Wir Menschen neigen zum Beschönigen. Klar, Kritik fühlt sich niemals gut an und würde ja gleichzeitig bedeuten, dass wir etwas an unserem Verhalten ändern müssten – also Arbeit. Doch wenn Sie auch nach 50, 100 oder 200 Bewerbungen immer noch keine Jobzusage erhalten haben, wird es vielleicht Zeit, die Märchenstunde zu beenden. Häufig lügen sich Arbeitssuchende nämlich in die eigene Tasche. Wir haben deshalb die sechs größten Irrtümer im Bewerbungsprozess zusammengetragen und verraten Ihnen, wie es wirklich geht. Damit lässt der Traumjob hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten!

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Mann belügt sich selbst und bekommt eine lange Nase
Bildnachweis: iStock.com/SIphotography

Inhalt
1. Den Kopf in den Sand stecken wäre zu einfach
2. Die sechs größten Irrtümer von Bewerbern
3. Irrtum #1: Je mehr Bewerbungen, umso besser!
4. Irrtum #2: Ehrlichkeit hat lange Beine!
5. Irrtum #3: Geduld ist eine Tugend!
6. Irrtum #4: Manchmal muss ich eben in den sauren Apfel beißen!
7. Irrtum #5: Die sollen froh sein, wenn sie mich kriegen!
8. Irrtum #6: Motivation ist nicht so wichtig!

Den Kopf in den Sand stecken wäre zu einfach

Der Bewerbungsprozess ist stets eine aufregende Zeit. Egal, ob Sie unter Druck stehen oder sich locker flockig aus einem Angestelltenverhältnis nach einer besseren Alternative umsehen, birgt eine Bewerbung stets auch die Gefahr von Zurückweisung. Ebenso wie es beim Flirten schmerzt, wenn Sie einen Korb bekommen, fühlt sich auch jede Absage auf eine Bewerbung oder nach einem Vorstellungsgespräch an wie ein kleiner Stich ins Herz – oder besser gesagt ins Ego. Viele Bewerber neigen deshalb dazu, die Schuld woanders zu suchen, statt bei sich selbst. Sie stecken den Kopf in den Sand und beschönigen die Tatsachen. Die Zusage wird schon noch kommen!

Lese-Tipp: „„Ostrich-Effect“: Warum Sie den Kopf besser nicht in den Sand stecken sollten

Dass nicht direkt auf die erste Bewerbung ein neuer Arbeitsvertrag folgt, ist nicht ungewöhnlich. Auch bei drei, fünf oder zehn Bewerbungen kann es gut sein, dass schlichtweg noch nicht die passende Stelle für Sie dabei war. Doch wenn auch auf dutzende oder sogar hunderte Bewerbungen keine Zusage folgt, vielleicht nicht einmal die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, sollten Sie sich selbst einmal auf den Prüfstand stellen: Machen Sie vielleicht einen oder mehrere Fehler, welche die Personaler abschrecken? Fehlt es Ihnen eventuell an wichtigen Qualifikationen? Oder bewerben Sie sich sogar auf die „falschen“ Stellenausschreibungen?

Die sechs größten Irrtümer von Bewerbern

Natürlich kann Ihre Flaute auch im Außen begründet sein. Doch bei so vielen Enttäuschungen hintereinander liegt es doch nahe, dass Sie diese zumindest teilweise mitverschuldet haben. Auch wenn es schmerzt, ist es deshalb an der Zeit, den Kopf aus dem Sand zu ziehen und sich in Selbstkritik zu üben. Nur so können Sie sich schließlich verbessern – beziehungsweise Ihre Bewerbungsunterlagen oder Ihre Performance in Vorstellungsgesprächen. Wir haben deshalb die sechs häufigsten Lügen zusammengetragen, welche sich Arbeitssuchende gerne und häufig selbst auftischen.

Irrtum #1: Je mehr Bewerbungen, umso besser!

Gemäß dem Motto „Masse statt Klasse“ hauen viele Jobsuchende so viele Bewerbungen wie möglich heraus. Wenn sie nur weit genug streuen, wird schon irgendwann eine Zusage in den Briefkasten flattern, so der Irrtum. Tatsächlich stehen Ihre Chancen aber viel besser, wenn Sie nur zehn oder sogar fünf spezialisierte Bewerbungen schreiben und in diese viel Zeit sowie Sorgfalt investieren. Vielleicht belegen Sie sogar ein Seminar oder eine Weiterbildung, um Ihre Qualifikationen in Ihrer „Nische“ weiterzuentwickeln. Wer hingegen 50 oder 100 Bewerbungen versendet, muss bei der Qualität zwangsweise Abstriche machen. Einem guten Personaler entgeht das nicht und Ihre Unterlagen wandern mit dem Vermerk „Massenbewerbung“ direkt in den Reißwolf. Einzige Ausnahme ist der Sonderfall der Zielgruppen Kurzbewerbung.

Lese-Tipp: „You are hired: Traumjob durch Zielgruppen Kurzbewerbung

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Auch Ihr potenzieller zukünftiger Arbeitgeber möchte schließlich Ihre Nummer eins sein und nicht Ihr Plan B, Plan C oder Plan Y. Ansonsten kann er sich sicher sein, dass Ihre Motivation zu wünschen übriglässt und das Arbeitsverhältnis wenig erfolgversprechend ist. Setzen Sie also in Zukunft wieder auf Qualität statt Quantität.

Irrtum #2: Ehrlichkeit hat lange Beine!

Sie kennen das Sprichwort:

„Lügen haben kurze Beine!“

Dass Lügen im Bewerbungsprozess nur in Ausnahmefällen erlaubt sind und Authentizität für Ihr persönliches Wohlbefinden im Job unerlässlich ist, so viel scheint klar.

Lese-Tipp: „Notlügen im Vorstellungsgespräch – gestattet oder nicht?

Doch es ist ein schmaler Grat zwischen Unehrlichkeit und zu viel des Guten. Sie müssen sich schließlich immer noch im besten Licht präsentieren, um sich gegen die Konkurrenz durchsetzen zu können. Auch der Arbeitgeber wird hier und dort ein wenig beschönigen: Die Arbeitsatmosphäre? Natürlich super! Ihre Aufstiegschancen? Exzellent! Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens? Wir schwimmen quasi im Geld! Auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt.

Lese-Tipp: „Authentizität im Job: Karriereturbo oder Bremse?

Selbiges gilt für Sie: Wenn Sie jammern, dass Sie bereits 150 Absagen erhalten haben, dass Sie diesen Job unbedingt brauchen, weil Sie bis über beide Ohren mit Ihrem auf Pump gekauften Eigenheim verschuldet sind, und dass Sie chronische Rückenschmerzen haben und hoffentlich bald eine Berufsunfähigkeitsrente erhalten, brauchen Sie sich nicht wundern, wieso das mit den Bewerbungen irgendwie nicht klappen will. Natürlich mögen das Extrembeispiele sein. Doch zu viel Ehrlichkeit kann Ihnen im Bewerbungsprozess ebenso schaden wie zu wenig. Stichwort: Selbstmarketing. Bleiben Sie zwar authentisch, aber präsentieren Sie sich im besten Licht und halten Sie sich bei Ihren Schwächen, Ängsten, privaten Problemen oder sonstigen negativen Aussagen professionell zurück. Dafür gibt es Therapeuten!

Irrtum #3: Geduld ist eine Tugend!

Jeder Bewerbungsprozess bedeutet auch: Warten! Auf eine Rückmeldung, eine Einladung zum Vorstellungsgespräch und die Zu- oder Absage. Geduld ist eine Tugend und tatsächlich gilt auch bei der Jobsuche nicht selten:

„Was lange währt, wird endlich gut!“

Doch wer nur Däumchen dreht und keinerlei Eigeninitiative zeigt, wird noch sehr lange auf einen Job warten – vergebens. Beim Unternehmen bereits nach einem Tag nachzuhaken, hinterlässt einen ebenso schlechten Eindruck wie sich nach Einsendung der Bewerbungsunterlagen oder einem Vorstellungsgespräch überhaupt nicht mehr zu melden. Fragen Sie in letzterem Fall am Ende des Gesprächs einfach, ab wann Sie mit einer Benachrichtigung rechnen können. Ist diese Frist um zwei oder mehr Tage verstrichen, rufen Sie an oder senden Sie eine freundliche E-Mail. Sollten Sie nach Einsendung der Unterlagen oder einer persönlichen Vorstellung keinerlei Reaktion erhalten, warten Sie rund sieben bis 14 Tage ab und fragen Sie dann aktiv nach.

Lese-Tipp: „Erfolg durch Geduld: Was lange währt, wird endlich gut!

Ansonsten laufen Sie Gefahr, mit der Warterei eine Menge wertvolle Zeit zu vergeuden, obwohl die Stelle vielleicht längst vergeben ist. Geduld kann Sie im Berufsleben zwar weit bringen, doch im Bewerbungsprozess ist sie nicht immer der beste Ratgeber. Es kann schließlich nicht schaden, mehrere Eisen im Feuer zu haben, statt auf die Rückmeldung für den einen vermeintlichen Traumjob zu warten, welche niemals eintreffen wird.

Irrtum #4: Manchmal muss ich eben in den sauren Apfel beißen!

Wer sich aus der Arbeitslosigkeit heraus bewirbt, steht häufig besonders unter Druck. Eine Lücke im Lebenslauf macht sich nie gut und auch finanziell wird es irgendwann meist kritisch. Also nehmen viele Bewerber einfach irgendeinen Job an – besser als keinen, oder? Falsch! Natürlich kann eine Anstellung zur Überbrückung dienen. Doch verbleiben viele Menschen dann aus Bequemlichkeit, Zeitmangel oder mangelndem Selbstvertrauen in diesem Job, den sie eigentlich nie wollten – und sehen sich nicht mehr nach Alternativen um.

Infografik: Die stärksten Belastungen im Arbeitsalltag | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Vor allem, wenn der neue Arbeitsvertrag mit einem großen Aufwand einhergeht, einem Umzug beispielsweise, sollte er deshalb auch aus der Notsituation heraus gut durchdacht sein. Denn wenn Sie dauerhaft Tag für Tag sechs, acht oder mehr Stunden in einer Arbeitsstelle verbringen, die Ihnen Bauchschmerzen bereitet, werden Sie früher oder später unglücklich und krank – garantiert!

Lese-Tipp: „Frust am Arbeitsplatz – Was tun, wenn der Job nur noch nervt?

Eine Überbrückungslösung ist es niemals wert, Ihre wertvolle Lebenszeit zu verschwenden und Ihre Gesundheit zu riskieren. Sie sollte deshalb – wenn überhaupt – auch eine solche bleiben und nicht zur Dauerlösung werden.

Irrtum #5: Die sollen froh sein, wenn sie mich kriegen!

Beinahe ebenso schädlich für Ihren Bewerbungsprozess ist der gegenteilige Irrtum: Statt „Ich beiße in den sauren Apfel und bin froh, überhaupt einen Job zu bekommen“, heißt es dann „Der Arbeitgeber soll dankbar sein, wenn er mich als Arbeitskraft rekrutieren kann“. Selbstbewusstsein hin oder her – nicht nur zu wenig, sondern auch zu viel davon ist Gift für Ihre Jobchancen. Selbst in von Fachkräftemangel betroffenen Branchen und einer dementsprechend guten Verhandlungsposition ist Arroganz fehl am Platz. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

Lese-Tipp: „Selbstbewusstsein stärken: Tipps & Übungen für mehr Selbstvertrauen

Überheblichkeit wirkt nicht nur unsympathisch, sondern sorgt auch bewusst oder unbewusst dafür, dass Sie sich weniger Mühe mit den Bewerbungsunterlagen beziehungsweise beim Vorstellungsgespräch geben. Sie zeugt zudem von fehlenden sozialen Kompetenzen. Fachkräftemangel? Auf einen solchen Bewerber verzichten die Personaler trotzdem freiwillig. Er würde mit hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin nur für Konflikte sorgen und seine Motivation lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Finden Sie daher das richtige Maß aus Selbstvertrauen und Bescheidenheit – sich selbst, Ihren Jobchancen und Ihrem sozialen Umfeld zuliebe.

Irrtum #6: Motivation ist nicht so wichtig!

Das Stichwort „Motivation“ ist nun schon mehrmals gefallen. Dabei ist sie doch gar nicht so wichtig? Hier hätten wir ihn: Den sechsten Irrtum auf unserer Liste der häufigsten Selbstlügen von Bewerbern. Natürlich sind Hard und Soft Skills, Ihre Berufserfahrungen, Qualifikationen & Co im Bewerbungsprozess wichtig. Doch mindestens ebenso bedeutend ist Ihre persönliche Motivation. Denn jeder erfahrene Personaler weiß: Ein hoch motivierter Mitarbeiter kann alles lernen. Und Lernbereitschaft ist die wichtigste Eigenschaft in unserer schnelllebigen Welt. Da werden selbst fehlende Kompetenzen oder mangelndes Knowhow in Rekordzeit aufgeholt.

Infografik: Motivation der Mitarbeiter in Deutschland | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Andersherum wird ein unmotivierter Mitarbeiter niemals herausragende Leistungen erbringen, da kann sein Lebenslauf noch so beeindruckend sein. Lassen Sie sich also nicht davon abschrecken, dass in der Stellenausschreibung fünf Anforderungen aufgelistet sind, Sie aber nur drei oder vier davon erfüllen. Konzentrieren Sie sich lieber auf Ihre Motivation. Fragen Sie sich, weshalb Sie diesen Job unbedingt möchten und formulieren Sie diese Gründe glaubhaft im Bewerbungsprozess. Vielleicht belegen Sie sogar extra ein Seminar oder eine Weiterbildung, um Ihre Aussagen mit Beweisen zu untermauern. Auch hier gilt aber natürlich: Bleiben Sie ehrlich!

Lese-Tipp: „Bewerbungsmarathon: Mit diesen 11 Tipps bleiben Sie motiviert und fokussiert

Es bringt nichts, wenn Sie dem Personaler Motivation vorspielen, innerlich aber beim Gedanken an den Job schaudern. Fragen Sie sich lieber: “Bei welcher Stellenanzeige ist meine Motivation besonders hoch?” und konzentrieren Sie sich auf diese, wie bereits in Punkt #1 genannt. Ausschreibungen, bei welchen Sie Ihre Motivation vergeblich suchen, können Sie stattdessen getrost außer Acht lassen. Ihre Bewerbungen werden dann ohnehin nicht zum Erfolg führen und wenn doch, so werden weder Sie noch Ihr neuer Arbeitgeber mit diesem Arbeitsverhältnis glücklich.

Welche weiteren Lügen kennen Sie, die Bewerber sich gerne selbst bei der Jobsuche auftischen? Sind Sie vielleicht aus eigener Erfahrung schon einmal auf einen solchen oder ähnlichen Irrtum „hereingefallen“? Können Sie unseren Lesern weitere Tipps mit auf den Weg geben? Vielen Dank für Ihre Kommentare!

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