Ist Ihr Vorgesetzter schon einmal zu Ihnen gekommen und hat Ihnen ohne erkennbaren Grund – sprich ohne Beförderung, Übertragung eines größeren Verantwortungsbereichs oder einen internen beziehungsweise externen Jobwechsel – eine Gehaltserhöhung angeboten? Vermutlich nicht! Jedes Unternehmen ist grundlegend daran interessiert, wirtschaftlich rentabel zu arbeiten und Personalkosten einzusparen, wenn auch je nach Einzelfall mehr oder weniger extrem. Dennoch gilt fast überall das Credo: Wer keine Gehaltserhöhung einfordert, erhält auch keine. Hierzu offenbart eine neue Studie der Harvard University jetzt spannende Ergebnisse.

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Frau hat Angst nach einer Gehaltserhöhung zu fragen
Photo by Pablo Varela on Unsplash.com

Inhalt
1. Eine Gehaltserhöhung kommt nicht von selbst
2. Was hat die Gender Pay Gap mit einer Gehaltsverhandlung zu tun?
3. Sind auch Männer verhandlungsfaul?
4. Ist die Angst vor der Gehaltsverhandlung unbegründet?
5. Wie sollten Betroffene mit dieser Angst umgehen?

Eine Gehaltserhöhung kommt nicht von selbst

Viele Menschen machen den Denkfehler, eine Gehaltserhöhung beziehungsweise Beförderung würde eines Tages von selbst kommen, wenn sie einfach lange genug hart genug arbeiten und geduldig genug sind.

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An sich ist das keine schlechte Devise und jeder dieser Faktoren ist (auch) ausschlaggebend für Ihren Erfolg. Dennoch hängen sie nur indirekt mit einer Gehaltserhöhung zusammen. Von selbst kommt diese nämlich in der Regel nicht. Stattdessen wird sie Ihnen nur offeriert, wenn ein entsprechender Anlass besteht – wenn Ihr Vorgesetzter beispielsweise befürchtet, Sie könnten von der Konkurrenz abgeworben werden. Auch der Übergang von der Probezeit zu einem befristeten oder unbefristeten Arbeitsverhältnis sowie ein interner Wechsel der Stelle beziehungsweise des Aufgabenbereichs können ein solcher Anlass sein. Alles in allem wird es aber nur in Ausnahmefällen vorkommen, dass Ihnen von selbst eine Gehaltserhöhung offeriert wird. In der Regel müssen Sie diese selbst einfordern.

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Der schnellste, sicherste und manchmal auch einzige Weg zu mehr Gehalt ist deshalb dessen aktive Einforderung durch den Arbeitnehmer. Wünschen würden sich mehr Geld für Ihre Arbeit zumindest 51 Prozent der deutschen Berufstätigen, so das Ergebnis einer Befragung der ManpowerGroup im Jahr 2016.

Infografik: Jeder Zweite will 2017 mehr Geld verdienen | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Viele Betroffene würden dafür sogar einen Jobwechsel in Betracht ziehen und tatsächlich handelt es sich dabei um den effektivsten Weg, in möglichst kurzer Zeit ein überdurchschnittliches Gehalt auszuhandeln, wie wir Ihnen bereits in folgendem Artikel erläutert haben:

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Es ist also ein Karrieremodell, das sich aus finanzieller Sicht durchaus lohnen kann. Allerdings hat es einen Haken: Auch hier wird Ihnen das Geld nicht geschenkt, sondern Sie müssen in eine Gehaltsverhandlung treten. Egal, ob Sie also den Job behalten oder wechseln möchten – an einer Gehaltsverhandlung scheinen Sie schlichtweg nicht vorbei zu kommen.

Was hat die Gender Pay Gap mit einer Gehaltsverhandlung zu tun?

Tatsächlich hängt der fehlende Mut zur Gehaltsverhandlung eng mit der Gender Pay Gap zusammen. Natürlich spielen auch Gründe wie Diskriminierung oder die vermehrte Teilzeitarbeit unter Müttern bei der flächendeckenden finanziellen Benachteiligung der Frauen eine Rolle, doch sind diese auch ein Stück weit selbst schuld an ihrer Misere.

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So fand die Studie „Student Research Switzerland 2016“ heraus, dass Studentinnen für den Berufseinstieg eine geringere Gehaltsvorstellung haben als ihre männlichen Kommilitonen. Dies liegt zwar auch daran, dass Frauen tendenziell in schlechter bezahlten Berufen arbeiten, beispielsweise im sozialen Bereich, und Männer eher in hochbezahlten Branchen wie dem Ingenieurwesen, doch ist die Gender Pay Gap auch in den gleichen Positionen beachtlich.

Infografik: So viel verdienen Frauen weniger | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Hierzulande verhält es sich nicht anders als bei unseren Schweizer Nachbarn. Die Frauen scheinen ihre finanzielle Schlechterstellung also nicht nur zu akzeptieren, sondern sogar selbst einzufordern. Eine Ursache für die Gender Pay Gap liegt in dem fehlenden Mut vieler Frauen zur Gehaltsverhandlung – nicht nur hinsichtlich des Einstiegsgehalts, sondern auch bezüglich späterer Gehaltserhöhungen.

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Und nicht nur auf unserem Kontinent stellt das Lohngefälle ein Problem dar. In den USA gibt es deshalb bereits spezielle Kurse für Frauen, in welchen sie für die Gehaltsverhandlungen im Berufsleben geschult werden. Die Workshops sind kostenfrei und dienen dem Ziel, die Gender Pay Gap baldmöglichst zu schließen.

Infografik: Gender Pay Gap bereits bei Lohnverhandlungen | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Sind auch Männer verhandlungsfaul?

Wir möchten aber nicht nur die Damenwelt an den Pranger stellen, sondern auch all die verhandlungsfaulen Männer in Deutschland. Durchschnittlich jeder fünfte Angestellte verhandelt hierzulande nämlich nie über das eigene Gehalt – und das sind bei weitem nicht nur Frauen. Während 25,4 Prozent der Frauen niemals eine Gehaltsverhandlung führen, sind es bei den Herren mit 18,7 Prozent nur unbedeutend weniger. 34,9 Prozent der Männer sowie 32,2 Prozent der Frauen fragen stattdessen einmal im Jahr nach mehr Geld. Selbst, wenn der Erfolg dabei nur gering sein sollte, macht das auf ein Berufsleben gerechnet einen großen Unterschied.

Infografik: Jeder Fünfte verhandelt nie über das Gehalt | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Eine Studie der Harvard University kam nun zu dem spannenden Ergebnis, dass es sich bei diesen Männern, welche nie um eine Lohnerhöhung bitten, um einen ganz bestimmten „Typ“ handelt. Und zwar neigen besser gebildete Männer in höherer Position eher dazu, noch mehr Geld zu fordern, während jene mit geringerer Bildung oder in niedrigerer hierarchischer Stellung auf eine Gehaltserhöhung verzichten. Der Mut zur Gehaltsverhandlung scheint demnach eng mit dem Selbstbewusstsein des Mannes – oder der Frau – zusammenzuhängen.

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Dieses wird beispielsweise durch beruflichen Erfolg wie ein hohes Gehalt aufgebaut, was wiederum zu mehr Mut zur Verhandlung führt und das mündet erneut in mehr Selbstbewusstsein. Während sich also erfolgreiche Männer in eine positive Aufwärtsspirale zu begeben scheinen, landen viele Männer und Frauen in einem wahren Teufelskreis aus Selbstzweifeln, Unterbezahlung und Angst.

Ist die Angst vor der Gehaltsverhandlung unbegründet?

Menschen mit geringerem Selbstbewusstsein, unabhängig vom Geschlecht, scheinen also Angst davor zu haben, durch die höhere Gehaltsforderung einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Sie fürchten sich einerseits vor Zurückweisung und andererseits davor, dass Sie als „gierig“ abgestempelt werden oder ihre Forderung nicht ausreichend begründen können. Alles Humbug? Leider nicht! Tatsächlich gab der Großteil der männlichen Personaler in der Harvard-Studie an, bevorzugt mit Frauen zusammenzuarbeiten, welche kein höheres Gehalt fordern. Eine verhandlungsstarke Frau bricht eben immer noch gesellschaftliche Erwartungen und wirkt dadurch beinahe „beängstigend“ auf den Mann. Ein Phänomen, das auch bei Führungspositionen greift, wie wir in folgendem Artikel beschrieben haben:

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Aber nicht nur von Frauen wird gesellschaftlich Bescheidenheit und Selbstlosigkeit erwartet, sondern auch von Männern mit niedrigerem „Status“. Diese Ansicht ist in unserer westlichen Kultur tief verankert und ändert sich erst langsam in immer mehr Branchen aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels. Bis dato wird von diesen Männern sowie von Frauen erwartet, das Wohl der „Allgemeinheit“, in diesem Fall des Unternehmens, über ihr eigenes zu stellen. Und wer die gesellschaftlichen Erwartungen nicht erfüllt, der wirkt auf sein soziales Umfeld „unberechenbar“. Es liegt aber in unserer menschlichen Natur, uns lieber mit „berechenbaren“ Personen zu umgeben, was selbsterklärend sein dürfte. Leider haben es deshalb Querdenker, erfolgreiche Frauen sowie andere „Besonderheiten“ in unserer Gesellschaft bis heute schwer.

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Zusammenfassend fanden die Forscher der Harvard University also zwei Dinge heraus: Frauen sowie einige Männer schrecken vor der Forderung einer Gehaltserhöhung zurück, weil sie

  1. einerseits Zurückweisung oder negative Konsequenzen befürchten und
  2. andererseits in der Gehaltsverhandlung ein Privileg sehen, das ihnen verwehrt ist.

Wie sollten Betroffene mit dieser Angst umgehen?

Prinzipiell müssen die Veränderungen also in unserer Gesellschaft stattfinden. Es ist an der Zeit für ein Umdenken, damit die Angst vor der Gehaltsverhandlung endlich unbegründet ist – und zwar sowohl für Männer als auch für Frauen. Bis es so weit ist, bleibt Ihnen aber nichts anderes übrig, als den Mut zu fassen, sich gegen gesellschaftliche Konventionen zu stellen und dadurch als Vorreiter das Umdenken anzustoßen, welches in unserer westlichen Geschäftswelt so dringend notwendig ist. Oder aber Sie geben sich mit einem geringeren Gehalt zufrieden und reihen sich bei den rund 20 Prozent der Deutschen ein, welche niemals mehr Geld fordern. Dies ist allerdings nicht nur für Ihren Geldbeutel schade, sondern auch hinsichtlich Ihrer Karriere.

Lese-Tipp: Wer Chef werden will, muss zur „Herde“ passen

Denn wie Sie nun wissen, müssen Sie eigentlich „nur“ eine gewisse hierarchische Stufe überschreiten und schon begeben Sie sich in eine positive Aufwärtsspirale aus Gehaltserhöhungen, Selbstbewusstsein und beruflichem Erfolg.

Oder was denken Sie? Haben auch Sie persönlich Angst vor der Gehaltsverhandlung und wenn ja, weshalb? Was können Betroffene Ihrer Meinung nach tun? Sich den gesellschaftlichen Konventionen beugen oder lieber dagegen ankämpfen?