Teamfähigkeit wird mittlerweile in zahlreichen Stellenausschreibungen gefordert. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff? Tatsächlich haben viele Menschen Schwierigkeiten eine Definition zu finden, wenn sie einmal danach gefragt werden. Schließlich gibt es kein Schulfach namens „Teamfähigkeit“ und die Eltern bringen es einem unter diesem Namen meistens auch nicht bei. Wir erklären Ihnen, was sich dahinter verbirgt, wie Sie sich in Ihrer Bewerbung überzeugend als teamfähig präsentieren und wie Sie diese trainieren können.

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Inhalt
1. Was ist eigentlich Teamfähigkeit?
2. Teamfähig sein bedeutet nicht…
3. Teamfähig sein bedeutet...
4. Was braucht ein Team, um zu funktionieren?
5. Was sind „Teamrollen“ und welche gibt es?
6. Wieso ist Teamarbeit so ungeliebt?
7. Teamfähigkeit in der Bewerbung ausweisen
8. Eine gute Nachricht zum Schluss: Teamfähigkeit können Sie lernen

Was ist eigentlich Teamfähigkeit?

Die Teamfähigkeit gehört zu den sogenannten „Soft Skills“ und beschreibt das Vermögen, sein Können und sich selbst in einem Team beziehungsweise einer Gruppenaufgabe optimal einzubringen. Sie ist keine angeborene Charaktereigenschaft oder ein Talent, sondern kann erlernt, trainiert und weiterentwickelt werden.

Teamfähig sein bedeutet nicht…

  • das Kommando zu übernehmen,
  • Teammitglieder zu diskriminieren (aus sexistischen, rassistischen oder ähnlichen Gründen),
  • sich über Meinungen lustig zu machen,
  • sich vollständig den anderen Teammitgliedern unterzuordnen,
  • sich für seine Meinung zu schämen,
  • seine Persönlichkeit aufzugeben,
  • stets mit allen Kollegen bestens auskommen zu müssen,
  • private Konflikte mit den Teammitgliedern auszutragen,
  • Konflikte emotional werden zu lassen.

Teamfähig sein bedeutet…

  • die Demokratie innerhalb der Gruppe anzuerkennen,
  • sich in der Gruppe einzuordnen,
  • eine Kommunikation auf Augenhöhe herzustellen,
  • andere Meinungen anzuerkennen, aufzugreifen und zu akzeptieren,
  • sich mit den anderen Teammitgliedern auszutauschen,
  • persönliche Belange außen vor zu lassen,
  • alle Teammitglieder als gleichberechtigt zu akzeptieren,
  • eine Kompromissbereitschaft mitzubringen,
  • sich für ein gemeinsames Ziel einzusetzen,
  • konstruktiv zu diskutieren,
  • Kritik annehmen zu können,
  • Konflikte auf sachlicher und nicht persönlicher Ebene zu führen und lösen.

Alles in allem ist die Teamfähigkeit ein komplexes Zusammenspiel aus zahlreichen persönlichen Kompetenzen, zum Beispiel Empathie, Toleranz, Kooperationsfähigkeit, Engagement, emotionaler Intelligenz, Kritikfähigkeit, Anpassungsfähigkeit, Rücksicht und Kommunikationsfähigkeit. Es gibt aber keinen Menschen, welcher alle diese Kompetenzen zur Perfektion beherrscht.

Im Gegenteil: Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen, der eine ist vielleicht sehr diszipliniert, engagiert und zielorientiert, neigt deshalb aber dazu seine Teamkollegen zu unterbrechen, um „schneller zum Ergebnis“ zu kommen. Der andere Angestellte hingegen, ist sehr einfühlsam und rücksichtsvoll, kann aber nicht „Nein“ sagen. Und genau hier setzt der positive Effekt der Teamarbeit ein: Das perfekte Team besteht aus absolut unterschiedlichen Charakteren. Je verschiedener die Menschen, desto besser und kreativer sind die Lösungsansätze und desto optimaler komplettieren sie sich auch in ihrer alltäglichen Arbeit.

Was braucht ein Team, um zu funktionieren?

Aber gerade wenn so viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, müssen sie eine grundlegende Teamfähigkeit mitbringen, um miteinander arbeiten zu können. Sie kann deshalb auf sechs Grundkompetenzen heruntergebrochen werden, welche gemeinsam den Grad der Teamfähigkeit bestimmen. Testen Sie sich doch einmal selbst:

  1. Gemeinsame Zielorientierung: Sie müssen grundlegend davon überzeugt sein, dass die Teamarbeit sowohl für Ihre Kollegen als auch für Sie selbst sinnvoll ist, große Entwicklungspotenziale birgt und zu optimalen Ergebnissen führt.
  2. Selbstvertrauen: Nur wer sich ins Team einbringt, kann es bereichern. Sie sollten daher ausreichend Selbstvertrauen mitbringen, um in der Gruppe zu sprechen, Ihre Ideen vorzustellen und Ihre Meinung konstruktiv zu vertreten. Gleichzeitig sollten Sie aber auch bescheiden genug sein, sich auf diese Erfahrung einzulassen, sich persönlich zu entwickeln und daraus wichtige Schlüsse für Ihre persönliche und berufliche Weiterentwicklung zu ziehen.
  3. Kritikfähigkeit: Im Team wird Ihre Idee gewiss auch einmal übergangen oder Ihre Meinung wird von den anderen „überboten“. Sie müssen mit einer solchen Kritik professionell umgehen können. Denn wenn die Mitglieder emotional werden, beleidigt sind oder den Konflikt an anderer Stelle weiterführen, kann ein Team langfristig nicht funktionieren. Schlimmstenfalls muss dann gar irgendwann ein Mediator eingreifen.
  4. Kommunikationsfähigkeit: Um solche Konflikte zu vermeiden, brauchen Sie ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit. Sie müssen professionelles Feedback geben, loben, kritisieren und zuhören können.
  5. Kompromissbereitschaft: Zuhören wiederum ist nur dann zielführend, wenn Sie auf das Gesagte auch eingehen. Halten Sie nicht stur an Ihrer Meinung fest. Nachgeben und einen Kompromiss finden ist nämlich nicht nur genehmigt, sondern bei der Teamfähigkeit sogar notwendig.
  6. Selbstreflexion: Schlussendlich sollten Sie die tägliche Teamarbeit auch regelmäßig reflektieren. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Kollegen? Wie lief das Meeting? Was hätten Sie besser machen können? Wo gibt es Schwierigkeiten im Team? Wo liegen Ihre Schwächen? Woran sollten Sie alleine, zu zweit oder im Team arbeiten?

Wenn Sie diese sechs Fähigkeiten grundlegend beherrschen, können Sie sich schon einmal guten Gewissens als teamfähig bezeichnen.

Was sind „Teamrollen“ und welche gibt es?

Nun gilt es zu prüfen, welche Rolle Sie eigentlich im Team einnehmen. Bei den folgenden Beispielen handelt es sich um einen Ausschnitt klassischer Rollen, in welche Mitglieder einer sozialen Gruppe automatisch und meist unbewusst gehen. Dies ist nicht nur, aber auch in einem Team der Fall. So gibt es beispielsweise

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  • einen Macher, welcher tatkräftig, schnell und geplant auf der Ziel zustürmt, dabei aber auch Teammitglieder „überrennt“.
  • einen Anführer, der zwar Orientierung stiftet, manchmal aber auch herrschsüchtig, fordernd oder ungeduldig werden kann.
  • den Prüfer, der bei allen Ergebnissen nach Perfektion strebt, dabei aber manchmal den Spaß aus den Augen verliert.
  • seinen Gegenpart, den Spaßvogel, welcher für gute Stimmung sorgt, die Gruppe durch sein mangelndes Engagement aber hin und wieder aufhält.
  • den kreativen Kopf und Querdenker, der gute Impulse einbringt, dabei aber nicht immer realitätsnah bleibt.
  • den Hilfsbereiten, welcher unermüdlich andere Teammitglieder unterstützen möchte und dabei schnell zu viel Arbeit auf sich nimmt.

Es gibt noch zahlreiche weitere Teamrollen, Sie sehen aber bereits jetzt: Jede Rolle bringt ihren Nutzen, aber auch ihre Schwierigkeiten mit sich. Es ist daher durchaus sinnvoll, regelmäßig seine Rolle im Team zu überprüfen und an seinen Schwächen zu arbeiten.

Wieso ist Teamarbeit so ungeliebt?

Es ist mitunter diese Rollenverteilung, welche zugleich das größte Problem der Gruppenarbeit darstellt. Denn während einige Teammitglieder besonders fleißig sind, können andere ein wenig faulenzen und die Lorbeeren dennoch am Ende mit dem gesamten Team einstreichen. Dieser sogenannte „Ringelmann-Effekt“ führt in den meisten Teams früher oder später zu internen Konflikten. Angestellte, die nach einer Karriere streben, entscheiden sich dann lieber für das Einzelkämpfertum, so wird ihre Leistung wenigstens wahrgenommen und Sie können effizienter sowie schneller arbeiten. Dann wird es aber auch nicht lange dauern, bis Sie die Missgunst Ihrer Teammitglieder auf sich ziehen, da Sie sich offensichtlich beim Chef „einschleimen“ wollen. Ein fähiger Teamleiter muss solche Konflikte deshalb frühzeitig erkennen und lösen. Regelmäßige Feedbackgespräche sollten den einzelnen Mitgliedern zudem das Gefühl geben, dass nicht nur die Team-, sondern auch die Einzelleistungen durchaus wahrgenommen und bewertet werden. Fairness ist bei der Teamarbeit das A und O. Das ist nur leider in der Praxis meist leichter gesagt als getan…

Teamfähigkeit in der Bewerbung ausweisen

Alles in allem überwiegen aber die Vorteile der Teams ihre Nachteile und deshalb fordern immer mehr Unternehmen bei neuen Mitarbeitern die bereits vorhandene Teamfähigkeit. Laut einer Umfrage bei Statista, gehört sie neben den Soft Skills Motivation, „Verantwortungsbewusstsein“ und „Kommunikationsfähigkeit“ zu den wichtigsten Einstellkriterien.

Statistik: Welche Erwartungen haben Sie an Berufseinsteiger im Bereich Soft Skills? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Wie Sie aber bereits aus unseren Artikeln „Bewerbung: Wie verkaufen Sie sich am überzeugendsten als Teamplayer?“ und „Hobbys im Lebenslauf – angeben oder weglassen?“ wissen, müssen alle Aussagen in der Bewerbung auch belegt werden. Hierfür eignen sich Hobbys besonders gut. Was das nun bedeutet? Es reicht nicht aus, wenn Sie in Ihr Bewerbungsanschreiben einfügen: „Ich bin teamfähig“. Stattdessen können Sie zum Beispiel Ihr Engagement im Handballverein nennen. Doch auch die Formulierung Ihres Argumentes ist sehr wichtig:

Ein schlechtes Beispiel:

„Meine Teamfähigkeit erlernte ich unter anderem nach Feierabend in meinem Handballverein, in welchem ich seit fünf Jahren Mitglied bin.“

Hierbei fehlt noch der genaue Bezug, inwiefern Ihr Handballspiel mit Teamfähigkeit zu tun hat. Klar, Sie spielen in einer Mannschaft, aber das machen heutzutage ja viele Bewerber. Arbeiten Sie stattdessen noch einmal explizit heraus, weshalb dieses Hobby Ihre Kompetenz „Teamfähigkeit“ beweist:

Ein gutes Beispiel:

„Seit bereits fünf Jahren bin ich nun Spielmacher und Kapitän des SG Musterdorf. Durch die gezielte Förderung der Stärken meiner Teamkollegen konnten wir in dieser Zeit bereits zwei Ligen aufsteigen. Zudem nehme ich die Rolle des Mediators ein und vertrete die Interessen der Mannschaft gegenüber der Vereinsleitung.“

Wenn Sie in keinem Sportverein spielen, können Sie auch eine Studiengruppe an der Universität, eine Betriebsratsmitgliedschaft im vorigen Unternehmen oder ein soziales Projekt nennen. Sie wissen ja: Auf die Formulierung Ihrer Argumente kommt es schlussendlich an.

Eine gute Nachricht zum Schluss: Teamfähigkeit können Sie lernen

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Teamfähigkeit eine angeborene Charaktereigenschaft ist oder gar ein Talent, das Sie eben haben oder nicht. Teamfähigkeit ist eine Kompetenz, welche Sie ebenso erlernen können wie Mathematik oder eine Fremdsprache. Natürlich wird es auch hier Menschen geben, denen dies leichter fällt und andere, die sich damit schwerer tun.

Dennoch: Prinzipiell kann jeder Mensch Teamfähigkeit erlernen. Sie können hierfür ein Kompetenztraining belegen, eine Weiterbildung machen, einer Sportmannschaft beitreten, einen Volkshochschulkurs besuchen uvm. Gleichzeitig muss aber auch jedes Team im Ganzen aufgebaut werden. Es handelt sich dann um das sogenannte „Teambuilding“. Dies klingt trockener als es in Wirklichkeit ist: Teamfähigkeit und Teambuilding können am effizientesten mit spannenden, lustigen oder herausfordernden Spielen gefördert werden, wie Sie in folgendem Video sehen.

Welches ist Ihr liebstes Teamfähigkeits-Spiel?