Jeder Mensch manipuliert seine Mitmenschen, sowohl im privaten Bereich als auch im Berufsleben. Häufig sind diese Verhaltensweisen unbewusst und über die Jahre automatisch erlernt. Dennoch kommt es vermehrt vor, dass Führungskräfte gezielt Psycho-Tricks anwenden, um dich als Arbeitskraft auszunutzen. Wir verraten dir deshalb, wie du dich dagegen wehren kannst.

Wo liegen die Grenzen der Manipulation?

Ein wenig Manipulation gehört zu unserem Alltag und ist manchmal sogar ganz nützlich. Schon in unserer Kindheit lernen wir meist schnell, mit welchen Taktiken wir das bekommen, was wir wollen. Was damals noch die Süßigkeiten an der Supermarkt-Kasse waren, sind später aber viel größere Wünsche. So setzen immer mehr Menschen auch im Beruf gezielt Psycho-Tricks ein, um ihre Karriere zu beschleunigen, oder lernen gar über die Jahre ihren Ehepartner perfekt zu kontrollieren.

Anzeige

Auch im Berufsleben gehört die Manipulation mittlerweile zum Alltag und kann Ihnen durchaus dabei helfen, die Karriereleiter (schneller) zu erklimmen. In unserem Artikel zum Thema „Manipulation und Beeinflussung – 8 psychologische Tricks im Beruf“ hast du hierfür bereits hilfreiche Tipps und Tricks erhalten. Sobald die Manipulation aber auf Kosten des Glücks oder der Gesundheit einer anderen Person geht, ist die moralische Grenze erreicht. Eine Grenze, die leider von vielen Führungskräften heutzutage nicht mehr eingehalten wird.

Wofür manipulieren Führungskräfte ihre Mitarbeiter?

Wer andere Menschen manipuliert, verfolgt damit stets ein Ziel. Bei Führungskräften kann ein solches Ziel wie folgt aussehen:

Für manche Führungskräfte stellen Psycho-Tricks reine Unterhaltung dar und sie möchten austesten, wie weit sie bei einem Mitarbeiter gehen können. Vielleicht möchten sie auch dessen Charakterstärke oder Führungsqualitäten auf den Prüfstand stellen. Andere wiederum wollen die Mitarbeiter zu Höchstleistungen anspornen, um hinterher selbst gut da zu stehen und eventuell weiter befördert zu werden. Manch einmal genießt eine Führungskraft auch einfach die Macht, welche mit der Manipulation anderer Menschen einhergeht – in unserer narzisstischen Gesellschaft leider keine Seltenheit. Doch wieso lassen wir uns eigentlich zum Spielball anderer Menschen machen, sei es im Privat- oder im Berufsleben?

Anzeige

Psycho-Tricks bauen auf Emotionen auf

Die Manipulation funktioniert nur, wenn Emotionen im Spiel sind. Je enger die gefühlsmäßige Bindung oder gar Liebe zwischen zwei Menschen ist, desto eher können diese sich gegenseitig manipulieren. Zwischen einem Vorgesetzten und seinem Mitarbeiter baut diese Bindung allerdings auf einem anderen, mindestens ebenso starken Gefühl auf: Angst.

Die Psycho-Tricks der Chefs funktionieren in der Regel, weil sie sich der Angst eines Menschen bedienen. Die Angst vor dem Jobverlust, vor einer stagnierenden Karriere, der sozialen Ausgrenzung, einem finanziellen Abstieg oder einem Gesichtsverlust vor dem Team.

Solche Ängste sind völlig normal und absolut menschlich. In Deutschland leben wir ohnehin in einer Gesellschaft der Angst und damit auf einem wahren Nährboden für Psycho-Tricks jeder Art.

Lasse dich nicht länger manipulieren!

Manipuliert wirst du ohnehin jeden Tag und das wirst du auch niemals ganz verhindern können. Jede Werbebotschaft und jeder Verkäufer bedient sich solcher Techniken. Zudem kommt die (unbewusste) Manipulation in quasi jeder zwischenmenschlichen Beziehung vor. Doch gezielte Psycho-Tricks deines Vorgesetzten? Das musst du dir nicht gefallen lassen! Um sich gegen die Manipulation bei der Arbeit zu wehren, musst du diese im ersten Schritt erkennen und im zweiten Schritt bewusst bekämpfen. Wie? Wir verraten es dir:

Psycho-Trick 1: Einschüchterung

Du arbeitest hart, machst nie Fehler und erbringst Höchstleistungen – und dennoch kommt von deinem Vorgesetzten nie ein Lob? Im Gegenteil: Er spielt deine Erfolge herunter, macht dich vor deinen Kollegen klein oder droht dir sogar konkret mit der Kündigung? Die Einschüchterung ist der wohl häufigste Psycho-Trick unter den Führungskräften, nicht selten wird er sogar in speziellen, fragwürdigen Führungsseminaren gelehrt. Das Ziel der Einschüchterung liegt darin, den Mitarbeiter zu immer mehr und mehr Leistung zu veranlassen, aus Angst vor dem Jobverlust oder aufgrund eines angekratzten Egos. Dass Lob und Anerkennung die Mitarbeiter in der Regel aber viel mehr und vor allem langanhaltender motivieren, dahinter sind bislang leider erst wenige Führungskräfte gekommen.

Was du tun kannst: Widersprich! Du hast das Recht auf eine eigene Meinung und darauf, diese zu äußern. Wenn du einen Erfolg verzeichnet hast, kannst du auch dazu stehen und auf Gemeinheiten deines Vorgesetzten mit Widerspruch reagieren. Dieser wird zwar verblüfft sein, eventuell sogar leicht verärgert, du verschaffst dir aber Respekt und musst gewiss nicht gleich um deinen Job fürchten. Im Gegenteil: Eine gute Führungskraft passt ihre Strategie, um Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu veranlassen, jeder Person individuell an. Vielleicht merkt dein Vorgesetzter ja, dass er bei dir mit Lob weiter kommt als mit Tadel. Und wenn nicht, so bist du wenigstens dir selbst treu geblieben und kannst mit gestärktem Selbstbewusstsein weiterarbeiten.

Lese-Tipp: Kein Lob? Keine Anerkennung? 8 indirekte Anzeichen, dass Dein Chef Dich trotzdem mag

Anzeige

Psycho-Trick 2: Liebesentzug

Der Liebesentzug ist einer der häufigsten Manipulationstechniken in einer Liebesbeziehung, wird aber in erweiterter Form auch im Berufsleben immer wieder angewandt. Bist du der Liebling deines Vorgesetzten? Seine Nummer eins? Sein Ansprechpartner für alle schwierigen Aufgaben? Der erste Anwärter auf die nächste Beförderung? Zumindest lässt dein Chef dich in diesem Glauben und hat dich allein dadurch schon manipuliert. Nun würdest du nämlich beinahe alles tun, um bei ihm nie wieder in Ungnade zu fallen. Geschulte Führungskräfte wissen das optimal auszunutzen und spornen dich gemäß dem Motto „Zuckerbrot und Peitsche“ immer wieder zu Höchstleistungen, Überstunden oder der Übernahme ungeliebter Aufgaben an.

Was du tun kannst: Lerne auf deine eigenen Grenzen zu hören und auch einmal „Nein“ zu sagen. Für diese Manipulation sind häufig Menschen mit geringem Selbstbewusstsein besonders anfällig, die ihr Selbstwertgefühl von der Wertschätzung durch ihren Chef, die Kollegen und auch ihr privates Umfeld abhängig machen. Arbeite daher an deinem Selbstbewusstsein. Schön, wenn du dennoch der Liebling deines Vorgesetzten bleibst. Doch wenn nicht, so sollte dich das nicht weiter stören. Du musst schließlich auf dich und deine Gesundheit achten. Einmal im Burnout gelandet, bringt dir auch das Lob des Chefs nicht mehr viel…

Psycho-Trick 3: Harmonie

Das Gehirn sehnt sich nach Harmonie und trickst uns daher oftmals selbst aus. Ein Gedankengang funktioniert nämlich stets in beide Richtungen und lädt dadurch geradezu zur Manipulation ein. Zum besseren Verständnis ein kurzes Beispiel:

  1. „Ich tue einem Menschen einen Gefallen, weil ich ihn mag.“
  2. „Wenn ich einem Menschen einen Gefallen tue, muss ich ihn demnach mögen.“

Tatsächlich neigen wir dazu Menschen zu mögen, die uns ausnutzen. Wenn wir einem Kollegen oder einem Vorgesetzten nämlich immer wieder helfend unter die Arme greifen, denkt unser Gehirn automatisch, dass wir ihn mögen müssen. Begründet wird diese Denkweise durch die Harmoniebedürftigkeit unseres Gehirns. Da es mit Widersprüchen nicht klarkommt, zieht es einfach automatisch einen logischen Schluss.

Was du tun kannst: Allein das Wissen um diesen Mechanismus hilft in der Regel schon, um zu durchschauen, dass du von deinem Vorgesetzten oder einem Kollegen ausgenutzt wirst. Prüfe einmal für dich selbst: Sind die Gefallen stets einseitig oder beruhen sie auf Gegenseitigkeit? Lerne auch hier in Zukunft öfter einmal „Nein“ zu sagen.

Psycho-Trick 4: Das kleinere Übel

Wir sehen Dinge stets in Relation. Aus diesem Grund jammern wir so lange über ein Problem, bis wir vor einem schlimmeren stehen oder eine Person mit viel größeren Problemen treffen. Plötzlich erscheint das eigentliche gar nicht mehr so belastend. Diesen Trick wenden Führungskräfte vermehrt in Gehaltsverhandlungen an. Du wünschst dir 1.000 Euro mehr pro Monat? Dann wird dein Chef dir erst einmal viele Gründe nennen, weshalb du diese nicht verdient hast (siehe Psycho-Trick 1: Einschüchterung). Anschließend bietet er dir 100 oder vielleicht auch 200 Euro an. Wenn du dich schlussendlich auf 500 Euro mehr einigen kannst, fühlst du dich als der Gewinner. Eigentlich hast du aber verloren – gegen einen wahren Klassiker unter den Psycho-Tricks.

Anzeige

Was du tun kannst: Lege für dich vor der Gehaltsverhandlung deine Grenzen fest. Lasse dich dann im Gespräch durch die Manipulation nicht von diesen Grenzen abbringen. Bleibe ruhig und versuche die Strategie deines Gegenübers zu durchschauen. So strahlst du mehr Selbstbewusstsein aus, lässt dich nicht so schnell verunsichern und fällst zukünftig auf keine Psycho-Tricks mehr rein. Je ruhiger du bleibst, desto schwieriger machst du es deinem Gegenüber dich zu manipulieren. Manch ein Vorgesetzter versucht dann bewusst dich wütend zu machen, zu verunsichern oder weicht sogar von der sachlichen Ebene ab. Verlasse notfalls mit einer höflichen Floskel das Gespräch, wenn du das Gefühl hast, es führt zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Du kannst die Verhandlung dann auf einen anderen Tag verlegen und warten, bis sich der Sturm gelegt hat.

Psycho-Trick 5: Kindheitsmuster

Die Manipulation bedient sich häufig klassischer psychologischer Muster, welche du in deiner Kindheit erlernt hast. In der Regel geht dein Vorgesetzter in die Elternrolle und zwingt dich dadurch automatisch in die Rolle des unmündigen Kindes. Das passiert unbewusst, weil du es so gelernt hast. Beobachte einmal aus einer objektiven Perspektive, wie dein Vorgesetzter oder auch Kollege mit dir und den anderen Mitarbeitern spricht. In welche Rolle schlüpft er dabei?

Was du tun kannst: Sobald du deine Rolle verlässt, drängst du deinen Vorgesetzten oder den manipulativen Kollegen ebenfalls in eine andere Rolle. Auch das passiert in der Regel unbewusst. Diese Taktik hast du bereits beim Psycho-Trick 4: Das kleinere Übel angewandt. Sobald du nicht mehr so reagierst wie erwartet, muss dein Gegenüber sein Verhalten ändern. Wie? Das ist nicht immer vorherzusehen. Manch Einer gibt klein bei, ein Anderer wird wütend oder der Dritte verstummt einfach. In der Regel reagieren Menschen in Konfliktsituationen stets mit einem dieser drei Muster: Angriff, Flucht oder Totstellen. Für dich ist es also durchaus spannend, einmal aus den gewohnten Rollen zu schlüpfen und zu beobachten, was daraufhin passiert. Und du weißt ja: Lasse dich davon nicht einschüchtern (Psycho-Trick 1: Einschüchterung).

Hast auch du schon Erfahrungen mit Psycho-Tricks gemacht? Welche Tipps hast du, um dich dagegen zu wehren? Oder welche kleinen Manipulationen helfen dir selbst durch den Arbeitsalltag?

Bildnachweis: astel design/Shutterstock.com