Arbeit kann krankmachen und im schlimmsten Fall tödlich sein – diese Thematik beschäftigt die öffentlichen Medien bereits seit langer Zeit und klingt für Sie deshalb wahrscheinlich nicht nach herausragenden News. Umso interessanter ist es aber, dass eine Studie der US-amerikanischen Stanford-University jetzt die zehn konkreten Faktoren an Ihrem Arbeitsplatz identifiziert hat, welche für Sie „gefährlich“ werden könnten. Also Schluss mit den Spekulationen: Was ist es wirklich, das Sie an Ihrer Arbeit krankmacht?

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Übermäßgier Stress durch zu viel Arbeit und Termindruck kann krank machen und zum Tode führen
Photo by Joshua Earle on Unsplash.com

Inhalt
1. Das Arbeitsschutzgesetz „schützt“ nur teilweise
2. Überstunden sind große Stressoren im Arbeitsalltag
3. Studie identifiziert die zehn größten Stressoren im Arbeitsalltag

Das Arbeitsschutzgesetz „schützt“ nur teilweise

Glücklicherweise sind die Zeiten der harten körperlichen Arbeit auf dem Feld oder gesundheitsschädlichen Bedingungen in Industriehallen längst vorbei. Dank Arbeitsschutzgesetz genießen wir in Deutschland eine hohe Sicherheit im Job. Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Arbeitnehmer vor gesundheitsgefährdenden Situationen und Stoffen zu schützen. Ansonsten drohen ihm hohe Strafen und der Arbeitnehmer kann ohne Konsequenzen fristlos kündigen. Bei einer Arbeitszeit von durchschnittlich 40 bis 47 Stunden pro Woche sind solche Arbeitsschutzbestimmungen unerlässlich, damit die Angestellten auf Dauer körperlich gesund bleiben.

Infografik: So viel arbeiten die Deutschen | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Leider stellt die körperliche aber nicht die einzige Belastung im Job dar. Während die körperliche Belastung durch Hitze, Lärm, schweres Heben oder ähnlich anstrengende Faktoren dank Digitalisierung in der Industrie 4.0 immer weiter sinken werden, leiden nämlich mehr und mehr Menschen in unserer westlichen Arbeitswelt unter einer psychischen Belastung. Dazu gehören ständiger Termindruck, ein schlechtes Arbeitsklima, emotionaler Stress sowie Überstunden.

Infografik: Die stärksten Belastungen im Arbeitsalltag | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Überstunden sind große Stressoren im Arbeitsalltag

Mehr als 800 Millionen bezahlte Überstunden machen Arbeitnehmer in Deutschland pro Jahr – Tendenz steigend. Zwar sind auch die zulässigen Arbeitszeiten hierzulande streng geregelt, dennoch ist eine hohe Anzahl an Überstunden rechtlich möglich und dies wird in vielen Unternehmen schamlos ausgenutzt. Der Arbeitsschutz lässt an dieser Stelle stark zu wünschen übrig, denn gerade Überstunden sind einer der größten Stressoren für Arbeitnehmer und macht diese auf Dauer krank.

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Die häufigsten Folgen von (zu vielen) Überstunden sind eine bleierne Müdigkeit, allgemeine körperliche Erschöpfung, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit sowie Rücken- und Gelenkschmerzen.

Infografik: Schon wenige Überstunden machen krank | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

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Kein Wunder also, dass Arbeitgeber immer häufiger mit Problemen bei der Besetzung von Stellen mit Überstunden konfrontiert werden. Dank Fachkräftemangel und der besseren Verhandlungsposition der gut ausgebildeten Generation Y kann diese nämlich jetzt höhere Ansprüche an ihren Arbeitsplatz stellen – und dazu gehören auch weniger Überstunden.

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Dennoch ist eine Reduktion der Arbeitszeit nicht das Allheilmittel für einen gesundheitsfördernden Arbeitsplatz. Es gehört noch mehr dazu, um die Gesundheit und dadurch auch Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer langfristig zu erhalten.

Infografik: Jobs mit Überstunden schwerer zu besetzen als Jobs mit Hitze und Lärm | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Denn aufgrund des stetig steigenden Renteneintrittsalters und des besseren Gesundheitszustandes deutscher Arbeitnehmer bis in die 50er oder 60er ist die Gesundheitsförderung im Betrieb so wichtig wie nie zuvor. Vor allem jetzt, da es in immer mehr Branchen an hoch qualifiziertem Nachwuchs mangelt, werden die älteren Mitarbeiter für die Erhaltung des Knowhows sowie den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens immer wichtiger.

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Dazu gehören auch – aber eben nicht nur – die Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes oder die Reduktion der Überstunden. Doch es gibt noch zahlreiche weitere Faktoren, welche für die Belegschaft auf Dauer gesundheitsgefährdend werden können, sei es psychischer oder physischer Art.

Infografik: Wodurch sich ältere Beschäftigte belastet fühlen | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Studie identifiziert die zehn größten Stressoren im Arbeitsalltag

Es scheinen immer wieder die gleichen Schlagworte zu fallen, wenn es um die Frage nach den größten Belastungen im Arbeitsalltag geht: Zeitdruck, Konflikte, Überstunden. Doch die renommierte Stanford University wollte es jetzt genau wissen und hat eine umfassende Studie zu dem Thema angelegt – mit durchaus überraschenden Ergebnissen:

  • Stress am Arbeitsplatz trägt in den USA jährlich direkt oder indirekt zu mindestens 120.000 Todesfällen bei.

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  • Für die US-amerikanischen Krankenversicherungen bedeuten die Folgen von Stress am Arbeitsplatz Kosten in Höhe von 190 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
  • Eine Analyse von insgesamt 228 Studien in Kooperation der Stanford University mit der Harvard Business School kam zu dem Ergebnis, dass es insgesamt zehn Stressoren gibt, welche für die meisten arbeitsbedingten Krankheits- und Todesfälle in den USA verantwortlich sind – und demnach auch (zumindest teilweise) in der gesamten westlichen Arbeitswelt.

Zu diesen Stressoren am Arbeitsplatz, welche Sie krankmachen oder sogar tödlich enden können, gehören demnach folgende:

  1. Arbeitsplatzunsicherheit erhöht das Risiko von Gesundheitsschäden um 50 Prozent.
  2. Überstunden führen zu einer höheren Mortalitätsrate von bis zu 20 Prozent.
  3. Ständiger Leistungsdruck führt mit 35 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit zu physischen Folgeerkrankungen.
  4. In den USA ist die fehlende Krankenversicherung ein weiterer großer Stressor, welche in Deutschland durch das flächendeckende Gesundheitssystem glücklicherweise wegfällt.
  5. Wirtschaftliche beziehungsweise finanzielle Unsicherheit, also Existenzängste, führen ebenfalls zu einer höheren Mortalitätsrate.

Die häufigsten physischen Folgeerkrankungen waren im Rahmen der 228 ausgewerteten Studien Herzinfarkte, Schlaganfälle, eine erhöhte Unfallrate (beispielsweise aufgrund einer nachlassenden Konzentration) sowie grippale Infekte wegen eines geschwächten Immunsystems. Auf der psychischen Ebene wurde ein Zusammenhang zwischen Stressoren am Arbeitsplatz mit Depressionen, Angststörungen sowie Demenz ausgemacht. Insgesamt fassen die Professoren der Stanford University die zehn größten Stressoren am Arbeitsplatz – und damit Gefährdungen für Ihre Gesundheit – in zwei verschiedenen Gruppen zusammen:

Zehn größte Stressoren mit gesundheitlichen Folgeschäden auf physischer Ebene:

  1. Fehlende Krankenversicherung
  2. Gefühl der Ungerechtigkeit am Arbeitsplatz
  3. Leistungsdruck
  4. Schichtarbeit
  5. Arbeitslosigkeit
  6. Passivrauchen
  7. Gefühl des Kontrollverlustes im Job
  8. Geringer sozialer Rückhalt am Arbeitsplatz
  9. Überstunden
  10. Jobunsicherheit

Zehn größte Stressoren mit gesundheitlichen Folgeschäden auf psychischer Ebene:

  1. Schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  2. Arbeitslosigkeit
  3. Leistungsdruck
  4. Gefühl der Ungerechtigkeit am Arbeitsplatz
  5. Passivrauchen
  6. Jobunsicherheit
  7. Gefühl des Kontrollverlustes im Job
  8. Geringer sozialer Rückhalt am Arbeitsplatz
  9. Schichtarbeit
  10. Überstunden

Gerade hinsichtlich der psychischen Gesundheit der Arbeitnehmer sollten nicht nur bei deutschen Unternehmen deshalb Themen wie Work-Life-Balance, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Einschränkung der ständigen Erreichbarkeit im Fokus stehen. Es fehlt an Entspannungszeiträumen – mit der und ohne die Familie.

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Doch in Bezug auf die Erhöhung der Mortalitätsrate steht die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sogar „nur“ auf dem fünften Platz. Tödlich enden können für Sie laut der Stanford-Studie vor allem:

  1. Gefühl des Kontrollverlustes im Job
  2. Arbeitslosigkeit
  3. Fehlende Krankenversicherung
  4. Überstunden
  5. Schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  6. Passivrauchen

Es ist deshalb Zeit, angesichts dieser Entwicklungen in deutschen Unternehmen nach neuen Lösungen zur Gesundheitsprävention zu suchen und diese fest in das betriebliche Gesundheitsmanagement zu integrieren. Dass es sich dabei um keine leichte Aufgabe handelt, zeigt das Spannungsfeld „Remote Work“ anschaulich: Zwar verbessert die Telearbeit einerseits die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, erhöht für die Betroffenen zugleich aber das Risiko der Einsamkeit und kann auch dadurch in Extremfällen wieder tödlich enden.

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So interessant die Studienergebnisse also für deutsche Arbeitgeber sein mögen, so schwierig wird ihre Aufgabe, diese auszuwerten und in konkrete Problemlösungsvorschläge umzusetzen. Dennoch ist betriebliches Gesundheitsmanagement längst keine Frage mehr des „Ob“, sondern des „Wann“. Es ist in den aktuellen Zeiten des Fachkräftemangels nicht nur unerlässlich für Ihr Employer Branding, sondern auch schlichtweg für die Gesundheit, Zufriedenheit und damit Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter in jedem Lebensalter und damit für Ihren wirtschaftlichen Erfolg in der Zukunft.

Unter welchen Stressoren leiden Sie persönlich im Arbeitsalltag am meisten? Welche Lösungsansätze würden Ihnen für die genannten Problematiken am Arbeitsplatz einfallen oder welche kennen Sie vielleicht aus eigener Erfahrung? Inwiefern schätzen Sie die Entwicklung psychischer oder physischer Folgeerkrankungen durch die Arbeit in Zukunft ein? Wird sich das Problem eher verstärken oder ist eine Besserung in Sicht? Wir freuen uns auf Ihre individuelle Meinung in den Kommentaren!