Warum Sie eine Gehaltserhöhung wünschen, liegt auf der Hand: Wer hätte nicht gerne am Ende des Monats ein bisschen mehr Geld für das neue Auto oder den lang ersehnten Urlaub auf dem Konto? Doch wie gehen Sie bei der Gehaltsverhandlung vor, wann ist sie überhaupt erfolgversprechend und wie viel mehr können Sie fordern? Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zum Thema Gehaltserhöhung beziehungsweise Gehaltsverhandlung.
Arbeitnehmer verhandelt mit dem Chef über eine Gehaltserhöhung

Inhalt
1. Wer entscheidet eigentlich über eine Gehaltserhöhung?
2. „Aktiv werden“ heißt die Zauberformel
3. Wann beziehungsweise wie oft ist eine Gehaltsverhandlung üblich?
4. Vorsicht ist besser als Nachsicht: Die perfekte Gehaltsverhandlung will geplant sein
5. Wie können Sie die Gehaltsverhandlung ansprechen?
6. Und jetzt? Wie Sie die Gehaltsverhandlung führen
7. Gehaltserhöhung: Mündliche Vereinbarungen schriftlich festhalten!
8. Ein höheres Gehalt bedeutet nicht immer mehr Geld
9. Fazit: Was ist realistisch bei der Gehaltsverhandlung und was nicht?

Wer entscheidet eigentlich über eine Gehaltserhöhung?

Sie wünschen sich mehr Gehalt? Dann ist Ihr Ansprechpartner natürlich Ihr direkter Vorgesetzter. In der Regel führen Sie Ihre Gehaltsverhandlung mit diesem unter vier Augen. Ob dieser jedoch eigenständig über das „Go“ für Ihre Gehaltserhöhung entscheiden darf, ist je nach Position und Unternehmen unterschiedlich. Es kann also durchaus sein, dass er eventuell noch die Zustimmung weiterer Personen einholen muss, sprich seiner Vorgesetzten. Sollten Sie noch nicht in dem Unternehmen tätig sein, sondern im Bewerbungsgespräch nach Ihren Gehaltsvorstellungen gefragt werden oder eine Gehaltsverhandlung vor Unterzeichnung des Arbeitsvertrages führen, ist Ihr Ansprechpartner in der Regel der zuständige Personaler.

Achtung: Umgehen Sie niemals Ihren direkten Vorgesetzten mit der Frage nach einer Gehaltserhöhung, da Sie dadurch indirekt dessen Kompetenz beziehungsweise Entscheidungsbefugnis infrage stellen.

„Aktiv werden“ heißt die Zauberformel

Es bringt nun aber nichts, einfach gute Arbeit zu leisten und dann darauf zu warten, dass Ihr Vorgesetzter eines Tages auf Sie zukommt und Ihnen eine Gehaltserhöhung anbietet. Würden Sie denn im Supermarkt freiwillig mehr zahlen als bisher, ohne eine positive Veränderung des Produktes, zum Beispiel hinsichtlich Menge oder Qualität, feststellen zu können? Gewiss nicht! Wenn Sie also mehr Gehalt für Ihre Arbeit wünschen, gilt es selbst aktiv zu werden und die Gehaltsverhandlung ausgiebig vorzubereiten.

Tipp: Rechnen Sie hier aus, was bei einer Gehaltserhöhung tatsächlich übrig bleibt.

Wann beziehungsweise wie oft ist eine Gehaltsverhandlung üblich?

Es gibt klassische Zeitpunkte für eine Gehaltsverhandlung, jedoch keine festen Regeln. Üblich ist die Gehaltsverhandlung wie bereits erwähnt beim Vorstellungs- beziehungsweise Einstellungsgespräch. Weitere „traditionelle“ Möglichkeiten zur Gehaltserhöhung sind:

Sie sollten nun aber natürlich nicht alle zwei Monate, zum Beispiel nach dem erfolgreichen Abschluss eines Projektes, zu Ihren Vorgesetzten rennen und um eine Gehaltserhöhung bitten. Alle 18 bis 24 Monate können Gehaltsverhandlungen geführt werden, so die Expertenmeinung. Optimal ist es natürlich, wenn einer der genannten Anlässe in diesen Zeitraum fällt. Sollte dies nicht der Fall sein, bedarf Ihre Gehaltsverhandlung einer noch besseren Vorbereitung.

Berücksichtigen Sie allerdings unbedingt auch wirtschaftliche Faktoren: Geht es dem Unternehmen besonders gut, hat es eventuell Spendierhosen an. Schreibt es allerdings rote Zahlen, befindet sich inmitten der Umsetzung eines Sparplans oder hat einen Einstellungsstopp verhängt, sollten Sie mit der Bitte um eine Gehaltserhöhung besser noch warten.

Extra-Tipp: Führen Sie Ihre Gehaltsverhandlung, wenn möglich, stets zwischen Frühjahr und Sommer. So können Ihre Vorgesetzten Ihr eventuell höheres Gehalt nämlich noch in den Geschäftsplan für das kommende Jahr einkalkulieren. Im Herbst oder Winter hingegen, sind die Ressourcen häufig schon verplant und Ihre Chance auf eine Gehaltserhöhung sinkt gegen Null.

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Die perfekte Gehaltsverhandlung will geplant sein

Bevor Sie sich an die konkrete Vorbereitung Ihrer Gehaltsverhandlung machen, ist wichtig, dass Sie das Grundprinzip einer Gehaltserhöhung verstehen: Sie ist ein Tauschgeschäft! Es handelt sich also nicht um eine gute Tat Ihres Vorgesetzten für sein besseres Karma oder um Almosen des Unternehmens, damit Sie Ihren überteuerten Eigenheimkredit abbezahlen können. Die Realität ist: Sie tauschen mehr Gehalt gegen eine bessere Arbeitsleistung. Sie ist daher eine Art Belohnung für Erfolge und herausragende Leistungen sowie Ihre nunmehr höhere Berufserfahrung und damit auch gestiegene Kompetenz. Gleichzeitig ist sie eine Vorauszahlung für all jene Leistungen, die Sie für das Unternehmen in Zukunft noch erbringen werden. Gehen Sie also mit der Absicht in die Gehaltsverhandlung, dem Vorgesetzten solch durchschlagende Argumente für eine Gehaltserhöhung vorzubringen, dass er gar nicht mehr anders kann als „Ja“ zu sagen. So viel zur Theorie. Doch wie setzen Sie das nun in der Praxis um?

Schritt 1: Führen Sie ein „Erfolgs-Tagebuch“

Sie schuften und schuften, häufen immer mehr Überstunden an und erbringen mit Abstand die meiste Leistung sowie die besten Ergebnisse des gesamten Teams? Schön, aber weiß das auch Ihr Vorgesetzter? Viele Führungskräfte sind selbst mit Arbeit überhäuft oder aufgrund von Geschäftsreisen und Verhandlungen nur selten überhaupt im Büro. Und sollten sie doch vor Ort sein, heißt es noch lange nicht, dass sie Sie als Individuum überhaupt wahrnehmen. Der Grundgedanke eines Teams lautet schließlich „gemeinsam“. So kommt es also vor, dass Ihre persönlichen Leistungen und Erfolge völlig unbemerkt bleiben – oder noch schlimmer: dass sich ein diebischer Kollege mit Ihren Lorbeeren schmückt. Ideenklau gehört leider zum betrieblichen Alltag und es gibt nun einmal diese rhetorischen Genies, die sich perfekt inszenieren und als Leistungsträger verkaufen, obwohl sie im Team nur als Trittbrettfahrer fungieren. Stichwort: Selbstmarketing. Einerseits ist es ja löblich, dass Sie ganz bescheiden nach dem Prinzip „Einer für Alle“ arbeiten. Andererseits fehlt Ihnen dann die Verhandlungsgrundlage für Ihre Gehaltserhöhung. Führen Sie daher unbedingt ab sofort ein „Erfolgs-Tagebuch“. Was das ist?

Exkurs: Ihr persönliches „Erfolgs-Tagebuch“

Im Beruf Tagebuch zu führen, bringt zahlreiche Vorteile mit sich. So können Sie nämlich nicht nur für sich selbst Ihre persönlichen Entwicklungen und Erfolge festhalten, sondern damit auch in Zukunft bei Bewerbungsgesprächen oder eben auch in Gehaltsverhandlungen punkten. Halten Sie daher ab sofort nicht nur fest, was Sie getan haben und wann, sondern auch welche positiven Resultate sich daraus ergeben haben:

  • Konnten Sie das Projekt XXX eine Woche vor der Deadline abschließen und dadurch wichtige Kapazitäten für andere Projekte freimachen?
  • Haben Sie vielleicht durch eine Idee XXX Euro für das Unternehmen eingespart?
  • Durch welche Maßnahmen konnten Sie Ihre eigene oder die Effizienz Ihres Teams nachhaltig steigern?
  • Inwiefern haben Sie an Berufserfahrung oder Know-How dazu gewonnen, zum Beispiel durch Auslandsaufenthalte, eine Weiterbildung oder interne Versetzung?

 

Je nachvollziehbarer Sie Ihren Werdegang festhalten, umso realistischer können Sie auch Ihren Marktwert einschätzen und diesen dann in der Gehaltsverhandlung überzeugend darlegen. Allerdings sollten Sie natürlich auch für Kritik offen sein:

  • Haben Sie Fehler gemacht?
  • Wie schwerwiegend waren deren Konsequenzen?
  • An welcher Stelle haben Sie eventuell Verbesserungs- oder Weiterbildungsbedarf?

 

Auch, wenn Sie sich natürlich auf Ihre Erfolge konzentrieren sollten, geht es bei der Gehaltsverhandlung in erster Linie um eine realistische Selbsteinschätzung. Nur, wenn Sie aus voller Überzeugung sagen können, dass Sie eine Gehaltserhöhung verdient haben und aus welchen Gründen, sollten Sie sich an eine Gehaltsverhandlung wagen. Ansonsten könnten Sie doch vielleicht erst einmal fragen, ob das Unternehmen zur Kostenübernahme einer Fort- oder Weiterbildung bereit wäre? Sie sehen: Die Möglichkeiten sind vielfältig und sollten stets zu Ihrer individuellen Situation passen.

Schritt 2: Gehalt bestimmen – Wie viel (mehr) können Sie verlangen?

Apropos Marktwert: Viele Arbeitnehmer scheitern bereits an der ersten Hürde, der Bestimmung ihres Marktwertes. Sie finden keine konkrete Antwort auf die Frage, wie viel (mehr) sie für ihre Arbeit verlangen können und entscheiden sich dann gegen die Gehaltsverhandlung oder verkaufen sich unter Wert. Gerade Berufseinsteigern fällt eine realistische Einschätzung bezüglich eines angemessenen Gehaltes schwer und aus Angst, den Personaler durch eine zu hohe Forderung zu „verschrecken“ und damit die Absage zu riskieren, wird eben ein wenig abgerundet. Für den Anfang mag das auch durchaus in Ordnung sein. Doch auf Dauer sollten Sie angemessen bezahlt werden. Wer sich nämlich für seine Arbeit unterbezahlt fühlt, büßt damit auf Dauer seine Zufriedenheit und Motivation im Job ein, eventuell sogar seine Gesundheit.

Um eine solche Unzufriedenheit im Unternehmen nicht zu nähren, beinhalten zahlreiche Arbeitsverträge eine Klausel, die Ihnen die Offenlegung Ihres Gehaltes gegenüber Dritten verbietet. Sie können also nicht einfach Ihren Kollegen fragen, was er denn so am Ende des Monats mit nach Hause nimmt. Und während die Offenlegung der Gehälter in Deutschland eine endlose Debatte zu sein scheint, bleibt Ihnen erst einmal nichts Anderes übrig, als sich anderweitig über Ihren Marktwert zu informieren. Aber wie?

  • Erst einmal sollten Sie sich allgemeine Informationen einholen. Im Internet finden Sie entsprechende Gehaltsvergleiche und -tabellen für verschiedene Branchen und Berufe, zum Beispiel auf gehalt.de.
  • Eventuell werden Sie auch auf der Webseite des Statistischen Bundesamtes fündig, welches immer wieder aktuelle Zahlen zum Gehaltsniveau in Deutschland veröffentlicht.
  • Auch Berufs- und Branchenverbände erheben regelmäßig Daten zu den Gehältern. Auf folgender Webseite können Sie in Erfahrung bringen, ob ein solcher Verband auch für Ihren Beruf existiert: www.berufsverband.de
  • Sie können zudem eine allgemeine Internetrecherche durchführen, sich in sozialen Netzwerken und Foren anonym (!) über Gehälter austauschen und Gespräche mit Ihrem Bekannten- und Freundeskreis führen. Wichtig ist, dass Sie niemals nur einem Wert vertrauen. Menschen runden schließlich gerne etwas auf, wenn es um den eigenen Kontostand geht.
  • Zu unterscheiden ist zudem zwischen Ost- und Westdeutschland, da das Lohnniveau in den neuen Bundesländern immer noch niedriger ist.
  • Doch auch in demselben Beruf und Bundesland kann das Gehalt stark variieren. Dies liegt zum Beispiel an dem jeweiligen Unternehmen. So zahlt die Großindustrie tendenziell besser als KMUs oder eine kleine Werbeagentur.
  • Auch Ihre Berufserfahrung wirkt sich natürlich auf Ihren Marktwert aus, ebenso wie Ihre (Zusatz-) Qualifikationen.
  • Ihre Position in der Hierarchie ist ebenfalls ausschlaggebend für die Höhe Ihres Gehaltes. Informieren Sie sich daher nicht nur berufs-, sondern auch positionsspezifisch über die üblichen Gehälter. Lesetipp: Flache Hierarchien: Was alteingesessene Unternehmen von Startups lernen können
  • Vergessen Sie die Inflation nicht: Ohne Gehaltserhöhung bleibt Ihre Entlohnung nicht dieselbe, sondern sie verliert durch die Inflationsrate stetig an Wert. Eine regelmäßige Erhöhung ist daher unerlässlich, um überhaupt auf demselben Lohnniveau zu bleiben. Rechnen Sie daher stets die aktuelle Inflationsrate in Ihre geforderte Gehaltserhöhung mit ein (~ 1,5 Prozent).
  • Im Gegensatz zu Einstellungsverhandlungen, haben Sie in einem Angestelltenverhältnis natürlich bereits einen Ausgangswert als Orientierung: Ihr aktuelles Gehalt.
  • Üblich sind in diesem Fall rund drei bis zehn Prozent Gehaltserhöhung pro Gehaltsverhandlung (in dem empfohlenen Abstand von 18 bis 24 Monaten). Zehn bis 15 Prozent sind hingegen üblich, wenn Sie in eine (höhere) Führungsposition aufsteigen.

Sonderfall Tarifvertrag: Sollte für Ihre Stelle ein Tarifvertrag gelten, ist Ihr Gehalt nicht mehr frei verhandelbar. Das bedeutet aber nicht, dass Sie keinerlei Verhandlungsspielraum haben. Zumindest die sogenannten Sonderzahlungen und geldwerten Vorteile sind nämlich verhandelbar. Die fixen Gehälter bei Tarifverträgen sind daher ein weit verbreiteter Irrtum.

Zum Ende des zweiten Schritts sollten Sie eine konkrete Zielsetzung für Ihre Gehaltsverhandlung haben. Setzen Sie zudem eine Untergrenze fest, denn Sie müssen stets davon ausgehen, dass der Arbeitgeber Ihre ursprüngliche Forderung nach unten handelt. Gerne können Sie daher auch ein wenig höher ansetzen und sich dann „in der Mitte“ – also bei Ihrem Wunschwert – treffen. Hierfür ist ein wenig Fingerspitzengefühl und Verhandlungsgeschick gefragt.

Extra-Tipp: Ungerade Werte erwecken den Eindruck, Sie hätten sich im Voraus ausgiebig über Ihren Marktwert informiert, was Sie ja hoffentlich anhand unserer Tipps auch getan haben. Sie hinterlassen daher einen professionelleren Eindruck und wirken überzeugender. Fordern Sie also nicht forsch zehn Prozent mehr, sondern vielleicht exakt 382,- Euro pro Monat. Natürlich sollten Sie diesen Wert auf Nachfrage auch anhand Ihrer Recherche begründen können.

Schritt 3: Argumente zurechtlegen – Wodurch haben Sie sich die Gehaltserhöhung verdient?

Anhand Ihres Erfolgs-Tagebuchs sowie der durchgeführten Recherche zu Ihrem Marktwert sollten Sie nun nicht nur eine konkrete Vorstellung Ihrer Gehaltserhöhung haben, sondern ebenso konkrete Argumente:

  • Welche Erfolge haben Sie für das Unternehmen erzielt?
  • Inwiefern hat sich Ihre Leistung seit der letzten Gehaltsverhandlung gesteigert?
  • Haben Sie sich neues Know-How beziehungsweise weitere Qualifikationen angeeignet?
  • Wie wertvoll sind Sie für das Unternehmen und weshalb?
  • Welchen Nutzen werden Sie auch weiterhin für das Unternehmen bringen?
  • Wie sehen Ihre beruflichen Ziele aus und inwiefern sind Sie dadurch für das Unternehmen von Wert?
  • Leisten Sie „mehr“ als der Durchschnitt beziehungsweise als in Ihrem Arbeitsvertrag verlangt und dadurch vergütet?
  • Aus welchem Grund sind Sie eine gute Investition?
  • Sparen Sie die Mehrkosten durch Ihre Gehaltserhöhung vielleicht an anderer Stelle für das Unternehmen ein? Wie und in welcher Höhe?

Schritt 4: Übung macht den Meister – Probelauf der Gehaltsverhandlung

Je genauer Sie den Gesprächsverlauf vorhersagen können, umso besser können Sie natürlich Ihre Argumente daran anpassen. In der tatsächlichen Gehaltsverhandlung haben Sie nämlich nur eine Chance und müssen ansonsten ein weiteres Jahr bis zu Ihrem nächsten Versuch warten, oder eineinhalb, oder zwei. In diesem Fall würde das bares Geld bedeuten. Also gehen Sie lieber auf Nummer sicher und spielen Sie die Gehaltsverhandlung probeweise durch. Nehmen Sie sich dafür gleich mehrere Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder zur Hand, da jeder von ihnen neue Ideen, Kritikpunkte oder auch Erfahrungen mitbringt. Simulieren Sie zudem verschiedene Situationen, zum Beispiel den genervten Chef, den kritischen oder auch den gutmütigen. Empfehlenswert sind auch spezielle Coachings, welche eine Gehaltsverhandlung in realistischem Rahmen sowie einem professionellen Setting simulieren.

Wie können Sie die Gehaltsverhandlung ansprechen?

Wäre es nicht schön, wenn Sie ähnlich zu Ihrem Urlaubsantrag einfach eine Gehaltserhöhung beantragen könnten? Dann bräuchten Sie weder Coaching noch ausführliche Vorbereitung. Leider gibt es hierfür aber keine vorgefertigten Formulare, sondern es hilft nur eines: Fassen Sie den Mut und suchen Sie das Vier-Augen-Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten. Sollte ohnehin in Kürze ein Feedback- oder das jährliche Mitarbeitergespräch anstehen, können Sie dieses gerne mit der Gehaltsverhandlung verbinden. Ansonsten ist es üblich, einfach spontan das Gespräch zu suchen und die Bitte um eine Gehaltserhöhung vorzubringen. Doch fallen Sie bitte nicht gleich mit der Tür ins Haus, sondern gehen Sie in folgenden drei Schritten vor:

  1. Begeben Sie sich erst einmal in die Beobachterrolle und lernen Sie Ihren Vorgesetzten (aus der Ferne) so gut wie möglich kennen. Nein, Sie müssen nicht wissen, welcher sein Lieblingssport ist oder wo er seine Ehefrau kennengelernt hat. Konzentrieren Sie sich darauf, wann er gute und wann eher schlechte Laune hat. Ist er vielleicht ein Morgenmuffel? Ist er montags müde, dafür aber freitags voll Vorfreude auf das Wochenende besonders spendierfreudig? Mit welchen Argumenten lässt er sich immer gut überzeugen (emotional, finanziell, konstruktiv) und welche prallen an ihm eher ab? Welche No-Gos gibt es, die ihn vielleicht besonders wütend oder forsch werden lassen? Je genauer Sie wissen, wie Ihr Chef „tickt“, umso geschickter können Sie bei der Gehaltsverhandlung vorgehen.
  2. Nun wissen Sie um den besten Zeitpunkt für Ihre Gehaltsverhandlung und können die Initiative ergreifen. Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Chef nicht stören, während er mit dem Kopf gerade noch bei einem anderen Thema ist, zum Beispiel seinem Vortrag beim anstehenden Meeting. Es ist ohnehin besser, wenn Sie sich einen Zeitpunkt aussuchen, an welchem Ihr Vorgesetzter keine anschließenden Termine mehr hat. Wirkt er hingegen sehr beschäftigt, gestresst oder nicht allzu gut gelaunt, üben Sie sich lieber in Geduld und verschieben die Gehaltsverhandlung um ein paar Tage oder auch Wochen. Sie wissen ja: „Gut Ding braucht Weile!“
  3. „Hallo Chef, ich hätte gerne eine Gehaltserhöhung“ ist gewiss nicht der beste Einstieg in Ihre Gehaltsverhandlung. Ein guter Gesprächseinstieg lässt Ihren Vorgesetzten nicht gleich erkennen, dass Sie eigentlich nur mehr Geld möchten. Denn dann geht er eventuell sofort in Verteidigungshaltung und Sie können sich ergebnislos um Kopf und Kragen reden. Fragen Sie ihn doch eher, ob Sie über Ihre Leistungen sprechen können oder sagen Sie ihm, dass Sie das soeben erfolgreich abgeschlossene Projekt noch einmal gerne gemeinsam reflektieren möchten. So haben Sie auch gleich Ihr erstes Argument „Pro-Gehaltserhöhung“ parat. Ein erfolgsversprechender Gesprächseinstieg in Ihre Gehaltsverhandlung könnte demnach wie folgt aussehen:

„Ich würde gerne noch einmal das Projekt XXX reflektieren und mit Ihnen über meine persönlichen Leistungen und Ziele sprechen, auch in finanzieller Hinsicht.“

„Da ich nun schon seit fast genau zwei Jahren in Ihrer Abteilung mitarbeite, würde ich gerne einmal mit Ihnen über meine persönlichen Perspektiven sprechen.“

„Ich würde gerne mit Ihnen darüber sprechen, welche Veränderungen das bevorstehende Ende meiner Probezeit für meine Tätigkeit in diesem Unternehmen haben wird, auch in finanzieller Hinsicht.“

Und jetzt? Wie Sie die Gehaltsverhandlung führen

Der erste Schritt ist ja bekanntlich der schwierigste. Sie haben nun also bereits die wichtigste Hürde genommen. Doch wie können Sie nach dem gelungenen Start nun zur Gehaltserhöhung überleiten? Mit unseren Dos und Don’ts führen Sie Ihre Gehaltsverhandlung zum Erfolg:

Dos — Worauf Sie bei der Gehaltsverhandlung achten sollten:

  • Auch nach Ihrem sanften Start sollten Sie natürlich nicht mit der Tür ins Haus fallen. Der Vorgesetzte weiß aus Erfahrung vermutlich ohnehin schon, worauf Sie eigentlich hinauswollen. Führen Sie dennoch erst einmal ein wenig Smalltalk. Mag Ihr Chef vielleicht Fußball? Dann sprechen Sie über die Bundesligaergebnisse oder das anstehende Derby. Im Notfall tut es sonst auch das Wetter.
  • Bewegen Sie Ihren Vorgesetzten nun erst einmal zu einer Leistungseinschätzung.
  • In der Regel kommt dann früher oder später die Gegenfrage: „Wie würden Sie sich selbst einschätzen?“. Dann ist es an der Zeit, Ihre Leistungen und Erfolge hervorzuheben.
  • Gehen Sie anschließend zu Ihren persönlichen Zielen und Perspektiven über und richten Sie Ihren Blick in die Zukunft.
  • Führen Sie Ihre Argumente für eine Gehaltserhöhung an und nennen Sie erst anschließend eine konkrete (im besten Fall ungerade) Zahl.
  • Sparen Sie sich Ihre wichtigsten Argumente für den Schluss auf. Einwände Ihres Vorgesetzten kommen nämlich gewiss und so können Sie mit überzeugenden Antworten statt einem peinlichen Schweigen reagieren.
  • Nehmen Sie Kritik und Gegenargumente an und versuchen Sie diese wiederum durch logische Gedankengänge zu entschärfen, beispielsweise: „Mir ist bewusst, dass ich letztes Jahr mit der Software XXX vermehrt Fehler gemacht habe. Aus diesem Grund habe ich aber im Frühjahr auf eigene Kosten die Weiterbildung XXX belegt, wie Sie auf diesem Zertifikat erkennen können, und arbeite seither fehlerfrei sowie um zehn Prozent effizienter“.
  • Fassen Sie am Ende Ihrer Argumentationskette noch einmal die wichtigsten Fakten zusammen, also zum Beispiel: „Meiner Meinung nach ist eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent angemessen, weil ich 1. XXX, 2. XXX und 3. XXX“.
  • Sollte Ihre Gehaltsverhandlung tatsächlich ergebnislos bleiben, weisen Sie darauf hin, dass Sie nächstes Jahr erneut diesbezüglich das Gespräch suchen werden. Bleiben Sie am Ball!
  • Achten Sie natürlich auch auf eine selbstbewusste Körpersprache: Sitzen Sie aufrecht, suchen Sie den Blickkontakt und atmen Sie ruhig. Untermalen Sie Ihre Worte durch Mimik und Gestik und setzen Sie bewusst – wenn auch sparsam – sogenannte „Power Poses“ ein.
  • Selbstbewusstsein, Professionalität und Höflichkeit sind der Schlüssel zu Ihrer Gehaltserhöhung. Lassen Sie sich daher nicht verunsichern oder gar reizen und gehen Sie niemals auf eine persönliche Ebene, weder bei sich selbst noch Ihren Kollegen oder gar dem Vorgesetzten.

Dies führt uns auch direkt zu den häufigsten Fehlern in der Gehaltsverhandlung, welche es unbedingt zu vermeiden gilt:

Don’ts – Die häufigsten Fehler in der Gehaltsverhandlung:

  • Werden Sie also niemals beleidigend oder lästern über den Kollegen, der anscheinend „viel weniger und schlechter arbeitet und trotzdem mehr verdient als Sie“.
  • Die Kollegen als Argument zu verwenden ist ohnehin ein absolutes No-Go. Je nach Arbeitsvertrag könnten Sie sich zudem in die Bredouille bringen, gegen die Verschwiegenheitsklausel verstoßen zu haben. Selbst, wenn Sie also wissen, was Ihr Kollege verdient, bewahren Sie unbedingt Stillschweigen.
  • Auch „eine Gehaltserhöhung ist doch aber nach 18 bis 24 Monaten üblich“ oder „meine letzte Gehaltsverhandlung ist schon vier Jahre her“ wird nicht als Argument gelten. So erwecken Sie eher den Anschein, Sie hätten keinerlei erwähnenswerte Leistungen oder Erfolge, die eine solche Erhöhung rechtfertigen würden.
  • Lassen Sie sich von einer kritischen Haltung Ihres Vorgesetzten oder seinen Gegenargumenten nicht verunsichern und bleiben Sie Ihren Argumenten sowie Ihrer Forderung treu. Sobald Sie unsicher wirken oder sich in Widersprüchen verstricken, stehen Ihre Chancen auf eine Gehaltserhöhung schlecht.
  • Auch, wenn Sie merken, dass Sie mit Ihren Argumenten momentan nicht vorankommen, sollten Sie sich davon ebenso wenig verunsichern lassen. Gehen Sie keinesfalls in die Opferrolle, beginnen zu jammern oder um eine Gehaltserhöhung zu betteln, weil Sie sonst Ihren Hauskredit nicht mehr tilgen können oder Ihre Frau ja gerade schwanger ist und Sie deshalb ab sofort mehr Geld benötigen. Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein bitte!
  • Selbstbewusstsein ist für die Gehaltsverhandlung zwar wichtig, doch auch dieses kann in das Gegenteil umschlagen. Setzen Sie Ihre Forderungen nicht zu hoch, sondern realistisch an. Gar keine konkrete Vorstellung zu haben ist übrigens ebenso schlimm und erweckt den Anschein, Sie hätten sich nicht informiert und seien unvorbereitet. Sie können dann, wenn überhaupt, nur mit einer milden Gabe rechnen.
  • Provokationen oder gar Erpressungsversuche sind Ihr augenblickliches Aus. Damit können Sie sich nicht nur von Ihrer Gehaltserhöhung verabschieden, sondern vielleicht auch schon bald von Ihrem Arbeitsvertrag.

Gehaltserhöhung: Mündliche Vereinbarungen schriftlich festhalten!

Wenn Ihre Gehaltsverhandlung dank unserer Tipps nun hoffentlich von Erfolg gekrönt war, haben Sie eine mündliche Zusage Ihres Vorgesetzten für eine Gehaltserhöhung. Doch was bringt Ihnen diese, wenn er sie am Tag darauf wieder abstreiten sollte? Dann stünde nämlich Aussage gegen Aussage – und Zeugen gibt es keine. Es ist daher unerlässlich, dass Sie alle in der Gehaltsverhandlung getroffenen Vereinbarungen schriftlich festhalten und von Ihrem Vorgesetzten unterzeichnen lassen.

Extra-Tipp: Sollte Ihr Chef nicht dazu bereit sein, seine Aussage zu verschriftlichen, so nehmen Sie die Sache selbst in die Hand und schicken ihm per E-Mail ein schriftliches Protokoll Ihrer Gehaltsverhandlung inklusive der getroffenen Vereinbarungen zu Ihrer Gehaltserhöhung – und vergessen Sie bitte nicht sich höflich für das Gespräch zu bedanken.

Ein höheres Gehalt bedeutet nicht immer mehr Geld

Doch was, wenn Ihre Gehaltserhöhung vom Vorgesetzten nicht bewilligt wurde? Stecken Sie nicht den Kopf in den Sand und versuchen Sie es doch mit einer neuen Strategie. Es muss nämlich nicht immer mehr Geld sein, sondern es gibt viele mögliche Varianten einer Gehaltserhöhung:

  • Firmenwagen
  • Fahrtkostenzuschuss
  • Aktien
  • Weiterbildungen
  • Versicherungen
  • Gesundheitsförderung
  • Privatnutzung des Firmen-Handys
  • u. v. m.

Vielleicht lässt sich Ihr Vorgesetzter ja auf eine solche oder ähnliche Alternative ein? Doch Vorsicht: Auch solche Leistungen müssen Sie als geldwerten Vorteil versteuern.

Apropos Steuern: Prüfen Sie unbedingt vorab, inwiefern sich Ihre Gehaltserhöhung auf Ihre Steuerpflicht auswirkt. Manch einmal führt ein höheres Brutto nämlich zu einem niedrigeren Netto. Rechnen Sie Ihre Forderung daher im Voraus genauestens durch oder lassen Sie sich von einem Steuerberater dabei helfen.

Fazit: Was ist realistisch bei der Gehaltsverhandlung und was nicht?

Wenn Sie mit einer guten Vorbereitung in die Gehaltsverhandlung gehen, haben Sie prinzipiell beste Chancen auf eine Gehaltserhöhung. Allerdings müssen Sie sich diese auch verdient haben und nachvollziehbar argumentieren können. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei der Gehaltsverhandlung nämlich um ein Tauschgeschäft: Bessere Leistung gegen mehr Gehalt. Sie müssen also durchaus damit rechnen, dass Ihr Vorgesetzter diesen Tauschhandel auch überprüft und Ihre Versprechungen einfordert. Mit viel Motivation und Fleiß ist es aber durchaus der normale Lauf der Dinge, dass Sie mit den Jahren mehr Berufserfahrung sammeln, Wissen anhäufen und Routine entwickeln – und dadurch auch Ihre Leistungen steigern. Eine regelmäßige Gehaltserhöhung ist dann nicht nur realistisch, sondern Sie sollten diese unbedingt einfordern. Unrealistisch ist es nämlich, darauf zu warten, dass Ihr Chef eines Tages von selbst auf Sie zukommt und Ihnen mehr Gehalt anbietet.

Das Fazit lautet also: Ergreifen Sie die Initiative und führen Sie in regelmäßigen Abständen sowie zu den genannten Anlässen Gehaltsverhandlungen.

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Welche weiteren Tipps haben Sie für unsere Leser? Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit Gehaltsverhandlungen gemacht oder wann sagen Sie als Vorgesetzter „Ja“ zur Gehaltserhöhung? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen in den Kommentaren.

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