Spielen wir nicht alle (manchmal) eine Rolle? Stellen uns als stärker, selbstbewusster oder reicher dar als wir sind? Heutzutage trifft man immer seltener auf wirklich authentische Menschen. Im Privatleben und erst recht im Job. Denn Authentizität würde ja bedeuten zu Schwächen zu stehen oder Emotionen zuzulassen. Während die einen Experten empfehlen, bei der Arbeit eine Rolle zu spielen und sich die Authentizität für das Privatleben aufzusparen, sehen andere gerade hierin den Schlüssel zum Erfolg. 

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Inhalt
1. Definition: Was bedeutet Authentizität?
2. Macht Authentizität automatisch glücklich?
3. Authentisch sein im Job – geht das überhaupt?
4. Kannst du auch „zu authentisch“ sein?
5. Was bedeutet „berufliche Authentizität“?

Definition: Was bedeutet Authentizität?

Was verstehst du persönlich unter dem Begriff „Authentizität“? Die meisten Menschen würden es wohl als „einfach man selbst sein“ definieren. Und das ist gar nicht so falsch: Experten sehen in der Authentizität die Fähigkeit, sich selbst so zu präsentieren und so zu handeln, wie es dem eigenen Wesen entspricht. Authentische Menschen sind demnach frei von Verfälschungen, äußeren Einflüssen oder dem Spielen einer Rolle.

Damit einher geht aber auch, zu seinen Schwächen zu stehen, seine Emotionen zeigen zu können und somit auch verletzbar zu sein. Und trotz, dass wir durch die Authentizität demnach verwundbarer sind als wenn wir die unbeirrbare, harte und gefühlskalte Person spielen, sind wir als authentische Menschen glücklicher. Wieso? Weil Authentizität zu einer inneren Freiheit führt, sie löst Selbstzweifel, innere Zwänge und Komplexe.

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Wer es schafft, authentisch zu leben, schöpft auf Dauer neues Selbstvertrauen, den Mut für noch mehr Authentizität und dadurch ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit in seinem Auftreten.

Und diese ist ja bekanntlich ein wichtiger Erfolgsfaktor für Mitarbeiter, Führungskräfte oder auch Politiker. Ist Authentizität also der Schlüssel zum Erfolg?

Macht Authentizität automatisch glücklich?

Ganz so einfach ist es leider nicht. Authentizität ist zwar sicherlich ein gutes Ziel für Jedermann, das bedeutet nun allerdings nicht, dass du deine Macken, Wutanfälle oder Heulkrämpfe jederzeit und völlig ungehemmt ausleben solltest.

Klar, Emotionen und Schwächen sind absolut menschlich und es ist ja bekanntlich niemand perfekt. Und dennoch sollten wir trotz einer gelebten Authentizität niemals aufhören an uns zu arbeiten.

Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen der sogenannten reflektierten und der unreflektierten Authentizität: Die unreflektierte Authentizität kann dich vor allem beruflich schnell in Aus schießen. Es ist daher wichtig, dass du dich selbst, deine Verhaltensweisen, Charakterzüge, Stärken und Schwächen sowie Wünsche und Bedürfnisse kennst und in regelmäßigen Abständen reflektierst.

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  • Wie schnell wirst du wütend?
  • Wie gehst du mit Konflikten um? Was macht dich glücklich?
  • Wo liegen deine Stärken?
  • An welchen Schwächen solltest du arbeiten?

Nur wenige Menschen trauen sich jedoch, sich selbst schonungslos ehrlich zu reflektieren. Das bedeutet nämlich wiederum sich Schwächen und Fehler einzugestehen und das tut weh. Aber auch das gehört nun einmal zum Authentischsein dazu.

Authentisch sein im Job – geht das überhaupt?

Viele Führungskräfte, vor allem die weiblichen, geben in Umfragen an, authentisch auftreten zu wollen. Kritiker hingegen, sehen die Authentizität im Berufsleben völlig fehl am Platz. Schließlich haben Mitarbeiter in leitenden Positionen eine Führungsrolle inne. Und das Wort spricht für sich selbst.

Sieh dich einmal in deinem Unternehmen um: Empfindest du die Führungskräfte als authentisch? Und bist du es selbst? Businesscoach Simone von Stosch plädiert für die Authentizität im Beruf. Sie sieht darin den Schlüssel zum Erfolg und nennt Angela Merkel ebenso wie die Schauspielerin Julianne Moore als Beispiele für authentische und zugleich erfolgreiche Persönlichkeiten.

In Zeiten der „High-Performer“ und „Führungsrollen“ ist sie der Überzeugung, dass nur Menschen, die authentisch zu ihrer Meinung und ihren Überzeugungen stehen und ihre Taten sowie Ziele daran ausrichten, andere Menschen begeistern und motivieren können oder schlichtweg respektiert werden. Und dabei geht es ihrer Meinung nach allemal nicht darum, perfekt zu sein. Die Erfahrung zeigt jedoch:

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Gekünstelte Möchtegern-Performer scheitern im Berufsleben häufig ebenso gnadenlos wie zu authentische Menschen.

Kannst du auch „zu authentisch“ sein?

„Zu authentisch“: Widerspricht sich das nun nicht eigentlich selbst? Nein, denn genau hier müssen wir die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben ziehen. Ein zu hohes Maß an Authentizität mag es im Privatleben vielleicht nicht geben, sehr wohl aber im Beruf. Vor allem dann, wenn du dich in einer Führungsposition befindest, gibt es nämlich auch eine Grenze, ab welcher Authentizität fehl am Platz ist.

Diese befindet sich bei deinem Privatleben: Deine Eheprobleme, der Kinderwunsch oder sonstige übergroße Offenheit bezüglich deiner privaten Lebensumstände gehören nicht in den Job. Zwar macht du diese Informationen als Person zugänglicher und als Führungskraft in den Augen deiner Mitarbeiter vielleicht auch menschlicher, leider wird diese Art der Authentizität im Berufsleben aber auch immer noch allzu häufig als Schwäche gewertet und gnadenlos ausgenutzt.

Im Job solltest du deshalb eine neue Art der Authentizität für dich finden: Eine berufliche Authentizität sozusagen, die zwar deiner Persönlichkeit und deinen Überzeugungen entspricht, die gleichzeitig aber nicht zu viel aus deinem Privatleben preisgibt. Hierin wiederum kannst du fortan deine „Führungsrolle“ sehen. Es geht dabei nämlich nicht darum, den anderen Menschen etwas vorzuspielen, das du nicht bist. Vielmehr ist es wichtig, dass du lernst, wann du zwischen beruflicher und privater Authentizität unterscheiden musst.

Was bedeutet „berufliche Authentizität“?

Wer im Beruf das Gefühl hat, jeden Tag eine Rolle spielen zu müssen, um anerkannt zu werden oder beruflich weiter zu kommen, wird meist auf Dauer nicht glücklich.

Fünf, sechs oder sieben Tage in der Woche eine Rolle spielen zu müssen, für acht, neun oder auch elf Stunden am Tag: Das ist unglaublich anstrengend und endet deshalb nicht selten früher oder später im Burnout.

Beginne also damit, auch im Beruf authentisch zu sein. Eine solche „berufliche“ Authentizität umfasst laut Expertenmeinung von Businesscoach Simone von Stosch folgende Aspekte:

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  • Ein gesundes Selbstwertgefühl ist der Grundstein für Authentizität, wird durch diese aber gleichzeitig auch wieder gestärkt. Beieb dich also in die positive Aufwärtsspirale aus Selbstbewusst- und Authentischsein.
  • Die Selbstreflexion sollte dich durch dein gesamtes Leben begleiten, sowohl privat als auch beruflich. Hierzu gehört aber auch der Mut, sich schmerzhafte Erkenntnisse einzugestehen und Veränderungen im eigenen Leben oder an der eigenen Person vorzunehmen.
  • Werte und Überzeugungen sind der Grundstein Ihres authentischen Handelns. Wofür stehst du als Person? Wo sind deine Grenzen? Stehe dafür ein und du wirst dir automatisch den Respekt deiner Mitarbeiter verdienen.
  • Das bedeutet aber zugleich auch ein hohes Maß an Berechenbarkeit. Natürlich können sich Ziele, Überzeugungen oder sogar Werte im Laufe des Lebens weiterentwickeln oder ändern. Nicht jedoch von heute auf morgen. Bleibe daher du selbst, auch wenn du auf Hindernisse stößt. So wissen deine Mitarbeiter, wann sie auf dich zählen können, wann du wütend wirst, wann glücklich usw. Nichts ist schlimmer als ein Chef, der auf dasselbe Problem an einem Tag lächelnd und am nächsten cholerisch reagiert. Denn das ist ein untrügliches Zeichen für entweder eine unreflektierte Authentizität oder aber eine gespielte Rolle, aus der die Person immer wieder ungewollt ausbricht.

Dauerhaft eine Rolle zu spielen, ist nämlich in der Regel nicht möglich. Schlussendlich sind wir eben alle nur Menschen mit Emotionen, Ängsten, Schwächen und Bedürfnissen. Und spätestens in wirklich stressigen oder belastenden Situationen zeigen viele Menschen dann doch ihr wahres Gesicht.

Spiele deshalb keine Rolle mehr, sondern entscheide dich für die Authentizität. Lerne, zwischen beruflicher und privater Authentizität zu unterscheiden. Du hast das Gefühl, du kannst in deinem Job oder deinem Umfeld nicht authentisch leben? Oder wenn du authentisch bist, zweifelst du plötzlich an der Wahl deines Berufes oder des Unternehmens? Dann ist es jetzt erst recht an der Zeit zu handeln. Du wirst sehen, authentisch lebt es sich glücklicher, entspannter und mit der Kunst der reflektierten Authentizität auch erfolgreicher.

Lies dazu auch: Achtung: Wann Authentizität (im Beruf) gefährlich wird

Bildnachweis: alvarez/istockphoto.com

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