Ein Zwischenzeugnis ist ein Arbeitszeugnis, das im Gegensatz zu einem Endzeugnis während eines Beschäftigungsverhältnisses oder vor der Beendigung eines Beschäftigungsverhältnisses ausgestellt wird.

Jeder Arbeitnehmer kann grundsätzlich von seinem Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis verlangen, wenn er dafür einen triftigen Grund angeben kann. Was unter „triftigen Gründen“ zu verstehen ist und wann ein Arbeitnehmer Anspruch auf ein Zwischenzeugnis hat, ist meist im geltenden Tarifvertrag festgehalten. Triftige Gründe können beispielsweise dann gegeben sein, wenn…

  • ein Vorgesetzten- oder Arbeitsplatzwechsel innerhalb des Unternehmens erfolgt,
  • eine langjährige Beschäftigung bislang nicht beurteilt wurde,
  • eine Betriebsübernahme oder
  • eine Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses von Arbeitnehmer- oder Arbeitgeberseite mittels Aufhebungsvertrag bevorsteht.

Der einzige Unterschied zu einem Endzeugnis ist, dass das Zwischenzeugnis in der Gegenwartform formuliert wird und kein Beendigungsdatum enthält, da das Beschäftigungsverhältnis ja weiter bestehen bleibt. Ebenso wie das Endzeugnis sollte sich das Zwischenzeugnis auf Tätigkeiten während des gesamten bisherigen Beschäftigungsverhältnisses beziehen.

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Leistungs- und Verhaltensbeurteilung in Zwischenzeugnissen

Wie das Endzeugnis kann das Zwischenzeugnis als einfaches oder qualifiziertes Zeugnis ausgestellt werden: In einem einfachen Zeugnis dürfen nur objektive Angaben über Tätigkeit und Beschäftigungsdauer des Arbeitnehmers enthalten sein. Auf ausdrücklichen Wunsch des Arbeitnehmers muss ein Arbeitgeber aber auch ein qualifiziertes Zeugnis ausstellen, das zusätzlich eine Leistungs- und Verhaltensbeurteilung des Arbeitnehmers enthält. Der Arbeitgeber ist dabei verpflichtet, das Zeugnis nach dem Wahrheits- und dem Wohlwollensgrundsatz auszustellen, d.h. nachvollziehbare und nicht unnötig negative Beurteilungen abzugeben.

Generell werden allerdings Leistung und Verhalten von Arbeitnehmern in Zwischenzeugnissen meist besser bewertet als in Endzeugnissen. Die Gründe dafür können sehr vielfältig sein:

  • Der Arbeitgeber ist daran interessiert, die Zusammenarbeit weiter aufrecht zu erhalten, und möchte den Arbeitnehmer durch ein gutes Feedback zu weiteren Leistungen motivieren.
  • Der Arbeitgeber möchte die Zusammenarbeit eigentlich beenden und der Arbeitnehmer soll mit einer guten Beurteilung sozusagen „hinauskomplimentiert“ werden.
  • Oder es droht zum Beispiel eine betriebsbedingte Kündigung wegen Schwierigkeiten des Unternehmens und der Arbeitgeber möchte dem Arbeitnehmer auf diese Weise behilflich sein, im Anschluss schnell eine neue Stelle zu finden.

Einen Anspruch darauf, dass ein späteres Endzeugnis genauso formuliert ist wie das Zwischenzeugnis, hat ein Arbeitnehmer aber nicht. Aufgrund der „Bindungswirkung“ von Zwischenzeugnissen muss ein Arbeitgeber allerdings ebenfalls triftige Gründe haben, wenn er zum Beispiel im Endzeugnis Leistung und Verhalten des Arbeitnehmers deutlich schlechter beurteilt. Dies ist insbesondere der Fall, wenn das Endzeugnis nur kurze Zeit nach dem Zwischenzeugnis erstellt wird. Mit einem guten bis sehr guten Zwischenzeugnis ist ein Arbeitnehmer daher auch in gewissem Maße davor geschützt, aus personen- oder verhaltensbedingten Gründen gekündigt zu werden.

Inhalte des Zwischenzeugnisses

Ein vollständiges, qualifiziertes Zwischenzeugnis enthält folgende „Bausteine“:

  • Personalien (Name, Geburtsdatum, Wohnort), Beginn des Beschäftigungsverhältnisses und Stellenbezeichnung
  • Funktion im Unternehmen und Aufgabenbereiche
  • Qualifikationen (z. B. Leistungsbereitschaft, Vertrauenswürdigkeit, Teamfähigkeit, Selbständigkeit, Führungsqualitäten) und erbrachte Leistungen
  • Beurteilung des Verhaltens gegenüber Vorgesetzten und Kollegen
  • Grund für die Ausstellung des Zeugnisses
  • Schlusssatz und Dank (optional)

Muster-Beispiel für ein Zwischenzeugnis

Ein gutes bis sehr gutes, qualifiziertes Zwischenzeugnis könnte beispielsweise wie folgt aussehen:

Frau / Herr X, geboren am 01.01.1970, wohnhaft in Musterhausen, ist seit 01.01.2003 in unserem Unternehmen Y tätig als ….
Der Aufgabenbereich von Frau / Herrn X beinhaltet folgende Tätigkeiten:1. Tätigkeit A
2. Tätigkeit B
3. Tätigkeit CFrau / Herr X arbeitet stets pflichtbewusst, zuverlässig, teamorientiert …. Die ihr / ihm übertragenen Aufgaben erledigt sie / er stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.Besonders schätzen wir die Qualifikationen und Leistungen von Frau / Herrn X in den Bereichen …. Diese machen sie / ihn zu einer / einem wertvollen und vielfältig einsetzbaren Mitarbeiter/in.Gegenüber Vorgesetzten und Kollegen verhielt sich Frau / Herr X stets aufmerksam, freundlich und korrekt.Frau / Herr X bat anlässlich … um ein Zwischenzeugnis. Wir sind gerne bereit, ihr / ihm diesen Wunsch zu erfüllen und bedanken uns bei ihr / ihm für die stets sehr guten Leistungen und die konstruktive Zusammenarbeit.

 

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