Wir Menschen neigen zum Beschönigen. Klar, Kritik fühlt sich niemals gut an und würde ja gleichzeitig bedeuten, dass wir etwas an unserem Verhalten ändern müssten – also Arbeit. Doch wenn du auch nach 50, 100 oder 200 Bewerbungen immer noch keine Jobzusage erhalten hast, wird es vielleicht Zeit, die Märchenstunde zu beenden. Häufig lügen sich Arbeitssuchende nämlich in die eigene Tasche. Wir haben deshalb die sechs größten Irrtümer im Bewerbungsprozess zusammengetragen und verraten dir, wie es wirklich geht. Damit lässt der Traumjob hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten!

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Den Kopf in den Sand stecken wäre zu einfach

Der Bewerbungsprozess ist stets eine aufregende Zeit. Egal, ob du unter Druck stehst oder dich locker flockig aus einem Angestelltenverhältnis nach einer besseren Alternative umsiehst, birgt eine Bewerbung stets auch die Gefahr von Zurückweisung. Ebenso wie es beim Flirten schmerzt, wenn du einen Korb bekommst, fühlt sich auch jede Absage auf eine Bewerbung oder nach einem Vorstellungsgespräch an wie ein kleiner Stich ins Herz – oder besser gesagt ins Ego. Viele Bewerber neigen deshalb dazu, die Schuld woanders zu suchen, statt bei sich selbst. Sie stecken den Kopf in den Sand und beschönigen die Tatsachen. Die Zusage wird schon noch kommen!

Lese-Tipp:„Ostrich-Effect“: Steck den Kopf nicht in den Sand

Dass nicht direkt auf die erste Bewerbung ein neuer Arbeitsvertrag folgt, ist nicht ungewöhnlich. Auch bei drei, fünf oder zehn Bewerbungen kann es gut sein, dass schlichtweg noch nicht die passende Stelle für dich dabei war. Doch wenn auch auf dutzende oder sogar hunderte Bewerbungen keine Zusage folgt, vielleicht nicht einmal die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, solltest du dich selbst einmal auf den Prüfstand stellen: Mache vielleicht einen oder mehrere Fehler, welche die Personaler abschrecken? Fehlt es dir eventuell an wichtigen Qualifikationen? Oder bewirbst du dich sogar auf die „falschen“ Stellenausschreibungen?

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Die sechs größten Irrtümer von Bewerbern

Natürlich kann deine Flaute auch im Außen begründet sein. Doch bei so vielen Enttäuschungen hintereinander liegt es doch nahe, dass du diese zumindest teilweise mitverschuldet hast. Auch wenn es schmerzt, ist es deshalb an der Zeit, den Kopf aus dem Sand zu ziehen und sich in Selbstkritik zu üben. Nur so kannst du dich schließlich verbessern – beziehungsweise deine Bewerbungsunterlagen oder deine Performance in Vorstellungsgesprächen. Wir haben deshalb die sechs häufigsten Lügen zusammengetragen, welche sich Arbeitssuchende gerne und häufig selbst auftischen.

Irrtum #1: Je mehr Bewerbungen, umso besser!

Gemäß dem Motto „Masse statt Klasse“ hauen viele Jobsuchende so viele Bewerbungen wie möglich heraus. Wenn sie nur weit genug streuen, wird schon irgendwann eine Zusage in den Briefkasten flattern, so der Irrtum. Tatsächlich stehen deine Chancen aber viel besser, wenn du nur zehn oder sogar fünf spezialisierte Bewerbungen schreibst und in diese viel Zeit sowie Sorgfalt investierst. Vielleicht belegst du sogar ein Seminar oder eine Weiterbildung, um deine Qualifikationen in deiner „Nische“ weiterzuentwickeln. Wer hingegen 50 oder 100 Bewerbungen versendet, muss bei der Qualität zwangsweise Abstriche machen. Einem guten Personaler entgeht das nicht und deine Bewerbungsunterlagen wandern mit dem Vermerk „Massenbewerbung“ direkt in den Reißwolf. Einzige Ausnahme ist der Sonderfall der Zielgruppen Kurzbewerbung.

Lese-Tipp:You are hired: Traumjob durch Zielgruppen Kurzbewerbung

Auch dein potenzieller zukünftiger Arbeitgeber möchte schließlich deine Nummer eins sein und nicht dein Plan B, Plan C oder Plan Y. Ansonsten kann er sich sicher sein, dass deine Motivation zu wünschen übriglässt und das Arbeitsverhältnis wenig erfolgversprechend ist. Setze also in Zukunft wieder auf Qualität statt Quantität.

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Irrtum #2: Ehrlichkeit hat lange Beine!

Du kennst das Sprichwort:

„Lügen haben kurze Beine!“

Dass Lügen im Bewerbungsprozess nur in Ausnahmefällen erlaubt sind und Authentizität für dein persönliches Wohlbefinden im Job unerlässlich ist, so viel scheint klar.

Doch es ist ein schmaler Grat zwischen Unehrlichkeit und zu viel des Guten. Du musst dich schließlich immer noch im besten Licht präsentieren, um dich gegen die Konkurrenz durchsetzen zu können. Auch der Arbeitgeber wird hier und dort ein wenig beschönigen:

  • Die Arbeitsatmosphäre? Natürlich super!
  • Deine Aufstiegschancen? Exzellent!
  • Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens? Wir schwimmen quasi im Geld!

Auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt.

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Lese-Tipp:Authentizität im Job: authentisch sein, aber richtig

Selbiges gilt für dich: Wenn du jammerst, dass du bereits 150 Absagen erhalten hast, dass du diesen Job unbedingt brauchst, weil du bis über beide Ohren mit deinem auf Pump gekauften Eigenheim verschuldet bist, und dass du chronische Rückenschmerzen hast und hoffentlich bald eine Berufsunfähigkeitsrente erhältst, brauchst du dich nicht wundern, wieso das mit den Bewerbungen irgendwie nicht klappen will. Natürlich mögen das Extrembeispiele sein. Doch zu viel Ehrlichkeit kann dir im Bewerbungsprozess ebenso schaden wie zu wenig. Stichwort: Selbstmarketing. Bleibe zwar authentisch, aber präsentiere dich im besten Licht und halte dich bei deinen Schwächen, Ängsten, privaten Problemen oder sonstigen negativen Aussagen professionell zurück. Dafür gibt es Therapeuten!

Irrtum #3: Geduld ist eine Tugend!

Jeder Bewerbungsprozess bedeutet auch: Warten! Auf eine Rückmeldung, eine Einladung zum Vorstellungsgespräch und die Zu- oder Absage. Geduld ist eine Tugend und tatsächlich gilt auch bei der Jobsuche nicht selten:

„Was lange währt, wird endlich gut!“

Doch wer nur Däumchen dreht und keinerlei Eigeninitiative zeigt, wird noch sehr lange auf einen Job warten – vergebens. Beim Unternehmen bereits nach einem Tag nachzuhaken, hinterlässt einen ebenso schlechten Eindruck wie sich nach Einsendung der Bewerbungsunterlagen oder einem Vorstellungsgespräch überhaupt nicht mehr zu melden. Frage in letzterem Fall am Ende des Gesprächs einfach, ab wann du mit einer Benachrichtigung rechnen kannst. Ist diese Frist um zwei oder mehr Tage verstrichen, rufe an oder sende eine freundliche E-Mail. Solltest du nach Einsendung der Bewerbungsunterlagen oder einer persönlichen Vorstellung keinerlei Reaktion erhalten, warte rund sieben bis 14 Tage ab und frage dann aktiv nach.

Lese-Tipp:Erfolg durch Geduld: Was lange währt, wird endlich gut!

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Ansonsten läufst du Gefahr, mit der Warterei eine Menge wertvolle Zeit zu vergeuden, obwohl die Stelle vielleicht längst vergeben ist. Geduld kann dich im Berufsleben zwar weit bringen, doch im Bewerbungsprozess ist sie nicht immer der beste Ratgeber. Es kann schließlich nicht schaden, mehrere Eisen im Feuer zu haben, statt auf die Rückmeldung für den einen vermeintlichen Traumjob zu warten, welche niemals eintreffen wird.

Irrtum #4: Manchmal muss ich eben in den sauren Apfel beißen!

Wer sich aus der Arbeitslosigkeit heraus bewirbt, steht häufig besonders unter Druck. Eine Lücke im Lebenslauf macht sich nie gut und auch finanziell wird es irgendwann meist kritisch. Also nehmen viele Bewerber einfach irgendeinen Job an – besser als keinen, oder? Falsch! Natürlich kann eine Anstellung zur Überbrückung dienen. Doch verbleiben viele Menschen dann aus Bequemlichkeit, Zeitmangel oder mangelndem Selbstvertrauen in diesem Job, den sie eigentlich nie wollten – und sehen sich nicht mehr nach Alternativen um.

Vor allem, wenn der neue Arbeitsvertrag mit einem großen Aufwand einhergeht, einem Umzug beispielsweise, sollte er deshalb auch aus der Notsituation heraus gut durchdacht sein. Denn wenn du dauerhaft Tag für Tag sechs, acht oder mehr Stunden in einer Arbeitsstelle verbringst, die dir Bauchschmerzen bereitet, wirst du früher oder später unglücklich und krank – garantiert!

Lese-Tipp:Frust am Arbeitsplatz – Was tun, wenn der Job nur noch nervt?

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Eine Überbrückungslösung ist es niemals wert, deine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden und deine Gesundheit zu riskieren. Sie sollte deshalb – wenn überhaupt – auch eine solche bleiben und nicht zur Dauerlösung werden.

Irrtum #5: Die sollen froh sein, wenn sie mich kriegen!

Beinahe ebenso schädlich für deinen Bewerbungsprozess ist der gegenteilige Irrtum: Statt „Ich beiße in den sauren Apfel und bin froh, überhaupt einen Job zu bekommen“, heißt es dann „Der Arbeitgeber soll dankbar sein, wenn er mich als Arbeitskraft rekrutieren kann“. Selbstbewusstsein hin oder her – nicht nur zu wenig, sondern auch zu viel davon ist Gift für deine Jobchancen. Selbst in von Fachkräftemangel betroffenen Branchen und einer dementsprechend guten Verhandlungsposition ist Arroganz fehl am Platz. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

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Überheblichkeit wirkt nicht nur unsympathisch, sondern sorgt auch bewusst oder unbewusst dafür, dass du dich weniger Mühe mit den Bewerbungsunterlagen beziehungsweise beim Vorstellungsgespräch geben. Sie zeugt zudem von fehlenden sozialen Kompetenzen. Fachkräftemangel? Auf einen solchen Bewerber verzichten die Personaler trotzdem freiwillig. Er würde mit hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin nur für Konflikte sorgen und seine Motivation lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Finde daher das richtige Maß aus Selbstvertrauen und Bescheidenheit – dich selbst, deinen Jobchancen und deinem sozialen Umfeld zuliebe.

Irrtum #6: Motivation ist nicht so wichtig!

Das Stichwort „Motivation“ ist nun schon mehrmals gefallen. Dabei ist sie doch gar nicht so wichtig? Hier hätten wir ihn: Den sechsten Irrtum auf unserer Liste der häufigsten Selbstlügen von Bewerbern. Natürlich sind Hard und Soft Skills, deine Berufserfahrungen, Qualifikationen & Co im Bewerbungsprozess wichtig. Doch mindestens ebenso bedeutend ist deine persönliche Motivation. Denn jeder erfahrene Personaler weiß: Ein hoch motivierter Mitarbeiter kann alles lernen. Und Lernbereitschaft ist die wichtigste Eigenschaft in unserer schnelllebigen Welt. Da werden selbst fehlende Kompetenzen oder mangelndes Knowhow in Rekordzeit aufgeholt.

Andersherum wird ein unmotivierter Mitarbeiter niemals herausragende Leistungen erbringen, da kann sein Lebenslauf noch so beeindruckend sein. Lasse dich also nicht davon abschrecken, dass in der Stellenausschreibung fünf Anforderungen aufgelistet sind, du aber nur drei oder vier davon erfüllst. Konzentriere dich lieber auf deine Motivation. Frage dich, weshalb du diesen Job unbedingt möchtest und formuliere diese Gründe glaubhaft im Bewerbungsprozess. Vielleicht belegst du sogar extra ein Seminar oder eine Weiterbildung, um deine Aussagen mit Beweisen zu untermauern. Auch hier gilt aber natürlich: Bleibe ehrlich!

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Es bringt nichts, wenn du dem Personaler Motivation vorspielst, innerlich aber beim Gedanken an den Job schauderst. Frage dich lieber: „Bei welcher Stellenanzeige ist meine Motivation besonders hoch?“ und konzentriere dich auf diese, wie bereits in Punkt #1 genannt. Ausschreibungen, bei welchen du deine Motivation vergeblich suchst, kannst du stattdessen getrost außer Acht lassen. Deine Bewerbungen werden dann ohnehin nicht zum Erfolg führen und wenn doch, so wirst weder du noch dein neuer Arbeitgeber mit diesem Arbeitsverhältnis glücklich.

Welche weiteren Lügen kennst du, die Bewerber sich gerne selbst bei der Jobsuche auftischen? Bist du vielleicht aus eigener Erfahrung schon einmal auf einen solchen oder ähnlichen Irrtum „hereingefallen“? Kannst du unseren Lesern weitere Tipps mit auf den Weg geben? Vielen Dank für deine Kommentare!

Bildnachweis: Foto von Darina Belonogova von Pexels