Schlechte Führungskultur, Lästermäuler, keine Wertschätzung nach getaner Arbeit – und, und, und. Toxische Arbeitsplätze haben viele Gesichter und belasten uns emotional. Auf die folgenden fünf Anzeichen solltet ihr daher genau achten.

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Warum du Warnzeichen am Arbeitsplatz ernst nehmen solltest

Ob als Führungskraft oder Angestellter: Wenn du Anzeichen für ein toxisches Arbeitsumfeld bemerkst, ist es noch nicht zu spät – wenn du jetzt reagierst. Denn im schlimmsten Fall leidet die mentale Gesundheit der einzelnen Teammitglieder, die Fehltage erhöhen sich, Kollegen und Mitarbeiter verlassen die Firma.

Zunächst die 5 wichtigsten Anzeichen für einen toxischen Arbeitsplatz im Überblick, die wir im Folgenden näher ausführen:

  1. Der eigene Vorteil hat Priorität – koste es, was es wolle.
  2. Mobbing und „Abusive Supervision“ gehören zur Tagesordnung.
  3. Kein Lob, dafür aber viel Kritik.
  4. Work-Life-Balance – was soll das überhaupt sein?
  5. Ein Leistungsbewertungssystem übt Druck aus.

Gut zu wissen: Das Psychological Safety Climate Observatory (PSC) der Universität von Südaustralien hat sich mit Studienautorin Dr. Amy Zadow damit beschäftigt, wie Menschen unter einem toxischen Arbeitsklima leiden. Eine von vielen wichtigen Erkenntnissen:

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Unangemessene Anforderungen an Mitarbeiter, fehlendes Lob für getane Arbeit und ein harscher Ton sollen das Risiko für eine psychische Erkrankung erhöhen.

Demnach kann es zu Depressionssymptomatiken kommen. Nicht neu ist, dass auch Mobbing, Sabotage und Lästereien mental belastend sein können.

Die 5 Warnzeichen für einen toxischen Arbeitsplatz

1. Der eigene Vorteil hat Priorität – koste es, was es wolle

Jedes Unternehmen will wachsen. Das ist das Ziel eines jeden Leaders. Dahinter steckt aber nicht selten das Bedürfnis, Macht und Größe – ohne Rücksicht auf Verluste – zu erreichen. Ein übles Los für die Mitarbeiter. Denn der Preis für die eigenen Vorteile ist hoch. Die Konkurrenz übertrumpfen, noch größere Gewinne erzielen – und das am besten so „günstig“ wie möglich, denn Kosten sollen auch gespart werden. Unter einem solchen Fokus leiden vor allem Beschäftigte, die das Verhalten ihrer Chefs aushalten müssen. Pushen, pushen und noch mehr pushen – aber wo und wann ist die Grenze erreicht?

2. Mobbing und „Abusive Supervision“ gehören zur Tagesordnung

Wenn Mitarbeiter ihre Kollegen mobben und dazu auch noch der eigene Chef einen missbräuchlichen Führungsstil an den Tag legt, ist das toxische Duo perfekt. Einerseits schreiten Vorgesetzte nicht ein, wenn Mobbing unter den Mitarbeitern stattfindet. Andererseits zeigen sie selbst einen aggressiven Führungsstil, der auch als „Abusive Supervision“ bekannt ist. Dazu gehört das Anschreien und Bloßstellen von Mitarbeitern, und das vor versammeltem Publikum. Die Erniedrigung geht oft mit abfälligen und kränkenden Bemerkungen einher. Mal ehrlich:

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Wer geht schon gerne zur Arbeit, wenn dort bereits die Löwen warten, die das Schaf zur eigenen Machtdemonstration zerstückeln wollen?

3. Kein Lob, dafür aber viel Kritik

Dass Beschäftigte ihren Job gut machen, gehört eben zum Job? Falsch gedacht. Eine gute Arbeitsleistung ist nicht selbstverständlich. Hinter jeder Bemühung steckt häufig harte Arbeit, die uns herausfordert. Fehlt das Lob und die Wertschätzung, fühlen Mitarbeiter sich nicht gesehen. Läuft aber etwas nicht nach Plan, sind Kollegen und Mitarbeiter direkt an Ort und Stelle, damit es Kritik hageln kann. Ein toxisches Verhalten, das Beschäftige auf Dauer vergrault.

4. Work-Life-Balance – was soll das überhaupt sein?

Einige Unternehmen verlangen Folgendes von ihren Mitarbeitern:

  • Angestellte müssen 24 Stunden am Tag erreichbar sein, um ihre Arbeitsmoral zu beweisen.
  • Überstunden sind keine Seltenheit, damit das Unternehmen in keinen Rückstand gerät.
  • Der Job geht über Freunde, Familie und Freizeit.

Wer diese Werte vermittelt bekommt, kann sich sicher sein, an einem toxischen Arbeitsplatz gelandet zu sein. Eine gesunde Work-Life-Balance gehört nicht zu den Prioritäten der Firma. Immerhin: Die gute Nachricht ist, dass eine solche veraltete Arbeits- und Führungskultur heute als überholt gilt. Um Arbeitsplätze attraktiv zu gestalten, gehören moderne Konzepte zu einem guten Arbeitsklima dazu. Wer davon nicht berichten kann, sollte schleunigst überlegen, ob der eigene Arbeitsplatz auch mit den eigenen Werten und Bedürfnissen übereinstimmt.

5. Ein Leistungsbewertungssystem übt Druck aus

Wer zieht die meisten neuen Kunden an Land? Oder: Wer arbeitet die meisten Fälle binnen weniger Stunden ab? So oder so ähnlich lauten die Fragen hinter einem internen Leistungsbewertungssystem, welches suggeriert, dass lediglich Höchstleistungen uns wertvoll machen.

Ja, der Mensch konkurriert von Natur aus, um Ziele zu erreichen. Schon früh mussten unsere Vorfahren lernen, dass in der „Wildnis“ schnelle, kräftige und intelligente Jäger und Kämpfer überleben. Müssen wir heute jedoch ständig mit unseren Kollegen intern konkurrieren, um Macht, Ansehen, Prestige oder Wertschätzung zu erhalten?

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Die klare Antwort: Nein – denn der Druck kommt überwiegend „von oben“, um unter anderem Unternehmensziele zu erreichen. Angestellte sollten dieses mächtige Instrument zur Leistungssteigerung nicht unterschätzen, welches Mitarbeiter untereinander anstachelt. Noch mehr Gift für das ohnehin schon toxische Klima.

Was können Beschäftige und Führungskräfte gegen ein toxisches Arbeitsklima unternehmen?

Du merkst, dass viele oder alle der 5 Anzeichen auf deinen Arbeitsplatz zutreffen – oder du hast zumindest einen schmerzlichen Verdacht, dass du giftige Anzeichen bisher verharmlost hast? Hier kommen einige Tipps, die helfen können, den Arbeitsplatz zu „entgiften“:

  • Nicht wegsehen: Respektlosigkeit, Sabotage und Mobbing haben an einem gesunden Arbeitsplatz nichts zu suchen. Wer etwas davon beobachtet oder selbst Opfer eines Vorfalls wird, sollte handeln. Das heißt: Sprich offen und ehrlich darüber, was vorgefallen ist. Vorgesetzte schreiten idealerweise ein, wenn sie Kenntnis davon erlangen.
  • Eigeninitiative als Chef: Du selbst bist Führungskraft? Eine Mitarbeiterumfrage kann dabei helfen, das Arbeitsklima des Unternehmens zu ergründen. Übrigens: Anonyme Umfragen helfen oft dabei, die Identität der Beteiligten zu schützen und bilden ein vertrauensvolles Fundament, damit Menschen sich besser öffnen. Nach der Auswertung ist es immer noch möglich, ein Gespräch über die Ergebnisse zu führen. Als Chef musst du jetzt ein dickes Fell haben – denn als Leader sollten wir nicht nur austeilen, sondern natürlich auch mal einstecken können. Konstruktive Kritik und ehrlich ausgesprochene Gedanken, auch wenn sie wenig schmeichelhaft sind, können uns dabei helfen, als Chef und auch persönlich zu wachsen.
  • Nicht am falschen Ende sparen: Mitarbeiter und Führungskräfte sollten immer die Chance bekommen, an sich und ihren Einstellungen zu arbeiten. Coachings und regelmäßige Beratungen mit Fokus auf das interne Arbeitsklima sind deshalb sinnvoll.
  • Ein Bewertungssystem kann auch anders aussehen: Wenn es schon ein Leistungsbewertungssystem geben muss, sollten die Ziele tatsächlich erstrebenswert sein. Das heißt zum Beispiel, dass es nicht ausschließlich darum geht, wer schnell oder gut ist. Sondern darum, wer respektvoll, teamfähig, mutig, ehrlich und offen ist.

Fazit

Lob für getane Arbeit, auch wenn mal etwas nicht nach Plan läuft, ein respektvoller Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen. Für Beschäftige an toxischen Arbeitsplätzen klingt das alles sicherlich zu schön, um wahr zu sein. Wenn dem so ist, wird es höchste Zeit, zu handeln. Denn auf Dauer schaden wir unserer eigenen mentalen Gesundheit. Auch und vor allem Vorgesetzte spielen eine wichtige Rolle: Personen mit Entscheidungsmacht sind es, die etwas beeinflussen können, wenn Beschäftigte leiden. Fördere deshalb eine Unternehmenskultur mit Werten, die auf Wertschätzung, Respekt, Mut und Empathie basieren.

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Bildnachweis: RapidEye/istockphoto.com