Ein Bewerbungsprozess ist aufwändig – und oftmals frustrierend. Sie finden eine vielversprechende Stellenanzeige, sehen sich in Gedanken schon in Ihrem neuen Traumjob und investieren viel Zeit und Mühe in die „perfekte“ Bewerbung. Und dann: Funkstille oder eine der nichtssagenden Standardabsagen. Sie können weder daraus schließen, weshalb Sie abgelehnt wurden, noch, ob es sich wirklich um den Traumjob gehandelt hätte, den Sie sich ausgemalt haben. Manchmal entpuppt sich dieser in Realität nämlich als Flop. Hinweise darauf kann es bereits während Ihres Bewerbungsprozesses geben. In diesen neun Fällen sollten Sie daher lieber froh sein, eine Jobabsage erhalten zu haben, anstatt sich darüber zu ärgern…

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Mann geht die Straße entlang und ist froh darüber, den Job nicht angenommen zu haben
Photo by Volkan Olmez on Unsplash

Inhalt
1. Hinweis #1: Sie hatten ein komisches Bauchgefühl
2. Hinweis #2: Die interne Kommunikation funktioniert nicht
3. Hinweis #3: Sie erhalten überhaupt keine Rückmeldung
4. Hinweis #4: Ihre Arbeitskraft wird nicht wertgeschätzt
5. Hinweis #5: Das Unternehmen „bewirbt“ sich nicht bei Ihnen
6. Hinweis #6: Das Unternehmen wächst zu schnell
7. Hinweis #7: Die Belegschaft ist jung…
8. Hinweis #8: …oder im ständigen Wechsel
9. Hinweis #9: Sie haben einen besseren Job gefunden

Hinweis #1: Sie hatten ein komisches Bauchgefühl

Das Bauchgefühl ist klüger als unser Gehirn. Das ist wissenschaftlich belegt. Intuitive Entscheidungen sind auf lange Sicht meist die besseren. Für manche klingt es nach Willkür, eine Entscheidung aus dem Bauch heraus zu treffen. Schließlich wird dabei der Verstand ausgeschaltet und damit werden auch alle wichtigen Informationen ausgeblendet. Doch Intuition greift auf viel mehr und vielleicht auch wichtigere Informationen zurück: den Erfahrungsschatz eines Menschen, Sinneseindrücke und unterbewusste Beobachtungen.

„Die ursprüngliche Weisheit ist Intuition, während alles spätere Wissen angelernt ist.“
(Ralph Waldo Emerson)

Wenn Sie beim telefonischen Kontakt, beim Vorstellungsgespräch oder beim Kennenlernen mit den potenziellen zukünftigen Kollegen ein schlechtes Bauchgefühl hatten, ist die Jobabsage gewiss das Beste, was Ihnen passieren konnte. Sie haben nämlich bereits die schlechte Arbeitsatmosphäre, die unterschwelligen Konflikte, die narzisstischen Züge der Führungskraft oder Hinweise auf eine schlechte wirtschaftliche Lage des Unternehmens wahrgenommen.

Lese-Tipp: „Gruselkabinett im Büro: Ist Ihr Chef ein Psychopath?

Was auch immer es ist, was Ihr schlechtes Bauchgefühl auslöst: Hören Sie darauf – in allen Lebenslagen! Viele Menschen wählen ihren Job vor allem nach logischen Gesichtspunkten aus: dem hohen Gehalt, den kurzen Fahrtwegen oder der guten Vereinbarkeit mit der Familienplanung. Natürlich spielen diese Argumente auch eine wichtige Rolle. Doch wenn Ihr Bauchgefühl Alarm schlägt, sind sie nichtig. Also seien Sie froh, dass das Unternehmen Sie durch die Jobabsage vor einer Fehlentscheidung bewahrt hat.

Hinweis #2: Die interne Kommunikation funktioniert nicht

Sie erhalten auf Ihre Bewerbung eine Einladung zum Vorstellungsgespräch von der einen Person und eine Absage von der anderen? Oder Sie haken telefonisch nach und Ihr Gesprächspartner weiß nicht einmal, welcher für Ihr Anliegen der richtige Ansprechpartner ist? Vielleicht wird Ihre E-Mail auch erst nach mehreren Wochen bearbeitet, weil der eine Kollege krank war, der zweite im Urlaub, der dritte ist über nichts informiert und der vierte muss noch die Genehmigung vom Chef einholen und der wiederum von seinem Vorgesetzten.

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Statistik: Wie ist bei Ihnen auf der Arbeit das Kommunikationsklima? | Statista
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Klingt chaotisch? Richtig! Leider gibt es zahlreiche Unternehmen, in welchen die interne Kommunikation die reinste Katastrophe ist und es dauert nicht lange, bis das auch bei Kunden, Geschäftspartnern und eben Bewerbern durchsickert. Ein solcher Betrieb befindet sich auf dem besten Weg in die Insolvenz. Gut, dass Sie hier keine neue Stelle angetreten haben!

Hinweis #3: Sie erhalten überhaupt keine Rückmeldung

Ein ebenso schlechtes Zeichen ist es, wenn Sie auf Ihre Bewerbung oder nach einem Vorstellungsgespräch überhaupt keine Rückmeldung erhalten. Das zeugt entweder ebenfalls von einer fehlgeleiteten internen Kommunikation oder von schlechten Manieren – eventuell einfach beides. Hand aufs Herz: Möchten Sie bei einem Arbeitgeber anfangen, der nicht einmal den Anstand und Respekt hat, Ihnen eine Absage zu senden? Schließlich haben auch Sie Zeit und Mühe in die Bewerbung sowie gegebenenfalls in das Bewerbungsgespräch gesteckt. Verkaufen Sie sich nicht unter Wert, sondern haben Sie das notwendige Selbstbewusstsein, zu solch einem Verhalten „Nein“ zu sagen.

Lese-Tipp: „Selbstbewusstsein stärken: Tipps & Übungen für mehr Selbstvertrauen

Hinweis #4: Ihre Arbeitskraft wird nicht wertgeschätzt

Selbstwertgefühl sollten Sie auch an den Tag legen, wenn Sie sich als Bewerber nicht wertgeschätzt fühlen. Die Personaler sind im Vorstellungsgespräch schlecht vorbereitet, am Telefon behandelt man Sie unfreundlich und Ihre zukünftigen Kollegen wirken desinteressiert. Zudem werden Ihre Gehaltsvorstellungen von Vornherein heruntergehandelt und dass unbezahlte Überstunden zum Job gehören, wird Ihnen direkt klargemacht. Freuen Sie sich in diesem Fall lieber über eine Jobabsage, denn Sie haben etwas Besseres verdient.

Hinweis #5: Das Unternehmen „bewirbt“ sich nicht bei Ihnen

Was einige Unternehmen und leider auch viele Bewerber nämlich immer noch nicht begriffen haben, ist: Nicht nur Sie müssen sich bei dem Arbeitgeber bewerben, sondern auch er bei Ihnen. Natürlich brauchen Sie einen Job, um Ihre Miete zu bezahlen und damit Ihre Kinder genügend Essen auf dem Tisch haben. Doch auch Sie bringen dem Unternehmen einen Mehrwert und bieten ihm Ihre Arbeitskraft, Zeit, Energie und Loyalität. Möchten Sie dafür nicht mehr als „nur“ einen mittelmäßigen Zahlungseingang auf Ihrem Konto am Ende des Monats? Wenn das Unternehmen Sie stattdessen von oben herab behandelt, sich nicht bei Ihnen „bewirbt“, sondern Ihnen das Gefühl vermittelt:

„Wir haben so viele Bewerber, Sie sind uns egal. Wenn Sie den Job nicht möchten, nehmen wir halt jemand anderen. Was soll’s.“
Bildernachweis: Arbeits-ABC/Canva.com

– dann ist eine Jobabsage garantiert auf den zweiten Blick ein Glücksfall!

Hinweis #6: Das Unternehmen wächst zu schnell

Solch ein Fehlverhalten ist häufig bei Unternehmen und vor allem Startups der Fall, die sehr schnell wachsen und vielleicht noch nicht so viel Erfahrung mit Recruiting, Employer Branding oder dem Fachkräftemangel gesammelt haben. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall und hier steht die erste richtige Krise häufig noch aus.

Wenn ein Unternehmen zu schnell wächst – sich sozusagen künstlich aufbläst – kommt in der Regel früher oder später der große Knall. Nach dem Hype müssen Mitarbeiter entlassen werden und Sie finden sich erneut im Bewerbungsprozess wieder.

Wird in der Stellenausschreibung oder beim Bewerbungsgespräch also damit geprahlt, dass das Unternehmen vor einem Jahr nur zehn Mitarbeiter hatte, jetzt 2.000 und im kommenden 10.000, sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten. Erkundigen Sie sich dann nach dem geplanten Change-Management für ein gesundes Wachstum. Oder seien Sie einfach froh, dass Sie eine Jobabsage erhalten haben und beobachten Sie die Geschehnisse aus „sicherer Entfernung“.

Hinweis #7: Die Belegschaft ist jung…

Ein weiterer Hinweis darauf, dass eine Jobabsage im Nachhinein gut für Sie war, ist eine auffallend junge Belegschaft im Unternehmen. Denn hier sind entweder die älteren Mitarbeiter freiwillig gegangen oder sie „wurden“ gegangen – so oder so ein schlechtes Zeichen. Ein gesundes Unternehmen braucht Mitarbeiter aus allen Altersklassen. Häufig wird mit einem „jungen Team“ geworben, doch in den meisten Fällen ist das eher ein Argument gegen, anstatt für das Unternehmen.

Hinweis #8: …oder im ständigen Wechsel

Ebenso verhält es sich, wenn die Mitarbeiter nie länger bleiben als wenige Jahre. Zwar empfehlen Experten eine berufliche Veränderung nach spätestens sieben Jahren, doch kann diese auch intern stattfinden, zum Beispiel im Sinne einer Beförderung oder Weiterbildung.

Lese-Tipp: „Jobzyklus: Nach 7 Jahren sollten Sie gehen

Ist jedoch kein Mitarbeiter länger als zwei, drei oder fünf Jahre im Unternehmen oder wird die Stellenausschreibung nach kurzer Zeit erneut veröffentlicht, scheint der Arbeitgeber Probleme zu haben – vielleicht finanzieller Art, mit einer schlechten Arbeitsatmosphäre oder mangelnden Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter. Hier wären auch Sie gewiss nicht lange geblieben!

Hinweis #9: Sie haben einen besseren Job gefunden

Glauben Sie uns: Schlussendlich werden Sie spätestens dann über die Jobabsage froh sein, wenn Sie einen neuen Job gefunden haben, der besser zu Ihnen passt. Im Leben kommt es schließlich immer so, wie es soll. Also vertrauen Sie darauf, dass der Job für Sie schlichtweg nicht der richtige war und dass eine bessere Alternative kommen wird. Üben Sie sich in Gelassenheit!

Lese-Tipp: „Just relax: 5 Tipps für mehr Gelassenheit im Job

Oder sehen Sie das anders? Wann waren Sie schon einmal im Nachhinein froh über eine Jobabsage? Kennen Sie weitere Hinweise? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!