haben Sie Ihr Ziel ebenfalls verfehlt. Sachdienliche Kritik muss ernst gemeint sein. Abwertende Signale in Mimik und Gestik lassen auf das Gegenteil schließen.

Der richtige Umgang mit Kritik

Nun, da wir wissen, wodurch sich konstruktive, also förderliche Kritik auszeichnet und wie sie am besten formuliert wird, ist es an der Zeit, sich der anderen Seite der Medaille zu widmen. Wer austeilt, muss schließlich auch in der Lage sein, einzustecken. Mit anderen Worten: Wer Kritik übt, muss sich auch kritisieren lassen können. Dass das alles andere als leicht ist, dürfte jedem von uns bekannt sein.

Kritikfähigkeit ist die Kunst, Feedback anzunehmen. Klingt doch gar nicht mal so schwierig, oder? Das liegt unter anderem auch daran, dass ich das Wort „Kritik“ gerade durch „Feedback“ ausgetauscht habe – ein kleiner psychologischer Trick mit großer Wirkung. Tatsächlich ist konstruktive Kritik auch nichts anderes als Feedback (das nun einmal sowohl positiv als auch negativ ausfallen kann). Wenn Sie diese Denkweise verinnerlichen, sind Sie bereits den ersten Schritt zu einer verbesserten Kritikfähigkeit gegangen. Feedback impliziert nämlich eine ganz wichtige Erkenntnis: Wer Ihnen Feedback gibt (oder konstruktiv kritisiert), will Ihnen nichts Böses antun, sondern helfen!

Ein anderes großes Problem im Umgang mit Kritik ist, dass viele Menschen sie persönlich nehmen und dadurch zu nah an sich heranlassen. Merken Sie sich eines: Berufliche Kritik richtet sich nicht an Ihre Person, sondern allenfalls an Ihre Arbeit. Sie als Mensch sind nicht Gegenstand der Kritik.

Wird man (in welcher Situation auch immer) kritisiert, stellt das für die meisten eine Angriffssituation dar. Der reflexartige Gedankengang: Mein Gegenüber attackiert mich, also muss ich es ihm gleichtun. Trotz, Rechtfertigungen und eine abweisende Körperhaltung sind typische Reaktionen, wenn eine Person nicht mit der Kritik umgehen kann, die gerade an ihr geübt wird. Jeder kennt Situationen wie diese. Wenn Sie es beim nächsten Mal besser machen wollen, sollten Sie sich diesen Tipp einprägen: Sehen Sie die Kritik nicht als Angriff an, sondern betrachten Sie sie als Chance, es besser zu machen. Ihr Gegenüber will Sie nicht attackieren, sondern Ihnen dabei behilflich sein, sich (beruflich) weiterzuentwickeln. Hierfür sollten Sie dankbar sein.

Zusatz-Tipp: Kritik persönlich zu nehmen und darin einen Angriff zu sehen sind zwei Aspekte, die eng miteinander verknüpft sind. Wenn Sie an Ihrer Kritikfähigkeit arbeiten wollen, hilft es, vor Ihrer Gegenreaktion einen gewissen Abstand einzunehmen und die Kritik isoliert zu betrachten.

Wie reagiert man auf negative, dafür aber konstruktiv formulierte Kritik? Keinesfalls, indem Sie sich in ungeordneten Rechtfertigungen verlieren. Schritt #1 sollte es stets sein, ihrem Kritiker aufmerksam zuzuhören und ihm die Möglichkeit zu geben, alles zu sagen, was ihm auf dem Herzen liegt. Danach sind Sie an der Reihe. Machen Sie sich gegebenenfalls Notizen zu Punkten, bei denen Sie noch einmal nachhaken beziehungsweise nachfragen wollen. Ein gewinnbringendes Kritik-Gespräch lebt davon, dass sich beide Seiten verstehen und den Worten des anderen folgen können.

Kritikfähig sein bedeutet allerdings nicht nur, sich das Feedback der anderen anzuhören, sondern es sich auch anzunehmen. An diesem Punkt scheiden sich wahrscheinlich die Geister. Bedeutet Kritikfähigkeit, anstandslos alles ohne Widerwort anzunehmen oder hat man durchaus die Möglichkeit, gewisse Aspekte zu verwerfen? Wahrscheinlich kommt es wie so oft auf den gesunden Mittelweg an. Wer keinen Kritikpunkt annimmt, hat nicht so recht verstanden, worum es geht. Wer hingegen zu allem „Ja und Amen“ sagt, riskiert, als rückgratlos eingestuft zu werden.

Zusammenfassung: Richtig mit Kritik umgehen

  • Kritik als Feedback verstehen
  • darin keinen Angriff sondern das Angebot zur Hilfe sehen
  • Kritik nie persönlich nehmen
  • eine gesunde Distanz herstellen, um einen klaren Kopf zu behalten
  • nicht impulsiv reagieren (mit Trotz, Rechtfertigung, Widerrede etc.)
  • stattdessen: zuhören und ausreden lassen
  • nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wurde
  • selbst entscheiden, welche Punkte man sich annimmt
  • nicht zu allem „Ja und Amen“ sagen, sondern reflektieren, weiterentwickeln, aufgreifen, etc.

Der Grat zwischen konstruktiver und destruktiver Kritik ist extrem schmal. Kaum einer schafft es, ihn ohne Probleme zu meistern. Sowohl im Fall vom Kritik üben als auch Kritik annehmen gilt: Übung macht den Meister. Scheuen Sie sich nicht vor solchen Situationen, sondern legen Sie Wert auf eine offene Kommunikation zwischen Kollegen. Wenn Sie im Kritisieren noch nicht geübt sind, kann es hilfreich sein, wenn Sie sich Feedback für Ihr Feedback einholen. Fragen Sie Ihren Gesprächspartner ruhig gezielt, was Ihm an der Kritik gefallen hat und was seiner Meinung nach nicht konstruktiv war. Auf diese Weise entwickeln Sie ein vertrauensvolles Miteinander auf Augenhöhe und können für zukünftige Gespräche lernen.

Das Thema Kritik ist zweifelsfrei ein sehr heikles. Jeder hat bereits Erfahrungen damit gemacht, die sowohl positiver als auch negativer Natur waren. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

1 Kommentar

  1. Katja Metzen

    Tolle Tipps – jetzt lasst es uns üben 🙂 Feedback im konstruktiven Sinne sollte nur auf Einladung gegeben werden. Warum – bitte Vier-Ohren -Modell nach Schulz von Thun mal über You Tube anschauen (sind tolle Clips dabei) und/oder Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Es ist eine Lebenseinstellung, nicht nur ein Einüben – und wer das für sich beherzigt, sollte mit Wertschätzung für sein Gegenüber in allen Situationen zurecht kommen.

Kommentieren