Sie ist die größte Angst vieler Bewerber: Die Lücke im Lebenslauf. Um den kritischen Fragen des Personalers zu entgehen, werden die Lücken dann in der Bewerbung kurzerhand „kreativ“ geschlossen. Doch was ist eigentlich erlaubt und was nicht?

Lücken im Lebenslauf sind keine Seltenheit mehr

Der deutsche Durchschnitts-Arbeitnehmer steigt am besten schon während der Ausbildung oder dem dualen Hochschulstudium in einem Unternehmen ein, erhält einen unbefristeten Arbeitsvertrag und bleibt dort bis zu Rente. Sollte er – aus welchen Gründen auch immer – doch einmal den Job wechseln, dann geht das reibungslos vonstatten, also ohne zwischenzeitliche Arbeitslosigkeit und mit einem schön erkennbaren „roten Faden“. So war das zumindest noch vor 15 Jahren. Mittlerweile allerdings, sieht die moderne Karriere anders aus, wie du bereits in unserem Artikel „Ade unbefristeter Arbeitsvertrag – Hallo Patchwork-Karriere“ erfahren hast.

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Das Resultat: Ein Mix aus kurz- und langfristigen Anstellungen, befristeten und unbefristeten Arbeitsverträgen, plötzlichen Wechseln der Arbeitsinhalte oder des gesamten Tätigkeitsfeldes, Praktika, Volontariaten, Um- und Neuorientierungen, Sabbaticals u. v. m.. Immer mehr Abiturienten gehen nach dem Abschluss erst einmal auf Reisen, nach der Realschule wird ein FSJ eingelegt oder der neue Job wird in der Probezeit gekündigt, weil er nicht zu ihnen passt oder sie schlichtweg ein besseres Angebot erhalten haben. In der Generation Y gehört die Lücke im Lebenslauf schon beinahe zum guten Ton.

Wie „schlimm“ ist die Lücke im Lebenslauf wirklich?

Vielleicht gehörst ja auch du zu diesen „modernen“ Bewerbern mit Patchwork-Karriere und sitzt ratlos vor deiner Bewerbung mit lückenhaftem Lebenslauf. Hast du damit überhaupt eine Chance gegen die Konkurrenten? Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Gewiss werden Personaler eines eher „konservativen“ Unternehmens, das selbst noch gerne mit unbefristeten Arbeitsverträgen und „Industriebeamten“ arbeitet, die Lücken im Lebenslauf als kritisch betrachten. Gerade in verantwortungsvollen Positionen musst du schließlich verlässlich sein und solltest nicht von einem Tag auf den anderen kündigen.

Lücken im Lebenslauf bedeuten für den Personaler daher eventuell, dass es dir an Motivation und Durchhaltevermögen mangelt, dass du soziale Schwierigkeiten mitbringst oder schlichtweg noch gar nicht weißt, welchen Beruf du überhaupt ausüben möchtest. Zudem könnten die vielen kurzen Anstellungen und häufigen Jobwechsel dafür sprechen, dass du keine gute Arbeitskraft bist und daher in der Probezeit gekündigt wurdest oder nach dem befristeten Arbeitsvertrag keine Verlängerung erhieltest.

Es ist daher bei Lücken im Lebenslauf sehr wichtig, diese nicht zu vertuschen, sondern bewusst darauf einzugehen, diese erklären und wenn möglich sinnvoll füllen zu können. Jeder Lebenslauf sollte den berühmten „roten Faden“ erkennen lassen.

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Was gilt überhaupt als „Lücke“?

Als „Lücke“ im Lebenslauf sehen Personaler übrigens erst einen Zeitraum von mehr als ein bis zwei Monaten an. Dass du dich nach deinem Abschluss oder einer Kündigung erst einmal bewerben musst und dieser Prozess bis zur tatsächlichen Anstellung seine Zeit braucht, ist dir durchaus bewusst. Wirklich „schlimm“ sind daher nur die Lücken, welche länger als zwei Monate dauern und durch dich nicht konkret erklärt werden können (zum Beispiel durch eine Reise, Familiengründung oder Weiterbildung).

Was macht den roten Faden so wichtig?

Wie bereits erwähnt, sollte jeder Lebenslauf einen roten Faden haben. Wird dieser durch Lücken gestört, so solltest du versuchen diese passend zu füllen. Ein roter Faden lässt selbst bei lückenhaften oder Patchwork-Lebensläufen darauf schließen, dass du deinen Weg kennst und ein konkretes Ziel verfolgst. Nichts ist schließlich schlimmer, als Bewerber ohne Ziel oder Motivation, die nur des Geldes wegen einen Aushilfsjob nach dem anderen annehmen und bei der ersten Herausforderung wieder hinwerfen. Viele Personaler haben sich aufgrund solch schlechter Erfahrungen mittlerweile zu wahren Spürnasen für Lücken entwickelt und haken gerne im Bewerbungsgespräch noch einmal genauer nach. Gut, wenn du dann durch Argumente und handfeste Erklärungen überzeugen kannst.

Daumen hoch: So kannst du Lücken im Lebenslauf erklären

  • Familiengründung, Elternzeit, Kindererziehung
  • Fort- oder Weiterbildung
  • Umschulung
  • Auslandsaufenthalt
  • Bewerbungsphase
  • soziales Engagement
  • (Vorbereitung einer) Selbstständigkeit

Daumen runter: Lügen haben kurze Beine

Kannst du keines der genannten Beispiele oder einen ähnlich guten Grund für die Lücke in deinem Lebenslauf nennen, darfst du nicht einfach erfinderisch werden. Im Lebenslauf gilt – ebenso wie im Rest der Bewerbung – natürlich das oberste Gebot der Ehrlichkeit. Das bedeutet einerseits, dass du nicht einfach lügen darfst. Das Fälschen von Beschäftigungsdaten liegt in einer aktuellen Umfrage bezüglich der häufigsten Lügen in der Bewerbung auf dem dritten Platz.
Statistik: Die häufigsten Lügen, die in Lebensläufen zu finden sind | Statista
Mehr Statistiken findest du bei Statista

Das Problem ist: Lügen haben kurze Beine und werden früher oder später auffliegen. Was, wenn dein potenzieller neuer Arbeitgeber zum Beispiel bei deinem früheren Chef anruft, sich Referenzen einholen möchte und dabei die Beschäftigungsdaten abgleicht? Werden deine Lügen erst nach Aufnahme des neuen Beschäftigungsverhältnisses aufgedeckt, könnte dies sogar die fristlose Kündigung nach sich ziehen.
Andererseits solltest du aber auch nicht versuchen, die Lücken im Lebenslauf zu vertuschen. Dadurch werden diese in der Regel nur noch auffälliger und du hinterlässt alles andere als einen vertrauenswürdigen Eindruck. Was du daher auf keinen Fall tun solltest, ist:

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Fehler, die du unbedingt vermeiden musst

  • Du lässt die Monatsangaben einfach weg und gibst nur noch Jahreszahlen im Lebenslauf an. Dadurch fällt es nicht auf, dass zwischendrin vier, sechs oder auch zehn Monate fehlen?

Falsch! Jeder professionelle Personaler weiß sofort, dass du das Format der Jahreszahlen gewählt hast, um bewusst Lücken zu vertuschen. Er sieht dann kurzerhand in den Arbeitszeugnissen nach und kann so die Beschäftigungsdaten ganz genau nachvollziehen. Er wird daher – sollte er dich nicht gleich aussortieren – spätestens im Bewerbungsgespräch ganz genau nachfragen und du erzielst den gegenteiligen Effekt.

  • Dann gehst du es eben kreativ an und präsentierst dich anhand eines modernen Qualifikationsprofils anstelle des chronologischen Lebenslaufes?

Falsch! Ein Qualifikationsprofil ist stets nur eine Ergänzung, niemals aber der Ersatz zum tabellarischen Lebenslauf. Auch hier wird der Personaler schnell misstrauisch und wirft ebenfalls einen Blick in den Anhang.

Wie du die Lücken im Lebenslauf richtig füllst

Schluss mit den halbherzigen Vertuschungs- und erfunden Erläuterungsversuchen! Es gibt durchaus Möglichkeiten, die Lücken in deinem Lebenslauf trotz fehlender Erklärung zu schließen – oder zumindest in den Hintergrund rücken zu lassen. Gehe wie folgt vor:

Schritt 1: Die Stellenanzeige studieren

Sieh dir die Stellenanzeige noch einmal genau an. Du weißt ja bereits, dass dein Lebenslauf stets individuell an die jeweilige Ausschreibung angepasst werden muss. Konzentriere dich also auf folgende Fragen:

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  • Welche Fähigkeiten und Qualifikationen sind für die Stelle relevant?
  • Welche Hard Skills werden gefordert?
  • Mit welchen Soft Skills kann ich überzeugen?

Überlege nun, wie der rote Faden in deinem Lebenslauf aussehen könnte:

  • Möchtest du mit deinen fachlichen Qualifikationen punkten?
  • Überzeuge durch spannende Alleinstellungsmerkmale?
  • Oder konzentriere dich auf deine Soft Skills, um die Konkurrenz auszustechen?

Schritt 2: Die Lücken mit der Stellenanzeige in Einklang bringen

Nun fragen dich noch einmal rückblickend:

  • Was genau habe ich in der entsprechenden Lücke wirklich gemacht?
  • Inwiefern könnte dies für die Stelle relevant sein?
  • Wie kann ich die Lücke also in meinen roten Faden integrieren?

Häufig kannst du so aus der vermeintlich „schlimmen“ Lücke doch noch etwas Positives herausholen. Vielleicht hast du ja doch auf Reisen deine Englischkenntnisse aufgebessert, ehrenamtlich im Tierheim ausgeholfen oder die Computer deiner Freunde und Bekannten repariert und bist so mit den neuesten Computerprogrammen vertraut.

Schritt 3: Die Wahrheit richtig formulieren

Es hilft alles nichts: Du kannst der Lücke einfach keine positiven Erklärungen abgewinnen? Dann bleibe ehrlich. Achte dann allerdings auf die richtige Formulierung:

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  • Du warst zum Beispiel nicht arbeitslos, sondern hast dich beruflich neu orientiert.
  • Du warst nicht einfach nur krank und wurdest gekündigt, sondern eine Krankheit hat dir unmissverständlich klargemacht, dass es Zeit für eine berufliche Veränderung ist.
  • Deine Selbstständigkeit ist nicht gescheitert, sondern du hast wichtige Erfahrungen gesammelt und für dich erkannt, dass die Festanstellung besser zu deiner Persönlichkeit passt.

Siehst du? Wahrheit bleibt Wahrheit, nur richtig formuliert klingt sie gleich schöner und weniger dramatisch.

Schritt 4: Von den Lücken im Lebenslauf ablenken

Trotz all deiner Mühe, darf die Lücke des Lebenslaufes natürlich am Ende nicht im Fokus stehen. Versuche daher, diese möglichst unauffällig in die Bewerbung einzubringen. Hierfür kannst du zum Beispiel eine antichronologische Auflistung der Stationen für deinen Lebenslauf wählen, wenn er nach dem Schulabschluss lückenhaft war. Ebenso kannst du die chronologische Form nutzen, um einen sehr geradlinigen und guten Bildungs- und Karriereweg zu betonen, bis dir vor zwei Jahren ein Burnout einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Überzeuge zudem umso mehr an anderer Stelle: Füge deiner Bewerbung zum Beispiel eine Arbeitsprobe bei oder Referenzen von Kunden. Je mehr du durch deine Erfolge glänzt, desto weniger wichtig erscheinen am Ende die Lücken.

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