Fast jeder, der in seinem Leben schon einmal Bewerbungen versendet hat, durfte auch bereits die unschöne Erfahrung einer Absage machen. Mehr als ein kurzes Standardschreiben ist bei den meisten Unternehmen allerdings nicht drin, sodass der Bewerber mit dem klammen Gefühl der Zurückweisung und Unsicherheit zurückbleibt: Wieso wurden Sie abgelehnt? Wir möchten Ihnen heute erklären, wie Sie genau diese Frage beantworten und dadurch ein „Nein“ doch noch in ein „Ja“ umwandeln können.
Frau freut sich nach erstmaliger Bewerbungsabsage über die noch erfolgte Zusage
Inhalt
1. Nehmen Sie eine Absage nicht persönlich
2. Der Fluch der Standardabsagen
3. Fragen kostet nichts
4. Rückfragen erhöhen Ihre Chancen auf ein „Ja“
5. Beweisen Sie Professionalität im Umgang mit Absagen

Nehmen Sie eine Absage nicht persönlich

Niemand erfährt gerne Zurückweisung – weder im Berufs- noch im Privatleben. Dennoch gehört sie zum Leben und mit ihr auch so unschöne Erfahrungen wie Liebeskummer oder eben die Absage auf Ihre Bewerbung. Unabhängig davon, ob Sie das „Nein“ direkt oder erst nach einem Vorstellungsgespräch erhalten, sollten Sie es keinesfalls persönlich nehmen. Klar, das ist leichter gesagt als getan. Doch üben Sie sich in einem professionellen Umgang mit Absagen in Bewerbungsprozessen und sehen Sie diese stattdessen als Chance. Merken Sie sich:

Eine Absage ist weder ein „Nein“ gegen Sie als Persönlichkeit noch endgültig.

Sie bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass zu diesem Zeitpunkt ein anderer Bewerber für die Stelle ausgewählt wurde. Dies kann sein, weil er passgenauere Qualifikationen zum Stellenprofil hatte, weil er den Personaler persönlich kennt oder – auch diese Möglichkeit müssen Sie in Erwägung ziehen – weil Sie einen Fehler gemacht haben. Doch Irren ist bekanntlich menschlich und aus Fehlern können und sollten Sie lernen. Die Frage ist nur: wie?

Der Fluch der Standardabsagen

Das Problem an der Sache ist nämlich, dass Unternehmen in der Regel nicht mehr als eine kurze Standardabsage herausschicken. Der Wortlaut „Wir haben uns für einen anderen Bewerber entschieden“ oder so ähnlich lässt den abgelehnten Bewerber mit tausend offenen Fragen alleine:

  • Wieso wurde ich abgelehnt?
  • Habe ich einen Fehler gemacht?
  • Und wenn ja, wie kann ich mich in Zukunft verbessern?

Einerseits möchten sich die Unternehmen mit solchen Standardschreiben schlichtweg Zeit sparen. Nehmen wir einmal an, sie haben 150 Bewerbungen auf die Stelle erhalten, so wäre es doch eine Menge Aufwand, jedem Bewerber eine ausführliche Begründung der Entscheidung mitzuteilen. Andererseits steht die Angst vor Diskriminierungsvorwürfen im Raum. Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz regelt:

㤠1 Ziel des Gesetzes
Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

§ 2 Anwendungsbereich
(1) Benachteiligungen aus einem in § 1 genannten Grund sind nach Maßgabe dieses Gesetzes unzulässig in Bezug auf: 1. die Bedingungen, einschließlich Auswahlkriterien und Einstellungsbedingungen, für den Zugang zu unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, unabhängig von Tätigkeitsfeld und beruflicher Position, sowie für den beruflichen Aufstieg, 2. […]“

(Quelle: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz)

Die sicherste Variante, um sich vor Vorwürfen oder sogar einer Klage aufgrund einer angeblichen Diskriminierung zu schützen, ist eben, dem Bewerber überhaupt keine Informationen über die Gründe für die Ablehnung zukommen zu lassen. Doch setzen wir einmal voraus, dass tatsächlich keine Diskriminierung stattgefunden hat, hat das Unternehmen eigentlich keinen Grund, Ihnen nicht ehrlich die Ursachen für Ihre Ablehnung mitzuteilen, oder?

Fragen kostet nichts

Richtig! Und da Fragen schließlich nichts kostet, können und sollten Sie als Bewerber nach dem Erhalt einer Absage unbedingt nach den Gründen fragen. Nicht immer, doch in vielen Fällen werden Sie hierauf eine brauchbare Antwort erhalten, sodass Sie Ihren Bewerbungsprozess für die Zukunft optimieren können. Rufen Sie deshalb gerne nach Erhalt der Absage bei dem Unternehmen, am besten direkt bei dem zuständigen Personaler, an oder senden Sie eine freundliche E-Mail:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bedanke mich für die Zusendung der Absage auf meine Bewerbung und bedaure, dass im Moment kein Arbeitsverhältnis zwischen uns zustande kommt. Dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen, Sie nach den Gründen für Ihre Entscheidung zu fragen, sodass ich mich für die Zukunft verbessern und gegebenenfalls erneut bei Ihnen bewerben kann.

Ich freue mich auf Ihre kurze Rückmeldung und sende ein herzliches Dankeschön“

So oder so ähnlich könnte diese E-Mail lauten. Ihre Chancen auf eine zumindest kurze Erläuterung stehen gar nicht einmal schlecht. Dadurch wird jede Absage zu einer Chance auf Verbesserung, zum Beispiel Ihrer Bewerbungsunterlagen, Ihres Auftretens in Vorstellungsgesprächen oder von mangelnden Qualifikationen. Gewiss werden Sie nicht von jedem Unternehmen eine brauchbare oder überhaupt eine Antwort erhalten. Dennoch handelt es sich nicht um vergebliche Mühe, denn mit einer solchen kurzen Nachfrage erzielen Sie noch einen zweiten Effekt.

Rückfragen erhöhen Ihre Chancen auf ein „Ja“

Der Mut einer Rückfrage sowie der offensichtliche Wille zur Verbesserung, Ihre Lernbereitschaft, Professionalität, Freundlichkeit sowie Kritikfähigkeit hinterlassen bei dem Unternehmen garantiert einen guten Eindruck. Und all das nur mit ein paar kurzen Sätzen. Dieser Schritt ist ungewöhnlich. Nur wenige Bewerber werden ihn gehen. Deshalb stechen Sie aus der Masse heraus, schinden beim Personaler Eindruck und bleiben ihm eher im Gedächtnis. Dies steigert Ihre Chancen auf ein „Ja“ bei der nächsten Bewerbung.

Lese-Tipp: „Experten verraten: Nicht wer leistet, wird befördert. Sondern…?

Eine freundliche Rückfrage nach der Absage verbessert dadurch Ihr Image nachhaltig und sollte fester Bestandteil Ihres Selbstmarketings im Bewerbungsprozess sein. Selbst, wenn Sie sich bei diesem Unternehmen nicht erneut bewerben werden, können Sie davon ausgehen, dass die Personaler sich auch zwischen verschiedenen Unternehmen kennen und austauschen – positiv wie negativ. Ihr Umgang mit einer Absage kann darüber entscheiden. Schweigen ist deshalb ebenso schlecht wie eine E-Mail, in welcher Sie Wut, Ärger und Frustration über die Absage Dampf machen. Manchmal ist eben doch Schweigen Silber und Reden Gold.

Beweisen Sie Professionalität im Umgang mit Absagen

Wir verstehen Ihre Wut, den Ärger und die Frustration. Dennoch schneiden Sie sich ins eigene Fleisch, wenn Sie im Umgang mit Absagen auf Ihre Bewerbung keine Professionalität bewahren. Aus diesem Grund sollten Sie auch ein Vorstellungsgespräch nur in Extremfällen vorzeitig abbrechen.

Lese-Tipp: „7 eindeutige Hinweise, dass Sie ein Vorstellungsgespräch sofort abbrechen sollten

Egal, ob Sie schlussendlich „selber schuld“ waren oder der andere Bewerber einfach die „besseren Connections“ hatte, hinterlassen Sie mit einer Rückfrage nach der Absage einen guten Eindruck, erhalten die Möglichkeit zur Verbesserung und erhöhen dadurch Ihre Chancen auf ein „Ja“ bei weiteren Bewerbungen – bei anderen oder bei demselben Unternehmen. Vielleicht wird die Absage bei der nächsten passenden Stellenausschreibung dann eben doch noch zu einer Zusage.

Haben auch Sie schon einmal nach den Gründen für eine Absage gefragt? Und haben Sie eine brauchbare Antwort erhalten? Halten Sie dieses Vorgehen für sinnvoll und wieso (nicht)? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!

6 Kommentare

  1. Ich mache das seit geraumer Zeit so. Leider ist meine Erfahrung, dass auf die Nachfrage allenfalls ein “Gründe können wir Ihnen nicht mitteilen” als Antwort kommt.
    Und schon gar keine Aussage zu Fehlern oder Verbesserungsmöglichkeiten.
    Hinzu kommt, dass auch Absagen häufig keinen persönlichen Absender haben, ein Anruf daher nicht möglich ist. Ich habe sogar schon erlebt, dass ein großes internationales Unternehmen keine Kontakten der Personalabteilung Preis gab und sogar die Telefonzentrale nicht vermitteln konnte – oder durfte.
    Also noch mehr Steine als Brot.

  2. Franz Heim

    Schöner aber nicht praktikabler Tipp: nachfragen. Funktioniert vielleicht bei Kleinunternehmen. Schon bei mittelgroßen Firmen bewirbt man sich auf einem anonymen Portal – ohne Namen, E-Mailadresse oder Ansprechpartner. Rückfragen sind also gar nicht gewollt. Das Portal siebt automatisch schon nach bestimmten Kriterien aus (Alter, Geschlecht, Qualifikation…). Der Personaler wird die meisten Bewerbungen nie zu Gesicht bekommen. So entgehen der Firma doch noch interessante Kandidaten, die vielleicht nicht ganz in das Raster passen, aber es ist einfacher, schneller und billiger. Nur das zählt.

  3. Mauro Sperandio

    Guten Tag zusammen,

    Genau so muss es gemacht werden. Ich hane mich vor einiger Zeit auf eine Stelle im Verkausaussendienst beworben. Leider habe ich dort eine Absage erhalten. Die habe ich nicht auf mir sitzen gelassen und nachgefragt. Sie glauben es nicht, ich wurde danach zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und habe den Job darauf hin erhalten. Von einem nein zu einem Ja, und dies nur mit Nachfragen.

    Viel Spass beim Nachfragen,

    Mauro

  4. Gerhard Pölzmann

    Nachfragen hilft manchmal. Bin deswegen auch zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden – mit dem Job idt es trotzdem nichts geworden.
    Oft kommen auf Nachfragen auch wieder sterotypen. Wie andere hatten bessere Branchenkentisse – ist auch nicht so prickelnd.
    Das sich Personaler über einzelne Bewerber austauschen halte ich für untealistisch, vielleicht wenn sie sich persönlich kennen.
    Trotzdem Nachfragen – ich hab ja eine Menge Arbeit in die Bewerbung gesteckt, da will ich auch wissen woran es liegt.

    Gerhard

  5. Malte Dringenberg

    EIn netter, aber etwas weltfremder Rat. Denn mehr und mehr macht sich Unternehmen die stillose Sitte breit Bewerbern überhaupt nicht mehr abzusagen. Und wenn das so ist, frage ich auch nicht nach. Wenn der Laden derartige Umgangsformen pflegt, hat mich diese Pupsbude ohnehin nicht verdient.

  6. Arno Nühm

    Ich arbeite im öffentlichen Dienst und uns ist es per Leitfaden Personaleinstellung verboten, abgelehnten Bewerbern mehr als ein (vorgegebenes) Ablehnungsschreiben zu geben. Und nicht mal das dürfen wir denen sagen, so groß ist die Angst vor Konkurrentenklagen.

Kommentieren