Vielen Bewerbern bereitet die Forderung einer Angabe des Gehaltswunsches in der Bewerbung Kopfzerbrechen. Während sich Jobwechsler an ihrer vorherigen Vergütung zumindest grob orientieren können, tappen zahlreiche Berufseinsteiger hilflos im Dunkeln. Wie hoch ist mein Marktwert überhaupt? Was, wenn ich zu viel fordere? Habe ich einen Vorteil, wenn ich „günstiger“ bin als meine Mitbewerber? Doch eine Frage quält besonders: Warum fragen Unternehmen überhaupt nach dem Gehaltswunsch und geben in der Stellenausschreibung nicht einmal eine grobe Vergütungsspanne an? Möchten sie vielleicht bewusst einen Konkurrenzkampf erzielen und dadurch möglichst „billige“ Arbeitskräfte rekrutieren?
Bewerberin reagiert geschockt auf die Frage nach dem Gehaltswunsch
Inhalt
1. Leiden alle deutschen Arbeitgeber plötzlich unter Geldnot?
2. Ist die Frage nach dem Gehaltswunsch das Resultat des Preisdumpings geiziger Arbeitgeber?
3. Ein Perspektivwechsel: Der Bewerber kann sein Gehalt „frei“ bestimmen
4. Bewerber müssen ihren Marktwert kennen
5. Ein hohes Gehalt ist möglich – muss aber gerechtfertigt sein
6. Employer Branding: Viele Arbeitgeber sind besser als ihr Ruf
7. Ja, Arbeitgeber sind geizig – aber anders, als Sie vielleicht denken!
8. Fazit: Geld ist nicht alles im (Berufs-) Leben und Arbeitgeber sind besser als ihr Ruf

Leiden alle deutschen Arbeitgeber plötzlich unter Geldnot?

Wenn es um Geld geht, kochen die Gemüter schnell hoch. Das Thema Gehalt schlägt deshalb derzeit in den öffentlichen Medien große Wellen. Viele Unternehmen starten eine Einsparungsmaßnahme nach der nächsten. Und jeder Arbeitgeber hat eine scheinbar plausible Ausrede, weshalb er „nicht so viel bezahlen kann“. Die einen sind noch ein Startup und haben angeblich nicht allzu große finanzielle Möglichkeiten, die anderen müssen sich gegen internationale Konkurrenz in Billiglohnländern behaupten und können daher nicht das „deutsche Gehaltsniveau“ erfüllen. Die Frustration bei vielen Arbeitnehmern steigt und steigt. Sie fühlen sich unterbezahlt, nicht wertgeschätzt und oftmals von ihren Arbeitgebern auch belogen, wenn diese trotz Einsparungsmaßnahmen am Ende des Jahres Überschüsse in Milliardenhöhe verzeichnen. Dass einige deutsche Arbeitgeber wirklich unter Geldnot leiden mag der Wahrheit entsprechen. Aber so viele? Das erscheint doch sehr zweifelhaft!

Ist die Frage nach dem Gehaltswunsch das Resultat des Preisdumpings geiziger Arbeitgeber?

Wenn es also nicht am Geldmangel liegt, wieso fordern viele Arbeitgeber in ihren Stellenausschreibungen dann die Angabe eines Gehaltswunsches durch den Bewerber?

Weil sie dadurch ein Preisdumping erwirken und den „billigsten“ Bewerber herausfiltern möchten, lautet für viele Menschen die logische Schlussfolgerung.

Auch hier möchten wir nicht abstreiten, dass das bei einigen Unternehmen durchaus der Fall sein mag. Doch ist ebenso infrage zu stellen, dass es sich dabei um die breite Masse handelt. Viele Arbeitgeber sind nämlich deutlich besser als ihr Ruf und verfolgen mit der Forderung keine rein egoistischen Sparziele. Im Gegenteil: Aus der richtigen Perspektive sieht die Möglichkeit der Angabe eines individuellen Gehaltswunsches sogar nach einer echten Chance für die Bewerber aus.

Ein Perspektivwechsel: Der Bewerber kann sein Gehalt „frei“ bestimmen

Wie immer im Leben ist es wichtig, eine Problematik aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Wenn wir einmal die „schwarzen Schafe“ unter den Arbeitgebern vernachlässigen und stattdessen die Perspektive der „seriösen“ Unternehmen einnehmen, ist die Forderung eines Gehaltwunsches in der Stellenausschreibung eigentlich als beidseitige Chance angedacht – und durchaus auch im Interesse des Bewerbers. Es werden nämlich keinesfalls immer die „günstigsten“ Bewerber eingestellt und ein künstliches Preisdumping ist weder angebracht noch notwendig. Stattdessen wollen die Unternehmen eigentlich nur sichergehen, dass der Bewerber einerseits grob im Budget liegt – und keine völlig unrealistischen Erwartungen mitbringt – und dieser andererseits im Falle der Einstellung mit seinem Gehalt zufrieden ist. Schließlich hat er es dann ja selbst ausgesucht und hat somit eigentlich keinen Grund zur Klage. Das Konzept geht allerdings nur auf, wenn der Bewerber sich eben nicht einschüchtern lässt und ein künstlich niedriges Gehalt fordert, welches so ganz und gar nicht seinen Vorstellungen entspricht.

Bewerber müssen ihren Marktwert kennen

Ein besonders geringes Gehalt wirkt auf professionelle Personaler nicht unbedingt attraktiv. Ganz im Gegenteil:

Wer zu wenig einfordert, verkauft sich unter Wert, strahlt dadurch ein sehr geringes Selbstbewusstsein aus und hat eher schlechte Karten im Einstellungsprozess.

Ja, auch eine zu bescheidene Gehaltsforderung in der Bewerbung kann also zum Ausschlusskriterium mutieren. Auf der anderen Seite sind natürlich auch viel zu hohe Vergütungsvorstellungen unangebracht. Sie werden als arrogant aufgefasst und wenn Sie überhaupt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten, wird die Frage nach der Rechtfertigung Ihres hohen Gehalts gewiss nicht lange auf sich warten lassen. Für Sie als Bewerber ist es deshalb unerlässlich, Ihren Marktwert realistisch einschätzen zu können. Gerade Berufseinsteiger tun sich damit allerdings denkbar schwer. Gehen Sie deshalb wie folgt vor, um angemessene Gehaltsvorstellungen zu entwickeln:

  • Recherchieren Sie im Internet nach branchen- und positionsüblichen Gehältern.
  • Sprechen Sie mit Bekannten aus der Branche und fragen Sie diese nach freiwilligen (!) Auskünften zu ihrem Gehalt.
  • Informieren Sie sich über etwaige Tarif- oder Betriebsvereinbarungen, die für das Unternehmen gelten.
  • Berücksichtigen Sie die Unternehmensgröße, die Region sowie die aktuelle Marktlage des Betriebs.
  • Holen Sie sich Informationen von Bekannten aus dem Unternehmen ein, wenn vorhanden.
  • Versuchen Sie ansonsten Ihr Glück in (anonymen) Foren im Internet.

Aber Achtung: Gerade, wenn es um Geld geht, neigen Menschen zum Aufrunden. Nehmen Sie daher nicht jede Aussage für voll, sondern pendeln Sie Ihre Vorstellungen auf einem gesunden Mittelwert ein.

Lese-Tipp:Einstiegsgehalt: So klappt’s mit der Gehaltsvorstellung

Ein hohes Gehalt ist möglich – muss aber gerechtfertigt sein

Wenn Sie Ihren Marktwert kennen, können und sollten Sie diesen auch in der Bewerbung einfordern.

Auch die Durchsetzung einer höheren Gehaltsvorstellung ist dabei möglich. Sie will nur gerechtfertigt und nachvollziehbar sein.

Ob Sie es glauben oder nicht: Viele Arbeitgeber zielen schlussendlich auf eine Bezahlung ab, die beide Seiten als fair empfinden. Haben Sie eine außergewöhnlich hohe Gehaltsvorstellung, können diese aber zum Beispiel durch absolvierte Weiterbildungen, herausragende Qualifikationen oder besonders lange Berufserfahrung rechtfertigen, stehen Ihre Chancen auf eine Zusage ebenso gut wie bei einem Bewerber mit geringerer Gehaltsvorstellung in der Bewerbung. „Mein guter Freund Herr Mustermann verdient aber genauso viel“, reicht als Rechtfertigung dafür allerdings nicht aus.

Employer Branding: Viele Arbeitgeber sind besser als ihr Ruf

Nicht alle Arbeitgeber sind von Natur aus geizig und auf unfaire Gehälter getrimmt.

Und selbst wenn, bleibt vielen in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels keine andere Wahl, als ihre Einstellung zu ändern. Schließlich fehlt es in immer mehr Branchen an ausreichend qualifiziertem Nachwuchs. Die Unternehmen müssen also höhere Gehälter zahlen, um die Fachkräfte nicht früher oder später an die „großzügigere“ Konkurrenz zu verlieren. Die meisten Arbeitgeber in Deutschland sind also sogar besser als ihr Ruf. Manche eben freiwillig und andere müssen gezwungenermaßen tiefer in die Geldbörse greifen, um den Nachwuchs für ihr Unternehmen zu sichern. Stichwort: Employer Branding. Mit falscher Bescheidenheit schneiden sich Bewerber also ins eigene Fleisch. Vor allem in vom Fachkräftemangel betroffenen Branchen kann sich etwas mehr Mut durchaus auszahlen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ja, Arbeitgeber sind geizig – aber anders, als Sie vielleicht denken!

Das Fazit, weshalb so viele Arbeitgeber einen Gehaltswunsch in der Bewerbung einfordern, lautet also: Ja, Arbeitgeber sind geizig. Doch sie wünschen sich durch die Forderung kein künstliches Preisdumping und die gezielte Auswahl des „günstigsten“ Bewerbers. Sie möchten stattdessen die Kosten für eine hohe Mitarbeiterfluktuation senken sowie für das Recruiting, die Einarbeitung neuer Mitarbeiter und Zusatzkosten durch unzufriedene, unmotivierte, unproduktive oder häufig kranke Angestellte.

Wer sich sein Gehalt selbst ausgesucht hat, ist damit schließlich tendenziell zufriedener, dadurch auch motivierter, produktiver, dem Unternehmen gegenüber loyaler, langfristig gesünder – und auf lange Sicht eben auch „günstiger“.

Zudem werden die Kosten für unnötige Bewerbungsgespräche eingespart, wenn die Vorstellungen im Fall der Fälle eben doch zu weit auseinanderklaffen. Schwarze Schafe sind dabei natürlich nicht auszuschließen, doch glücklicherweise eher die Ausnahme als die Regel.

Fazit: Geld ist nicht alles im (Berufs-) Leben und Arbeitgeber sind besser als ihr Ruf

Anstatt jetzt also Geld, Zeit und Energie darauf zu verschwenden, deutsche Arbeitgeber pauschal als geizig, egoistisch und unfair zu verteufeln, sollten Bewerber die Möglichkeit einer Gehaltsangabe in der Bewerbung als Chance begreifen, ihren Marktwert ermitteln und einen Gehaltswunsch äußern, mit dem sie auch wirklich zufrieden wären – der aber dennoch realistisch und logisch nachvollziehbar ist. Zudem lassen sich auch andere Argumente für einen Arbeitgeber finden, die ein unterdurchschnittliches Gehalt wieder wettmachen können: Flache Hierarchien beispielsweise, flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit eines Sabbaticals, Familienfreundlichkeit und und und…

Lese-Tipp: „Sabbatical – Die Auszeit vom Job richtig planen

Geld ist ja bekanntlich nicht alles im Leben, nicht einmal im Job. Und wenn Sie jetzt „Doch“ antworten, seien Sie eben ab sofort etwas mutiger bei Ihren Gehaltsverhandlungen. Viele Arbeitgeber sind schließlich an einer Win-Win-Situation interessiert. Jammern und den deutschen Unternehmen den schwarzen Peter zuschieben hat jedenfalls noch nie eine Veränderung bewirkt. Das müssen Sie schon selbst in die Hand nehmen!

Oder was denken Sie? Sind wirklich alle deutschen Arbeitgeber unfair und geizig? Oder machen vielleicht (auch) die Bewerber Fehler im Umgang mit ihrem Gehaltswunsch? Welche Änderungen lassen sich Ihrer Meinung nach aufgrund des Fachkräftemangels in naher Zukunft erwarten? Und wie bewerten Sie das Thema aus der Sicht eines Personalers? Wir freuen uns auf Ihre rege Diskussion sowie individuelle Meinungen in den Kommentaren!

4 Kommentare

  1. Jens Bernhard

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Leider wurde eine Problematik bei der Gehaltsangabe in Bewerbungen garnicht beleuchtet. Denn bevor man mutiger oder besonnener sein kann, muss man ja erst einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Und nehmen wir mal eine sehr gefragte Stelle im HR-, Marketing- oder PR-Bereich, auf die sehr viele Bewerbungen eintreffen. Da wird zur Erstauswahl auch gerne mal die Auszubildende, Praktikantin oder Trainee oder auch immer wieder gerne ein einfacher Filter im Online-Bewerbungs-Portal herangezogen. Liegt man da dann auch nur 1.000,- EUR über einer derjenigen vorgegebenen oder einer eingegebenen Spanne, wird man schon garnicht erst eingeladen. Sprich, ganz so einfach ist es nicht, zu sagen: “Naja, so böse sind die deutschen Arbeitgeber garnicht.” Ich frage dagegen: Warum kann man den Gehaltswunsch nicht im Vorstellungsgespräch offen und ehrlich diskutieren? Wenn man da einen 1.000er über der gewünschten Spanne liegt, trifft man sich in der Mitte oder drückt auf einer Seite ein Auge zu.

    Ich glaube nämlich, dass sich aufgrund einer vielleicht nur leicht zu hohen Gehaltsangabe in Bewerbungen nicht nur Bewerber die Zähne ausbeißen, nach hunderten Bewerbungen noch immer keine Einladung zum Vorstellungsgespräch ergattern konnten und dann doch frustriert an der Gehaltsschraube drehen. Sondern, ich glaube auch, dass Top-Unternehmen in der oben beschriebenen Situation Top-Bewerber durch die Lappen gehen, nur weil “mal schnell” eine Vorauswahl getroffen wurde.

  2. Udo Liedtke

    Danke für den Artikel und die Thematisierung der Gehaltsfrage. Das ist wichtig und auch richtig. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich aber leider nur Herrn Bernhards Kommentar dazu bestätigen.
    Noch fataler sind die Folgen der Tätigkeit von den aus dem Boden spriessenden Recruitement Unternehmen.
    Hier wird eigentlich, meist in Ermangelung von wirklich qualifizierten Mitarbeitern, fast nur mit solchen “Filterchen” gearbeitet. “Altersgrenze, Gehaltsgrenze, Arbeitsuche länger als”, sind nur einige der Hindernisse die da aufgebaut werden und verhindern das zum Teil auch gute, qualifizierte und vor allem arbeitswillige Menschen erst gar nicht mehr eingeladen werden. Hieraus entsteht meiner Meinung nach ein sehr wesentlicher Anteil unseres Fachkräftemangels! Niemand bei diesen “Vermittlern” hat Personal das sich die Arbeit macht, oder auch nur in der Lage ist eine Bewerbung richtig zu lesen.
    Als Beweis dazu führe ich mal an das ich bisher nur bei den wenigen renomierten Unternehmensberatungen, die schon sehr lange am Markt sind, überhaupt sinnvolle Gespräche führen durfte und auch mal persönlich wertschätzende, qualifizierte Absagen erhielt. Hieraus lassen sich dann eventuell Verbesserungen ableiten. Der große Rest ist leider meist noch nicht einmal das Verfassen einer individuellen Bewerbung wert, denn die im Internet ausgeschriebene Stelle ist oft “Fake” und dient lediglich zum Auffüllen der Bewerberdatei. Die Gespräche mit den Mitarbeitern des Vermittlers (die eigentlich immer folgen) sind meist inhaltslos. Ala – so formuliert man das aber heute nicht mehr, Ihr Bild ist mir etwas zu Dunkel da brauchen wir …, Könnten Sie sich vorstellen auch etwas weiter weg zu arbeiten, etc., bla, bla, …) Die meisten Ihrer Fragen sind im Lebenslauf oder im Anschreiben schon beantwortet, was mich in der Auffassung bestärkt das das eben oft NICHT gelsen wird. Wenn dann mal überhaupt eine Vorstellung bei einem potentiellen Arbeitgeber erfolgt, handelt es sich meist um schlecht recherchierte Anforderungsprofile, problematische Arbeitsbedingungen oder die Stelle soll überhaupt nicht besetzt werden. Zumindest nicht von diesem Recruiter, der hat nämlich nur das Angebot eines Wettbewerbers kopiert und man wollte nur mal sehen was der so alles anschleppt. Pech wenn der Bewerber hinterher die Möglichkeit hat beim Arbeitgeber selbst in Erfahrung zu bringen was da schiefgelaufen ist. — Alles schon erlebt!
    Auch wenn es den meisten Leuten nicht gefällt – der größte Teil des Fachkräftemangels entsteht derzeit durch eine gewisse Unflexibilität auf Arbeitgeberseite und untaugliche Vermittlungsmethoden bzw. nicht qulifizierte Vermittler. Zum Schluß: Ich weis wovon ich schreibe und hatte auch selbst schon das Problem Fachkräfte finden zu müssen.

  3. Vera Plewe-Elfers

    Schließe mich den Vor”schreibern” an. Mich verärgert diese Frage zunehmend vor dem Hintergrund, dass zum einen da ein Filter auferlegt wird, der sehr oft Quatsch ist, wenn ich an Tarife, Festgehälter, Betriebsvereinbarungen gebunden bin.
    Geschickter wäre doch, wenn die Ausschreibungen die Vorstellungen des Unternehmens enthalten, was ihnen die Stelle und der qualifizierte Bewerber WERT ist/wäre. Dann bewerben sich auch nur die, die sich da wieder finden.
    Aber die Haltung ist ja immer noch mehrheitlich die, dass sich nicht das Unternehmen “bei mir” bewirbt, sondern ich da das Rad schlagen muss und im ungünstigsten Falle -egal wie- immer daneben liegen kann. Ich finde es nach wie vor regelrecht zum Kotzen, wenn man bedenkt wie viel Arbeit und Zeit. ggf. auch Geld eine gute Bewerbung kostet ( ich berate da gelegentlich Kunden und habe selbst die Erfahrung machen müssen) und dann eine rotzige standardisierte Absage, wenn überhaupt, kommt. Das alles hat mit Wertschätzung und achtsamen Umgang, mit Be-WERBUNG gar nichts zu tun. Unternehmen überschätzen sich und nehmen da ihre “Macht” wahr und springen da in der Regel etwas kurzfristig. Ich ” kaufe” da nämlich auch nichts mehr. Und es gibt kununu, um Transparenz herzustellen. Das sollte noch viel mehr genutzt werden, im allerpositivsten Sinne.
    Viele Anzeigen dienen nur der preiswerten Anzeigenwerbung, wir sind ein Unternehmen, dass floriert und einstellt, viele sind bereits intern längst vergeben usw.usf. und Mühe mag man sich gar nicht machen.
    “Ältere” Menschen einstellen, die qua Gesetz noch 10 Jahre arbeiten dürfen, wozu das denn? Lass uns lieber eine Ausstellung machen, wie “Ey Alter” oder lass die Fachpresse schreiben, wie wichtig Diversity und der Demografie-Faktor ist. Theoretisch alles sehr nett. Ich kenne Fachkräfte, die seit Jahren keinen Job finden und höre Fachkräftemangel. Wo ist der Marktplatz, wo man sich treffen kann?
    Den Frust hat der Bewerber und muss dann mit seinen empfundenen Niederlagen und Dauer-Demütigungen ggf zum Coach/ Therapeuten, um wieder auf die Reihe zu kommen. Da habe ich einige Klienten und ich schäme mich stellvertretend für Unternehmen, die unpfleglich mit ambitionierten Menschen und Schicksalen umgehen. Aber wo kein Richter, da auch kein Kläger! Wen interessiert das denn? Die Arbeitsagenturen gewiss nicht!!! Work-Life-Balance – so wichtig. Wissen Sie- wo der höchste Krankenstand ist? Bei den Arbeitslosen! Das kostet die Gesellschaft horrende Summen, aber die zahlt ja dann der Steuerzahler und nicht die Unternehmen. Menschen brauchen Sinn und soziale Anbindung und Wertschätzung ! Die, die heute so mit Bewerbern umgehen, können auch morgen schon welche sein. Vielleicht wäre das mal ein hilfreicher Gedankengang für den ein oder anderen, der gerade absagt. Da hilft auch eine gut beantwortete selbseinschätzende Gehaltsfrage nichts! Und bei einem auf ein, zwei Jahre befristeten Vertrag brauche ich auch nicht über Entwicklung sprechen und wo ich mich in 5 Jahren sehe. ;-/

  4. Ich kann die Verbitterung der Vorkommentare nur zum Teil nachvollziehen, denn ich kenne auch die andere Seite. Ich unterrichte Betriebswirtschaftsstudenten, wo ich mich regelrecht wundere, was deren Vorstellungen für später sind. Da kommen mitunter Aussagen in Evaluationen wie “wozu lerne ich das, ich werde später eh Geschäftsführer” und Gehaltsvorstellungen für frisch von der Uni in einer Größenordnung, wo ich mich frage, woher diese massive Selbstüberschätzung kommt. Und das fängt schon bei Schulpraktikas an, auch da erlebt man so viele, die eigentlich nichts können, aber meinen, die größten zu sein. Wir hätten in Deutschland sicher auch keinen Fachkräftemangel, würden alle Bürger sich aufgerufen fühlen, einem Job wirklich mit Elan nachgehen zu wollen, viele entscheiden sich aber sogar bewusst fürs, ja es gibt sogar einen Begriff dafür, hartzen. Da finde ich die Vorschläge dessen, dass sich Unternehmen bei den Arbeitskräften bewerben sollen, fehl am Platz, wenn hier bereits gesellschaftspolitisch massive Probleme existieren. Vielleicht sollte man das auch mal in die Diskussion einfließen lassen. Insoweit finde ich den Artikel hier deutlich besser als ein vergangener, ähnlicher Artikel, der über Xing beworben wurde, wo man auch reine Verbitterung rauslesen konnte. Dass es immer schwarze Schaafe und entsprechende Filter gibt, mag ich nicht abstreiten, aber gute Unternehmen werden dem “richtigen” Bewerber, dessen Elan sich bereits aus der Bewerbung ergibt auch gerne doppelt so viel zahlen als zwei Bewerbern, die dann widerwillig zur Abeit kommen und ihre Stunden absitzen, aber jeweils nur die Hälfte kosten.

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