Es gib Floskeln, die können Sie in beinahe jeder Bewerbung finden. Personaler reagieren darauf dementsprechend gelangweilt. Um aus der Masse herauszustechen, sollten Sie deshalb ein wenig individueller und kreativer werden – aber bitte nicht zu sehr, denn mit diesen 13 Adjektiven schießen Sie sich im Bewerbungsprozess selbst ins Aus.

Anzeige
Mit diesen 13 Adjektiven schießen Sie sich im Bewerbungsprozess selbst ins Aus
Bildnachweis: Arbeits-ABC/Canva.com

Inhalt
1. Bewerber lieben Adjektive – Personaler nicht!
2. 13 Wörter, auf die Sie im Bewerbungsprozess verzichten sollten
3. Welche Adjektive sollten Sie für Ihre Bewerbung wählen?

Bewerber lieben Adjektive – Personaler nicht!

Bei Adjektiven handelt es sich um diese „schönen“, „kleinen“ Eigenschaftswörter, welche verwendet werden, um ein Substantiv näher zu beschreiben. Bewerber nutzen diese „praktischen“ Helferlein gerne, um ihr Anschreiben ein wenig zu individualisieren. Haben Sie gemerkt, wie häufig Adjektive in nur zwei Sätzen vorkommen können? Nicht selten lesen Personaler in den Bewerbungsunterlagen Sätze wie

„Ich verfüge über ein hohes Engagement, modernes Knowhow und eine außergewöhnliche Flexibilität.“

Leider machen Bewerber genau mit solchen Floskeln einen großen Fehler. Denn schlussendlich klingt der Satz genau danach: nach einer leeren Floskel. Viel überzeugender und professioneller wäre hingegen die Formulierung:

„Ich verfüge über Engagement, Knowhow und Flexibilität.“

Es mag ein wenig kreatives, dafür aber sehr anschauliches Beispiel sein: Die Nutzung von Adjektiven wirkt schnell unprofessionell und bewirkt damit in Bewerbungsanschreiben sowie einem Vorstellungsgespräch genau das Gegenteil Ihres eigentlichen Zieles, dem „Überzeugen“.

13 Wörter, auf die Sie im Bewerbungsprozess verzichten sollten

Tatsächlich reagieren viele Personaler empfindlich auf Adjektive. Vor allem auf folgende 13 Wörter sollten Sie deshalb im Bewerbungsprozess verzichten.

Anzeige

#1 innovativ: Das Wort „Innovation“ klingt schön und professionell, denken Sie? Also bauen Sie es in Ihr Anschreiben ein? Leider hat es in der Form eines Adjektivs nur wenig Aussagekraft und wirkt stattdessen so, als wüssten Sie nicht um die wahre Bedeutung des Wortes. Innovativ sind eigentlich eher Dinge als Menschen. Anstatt sich als „innovativ“ zu beschreiben, können Sie beispielsweise schreiben, Sie hätten Eigeninitiative und denken im Job stets mit oder bringen Verbesserungsvorschläge ein.

#2 erfinderisch: Auch dieses Synonym für das Adjektiv „innovativ“ ist nicht für eine Bewerbung geeignet. Erfinderisch klingt nach einem verrückten „Einstein-Typ“, der nicht so recht weiß, was er sonst in seiner Bewerbung schreiben soll. Zudem versprüht dieses Adjektiv einen Hauch von „Querdenker“ – und die sind leider nicht in allen Unternehmen beziehungsweise Positionen gerne gesehen. Wenn überhaupt, sollten Sie das Wort „erfinderisch“ daher nur verwenden, wenn Sie sich auf eine sehr kreative Stelle bewerben.

Lese-Tipp: Querdenker als neue Elite: Warum Freaks besser zur Führungskraft taugen als der 08/15-Mitarbeiter

#3 abgerundet: Sie verfügen über „abgerundete“ Kenntnisse in Ihrem Fachbereich? Das klingt nicht nur seltsam, sondern auch ziemlich langweilig. Die meisten Personaler suchen in Bewerbungsprozessen nicht nach einem Allrounder und dass ein Kandidat über Kenntnisse in allen Bereichen verfügt, ist ohnehin unrealistisch. Legen Sie den Fokus im Anschreiben oder Vorstellungsgespräch deshalb lieber auf Ihre Expertise und beschreiben Sie, in welchen Bereichen Sie sich besonders gut auskennen. Überzeugen Sie also durch ein Alleinstellungsmerkmal, statt durch ein abgerundetes, aber wenig spektakuläres Gesamtbild. Die Entscheidungsträger wissen zudem, dass eventuelle Wissenslücken mit ausreichend Motivation sehr schnell via „Learning by Doing“ geschlossen werden können.

#4 talentiert: Natürlich sollten Ihre Lücken beziehungsweise Schwächen nicht Thema im Bewerbungsanschreiben sein. Im Vorstellungsgespräch kommen sie aber dennoch häufig zur Sprache. Es wird Ihnen dann allerdings nicht viel helfen, wenn Sie beispielsweise argumentieren, Sie seien talentiert und würden deshalb außergewöhnlich schnell lernen. Das klingt nicht nur verzweifelt, sondern auch ein wenig arrogant. Ob Sie talentiert sind oder nicht, muss der Personaler schlussendlich selbst herausfinden. Lassen Sie diesbezüglich lieber Taten sprechen als Worte. Stellen Sie stattdessen Ihre Motivation im Bewerbungsprozess in den Mittelpunkt, denn bei fehlender Motivation wäre jegliches Talent sowieso fehl am Platz.

Infografik: Motivation der Mitarbeiter in Deutschland | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

#5 schlagfertig: Für viele Menschen ist Schlagfertigkeit eine erstrebenswerte Eigenschaft. In einer Bewerbung macht sich das Adjektiv aber alles andere als gut. Wenn Sie sich als „schlagfertig“ bezeichnen, schreit das nach einer hohen Konfliktbereitschaft und einem eventuell rauen oder unangemessenen Umgangston. Personaler sind natürlich daran interessiert, Harmonie im Team herzustellen und dementsprechend Bewerber mit geringem Konfliktpotenzial auszuwählen. Eine bessere Wahl wären im Anschreiben daher Schlagworte wie „teamfähig“ oder „empathisch“.

Lese-Tipp: Empathie: Warum dieser Soft Skill so wichtig ist und wie Sie ihn trainieren können

#6 visionär: Sie bezeichnen sich als „visionär“? Dieses Adjektiv ist im deutschen Sprachgebrauch unüblich und klingt daher eher störend als positiv. Der Personaler wird sich fragen, was Sie mit dieser Floskel ausdrücken möchten. Als „Visionär“ wie beispielsweise Steve Jobs können Sie sich vielleicht bezeichnen, wenn Sie eine steile Managerkarriere hinter sich und viele Unternehmen aufgebaut oder erfolgreich geführt haben. Dann hätten Sie es aber gewiss nicht nötig, eine Bewerbung zu schreiben und sich darin selbst mit dem Adjektiv „visionär“ zu betiteln. Schlussendlich erscheint es einerseits arrogant und andererseits wenig aussagekräftig. Definieren Sie daher lieber, was genau an Ihnen so „visionär“ ist und lassen Sie solche nichtssagenden Adjektive dabei weg.

#7 intelligent: Sie sind intelligent? Wer würde das nicht von sich behaupten? Einen Bewerber, der sich im Anschreiben oder dem Vorstellungsgespräch als „dumm“ betitelt, gibt es wohl nicht. Der Personaler kann mit etwas Menschenkenntnis und Berufserfahrung mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Ihrer Bewerbung oder dem Vorstellungsgespräch schlussfolgern, ob Sie intelligent sind oder eher nicht. Sich als intelligent zu betiteln, macht daher nur Sinn, wenn Sie außergewöhnlich intelligent sind und diesen IQ entsprechend belegen können. Aber Hand aufs Herz: In welchen Jobs ist eine hohe Intelligenz wirklich das ausschlaggebende Entscheidungskriterium? Schlussendlich kommt es in den meisten Berufen doch eher auf andere Kompetenzen wie beispielsweise die emotionale Intelligenz an.

Lese-Tipp: Der IQ ist tot, es lebe der EQ: Darum sind Menschen mit emotionaler Intelligenz erfolgreicher als die „Hochintelligenten“

#8 fortgeschritten: Sie verfügen über „fortgeschrittene Kenntnisse“ oder bezeichnen sich sogar selbst als „fortgeschritten“? Was soll das bedeuten? Ob Sie ein Berufseinsteiger sind oder nicht und über welche Erfahrungen Sie bereits verfügen, kann der Personaler Ihrem Lebenslauf entnehmen. Dementsprechend ist dieses Adjektiv wenig aussagekräftig und klingt eher, als hätten Sie keine besseren Argumente, weshalb Sie der geeignete Kandidat für die ausgeschriebene Stelle sind. Fortgeschritten zu sein, sagt zudem wenig über Ihre Persönlichkeit aus. Wählen Sie lieber individuellere Formulierungen, welche Sie als Mensch für den Personaler greifbarer machen, beispielsweise „geduldig“, „lernbereit“ oder „kritikfähig“.

#9 konservativ: Dass Sie konservativ sind, ist eine Information, welche für den Personaler uninteressant und eventuell sogar verwirrend ist. Ihre Lebenseinstellung ist prinzipiell Ihre Privatsache und ob Sie konservativ, traditionell, modern oder hedonistisch eingestellt sind, ist für die Entscheidungsträger genauso relevant wie Ihre Gläubigkeit oder Ihr Klamottenstil – nämlich überhaupt nicht. Schlussendlich geht es nur darum, dass Sie sich im Berufsleben korrekt präsentieren, beispielsweise hinsichtlich Ihrer Kleidung, und zum Unternehmen passen. Auch, wenn es sich um ein konservatives Unternehmen handelt, werden Sie mit dem Adjektiv „konservativ“ im Anschreiben oder Vorstellungsgespräch Ihre Chancen nicht erhöhen. Schließlich sagt es nichts über Ihre Hard und Soft Skills oder sonstigen Stärken aus.

Lese-Tipp: Soft Skills vs. Hard Skills – Welche sind wichtiger?

#10 sparsam: Auch, dass Sie ein sparsamer Mensch sind, ist für den Personal von wenig Interesse. Diese Information hat nur Relevanz, wenn Sie für die Finanzen des Unternehmens zuständig wären und diesem Ihre Sparsamkeit dementsprechend zugutekommen würde. Ansonsten sollten Sie solch „private“ Informationen lieber aus dem Spiel lassen. Sie müssen sich im Anschreiben schließlich kurz halten. Nutzen Sie den geringen Platz lieber für Adjektive, welche Ihre Persönlichkeit oder Ihre Stärken beschreiben.

#11 strategisch: Dass Sie sich als strategisch bezeichnen, klingt zwar professionell, aber was soll das bedeuten? Ihre Arbeitsweise kann strategisch sein oder Ihre Zielerreichung erfolgt strategisch, doch Sie als Person meinten wohl eher „zielstrebig“ oder „organisiert“. Achten Sie darauf, dass die gewählten Adjektive im Anschreiben oder Bewerbungsgespräch genau das ausdrücken, was Sie sagen möchten. Nur so lassen sich Missverständnisse vermeiden, die schlimmstenfalls das Aus im Bewerbungsprozess bedeuten könnten.

#12 zufrieden: Wer sich als zufrieden betitelt, dürfte vom Personaler ein Stirnrunzeln erhalten. Wenn Sie nämlich in Ihrer bisherigen Anstellung so zufrieden waren, weshalb möchten Sie dann Ihren Job wechseln? Auch als Berufseinsteiger bleibt es doch erst einmal abzuwarten, ob Sie in der neuen Anstellung zufrieden wären oder nicht. Natürlich möchte der Arbeitgeber zufriedene, glückliche und gesunde Arbeitnehmer. Zufriedenheit ist aber ein temporärer Zustand, weil das Leben stets aus Höhen und Tiefen besteht, daher beschreibt dieses Adjektiv nicht Ihre Persönlichkeit und ist dementsprechend wenig aussagekräftig.

#13 wegweisend: Sich selbst als „wegweisend“ zu bezeichnen, zeugt von erheblicher Selbstüberschätzung und die Personaler können gewiss auf einen weiteren Narzissten im Unternehmen verzichten. Wenn Sie eine wegweisende Persönlichkeit wären, müssten Sie wie beim Adjektiv „#6 visionär“ wohl keine Bewerbung schreiben, sondern der Headhunter oder Personaler wäre von selbst auf Sie zugekommen. Sie können natürlich schreiben, dass Sie im vorherigen Unternehmen eine Führungsposition innehatten, doch sich selbst als Vorbild oder eben „wegweisend“ zu betiteln, ist eindeutig zu viel des Guten.

Lese-Tipp: Gruselkabinett im Büro: Ist Ihr Chef ein Psychopath?

Welche Adjektive sollten Sie für Ihre Bewerbung wählen?

Sie sehen: Es gibt Adjektive, die wenig aussagekräftig sind, die arrogant wirken oder welche Sie nur verwenden sollten, um andere Personen zu beschreiben, nicht aber sich selbst. Lassen Sie bei der Nutzung von Adjektiven im Bewerbungsprozess daher Vorsicht walten. Weniger ist manchmal mehr und dieses Credo gilt auch für Ihr Anschreiben sowie das Vorstellungsgespräch: Lassen Sie Adjektive so gut wie möglich weg. Wenn Sie dennoch einige verwenden möchten, wählen Sie aussagekräftige Wörter, die Sie als Persönlichkeit für den Personaler greifbar machen. Beschreiben Sie verständlich sowie detailgetreu Ihre Stärken, Hard und Soft Skills und nennen Sie nur Informationen, welche für die ausgeschriebene Stelle von Relevanz sind. Geeignete Adjektive sind beispielsweise:

  • begeisterungsfähig
  • durchsetzungsfähig
  • ehrgeizig
  • flexibel
  • geduldig
  • kontaktfreudig
  • kreativ
  • lernbereit
  • motiviert
  • pflichtbewusst
  • pünktlich
  • selbstbewusst
  • selbstständig
  • teamfähig
  • verantwortungsbewusst
  • zielstrebig

Natürlich müssen Sie jene Adjektive auswählen, welche auf Sie zutreffen. Nur so machen Sie aus Ihrer unscheinbaren eine individuelle Bewerbung ohne leere Floskeln, anhand welcher die Personaler Sie im Bewerbungsprozess optimal kennenlernen und einschätzen können. Wie bereits erwähnt, kann es aber umso überzeugender und selbstbewusster wirken, wenige bis gar keine Adjektive zu verwenden und stattdessen Ihren Lebenslauf, die Zeugnisse sowie Ihre Persönlichkeit für sich selbst sprechen zu lassen.

Was denken Sie? Sind Sie eher ein Fan von Adjektiven oder nicht? Und weshalb? Welche Adjektive sind Ihrer Meinung nach für das Anschreiben oder Vorstellungsgespräch geeignet und welche nicht? Wir sind gespannt auf Ihre Ergänzungen in den Kommentaren!