Im Laufe eines Arbeitslebens wird es immer vorkommen, dass du an deine Grenzen stößt. Die Motivation lässt nach, der Job ist fade, du hinterfragst den Sinn deiner Tätigkeit. Manchmal ist ein Jobwechsel eine gute Alternative, um neue Energie und neue Motivation schöpfen zu können. Jedoch darf dieser Schritt keinesfalls überstürzt und aus einer Laune heraus gemacht werden. Vielmehr gilt es, die Situation sorgfältig abzuwägen und eine gut durchdachte Entscheidung für oder gegen den alten Job zu treffen.

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Wie unzufrieden bin ich wirklich?

Du kommst genervt und absolut müde nach Hause und denkst dir: „Ich habe keine Lust mehr, ich schmeiße den Job hin.“ Das dann auch wirklich gleich zu tun wäre auf jeden Fall der falsche Weg. Denn solche Gedanken sind völlig normal und dürfen hin und wieder auch zugelassen werden. Woran erkennst du also, dass es tatsächlich Zeit für etwas Neues wird? Wenn diese Gedanken dich täglich, über einen langen Zeitraum und ohne Perspektive auf Besserung begleiten, wenn deine Energie schwindet und du jeden Tag nur noch lustlos zur Arbeit gehst, dann solltest du tatsächlich über einen Jobwechsel nachdenken. Ebenso spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle: Nicht immer musst du unzufrieden sein, manchmal ergeben sich einfach bessere Chancen, eine Stelle, die näher an der Wohnung liegt und dir Zeit beim Pendeln spart, eine höhere Bezahlung oder bessere Arbeitszeiten. Grundlegende zu klärende Fragen, wenn du ernsthaft über den Wechsel deines Arbeitsplatzes nachdenkst, sind beispielsweise folgende:

  • Stehe ich morgens gerne für die Arbeit auf?
  • Komme ich gut mit meinen Kollegen klar und fühle mich im Team wohl?
  • Bin ich über- oder unterfordert in meinen Tätigkeiten?
  • Habe ich das Gefühl, meine Arbeit erfüllt einen Sinn?
  • Werde ich angemessen für meine Arbeit entlohnt?
  • Wie gestaltet sich das Verhältnis der Dinge, die mir Spaß machen, im Gegensatz zu den belastenden im Arbeitsalltag?
  • Wo sehe ich mich in fünf bis zehn Jahren?

Gründe für einen Wechsel des Jobs

Die Gründe für einen Jobwechsel sind vielfältig und in der Regel absolut individuell. Während sich die Charaktere unterscheiden, suchen die einen stets nach neuen Abenteuern und verweilen einfach nie zu lange an einem Ort, sprich einer Arbeitsstelle. Andere hingegen schätzen die Sicherheit einer unbefristeten Tätigkeit in der Industrie und geben diese erst auf, wenn ihnen sozusagen keine andere Wahl mehr gelassen wird. Was aber kann auch jene letzteren Akteure dazu führen, dennoch ihren sicheren Job aufzugeben und sich wieder dem offenen Arbeitsmarkt auszusetzen? Die bekannteste und wohl wichtigste Theorie zur Klärung dieser Frage ist die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg. Danach teilen sich die beeinflussenden Faktoren für oder gegen eine solche Entscheidung in die sogenannten Hygienefaktoren und Motivatoren.

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Was sind die Hygienefaktoren und Motivatoren nach Herzberg?

Ein Hygienefaktor muss vorhanden sein, um keine Unzufriedenheit auszulösen. Gleichzeitig hat er aber keinen Beitrag zum Maß der Zufriedenheit oder gar zur Motivation. Er wendet sozusagen das Schlimmste ab; definiert die „No-Go’s“. Typische Hygienefaktoren sind die Bezahlung, die Entfernung zwischen Wohnbereich und Arbeitsplatz und die Arbeitszeiten. Im Gegensatz dazu sind die Motivatoren quasi selbsterklärend. Hier bedarf es in der Regel einer längeren Zeitspanne, bis die Abwesenheit von Motivatoren eine Unzufriedenheit auslöst. Es ist oft ein schleichender Prozess, der dazu führt, dass die Motivation stetig sinkt, bis die Sinnlosigkeit in der Arbeit eintritt. Zu den Motivatoren gehören beispielsweise das Arbeitsumfeld, die Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung oder die Anerkennung der Leistungen durch den Vorgesetzten.

Häufige Gründe für eine Unzufriedenheit am Arbeitsplatz

Laut einer aktuellen Studie der Jobplattform Indeed sind dies die häufigsten Gründe für einen Arbeitnehmer, die Wahl seiner Arbeitsstelle aktuell noch einmal zu überdenken:

Infografik: Warum Beschäftigte einen neuen Job suchen | Statista Mehr Infografiken findest du bei Statista

Es muss nicht immer gleich ein Wechsel sein

Nicht immer ist der Jobwechsel gleich die einzige Lösung, wenn die Unzufriedenheit und der Wunsch nach einer Veränderung eintreten. Je nachdem, welcher der ausschlaggebende Faktor ist, ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten, eine Veränderung herbeizuführen. Bei den Hygienefaktoren gestaltet es sich jedoch erfahrungsgemäß deutlich schwieriger, die Situation nachhaltig zu verbessern. Du verdienst zu schlecht? Verhandle über eine Gehaltserhöhung oder eine Kürzung der Arbeitszeit, das hat den gleichzeitigen Effekt einer besseren Work-Life-Balance. Du wohnst sehr weit von deiner Arbeitsstelle entfernt? Schon einmal über einen Umzug nachgedacht? Oder gibt es einen Bereich deines Unternehmens, das näher an deinem Wohnort liegt, in welches du dich versetzen lassen könntest? Es lohnt sich auf jeden Fall, die Alternativen abzuwägen, bevor der Entschluss zur Kündigung eines unbefristeten Arbeitsvertrages reift. Denn hier spielen wiederum Faktoren der Sperrzeiten oder eines unsteten Arbeitsmarktes und befristeten Einstiegsverträgen eine Rolle.

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Wenn Motivatoren fehlen…

…ist es zum Glück weniger schwierig eine nachhaltige Veränderung zu erwirken. Hier kann ein Gespräch mit dem Vorgesetzten, dem Betriebsrat oder einem Personalbüro oft eine sinnvolle Lösung bieten, beispielsweise eine interne Versetzung, eine Veränderung des Aufgabengebietes oder eine Weiterbildung. So muss nicht gleich zum radikalen Schritt der Kündigung gegriffen werden, um das Arbeitsumfeld wieder angenehmer und sinnvoller zu gestalten.

Entscheidung für oder gegen einen Jobwechsel

Im Endeffekt liegt es an dir, wann und wie du diese Entscheidung triffst. Jedoch solltest du vorher objektiv alle Faktoren abwägen. Nach der objektiven Überlegung, lässt du deine Gefühle sprechen. Schließlich sind diese oft der tatsächliche Grund für eine Unzufriedenheit.

Auch wenn die Bezahlung, der unbefristete Arbeitsvertrag oder die Nähe zum Wohnort für den Job sprechen, können belastende Faktoren, beispielsweise ein schlechtes Arbeitsklima oder Mobbing, sich nicht nur negativ, sondern schädlich auf die Gesundheit auswirken. Lasse also nach langen Überlegungen und Pro- und Contra-Listen am Ende dein Bauchgefühl entscheiden. Wenn sich der Magen beim Gedanke an die Arbeit verkrampft, ist das doch bereits ein deutliches Zeichen.

Die beste Lösung wäre dann natürlich, wenn du erst kündigst, sobald du schon eine neue Stelle hast. So ergeben sich keine Streitereien mit der Bundesagentur für Arbeit oder finanzielle Lücken. Ist dies jedoch nicht möglich, so beachte unsere Artikel zur Kündigung, den Sperrfristen der Arbeitsagentur und den Tipps für eine bessere Bewerbung.

Wir wünschen dir viel Erfolg!

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Bildnachweis: Photo by Magnet.me on Unsplash

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