Es überrascht nur wenig, obwohl es eine ernsthafte Gefahr darstellt: Laut einer Forschungspublikation des Wirtschafts- und Sozialwissenschafts-Instituts (WSI) sehen Beschäftigte Leistungsdruck als einer der größten Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz. Wie solltest du mit Leistungsdruck umgehen? Wir fassen die wichtigsten Erkenntnisse für dich zusammen.

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Definition: Was bedeutet Leistungsdruck?

Wir kennen ihn, denn er ist in einer leistungsorientierten Gesellschaft in aller Munde – und doch scheint er trotz seines Gefahrenpotenzials noch immer allgegenwärtige Praxis zu sein: der Leistungsdruck.

Der Duden definiert den Begriff „Leistungsdruck“ als psychischen Druck, welcher durch den Zwang verursacht wird, hohe Leistungen zu erbringen. Eine weitere und treffende Begriffserklärung bietet das DWDS:

Demnach sei Leistungsdruck eine psychische Belastung, die sich seelisch und körperlich auswirken kann und durch übertriebene Leistungsansprüche von außen oder von einem selbst kommt.

Performance pressure“ beschreibt es gar noch etwas besser. Denn der englische Begriff für Leistungsdruck bringt das auf den Punkt, worunter viele Arbeitskräfte heute leiden:

Sie müssen performen; sie müssen abliefern.

Entwicklung: Hat der Leistungsdruck in den letzten Jahren zugenommen?

Forschungen der letzten Jahre deuten darauf hin, dass Leistungsdruck in unserer heutigen Arbeitswelt immer präsenter wird. So erwähnt zum Beispiel Diplom-Sozialwissenschaftlerin Dr. Elke Ahlers in ihrer Veröffentlichung für das WSI, dass die Art von Arbeitsbelastungen sich verändert habe – und allen voran Hektik sowie Leistungsdruck zu den Einflussfaktoren gehören würden, die Beschäftigte am häufigsten erwähnen.

Dass vor allem deine Generation unter einem hohen Druck leidet, abliefern zu müssen, sei den Forschungen nach den veränderten Anforderungen und Arbeitsumständen zuzuschreiben. Wichtige Einflussfaktoren sind zum Beispiel:

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  • Veränderungen im Wettbewerb: Wir leben in einer globalisierten Welt, in der internationale Wettbewerbsfähigkeit eine wichtige Rolle spielt. Der dynamische Wettbewerb geht für Unternehmen mit höheren Leistungsanforderungen einher, welche sie an das Personal „abtreten“.
  • 8-10 Überstunden pro Woche erlaubt: Das Arbeitszeitgesetz lässt Mehrarbeit zu; Überstunden gehören zum Alltag, was den Leistungsdruck nicht zusätzlich erhöhen muss, unter Umständen jedoch ein Faktor dafür sein kann, wenn wir uns überlasten.
  • Technologische Fortschritte: Durch die schnelle Kommunikation stehen wir unter permanentem Druck, Kollegen und Chefs zu antworten und Ergebnisse zu liefern. Analysen, Zahlen und Resultate müssen präsentiert werden.
  • „Konkurrenzbeschleuniger“ Social Media: Instagram und Co. laden dazu ein, dass Unternehmen und Beschäftige in eine Art „Vergleichsdruck“ geraten. Wer performt besser? Wer wächst schneller? Die Omnipräsenz im Netz kann das Geschäft beleben, aber auch den Performance-Druck fördern.

Welche Auswirkungen hat permanenter Leistungsdruck?

Grundsätzlich ist ein klein wenig Leistungsdruck nicht ganz so übel: Durch den Stress können wir uns mental besser auf eine Aufgabe fokussieren. Haben wir zum Beispiel eine Deadline im Nacken sitzen, arbeiten wir in der Regel konzentrierter. Wird der Druck jedoch zu hoch, werden wir es ordentlich vermasseln. Das fanden Forscher der Carnegie-Mellon-Universität bei einem Versuch mit Rhesusaffen heraus, die wegen ihrer biologischen Ähnlichkeiten mit dem Menschen auch Aufschluss über das Humanverhalten geben.

Die Ergebnisse: Wegen des Leistungsdrucks versagten die Affen – nicht, weil sie unruhig waren, sondern übervorsichtig und viel zu nachdenklich. Ein Aha-Erlebnis für die Forscher, darunter für Bioingenieur und Forschungsautor Steven Chase sei, dass die Tiere bei hohen Einsätzen tendenziell schlechtere Leistungen erzielen.

Welche körperlichen und emotionalen Auswirkungen permanenter Leistungsdruck außerdem haben kann:

  • Kopfschmerzen
  • Abhängigkeit von „Aufputschmitteln“, z. B. Kaffee, Energy-Drinks u. Ä.
  • hoher Blutdruck
  • innere Unruhe und Anspannung
  • Entwicklung von starken Ängsten, z. B. Versagensängste, Panik u. Ä.
  • Müdigkeit und Konzentrationsprobleme
  • chronischer Stress
  • Abnahme der Frustrationstoleranz

Welche Anzeichen deuten auf Leistungsdruck hin?

Ob du unter Leistungsdruck stehst – oder besser: leidest -, kannst du anhand von körperlichen und seelischen Anzeichen festmachen. Berücksichtige dabei, dass diese ganz individuell sein können. Häufige Anzeichen:

  • körperliche Stressreaktionen, z. B.: Herzrasen, Magenprobleme, Zittern
  • das Gefühl, unter „Strom“ zu stehen
  • Frust und Konkurrenzdenken am Arbeitsplatz
  • völlige körperliche und emotionale Erschöpfung (bis hin zum Burn-out)
  • permanenter Zeitdruck
  • das Gefühl, auch privat nicht abschalten zu können
  • die Gedanken kreisen 24/7 um die Arbeit

Lösungen: Was kann ich gegen Leistungsdruck unternehmen?

Im Folgenden verraten wir dir, wie du mit Leistungsdruck umgehst. Unsere Tipps werden dir dabei helfen, deinen Arbeitsalltag entspannter durchzustehen, nach dem Job abzuschalten und Kräfte zu sammeln. So hältst du den Druck nicht nur besser aus, sondern identifizierst unnötige Stressoren und fühlst dich besser gewappnet:

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1. Unterscheide deine Erwartungen von denen deines Chefs

Warst du heute schon wütend auf deinen Chef? Falls du jetzt nickst, solltest du dich fragen, welche Erwartungen deine Vorgesetzten haben – und welchen Druck du dir selbst auferlegst. Häufig reagieren wir besonders emotional, weil wir uns ungerecht behandelt und überfordert fühlen. Um dem vorzubeugen, stelle dir (möglichst sachlich und nüchtern) die folgenden Fragen:

  • Welche konkreten Dienstanweisungen hast du bekommen?
  • Welche Ergebnisse möchten deine Vorgesetzten sehen?
  • Welche Erwartungen hast du an dich selbst, um eine spezielle Aufgabe zu erfüllen?
  • Wie möchtest du realistisch vorgehen?
  • Sind deine eigenen Erwartungen angemessen?

2. Timing ist alles

Ein alter, aber sehr weiser Rat: Sortiere und plane. Wenn du deine Aufgaben und deinen Alltag klar strukturierst, gerätst du nicht unter Zeitdruck und verfällst nicht zu schnell in Hektik.

Unser Tipp: Dein Zeitplan sollte vor allem Pausen zum Durchatmen beinhalten, damit du wirklich verschnaufen kannst und deinen Energietank auffüllst. Auch wenn du es liebst, Gas zu geben: Welcher Motor läuft ohne Tankfüllung?

3. Sei dir nicht zu schade, um Hilfe anzunehmen

Blinder Aktionismus ist kontraproduktiv, wenn du dich überfordert fühlst. Frage stattdessen auch mal nach Hilfe. Denn dafür sollten wir uns niemals zu schade sein. Der Mensch ist bekanntlich ein Wesen, das sozial lebt – und dazu gehört das Bedürfnis und auch die Stärke, Unterstützung anzubieten und anzunehmen.

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4. Verabschiede dich vom Perfektionismus

Perfektionisten genießen den Vorteil, für ihre Arbeit häufig gelobt zu werden. Was aber bringt es dir, perfekte Arbeit abzuliefern, wenn du langfristig seelische oder auch körperliche Schäden davonträgst? Erlaubst du es dir, auch Fehler zuzulassen?

Unser Tipp: Selbstakzeptanz statt Perfektion. Seine Komfortzone zu verlassen, um abzuliefern, kann sich ab und zu wunderbar anfühlen. Riskiere aber nicht, deine eigentlichen Bedürfnisse hinter dem Perfektionismus zu verlieren; vergiss dich selbst nicht.

5. Sprich rechtzeitig mit Kollegen und Vorgesetzten

Kommunikation ist wichtig – vor allem bei zu hohen Leistungsanforderungen. Sprich deshalb offen und ehrlich mit Kollegen und Chefs, um Lösungen zu finden. Scham und auch Schuldgefühle sind fehl am Platz. Denn am Ende des Tages sind wir keine „Arbeitstiere“, sondern Menschen. Und: Wenn du mutig vorangehst, trauen sich vielleicht auch andere, es dir nachzumachen.

Lese-Tipp: 4-Ohren-Modell: Wie gute Kommunikation im Job wirklich funktioniert

Zuletzt: Gönne dir einen professionellen Schutzraum, wenn nichts mehr geht

Du fühlst dich völlig überfordert, erschöpft, antriebslos und möchtest dich am liebsten in den eigenen vier Wänden verkriechen? Das ist keine Seltenheit: Leistungsdruck kann zu einer großen emotionalen Belastung werden. Warte nicht zu lange, um dir professionelle Hilfe zu holen. Beratungen, Coachings und auch eine Psychotherapie können hilfreich sein, damit du endlich wieder mit einem Lächeln zur Arbeit gehen kannst.

Bildnachweis: Syldavia/istockphoto.com/

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