Sie haben die erste Hürde im Bewerbungsverfahren genommen und wurden zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Und dann das: Der am Telefon so nette Personaler stellt auf einmal komische Fragen, wie z.B.: Sind Sie schwanger? Wie sieht es mit Ihrem Kinderwunsch aus? Haben Sie einen festen Partner? Damit Sie auch die nächste Hürde nehmen, sollten Sie auf unangenehme Fragen die passende Reaktion bereit halten.

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Bewerber lügt Personaler im Bewerbungsgespräch an
Bildnachweis: iStock.com/Alija

Unzulässige Fragen müssen Sie nicht beantworten!

Zunächst einmal haben Sie grundsätzlich das Recht, eine unzulässige Frage einfach gar nicht zu beantworten. Sie könnten einfach mit einem Hinweis auf die Unzulässigkeit der Frage darum bitten, das Gespräch ohne die Beantwortung derselben fortzusetzen. Dies empfiehlt sich aber im Bewerbungsgespräch meist nicht.

Denn wenn Sie eingestellt werden wollen, sollten Sie mit unangenehmen Fragen rechnen und auf diese souverän antworten können. Hierbei hilft Ihnen das sog. „Recht zur Lüge“. Stellt Ihnen ein potentieller Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch eine unzulässige Frage, und Sie antworten hierauf nicht wahrheitsgemäß, so kann Ihr Arbeitgeber hieraus später keine negativen arbeitsrechtlichen Konsequenzen ziehen.

Aber Achtung: Dies gilt nur bei unzulässigen Fragen. Auf zulässige Fragen müssen Sie wahrheitsgemäß antworten, sonst kann später die fristlose Kündigung oder die Anfechtung des Arbeitsvertrages wegen arglistiger Täuschung drohen.

Welche Fragen sind zulässig und welche Fragen sind unzulässig? Wie reagiere ich am besten?

Ob eine Frage zulässig ist oder nicht, ist häufig nicht leicht zu beantworten. Grundsätzlich beurteilt sich dies nach dem Bezug zur Tätigkeit, auf die Sie sich bewerben. Insofern gilt generell, dass Ihr zukünftiger Arbeitgeber alles fragen darf, was für die Durchführung der Tätigkeit von Bedeutung ist. Mehr aber auch nicht! Wo die Grenzen zu ziehen sind, ist nicht immer ganz einfach zu beurteilen, aber es haben sich gewisse Grundsätze herausgebildet.

Tabu sind beispielsweise grundsätzlich Fragen zur Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder Partei, zu persönlichen Daten von Verwandten, zu Ihren finanziellen Verhältnissen, zu Ihrer Familienplanung, zu Ihrer Sexualität, zu Ihrem Gesundheitszustand sowie zu Ihrer Religionszugehörigkeit. Auf solche Fragen müssen Sie grundsätzlich nicht antworten, oder können guten Gewissens lügen.

Können grundsätzlich unzulässige Fragen im Einzelfall doch erlaubt sein?

Auch wenn das “Recht zur Lüge” Sie im Bewerbungsgespräch vor Diskriminierung schützen soll, damit Sie nicht in die Bredouille geraten, auf unzulässige Fragen zu schweigen – und den Job dann dennoch nicht zu erhalten -, ist Vorsicht geboten. Denn wenn ihr Arbeitgebers ein berechtigtes Interesse an der Beantwortung der eigentlich unzulässigen Frage hat, gibt es dieses “Recht zur Lüge” im Einzelfall doch nicht.

Bewerben Sie sich zum Beispiel als Kassierer oder Bankangestellter, so müssen Sie angeben, wenn Sie bereits eine Vorstrafe wegen Diebstahls oder Veruntreuung erhalten haben. Denn hier besteht ein entsprechender Bezug zur Tätigkeit und ein schützenswertes Interesse des Arbeitgebers.

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Nach dem Gesundheitszustand darf der Arbeitgeber im Bewerbungsgespräch fragen, wenn hiervon Ihre Einsatzfähigkeit bezüglich der vorgesehenen Tätigkeit abhängt, beispielsweise bei schwerer körperlicher Arbeit. Wer mit Lebensmitteln zu tun hat, muss Fragen nach seinem Gesundheitszustand dulden, sogar ein Gesundheitszeugnis abgeben.

Die Partei- Gewerkschafts- und/oder Religionszugehörigkeit kann in Ausnahmefällen – nämlich bei sog. Tendenzbetrieben – auch eine Rolle spielen. Dies sind beispielweise Parteien, Gewerkschaften und Kirchen selbst, oder diesen zugehörige Verlage und Zeitungen. Hier liegt der Arbeit ja gerade eine bestimmte politische oder religiöse Einstellung zugrunde, so dass hier die oben genannten Fragen zulässig sein können. In diesem Bereich ist allerdings noch vieles ungeklärt.

Zusammenfassend müssen Sie sich stets fragen, ob Ihr Arbeitgeber ein besonderes und schützenswertes Interesse an der Frage hat, um zu beurteilen, ob sie zulässig oder unzulässig ist.

Wie reagiere ich am besten, falls mir eine unzulässige Frage im Bewerbungsgespräch gestellt wird?

Wie bereits erwähnt ist es in der Regel nicht empfehlenswert, den Personaler darauf hinzuweisen, dass die gestellte Frage nicht beantwortet werden muss und Sie auch nicht gedenken, dies zu tun.

Auf unzulässige Fragen sollten Sie vielmehr in den meisten Fällen antworten und dies wenn möglich souverän. Auf die Frage nach einer Schwangerschaft könnten Sie z.B. wie folgt antworten:

„Nein, und dies ist auch auf absehbare Zeit nicht geplant. Dies habe ich mit meinem Partner besprochen.“

Würden Sie auf die Frage, ob Sie schwanger sind, nur mit einem einfachen “Nein.” antworten, ließe dies Rückschlüsse auf Ihre Unsicherheit in diesem Bereich zu. Wenn Sie aber noch eine – gute – Begründung liefern, so erhöhen Sie die Glaubwürdigkeit Ihrer Aussage.

Müssen Sie bestimmt Dinge erwähnen, auch wenn der Personaler nicht nach ihnen fragt?

Dies ist nur in seltenen Ausnahmefällen der Fall. Grundsätzlich ist es an Ihrem Arbeitgeber, zu entscheiden, was für ihn wichtig ist und was nicht. Er muss also grundsätzlich wissen, was er im Bewerbungsgespräch fragt. Eine selbstständige Auskunftspflicht des Bewerbers kommt allenfalls in Betracht, wenn die fraglichen Umstände Ihnen die Erfüllung der Tätigkeit, auf die Sie sich beworben haben, unmöglich macht oder zumindest für Ihre arbeitsvertraglichen Pflichten von herausragender Bedeutung sind. Vorstellbar ist dies beispielweise bei Vertriebsmitarbeitern im Außendienst, die gemäß den arbeitsvertraglichen Regelungen häufig Dienstreisen mit dem PKW antreten müssen oder Taxi- oder Busfahrern. In einem solchen Fall müssen Sie als Bewerber ein bestehendes Fahrverbot oder einen Führerscheinentzug von sich aus erzählen.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass das Fragerecht des Arbeitgebers im laufenden Arbeitsverhältnis sich durchaus vom Fragerecht im Bewerbungsgespräch unterscheidet.

(Erstveröffentlichung März 2015)