Wo Menschen zusammenarbeiten, kommt es unweigerlich zu Konflikten. Diese resultieren aus den verschiedenen Persönlichkeiten, also unterschiedlichen Meinungen, Erwartungen, Gewohnheiten, Wünschen & Co. Konflikte sind nicht durchweg negativ zu bewerten, schließlich können Reibungen auch zu neuen Ideen, Optimierungen oder einer persönlichen Weiterentwicklung führen. Anstelle der Vermeidung von Konflikten, solltest du dich deshalb lieber darauf konzentrieren, wie du diese löst, sobald sie auftreten. Denn je früher ein Konflikt entdeckt und gelöst wird, umso geringer sind dessen negative Konsequenzen.

Die Streitkultur ist das A und O in jedem Unternehmen

Jedes Unternehmen sowie jeder Arbeitnehmer selbst sollte sich deshalb die Frage nach seiner eigenen Streitkultur stellen. Diese ist der wichtigste Grundstein der im Betrieb herrschenden Arbeitsatmosphäre. Herrscht eine positive Streitkultur, so werden Konflikte frühzeitig erkannt und auf einer sachlichen Ebene gelöst, eventuell mit der professionellen Hilfe eines Mediators.

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In einer negativen – oder schlichtweg nicht vorhandenen – Streitkultur werden Konflikte hingegen künstlich vermieden, brodeln unterschwellig, bis sie eskalieren, oder tragen sich auf einer persönlichen Ebene aus. Im Extremfall enden sie im Mobbing und dadurch in der dauerhaften Arbeitsunfähigkeit oder Kündigung mindestens eines Mitarbeiters.

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Dies gibt einen ersten Eindruck davon, wie wichtig die Implementierung einer positiven Streitkultur in jedem Unternehmen ist. Doch heute soll es nicht um die Firmenebene gehen, sondern um deine Perspektive aus der Arbeitnehmersicht. Auch jedes Individuum hat nämlich seine persönliche Streitkultur. Du hast diese im Kindesalter von deinen Eltern, Geschwistern oder Gleichaltrigen kopiert. Dadurch hast du gelernt, Konflikten aus dem Weg zu gehen, handgreiflich zu werden oder sie auf einer sachlichen Ebene zu lösen. Vielleicht hast du deine Neigung zur Gewalt durch ein Aggressionstraining mittlerweile im Griff oder eine Therapie hat dich gelehrt, dein zwanghaftes Harmoniebedürfnis und daraus resultierendes Vermeidungsverhalten zu hinterfragen. Je nach Kindheitserfahrungen, Grad der Persönlichkeitsentwicklung sowie jeweiliger Situation – einige Menschen lösen Konflikte im Beruf anders als privat – verhält sich also jeder Arbeitnehmer unterschiedlich, wenn am Arbeitsplatz Spannungen auftreten.

Da Kommunikation jedoch der wichtigste Erfolgsfaktor im Beruf ist, und zwar nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern vor allem bezüglich deiner persönlichen Zufriedenheit und Gesundheit, solltest du deine individuelle Streitkultur optimieren. So trägst du zu einer angenehmeren Arbeitsatmosphäre bei, gehst deinen Teamkollegen mit gutem Beispiel voran und vermeidest vor allem, selbst ins Kreuzfeuer zu geraten. Wird ein Konflikt nämlich zu spät erkannt oder erst aufgelöst, nachdem er eine gewisse Eskalationsstufe überschritten hat, sind die Fronten für eine Lösung oft bereits zu verhärtet. Eine solche Eskalation kann an der Oberfläche stattfinden, zum Beispiel durch einen heftigen Wortwechsel, oder unterschwellig entstehen, wenn die Streithähne „brodeln“ und sich innerlich in den Konflikt hineinsteigern, ohne diesen offen anzusprechen.

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So oder so kann ein eskalierter Konflikt im Team häufig nur durch eine interne Versetzung oder sogar Kündigung mindestens eines der Betroffenen gelöst werden. Aufgrund der hohen gesundheitlichen Belastung durch den emotionalen Stress über einen längeren Zeitraum hinweg, kommt es zudem nicht selten vor, dass einer oder beide längerfristig arbeitsunfähig werden. Es ist daher sowohl in deinem eigenen Interesse als auch in jenem des Unternehmens, die Streitkultur im Team zu verbessern.

Vermeidung vs. Konfrontation: Welcher „Streit-Typ“ bist du?

Wir haben bereits die zwei verschiedenen Möglichkeiten der Eskalation eines Konfliktes erwähnt: Entweder er brodelt unterschwellig vor sich hin oder er wird offen ausgetragen. Diese resultieren aus zwei unterschiedlichen Streitmustern: Es gibt Menschen, welche die Konfrontation suchen, und jene, die den Konflikt lieber vermeiden. Auch, wenn dein Verhalten sich von Fall zu Fall unterscheidet, lässt du dich doch mit großer Wahrscheinlichkeit in eine dieser beiden Kategorien einsortieren. Dahinter stehen nämlich zwei völlig verschiedene Persönlichkeitsstrukturen:

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  • Vermeidung: Menschen, die Streit vermeiden, verfügen häufig über ein eher schwaches Selbstbewusstsein. Sie sind harmoniebedürftig und fühlen sich ihrem Gegenüber in Konflikten oft unterlegen. Sie haben Angst, den Streit zu „verlieren“ und machen ihn deshalb lieber mit sich selbst aus. Dabei merken sie häufig nicht, dass sie durch ihre angestaute Wut in erster Linie ihrer eigenen psychischen und physischen Gesundheit schaden und zugleich den Konflikt nur künstlich in die Länge ziehen. Denn eine Eskalation lässt sich auf Dauer nur selten verhindern. „Vermeider“ fühlen sich in der Opferrolle wohl. Sie verfügen zugleich über ein hohes Maß an Empathie und möchten trotz Konfliktsituation nicht die Gefühle ihres Gegenübers verletzen. Alles in allem neigen Frauen eher zur Vermeidung.
  • Konfrontation: Wer die Konfrontation sucht, ist hingegen impulsiv und aufbrausend. Es braucht eine gehörige Portion Mut, dem „Gegenspieler“ die Meinung ins Gesicht zu sagen. Leider schießt dieser „Streit-Typ“ dabei häufig über das Ziel hinaus, wird persönlich oder verletzend. Er ist ehrlich, verlässt dabei aber schnell die sachliche Ebene. In Extremfällen resultiert die Wut in körperlicher Gewalt. Alles in allem neigen Männer eher zur Konfrontation.
    Du siehst: Beide Arten im Umgang mit Konflikten haben ihre Vor- und Nachteile. Schlussendlich haben sie beide ihre Daseinsberechtigung. Wichtig ist nur, dass du erkennst, welcher Streittyp du bist, wie du deine persönliche Streitkultur demnach verbessern kannst und vor allem: wie du in Zukunft konkret mit Konfliktsituationen umgehen solltest.

Tipps für den Umgang mit verschiedenen „Streitkonstellationen“

Leider gibt es aber kein Patentrezept, um jeden Streit frühzeitig, sachlich und zielführend zu lösen. Schließlich sind alle Konflikte individuell und es treten resultierend aus den zwei unterschiedlichen Streitmustern eben auch verschiedene Konstellationen auf:

  1. Vermeidung – Vermeidung
  2. Vermeidung – Konfrontation
  3. Konfrontation – Konfrontation

Es ist also hilfreich, wenn du nicht nur dein eigenes Streitmuster kennst, sondern auch jenes der Person, mit welcher du einen Konflikt hast. Dieses sollte sich durch ein wenig Beobachtung schnell herausfinden lassen. Du merkst schließlich, ob dein Gegenüber plötzlich brüllend vor dir steht oder dir nur böse Blicke, aber ein gekünsteltes Lächeln zuwirft – oder so ähnlich. Je nach „Streitkonstellation“ solltest du unterschiedlich mit der Situation umgehen:

Fall 1: Vermeidung – Vermeidung

Wenn beide zur Vermeidung neigen, brodelt der Konflikt häufig lange im Untergrund, bevor er an die Oberfläche tritt. Dennoch steigern sich die Betroffenen innerlich immer weiter in die Unstimmigkeit hinein – so lange, bis mindestens einer von beiden „explodiert“. Die Eskalation einer solchen Streitkonstellation kann deshalb für das soziale Umfeld unerwartet, plötzlich und ohne Vorwarnung eintreten. Vielleicht wussten die Teamkollegen, der Vorgesetzte oder auch du selbst nichts von dem Konflikt beziehungsweise dessen Tragweite, bis plötzlich die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung deines „Gegenspielers“ auf dem Tisch liegt, seine Kündigung, in welcher er dir die Schuld zuschiebt, oder aber es bricht plötzlich der gesamte Frust der vergangenen Wochen, Monate oder Jahre unter Tränen oder Geschrei aus den Streithähnen heraus.

Praxistipp: Gehe in dieser Streitkonstellation auf die andere Person zu. Sprich sachlich, aber bestimmt an, dass du einen unterschwelligen Konflikt wahrnimmst und du diesen gerne in einem Vieraugengespräch oder auch mithilfe eines Mediators lösen würden. Mache dabei deine guten Absichten deutlich: Wenn du den Konflikt frühzeitig aus dem Weg räumst, könnt ihr beide wieder entspannter sowie in einer besseren Atmosphäre (miteinander) arbeiten und verhindern einen schlimmeren Ausgang. Bewahre dir diese Ruhe und Bestimmtheit auch, wenn der Streit plötzlich heftigere Züge annimmt. Bleibe sachlich, aber fliehe nicht vor der Auseinandersetzung. Damit würdest du nämlich zurückgehen in dein altes Streitmuster.

Fall 2: Vermeidung – Konfrontation

Die Konstellation zwischen Vermeidung und Konfrontation ist die wohl schwierigste, da das Verhalten des anderen jeweils als befremdlich empfunden wird. Es fällt dir eventuell schwer, dich in dein Gegenüber hineinzuversetzen und zu verstehen, weshalb dieser nun die Konfrontation sucht oder umgekehrt den Streit vermeiden möchte. Das kann dazu führen, dass der aktive Part den Vermeider immer mehr in die Defensive drängt und der Konflikt dadurch immer weiter eskaliert. Er kann im Mobbing oder vollständigen Rückzug der vermeidenden Person enden, beispielsweise einer Krankschreibung oder Kündigung. Du rutscht dadurch in eine ungute „Täter-Opfer-Konstellation“.

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Praxistipp: In dieser Konstellation ist besonders viel Empathie gefragt. Beide Betroffenen sollten immer wieder innehalten, ihr eigenes Verhalten hinterfragen und versuchen, das Verhalten ihres „Gegenspielers“ zu verstehen. Du kannst dir sogar ein positives Beispiel an dessen Verhaltensweisen nehmen und dich dadurch bestenfalls immer weiter annähern. Leider ist das in der Praxis meist sehr schwierig. Auch hier empfiehlt sich deshalb unbedingt die Einschaltung eines Mediators oder einer unbeteiligten dritten Person als Schlichter.

Fall 3: Konfrontation – Konfrontation

Suchen beide Streithähne die Konfrontation, eskaliert der Konflikt in der Regel schnell und heftig. Das Positive an der Sache ist, dass er häufig ebenso schnell wieder aus der Welt geschafft werden kann. Kennst du nicht auch das „typisch männliche Verhalten“, welches die Frauenwelt immer wieder fasziniert: Im einen Moment prügeln sich die Herren der Schöpfung und im nächsten sitzen sie in freundschaftlicher Pose an der Bar?! Leider ist die Konstellation Konfrontation – Konfrontation sehr explosiv. Deshalb ist es sinnvoll, eine unbeteiligte dritte Person, wie den Vorgesetzten oder einen Mediator, in die Schlichtung einzubeziehen. Ansonsten droht der Streit auf eine persönliche, verletzende und respektlose Ebene abzurutschen. Nach einer solchen Eskalation wäre eine weitere Zusammenarbeit der Betroffenen beinahe unmöglich.

Praxistipp: Atme tief durch und lerne, erst zu denken, bevor du sprichst. Lasse nicht zu, dass dein Temperament mit dir durchgeht. Damit könntest du dein Image und folglich auch deine Karriere im Unternehmen ruinieren. Droht der Konflikt zu eskalieren, ziehe dich deshalb erst einmal zurück. Haben sich die Emotionen ein wenig gelegt, gehe auf deinen „Gegenspieler“ zu und bitte ihn um ein Sechsaugengespräch mit einem unbeteiligten Dritten als Schlichter. Lege während des Streitgesprächs Pausen ein, wenn es zu hitzig wird. Argumentiere sachlich sowie lösungsorientiert.

Die Macht der Worte: Mit diesen Sätzen kannst du Konflikte entschärfen

Manchmal reicht sogar schon ein einziger Satz, um einen Konflikt frühzeitig zu entschärfen, bevor er eskaliert. Probiere es deshalb je nach Streitkonstellation und individueller Situation mit folgenden Aussagen:

„Ich glaube, das ist ein sehr wichtiges Thema, über welches wir beide offen sprechen sollten.“

„Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich bin allerdings anderer Meinung und würde deshalb gerne noch einmal tiefergehend mit Ihnen über den Vorfall/das Projekt/etc. sprechen.“

„Ich fühle mich aufgrund der Situation sehr unwohl. Vielleicht geht es Ihnen genauso? Ich denke, dass ich mich besser fühlen würde, wenn wir das einmal mithilfe eines Mediators besprechen könnten.“

„Vielen Dank, dass Sie auf mich zugekommen sind. Es war mutig, den Konflikt so offen anzusprechen. Ich möchte Ihnen auch entgegenkommen und würde gerne in einem sachlichen Gespräch mit Ihnen und unserem Vorgesetzten eine Lösung finden, die für uns alle tragbar ist.“

„Sie haben auf das Projekt/die Angelegenheit/etc. eine so vollkommen andere Sicht als ich. Das respektiere ich. Ich würde diese auch gerne verstehen, habe aber im Moment noch Schwierigkeiten damit. Würden Sie mir Ihre Perspektive vielleicht in einem Vieraugengespräch noch einmal sachlich darlegen?“

„Ich habe gehört, Sie hätten … über mich gesagt. Da ich allerdings nicht viel auf Klatsch und Tratsch gebe, wollte ich Sie lieber persönlich fragen, ob das stimmt? Und wenn ja, wieso Sie so denken? Ich glaube nämlich, dass Sie ein völlig falsches Bild von mir haben und hätte gerne die Chance, Sie vom Gegenteil zu überzeugen.“

„Sie sind also der Meinung A und ich der Meinung B. Aus meiner Sicht ist das so in Ordnung, Menschen sind schließlich unterschiedlich. Wollen wir die Sache erst einmal so stehen lassen?“

„Ich verstehe Ihre Perspektive. Ich hätte nun gerne die Chance, Ihnen meine darzulegen. Vielleicht können Sie diese ja ebenfalls nachvollziehen.“

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Welche weiteren Sätze oder Tipps kennst du, um Konflikte zu entschärfen? Wie gehst du selbst mit Konflikten um? Und welche Erfahrungen hast du bereits mit den unterschiedlichen Konstellationen gemacht? Vielen Dank für deinen Beitrag in den Kommentaren!

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