Deutsche Arbeitskräfte sind weltweit äußerst beliebt. Wieso? Weil ihnen Tugenden wie Disziplin, Pünktlichkeit und Fleiß nachgesagt werden. Tatsächlich entspricht dies im Großen und Ganzen auch der Wahrheit. Gleichzeitig ist Deutschland in Umfragen aber leider nur im Mittelfeld der glücklichsten Länder, trotz unseres privilegierten Daseins: Hoher Wohlstand, ein soziales Netz als Absicherung und Frieden – was wollen wir mehr? Auffallend ist auch, dass Deutschland im internationalen Vergleich eines der Länder mit den meisten psychosomatischen Kliniken ist und „Burnout“ ja beinahe schon als Modekrankheit gilt. Gründe dafür gibt es natürlich viele, doch einer davon ist auf jeden Fall: Wir haben die Gelassenheit verlernt. Vor lauter Arbeiten vergessen wir häufig den Spaß am Leben und wollen im Job manchmal so viel, dass am Ende gar nichts mehr vorangeht, weil wir uns selbst im Weg stehen.

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Inhalt
1. Ist Gelassenheit gleich Faulheit?
2. Gelassenheit im Beruf – geht das überhaupt?
3. Warum es sich mit Gelassenheit viel besser arbeitet
4. Tipp 1: Selbstbewusstsein stärken
5. Tipp 2: Organisation ist das A und O
6. Tipp 3: Das Ego ist ein falscher Freund
7. Tipp 4: Vergeben und vergessen
8. Tipp 5: Ängste abbauen
9. Der positive Kreislauf der Gelassenheit

Ist Gelassenheit gleich Faulheit?

Mit dem Wort Gelassenheit verbinden viele Menschen die Faulheit, einfach morgens im Bett liegen zu bleiben, bei der Arbeit alle halbe Stunde eine Kaffeepause einzulegen oder im Schneckentempo zu arbeiten. Doch Gelassenheit hat mit Faulheit nichts zu tun. Sie kann vielmehr mit einer inneren Ausgeglichenheit gleichgesetzt werden. Gelassene Menschen haben nämlich die Kunst verinnerlicht, auch in Stresssituationen, in der Alltagshektik oder bei Ärger ihre innere Ruhe zu behalten. Sie sind emotional stabiler, unvoreingenommener und dadurch eben auch glücklicher. Und tatsächlich sind gelassene Menschen häufig auch im Beruf erfolgreicher. Es schadet also nicht, einfach einmal loszulassen und wieder zu Ihrer inneren Gelassenheit zu finden.

Gelassenheit im Beruf – geht das überhaupt?

Ja, denn Gelassenheit ist stets eine gute Devise, sowohl beruflich als auch im Privatleben. Gelassener zu leben würde nämlich bedeuten, endlich weniger Stress zu empfinden. In einer Umfrage der Techniker Krankenkasse gaben 63 Prozent der Frauen und 52 Prozent der Männer an, sich unter Dauerdruck, also unter Stress zu fühlen. Das Resultat: Tinnitus, Schlafstörungen, Depressionen, Magenbeschwerden, Burnout uvm.

Stress ist für viele Deutsche mittlerweile zum Dauerzustand geworden. Kurzfristig mag das durchaus hilfreich sein: Der Stress verursacht eine ständige Anspannung und diese veranlasst den Körper zu Höchstleistungen. Das ist praktisch, wenn man als Neandertaler vor einem Raubtier fliehen muss. Und eben auch, wenn bei der Arbeit gerade zwei besonders stressige Tage anstehen, in denen Sie ein wichtiges Projekt fertigstellen müssen. Dieser Mechanismus mobilisiert unsere letzten Energiereserven und war eigentlich von der Natur nur für eine kurze Zeitspanne, ein paar Minuten oder vielleicht auch wenige Stunden gedacht. Kein Wunder also, dass Menschen, die unter Dauerstress leben, früher oder später krank werden. Was diesen Stress bei deutschen Arbeitnehmern verursacht, hat übrigens ganz unterschiedliche Gründe:

Statistik: In welchen Situationen empfinden Sie Stress? | Statista
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Warum es sich mit Gelassenheit viel besser arbeitet

Vielleicht kennen Sie das selbst: Unter Stress passieren deutlich mehr Fehler und Unfälle. Manchmal fragt man sich ja sogar selbst hinterher „Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht?“. In der Regel nicht allzu viel, denn durch den Stress und das Adrenalin steigt der Blutdruck, die Energiereserven sind schneller aufgebraucht und die Konzentration sinkt. Wer deshalb gelassener zur Arbeit geht, arbeitet mit höherer Konzentration. Dadurch ist seine Arbeit qualitativ besser, fehlerfrei und dennoch gleich schnell fertig. Kein Wunder also, dass gelassene Menschen eher und schneller Karriere machen als die gestressten unter uns, die ja häufig früher oder später durch Burnout oder ähnliche stressbedingte Erkrankungen zeitweise oder sogar ganz aus dem Beruf ausscheiden. Allerdings zeigte die Umfrage der Techniker Krankenkasse auch, dass das Stresslevel mit steigender Verantwortung und höherer Bezahlung zunimmt. Je erfolgreicher Sie also werden, desto mehr wird die Gelassenheit zur Herausforderung. Wir möchten Ihnen deshalb jetzt fünf nützliche Tipps und Tricks auf Ihren Weg zu mehr Gelassenheit mitgeben:

1: Selbstbewusstsein stärken

Selbstbewusste Menschen fühlen sich weniger gestresst. Wieso? Weil sie weniger Angst davor haben, eine Aufgabe nicht (rechtzeitig) zu schaffen, Fehler zu machen oder auch den Job zu verlieren. Sie glauben an sich und ihre Fähigkeiten, daran, dass Sie die Arbeits- und die Lebensaufgaben meistern können, und dass am Ende irgendwie doch alles gut sein wird. Zudem stecken sie Rückschläge, Kritik oder auch Scheitern schneller weg und nehmen Zurückweisungen weniger persönlich. Ihr Selbstbewusstsein aufzubauen ist deshalb ein erster wichtiger Schritt hin zu einer gelasseneren Lebensweise. Wie das geht? Das erfahren Sie in meinem Artikel „Selbstbewusstsein stärken: Tipps & Übungen für mehr Selbstvertrauen“.

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2: Organisation ist das A und O

Führen Sie einen Kalender, legen Sie To-Do-Listen an und befolgen Sie einen strengen Ablaufplan, den Sie vorher selbst nach Ihren eigenen Möglichkeiten und Grenzen festgelegt haben. Je organisierter Sie vorgehen, desto entspannter können Sie arbeiten und dies mit Ihrem Privatleben vereinen. Das funktioniert aber natürlich nur dann, wenn der Zeitplan realistisch angesetzt ist. So können Sie fortan nämlich in Ruhe Punkt für Punkt abarbeiten, lassen sich weniger ablenken und sind dadurch genauso schnell mit Ihrer Arbeit fertig wie unter Stress. Nur eben gelassener, entspannter und gesünder.

Der positive Nebeneffekt: Ihre Arbeit ist durch Ihre bessere Konzentrationsfähigkeit sogar von gesteigerter Qualität. Dadurch müssen Sie erst recht keine Angst mehr vor einer Kündigung haben und können stattdessen gelassen in den Feierabend starten.

3: Das Ego ist ein falscher Freund

Ihr sogenanntes „Ego“ hängt eng mit Ihrem Selbstbewusstsein zusammen. Gerade Menschen mit einem geringen Selbstvertrauen oder Minderwertigkeitskomplexen neigen nämlich dazu, auf Konfliktsituationen übermäßig gekränkt zu reagieren. Sie fühlen sich nach einem Streit, nach Kritik oder einem verbalen Angriff zutiefst persönlich getroffen, schmieden Rachepläne, missbrauchen ihre Macht oder plustern sich unnötig auf. Dadurch ist aber auf Dauer kein professionelles Arbeiten möglich, Sie werden sich selbst vermehrt gestresst fühlen und immer weitere Konflikte mit Ihren Kollegen hervorrufen. Lassen Sie Ihr Ego deshalb zuhause oder verbannen Sie es gleich ganz aus Ihrem Leben. Wer ein gesundes Selbstbewusstsein hat, kann auch in Konfliktsituationen gelassen und authentisch bleiben

4: Vergeben und vergessen

Trotzdem kommt es natürlich hin und wieder vor, dass Sie so richtig wütend sind auf Ihren Kollegen, Ihren Vorgesetzten oder auch sich selbst. Emotionen sind schließlich menschlich. Dennoch sollten Sie den richtigen Zeitpunkt erkennen, um loszulassen. Vergeben Sie Ihrem Kollegen den fiesen Kommentar, vergessen Sie die schlechte Laune Ihres Chefs oder verzeihen Sie sich selbst, dass Sie gestern einen Fehler gemacht haben. Üben Sie sich in Nachsicht. Wer zu streng zu sich und zu anderen ist, macht sich das Leben nur selbst schwer.

5: Ängste abbauen

Aus psychologischer Sicht baut Stress immer auf Ängsten auf. Dies können Versagensängste sein, die Angst vor Verlust, vor Fehlern, eine Aufgabe nicht rechtzeitig fertig zu kriegen, vor der Kündigung oder vielen weiteren Dingen. Ängste gehören zum Menschen dazu und sind für unser Überleben immens wichtig. Dennoch: In uns steckt eben immer noch dieser vor dem Raubtier fliehende Urmensch mit zahlreichen Ängsten, die in heutigen Zeiten überflüssig sind. Wenn Sie nämlich wirklich einmal über Ihre Ängste nachdenken, werden Sie erkennen, dass die meisten davon völlig unbegründet sind. Denn selbst wenn schlimme Dinge im Leben passieren, der Tod eines geliebten Menschen zum Beispiel, eine Erkrankung oder eine Kündigung – Sie könnten das sowieso nicht ändern. Daher gilt es, gezielt Ängste abzubauen, Vertrauen in das Leben zu entwickeln und mit Zuversicht voranzuschreiten. Einfach ist das natürlich nicht und deshalb können wir Ihnen nur empfehlen, sich bei Bedarf Hilfe bei diesem Prozess zu suchen. Wenn Sie alleine oder mit einem Therapeuten gezielt Ihre Ängste abbauen, wird sich Ihre Lebensqualität immens erhöhen, beruflich und privat.

Der positive Kreislauf der Gelassenheit

Also lassen Sie die Kontrolle auch einmal los und vertrauen Sie auf das Leben sowie in sich selbst. Genießen Sie jeden Moment, haben Sie wieder mehr Spaß, gönnen Sie sich eine Siesta oder erfüllen Sie sich lang gehegte Träume. Vergessen Sie einmal die hohen Ansprüche an sich selbst, Ihre Kollegen, den Partner usw. Wenn Sie gelassener durch das Leben gehen, haben Sie eine positivere und selbstsichere Ausstrahlung. Dadurch sind gelassene Menschen bei Bewerbungsgesprächen erfolgreicher, steigen im Beruf schneller auf und können mit der Verantwortung und dem Leistungsdruck einer steilen Karriere besser umgehen. Wahre Gelassenheit – die eben mit Faulheit nicht gleichzusetzen ist – löst dadurch einen positiven Kreislauf aus. Je gelassener Sie sind, desto mehr Erfolg werden Sie haben, desto besser kann Ihr Selbstbewusstsein wachsen und desto gelassener werden Sie dadurch wiederum durchs Leben gehen. Starten Sie deshalb jetzt und finden Sie (zurück) zu Ihrer Gelassenheit.

Welche sind Ihre besten persönlichen Tipps und Tricks für mehr Gelassenheit bei der Arbeit?