Wo Menschen zusammenarbeiten, kommt es unweigerlich zu Konflikten. Diese resultieren aus den verschiedenen Persönlichkeiten, also unterschiedlichen Meinungen, Erwartungen, Gewohnheiten, Wünschen & Co. Konflikte sind nicht durchweg negativ zu bewerten, schließlich können Reibungen auch zu neuen Ideen, Optimierungen oder einer persönlichen Weiterentwicklung führen. Anstelle der Vermeidung von Konflikten, sollten Sie sich deshalb lieber darauf konzentrieren, wie Sie diese lösen, sobald sie auftreten. Denn je früher ein Konflikt entdeckt und gelöst wird, umso geringer sind dessen negative Konsequenzen.

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Glückliche Mitarbeiterinnen mit einer gesunden und friedlichen Arbeitsatmosphäre
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Inhalt
1. Die Streitkultur ist das A und O in jedem Unternehmen
2. Vermeidung vs. Konfrontation: Welcher „Streit-Typ“ sind Sie?
3. Tipps für den Umgang mit verschiedenen „Streitkonstellationen“
4. Fall 1: Vermeidung – Vermeidung
5. Fall 2: Vermeidung – Konfrontation
6. Fall 3: Konfrontation – Konfrontation
7. Die Macht der Worte: Mit diesen Sätzen können Sie Konflikte entschärfen

Die Streitkultur ist das A und O in jedem Unternehmen

Jedes Unternehmen sowie jeder Arbeitnehmer selbst sollte sich deshalb die Frage nach seiner eigenen Streitkultur stellen. Diese ist der wichtigste Grundstein der im Betrieb herrschenden Arbeitsatmosphäre. Herrscht eine positive Streitkultur, so werden Konflikte frühzeitig erkannt und auf einer sachlichen Ebene gelöst, eventuell mit der professionellen Hilfe eines Mediators.

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In einer negativen – oder schlichtweg nicht vorhandenen – Streitkultur werden Konflikte hingegen künstlich vermieden, brodeln unterschwellig, bis sie eskalieren, oder tragen sich auf einer persönlichen Ebene aus. Im Extremfall enden sie im Mobbing und dadurch in der dauerhaften Arbeitsunfähigkeit oder Kündigung mindestens eines Mitarbeiters.

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Dies gibt einen ersten Eindruck davon, wie wichtig die Implementierung einer positiven Streitkultur in jedem Unternehmen ist. Doch heute soll es nicht um die Firmenebene gehen, sondern um Ihre Perspektive aus der Arbeitnehmersicht. Auch jedes Individuum hat nämlich seine persönliche Streitkultur. Sie haben diese im Kindesalter von Ihren Eltern, Geschwistern oder Gleichaltrigen kopiert. Dadurch haben Sie gelernt, Konflikten aus dem Weg zu gehen, handgreiflich zu werden oder sie auf einer sachlichen Ebene zu lösen. Vielleicht haben Sie Ihre Neigung zur Gewalt durch ein Aggressionstraining mittlerweile im Griff oder eine Therapie hat Sie gelehrt, Ihr zwanghaftes Harmoniebedürfnis und daraus resultierendes Vermeidungsverhalten zu hinterfragen. Je nach Kindheitserfahrungen, Grad der Persönlichkeitsentwicklung sowie jeweiliger Situation – einige Menschen lösen Konflikte im Beruf anders als privat – verhält sich also jeder Arbeitnehmer unterschiedlich, wenn am Arbeitsplatz Spannungen auftreten.

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Da Kommunikation jedoch der wichtigste Erfolgsfaktor im Beruf ist, und zwar nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern vor allem bezüglich Ihrer persönlichen Zufriedenheit und Gesundheit, sollten Sie Ihre individuelle Streitkultur optimieren. So tragen Sie zu einer angenehmeren Arbeitsatmosphäre bei, gehen Ihren Teamkollegen mit gutem Beispiel voran und vermeiden vor allem, selbst ins Kreuzfeuer zu geraten. Wird ein Konflikt nämlich zu spät erkannt oder erst aufgelöst, nachdem er eine gewisse Eskalationsstufe überschritten hat, sind die Fronten für eine Lösung oft bereits zu verhärtet. Eine solche Eskalation kann an der Oberfläche stattfinden, zum Beispiel durch einen heftigen Wortwechsel, oder unterschwellig entstehen, wenn die Streithähne „brodeln“ und sich innerlich in den Konflikt hineinsteigern, ohne diesen offen anzusprechen.

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So oder so kann ein eskalierter Konflikt im Team häufig nur durch eine interne Versetzung oder sogar Kündigung mindestens eines der Betroffenen gelöst werden. Aufgrund der hohen gesundheitlichen Belastung durch den emotionalen Stress über einen längeren Zeitraum hinweg, kommt es zudem nicht selten vor, dass einer oder beide längerfristig arbeitsunfähig werden. Es ist daher sowohl in Ihrem eigenen Interesse als auch in jenem des Unternehmens, die Streitkultur im Team zu verbessern.

Vermeidung vs. Konfrontation: Welcher „Streit-Typ“ sind Sie?

Wir haben bereits die zwei verschiedenen Möglichkeiten der Eskalation eines Konfliktes erwähnt: Entweder er brodelt unterschwellig vor sich hin oder er wird offen ausgetragen. Diese resultieren aus zwei unterschiedlichen Streitmustern: Es gibt Menschen, welche die Konfrontation suchen, und jene, die den Konflikt lieber vermeiden. Auch, wenn Ihr Verhalten sich von Fall zu Fall unterscheidet, lassen Sie sich doch mit großer Wahrscheinlichkeit in eine dieser beiden Kategorien einsortieren. Dahinter stehen nämlich zwei völlig verschiedene Persönlichkeitsstrukturen:

  • Vermeidung: Menschen, die Streit vermeiden, verfügen häufig über ein eher schwaches Selbstbewusstsein. Sie sind harmoniebedürftig und fühlen sich ihrem Gegenüber in Konflikten oft unterlegen. Sie haben Angst, den Streit zu „verlieren“ und machen ihn deshalb lieber mit sich selbst aus. Dabei merken sie häufig nicht, dass sie durch ihre angestaute Wut in erster Linie ihrer eigenen psychischen und physischen Gesundheit schaden und zugleich den Konflikt nur künstlich in die Länge ziehen. Denn eine Eskalation lässt sich auf Dauer nur selten verhindern. „Vermeider“ fühlen sich in der Opferrolle wohl. Sie verfügen zugleich über ein hohes Maß an Empathie und möchten trotz Konfliktsituation nicht die Gefühle ihres Gegenübers verletzen. Alles in allem neigen Frauen eher zur Vermeidung.
  • Konfrontation: Wer die Konfrontation sucht, ist hingegen impulsiv und aufbrausend. Es braucht eine gehörige Portion Mut, dem „Gegenspieler“ die Meinung ins Gesicht zu sagen. Leider schießt dieser „Streit-Typ“ dabei häufig über das Ziel hinaus, wird persönlich oder verletzend. Er ist ehrlich, verlässt dabei aber schnell die sachliche Ebene. In Extremfällen resultiert die Wut in körperlicher Gewalt. Alles in allem neigen Männer eher zur Konfrontation.
    Sie sehen: Beide Arten im Umgang mit Konflikten haben ihre Vor- und Nachteile. Schlussendlich haben sie beide ihre Daseinsberechtigung. Wichtig ist nur, dass Sie erkennen, welcher Streittyp Sie sind, wie Sie Ihre persönliche Streitkultur demnach verbessern können und vor allem: wie Sie in Zukunft konkret mit Konfliktsituationen umgehen sollten.

Tipps für den Umgang mit verschiedenen „Streitkonstellationen“

Leider gibt es aber kein Patentrezept, um jeden Streit frühzeitig, sachlich und zielführend zu lösen. Schließlich sind alle Konflikte individuell und es treten resultierend aus den zwei unterschiedlichen Streitmustern eben auch verschiedene Konstellationen auf:

  1. Vermeidung – Vermeidung
  2. Vermeidung – Konfrontation
  3. Konfrontation – Konfrontation

Es ist also hilfreich, wenn Sie nicht nur Ihr eigenes Streitmuster kennen, sondern auch jenes der Person, mit welcher Sie einen Konflikt haben. Dieses sollte sich durch ein wenig Beobachtung schnell herausfinden lassen. Sie merken schließlich, ob Ihr Gegenüber plötzlich brüllend vor Ihnen steht oder Ihnen nur böse Blicke, aber ein gekünsteltes Lächeln zuwirft – oder so ähnlich. Je nach „Streitkonstellation“ sollten Sie unterschiedlich mit der Situation umgehen:

Fall 1: Vermeidung – Vermeidung

Wenn Sie beide zur Vermeidung neigen, brodelt der Konflikt häufig lange im Untergrund, bevor er an die Oberfläche tritt. Dennoch steigern sich die Betroffenen innerlich immer weiter in die Unstimmigkeit hinein – so lange, bis mindestens einer von beiden „explodiert“. Die Eskalation einer solchen Streitkonstellation kann deshalb für das soziale Umfeld unerwartet, plötzlich und ohne Vorwarnung eintreten. Vielleicht wussten die Teamkollegen, der Vorgesetzte oder auch Sie selbst nichts von dem Konflikt beziehungsweise dessen Tragweite, bis plötzlich die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Ihres „Gegenspielers“ auf dem Tisch liegt, seine Kündigung, in welcher er Ihnen die Schuld zuschiebt, oder aber es bricht plötzlich der gesamte Frust der vergangenen Wochen, Monate oder Jahre unter Tränen oder Geschrei aus den Streithähnen heraus.

Praxistipp: Gehen Sie in dieser Streitkonstellation auf die andere Person zu. Sprechen Sie sachlich, aber bestimmt an, dass Sie einen unterschwelligen Konflikt wahrnehmen und Sie diesen gerne in einem Vieraugengespräch oder auch mithilfe eines Mediators lösen würden. Machen Sie dabei Ihre guten Absichten deutlich: Wenn Sie den Konflikt frühzeitig aus dem Weg räumen, können Sie beide wieder entspannter sowie in einer besseren Atmosphäre (miteinander) arbeiten und verhindern einen schlimmeren Ausgang. Bewahren Sie sich diese Ruhe und Bestimmtheit auch, wenn der Streit plötzlich heftigere Züge annimmt. Bleiben Sie sachlich, aber fliehen Sie nicht vor der Auseinandersetzung. Damit würden Sie nämlich zurückgehen in Ihr altes Streitmuster.

Fall 2: Vermeidung – Konfrontation

Die Konstellation zwischen Vermeidung und Konfrontation ist die wohl schwierigste, da das Verhalten des anderen jeweils als befremdlich empfunden wird. Es fällt Ihnen eventuell schwer, sich in Ihr Gegenüber hineinzuversetzen und zu verstehen, weshalb dieser nun die Konfrontation sucht oder umgekehrt den Streit vermeiden möchte. Das kann dazu führen, dass der aktive Part den Vermeider immer mehr in die Defensive drängt und der Konflikt dadurch immer weiter eskaliert. Er kann im Mobbing oder vollständigen Rückzug der vermeidenden Person enden, beispielsweise einer Krankschreibung oder Kündigung. Sie rutschen dadurch in eine ungute „Täter-Opfer-Konstellation“.

Praxistipp: In dieser Konstellation ist besonders viel Empathie gefragt. Beide Betroffenen sollten immer wieder innehalten, ihr eigenes Verhalten hinterfragen und versuchen, das Verhalten ihres „Gegenspielers“ zu verstehen. Sie können sich sogar ein positives Beispiel an dessen Verhaltensweisen nehmen und sich dadurch bestenfalls immer weiter annähern. Leider ist das in der Praxis meist sehr schwierig. Auch hier empfiehlt sich deshalb unbedingt die Einschaltung eines Mediators oder einer unbeteiligten dritten Person als Schlichter.

Fall 3: Konfrontation – Konfrontation

Suchen beide Streithähne die Konfrontation, eskaliert der Konflikt in der Regel schnell und heftig. Das Positive an der Sache ist, dass er häufig ebenso schnell wieder aus der Welt geschafft werden kann. Kennen Sie nicht auch das „typisch männliche Verhalten“, welches die Frauenwelt immer wieder fasziniert: Im einen Moment prügeln sich die Herren der Schöpfung und im nächsten sitzen sie in freundschaftlicher Pose an der Bar?! Leider ist die Konstellation Konfrontation – Konfrontation sehr explosiv. Deshalb ist es sinnvoll, eine unbeteiligte dritte Person, wie den Vorgesetzten oder einen Mediator, in die Schlichtung einzubeziehen. Ansonsten droht der Streit auf eine persönliche, verletzende und respektlose Ebene abzurutschen. Nach einer solchen Eskalation wäre eine weitere Zusammenarbeit der Betroffenen beinahe unmöglich.

Praxistipp: Atmen Sie tief durch und lernen Sie, erst zu denken, bevor Sie sprechen. Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Temperament mit Ihnen durchgeht. Damit könnten Sie Ihr Image und folglich auch Ihre Karriere im Unternehmen ruinieren. Droht der Konflikt zu eskalieren, ziehen Sie sich deshalb erst einmal zurück. Haben sich die Emotionen ein wenig gelegt, gehen Sie auf Ihren „Gegenspieler“ zu und bitten Sie ihn um ein Sechsaugengespräch mit einem unbeteiligten Dritten als Schlichter. Legen Sie während des Streitgesprächs Pausen ein, wenn es zu hitzig wird. Argumentieren Sie sachlich sowie lösungsorientiert.

Die Macht der Worte: Mit diesen Sätzen können Sie Konflikte entschärfen

Manchmal reicht sogar schon ein einziger Satz, um einen Konflikt frühzeitig zu entschärfen, bevor er eskaliert. Probieren Sie es deshalb je nach Streitkonstellation und individueller Situation mit folgenden Aussagen:

„Ich glaube, das ist ein sehr wichtiges Thema, über welches wir beide offen sprechen sollten.“

„Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich bin allerdings anderer Meinung und würde deshalb gerne noch einmal tiefergehend mit Ihnen über den Vorfall/das Projekt/etc. sprechen.“

„Ich fühle mich aufgrund der Situation sehr unwohl. Vielleicht geht es Ihnen genauso? Ich denke, dass ich mich besser fühlen würde, wenn wir das einmal mithilfe eines Mediators besprechen könnten.“

„Vielen Dank, dass Sie auf mich zugekommen sind. Es war mutig, den Konflikt so offen anzusprechen. Ich möchte Ihnen auch entgegenkommen und würde gerne in einem sachlichen Gespräch mit Ihnen und unserem Vorgesetzten eine Lösung finden, die für uns alle tragbar ist.“

„Sie haben auf das Projekt/die Angelegenheit/etc. eine so vollkommen andere Sicht als ich. Das respektiere ich. Ich würde diese auch gerne verstehen, habe aber im Moment noch Schwierigkeiten damit. Würden Sie mir Ihre Perspektive vielleicht in einem Vieraugengespräch noch einmal sachlich darlegen?“

„Ich habe gehört, Sie hätten … über mich gesagt. Da ich allerdings nicht viel auf Klatsch und Tratsch gebe, wollte ich Sie lieber persönlich fragen, ob das stimmt? Und wenn ja, wieso Sie so denken? Ich glaube nämlich, dass Sie ein völlig falsches Bild von mir haben und hätte gerne die Chance, Sie vom Gegenteil zu überzeugen.“

„Sie sind also der Meinung A und ich der Meinung B. Aus meiner Sicht ist das so in Ordnung, Menschen sind schließlich unterschiedlich. Wollen wir die Sache erst einmal so stehen lassen?“

„Ich verstehe Ihre Perspektive. Ich hätte nun gerne die Chance, Ihnen meine darzulegen. Vielleicht können Sie diese ja ebenfalls nachvollziehen.“

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Welche weiteren Sätze oder Tipps kennen Sie, um Konflikte zu entschärfen? Wie gehen Sie selbst mit Konflikten um? Und welche Erfahrungen haben Sie bereits mit den unterschiedlichen Konstellationen gemacht? Vielen Dank für Ihren Beitrag in den Kommentaren!