Sie haben eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten, fühlen sich aber plötzlich wie im falschen Film? Manchmal läuft es im Leben überhaupt nicht wie erwartet. Und dann haben Sie durchaus das Recht, eine unangenehme Situation zu verlassen. Ein Bewerbungsgespräch vorzeitig zu beenden, trauen sich nur die wenigsten Bewerber. Doch wir sagen Ihnen heute nicht nur, wie Sie frühzeitig gehen sollten, sondern vor allem wann.

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Bewerber bricht Vorstellungsgespräch ab und flüchtet
Bildnachweis: iStock.com/Lacheev

Inhalt
1. Zeit absitzen im Vorstellungsgespräch: Eine Frage der Höflichkeit?
2. Wann Sie ein Vorstellungsgespräch abbrechen können – und sollten!
3. Hinweis #1: Die Arbeitsbedingungen sind unzumutbar
4. Hinweis #2: Der Job ist bereits anderweitig vergeben
5. Hinweis #3: Die Stellenanzeige war zu realitätsfern
6. Hinweis #4: Der Personaler wirkt desinteressiert
7. Hinweis #5: Ihre Fragen werden nicht (zufriedenstellend) beantwortet
8. Hinweis #6: Ihr Gesprächspartner ist Ihnen unsympathisch
9. Hinweis #7: Der Personaler stellt unerlaubte Fragen
10. Wie können Sie ein Bewerbungsgespräch „höflich“ abbrechen?

Zeit absitzen im Vorstellungsgespräch: Eine Frage der Höflichkeit?

Kennen Sie diese Situation: Sie haben sich auf eine Stelle beworben, malen sich in Gedanken bereits den neuen Traumjob aus, die netten Kollegen und die schönen Büroräume. Doch kaum betreten Sie auf dem Weg zum persönlichen Kennenlernen das Gebäude, spüren Sie:

„Hier bin ich nicht richtig. Eigentlich müsste ich das Bewerbungsgespräch gar nicht mehr halten. Diese Stelle anzutreten, kann ich mir ohnehin nicht vorstellen.“

Manchmal dauert es vielleicht auch etwas länger, bis Sie sich sicher sind, dass dieser Job nicht der richtige für Sie ist. Eventuell haben Sie beim Kennenlernen mit den zukünftigen Kollegen ein mieses Bauchgefühl oder der Personaler stellt im Vorstellungsgespräch unverschämte Fragen. Die meisten Bewerber fahren dennoch die Strategie, das Gespräch aus Gründen der Höflichkeit bis zum Ende auszusitzen.

„Höflichkeit: die angenehmste Form der Heuchelei.“
(Ambrose Gwinnett Bierce)

Höflichkeit in allen Ehren, doch manchmal ist es besser, ein Vorstellungsgespräch frühzeitig zu verlassen. Dennoch bedeutet das nicht, dass Sie sich unhöflich verhalten müssen. Sie können ein Bewerbungsgespräch nämlich auch auf eine höfliche Art und Weise vorzeitig abbrechen.

Wann Sie ein Vorstellungsgespräch abbrechen können – und sollten!

Prinzipiell können Sie ein Vorstellungsgespräch natürlich jederzeit abbrechen. Sie können den Termin platzen lassen, dem Personaler bei der Begrüßung bereits wieder „Tschüss“ sagen oder den Raum nach fünf Minuten verlassen. Allerdings wäre das nicht nur unhöflich, sondern sogar respektlos. Und da sich auch Arbeitgeber sowie Personaler austauschen oder hin und wieder das Unternehmen wechseln, wissen Sie nie, ob Sie sich nicht irgendwann wieder begegnen oder in welchen Kreisen Sie Ihren Ruf dadurch dauerhaft beschädigen. Ein Fauxpas Ihrerseits kann zum herben Rückschlag für Ihre Karriere werden.

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Der Abbruch eines Bewerbungsgespräches sollte deshalb gut durchdacht sein. Im Zweifelsfall bleiben Sie lieber.

Dennoch müssen Sie sich andersherum auch nicht jede Respektlosigkeit bieten lassen. Sie haben durchaus das Recht, Grenzen zu setzen und „Nein“ zu einem Job – oder einem Vorstellungsgespräch– zu sagen. Sieben Hinweise, dass Sie lieber gleich Ihre Sachen packen und gehen sollten, sind zum Beispiel:

Hinweis #1: Die Arbeitsbedingungen sind unzumutbar

Es kann durchaus sein, dass Sie die Büroräume betreten und sich unwohl fühlen oder dass die potenziellen neuen Kollegen auf den ersten Blick unsympathisch wirken. Zwar sollten Sie dieses Bauchgefühl nicht ignorieren, doch kann sich Ihr Eindruck auf den zweiten Blick noch ändern. Geben Sie dem Vorstellungsgespräch daher die Chance, Ihre Meinung zu revidieren. Es sei denn, Sie bemerken Sicherheitsrisiken an Ihrem „zukünftigen“ Arbeitsplatz, sehen Ihre Gesundheit in Gefahr oder sogar einen Gesetzesbruch.

Häufigkeitsverteilung von gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen bei Männern in Deutschland nach Alter und Bildungsgrad im Jahr 2010
Gesamt (Männer und Frauen)16,7%
Männer gesamt19,5%
———-
18 bis 29 Jahre15,8%
Untere Bildungsgruppe13,1%
Mittlere Bildungsgruppe17,8%
Obere Bildungsgruppe10,9%
———-
30 bis 44 Jahre23,4%
Untere Bildungsgruppe25,9%
Mittlere Bildungsgruppe28%
Obere Bildungsgruppe15,5%
———-
45 bis 64 Jahre19,2%
Untere Bildungsgruppe25,6%
Mittlere Bildungsgruppe21%
Obere Bildungsgruppe14,5%

Alle weiteren Informationen zur Statistik finden Sie auf Statista

Das kann fehlende Sicherheitsausrüstung sein, diskriminierendes Verhalten oder auch eine Eiseskälte im Büro. Eventuell sind solche Verstöße sogar meldebedürftig. Dann heißt es natürlich: Nichts wie weg hier!

Hinweis #2: Der Job ist bereits anderweitig vergeben

Vielleicht wissen Sie auch bereits aus sicherer Quelle – oder erfahren im Vorstellungsgespräch – dass der Job eigentlich bereits vergeben ist. Dann müssen Sie natürlich nicht Ihre wertvolle Zeit und Energie für eine Ausschreibung opfern, die gar nicht (mehr) existiert. Dennoch kann ein gutes Vorstellungsgespräch eine Empfehlung für Sie als Arbeitskraft sein. Wenn Sie einen guten Eindruck hinterlassen, kommt der Arbeitgeber vielleicht das nächste Mal direkt auf Sie zu, sobald eine passende Stelle frei wird, oder Sie haben bei einer weiteren Bewerbung im Unternehmen bessere Chancen. Wenn Sie sich also wohlfühlen und gerne hier arbeiten würden, kann dies auch ein guter Grund sein, trotzdem zu bleiben. Ein „Nein“ ist nicht immer endgültig!

Hinweis #3: Die Stellenanzeige war zu realitätsfern

Im Sinne des Employer Brandings werden Stellenanzeigen von vielen Unternehmen ein wenig geschönt. Hand aufs Herz: Das haben Sie bei Ihrer Bewerbung gewiss auch getan. Doch wenn Beschreibung und Realität zu weit auseinanderklaffen, kann das für Sie ein Grund zum Abbruch des Vorstellungsgesprächs sein. Haken Sie gerne noch einmal genauer nach, wenn die Tätigkeitsbeschreibung, Arbeitszeiten oder andere Informationen plötzlich von jenen in der Stellenanzeige abweichen. Kommen Sie daraufhin zu dem Schluss, dass die vakante Stelle doch nicht so gut zu Ihnen passt wie gedacht, dürfen Sie ehrlich sein.

Lese-Tipp: „Die „perfekte“ Stellenanzeige formulieren: Aufbau, Vorlage und Kosten

Hinweis #4: Der Personaler wirkt desinteressiert

Wenn Ihnen während des Bewerbungsgesprächs immer wieder die Frage in den Sinn kommt „Was mache ich hier eigentlich?“, sollten Sie ebenfalls über einen Abbruch nachdenken. Haben Sie Verständnis dafür, dass der Personaler unter Zeitdruck ist und vielleicht schon 20 andere Gespräche hinter sich gebracht hat. Doch ist er überhaupt nicht vorbereitet, hat Ihre Bewerbung scheinbar noch nie gelesen und offensichtlich auch keinerlei Interesse an Ihnen, müssen Sie Ihre Zeit nicht verschwenden. Bleibt die Wertschätzung bereits beim ersten Kennenlernen aus, wird das häufig auch im späteren Job nicht besser. Sie sind schließlich ein Mensch, nicht „Bewerber Nr. 123“ – und verdienen den entsprechenden Respekt.

Hinweis #5: Ihre Fragen werden nicht (zufriedenstellend) beantwortet

Ebenso verhält es sich, wenn Ihr Gesprächspartner Ihnen keinerlei zufriedenstellende Antworten auf Ihre Fragen zur ausgeschriebenen Stelle geben kann. Dann ist er entweder nicht nur über Sie, sondern auch über die Position schlecht informiert, oder er lässt Ihr Anliegen bewusst unter den Tisch fallen. Wieso? Weil die Antwort Ihnen nicht gefallen würde! Unternehmen Sie gerne noch einen zweiten oder dritten Anlauf. Doch erhalten Sie dann immer noch keine Reaktion, handelt es sich vermutlich um kein Versehen, sondern um eine bewusste Strategie. Sagt Ihr Bauchgefühl also „Hier ist etwas faul“, hat es vermutlich recht!

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Hinweis #6: Ihr Gesprächspartner ist Ihnen unsympathisch

Ist Ihnen Ihr Gesprächspartner deshalb oder aus einem anderen Grund unsympathisch, können Sie das Vorstellungsgespräch ebenfalls abbrechen. Allerdings sollten Sie zuerst noch einmal auf den Prüfstand stellen,

  1. warum Ihnen Ihr Gegenüber unsympathisch ist und
  2. ob das für Ihre spätere Anstellung überhaupt relevant wäre.

Prüfen Sie, was es ist, das Sie an Ihrem Gesprächspartner stört. Erinnert er Sie an Ihren alkoholkranken Vater? Sieht die Personalerin Ihrer Ex-Freundin ähnlich, die Ihnen das Herz gebrochen hat? Das sind sicherlich keine berechtigten Gründe, über einen Menschen vorschnell zu urteilen. Zeigt er hingegen Desinteresse, Arroganz, unangebrachtes Verhalten oder Sie schätzen ihn als unehrlich, cholerisch oder narzisstisch ein, könnten das schon eher Argumente zum Abbruch des Bewerbungsgespräches sein.

Lese-Tipp: „Gruselkabinett im Büro: Ist Ihr Chef ein Psychopath?

Doch auch dann steht noch die Frage im Raum: Würden Sie mit Ihrem Gegenüber im Fall der Einstellung überhaupt zusammenarbeiten? Handelt es sich um Ihren direkten Vorgesetzten oder einen Teamkollegen, könnte das tatsächlich zu Konflikten führen. Einen Personaler, der nur das Vorstellungsgespräch leitet und anschließend den Papierkram erledigt, werden Sie im Arbeitsalltag hingegen selten zu Gesicht bekommen – wenn überhaupt. Sie werden es überleben. Schwierige Menschen gibt es schließlich überall!

Hinweis #7: Der Personaler stellt unerlaubte Fragen

Manche Vorstellungsgespräche laufen locker und beinahe freundschaftlich ab. In anderen setzt der Personaler Sie gezielt unter Druck, um Ihr Verhalten in Stresssituationen zu testen. Die eine oder andere fiese Frage gehört dann zum Vorstellungsgespräch einfach dazu. Doch wenn Ihnen das Stressinterview zu „stressig“ wird, sprich zu unverschämt, oder der Personaler immer wieder unerlaubte Fragen stellt – trotz, dass Sie diese abschmettern – ist das ein guter Grund zum Gehen.

Lese-Tipp: „Unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch – Haben Lügen wirklich kurze Beine?

Wie können Sie ein Bewerbungsgespräch „höflich“ abbrechen?

Abhängig davon, welcher Ihr Grund für den Abbruch des Vorstellungsgesprächs ist, sollte auch Ihr Vorgehen sein. Ist der Personaler zu unvorbereitet, Sie haben aber immer noch Interesse an der Stelle, können Sie beispielsweise nach einem zweiten Termin fragen. Sagen Sie:

„Ich bedanke mich für Ihre Mühe, allerdings habe ich das Gefühl, dass Sie mir im Moment nicht alle wichtigen Informationen auf meine Fragen geben können. Wäre es daher vielleicht möglich, einen neuen Termin vereinbaren? So haben Sie die Möglichkeit, sich noch einmal tiefergehend zu informieren oder eine dritte Person hinzuziehen, zum Beispiel meinen zukünftigen Vorgesetzten oder einen Teamkollegen.“

Bewegen unverschämte oder verbotene Fragen Sie zum Gehen – woraufhin Sie bei diesem Unternehmen gewiss auch in Zukunft nicht mehr arbeiten möchten – kann Ihr Abgang auch etwas forscher ausfallen.

„Ich möchte mich bei Ihnen für das Gespräch bedanken. Allerdings haben mir Ihre Fragen in den vergangenen Minuten deutlich gemacht, dass wir für ein Arbeitsverhältnis leider nicht zusammenfinden. Ich bitte deshalb um Ihr Verständnis, dass ich unser Zusammentreffen nun beenden werde.“

Alles in allem sollten Sie, wie bereits erwähnt, dennoch höflich bleiben. Wenigstens Ihrem guten Ruf zuliebe.

Lese-Tipp: „Experten verraten: Nicht wer leistet, wird befördert. Sondern…?

Wenn Sie ein Vorstellungsgespräch abbrechen möchten, gehen Sie deshalb wie folgt vor:

  • Unterbrechen Sie Ihre Gesprächspartner nicht, sondern warten Sie, bis Sie das Wort haben.
  • Beginnen Sie Ihren Satz anschließend stets damit, dass Sie sich für das Gespräch, die Mühe oder die Zeit Ihres Gegenübers bedanken.
  • Bringen Sie unmissverständlich Ihr Anliegen vor, das Vorstellungsgespräch abzubrechen.
  • Begründen Sie diese Entscheidung anschließend kurz. Je weniger Ihr Gesprächspartner Ihren Wunsch nachvollziehen kann, umso unhöflicher wirken Sie.
  • Bleiben Sie dabei unbedingt konstruktiv und werden Sie niemals persönlich.
  • Fragt der Personaler noch einmal um Feedback, weshalb Sie das Gespräch beenden, geben Sie es ihm gerne. Vielleicht kann er daraus für seine berufliche Zukunft lernen. Möchte er Sie hingegen aufhalten oder wird er wütend, verabschieden Sie sich unbeirrt.
  • Bedanken Sie sich noch einmal, reichen Sie den Gesprächsteilnehmern die Hand und verlassen Sie den Raum.
  • Verhalten Sie sich professionell, bis Sie das Unternehmensgelände verlassen haben und außer Sichtweite sind. Wutanfällen oder Heulkrämpfen können Sie immer noch im Auto oder zu Hause Luft machen.

Leider werden Ihnen Ihre Gesprächspartner nicht immer mit derselben Höflichkeit entgegentreten, die Sie beim Abbruch des Vorstellungsgesprächs (hoffentlich) an den Tag legen. Provokationen à la „Was fällt Ihnen ein?“ oder „Denken Sie, wir verschwenden unsere Zeit und Energie gerne für Bewerber wie Sie?“ kommen hin und wieder vor. Bleiben Sie unbedingt ruhig, auch wenn Sie innerlich toben. Lassen Sie sich niemals auf Rechtfertigungen oder Schuldzuweisungen ein. Antworten Sie also auf keinen Fall mit Phrasen wie

„Sie sind doch selbst schuld, wenn Sie solch unverschämte Fragen stellen. Fassen Sie sich lieber an die eigene Nase.“

oder

„Wenn Sie Ihre Hausaufgaben nicht machen und so unvorbereitet hier erscheinen, ist das ja wohl nicht mein Fehler. Ich finde das sehr unprofessionell!“

Wie sagt man so schön: Zum Streiten gehören immer zwei. Also bleiben Sie ruhig und verhalten Sie sich professionell, reif und höflich. Antworten Sie beispielsweise:

„Ich finde es schade, dass Sie meine Entscheidung nicht nachvollziehen können. Sie ist keinesfalls persönlich gemeint. Ich denke, es ist am fairsten für alle Beteiligten, wenn wir die Karten offen auf den Tisch legen. Ich werde mich deshalb jetzt verabschieden. Ich wünsche Ihnen und dem Unternehmen natürlich weiterhin alles Gute und bedanke mich noch einmal für die Chance, mich Ihnen persönlich vorzustellen, auch wenn es leider nicht gepasst hat.“

Lese-Tipp: „Vorstellungsgespräch absagen oder verschieben? So geht’s

Was denken Sie? Ist es Ihrer Meinung nach ein absolutes No-Go, ein Vorstellungsgespräch frühzeitig zu beenden? Oder haben Sie vielleicht selbst schon einmal ein Bewerbungsgespräch abgebrochen und wenn ja, wie? Wir freuen uns auf Ihre Meinung zum Thema in den Kommentaren!