Mehr Freiheit und Selbstständigkeit im Job, das wünschen sich viele deutsche Arbeitnehmer und leiden unter der Vormundschaft und Kontrolle ihrer Vorgesetzten. Viele Führungskräfte „regieren“ hier nämlich nach dem Autoritätsprinzip, überwachen und steuern jeden Schritt ihrer Mitarbeiter. Und dann gibt es da noch den Gegenpart: Moderne, innovativ denkende Führungskräfte mit einem demokratischen Führungskonzept. Doch kann das funktionieren oder ist es nicht auch gefährlich, die Kontrolle einmal loszulassen? Wir sehen uns die beiden extremem Führungsstile heute einmal genauer an.

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Zur Theorie der Führungsstile

Zwischen den zwei Extremen gibt es natürlich noch zahlreiche weitere Führungsstile und Mischformen. Kurt Lewin, Vorreiter der heutigen Sozialpsychologie, sprach zum Beispiel von den drei Führungskonzepten autoritärer, kooperativer und Laissez-Faire-Führungsstil. Der Soziologe Max Weber fügte den autokratischen, patriarchalischen, charismatischen und bürokratischen Führungsstil hinzu. Weiterhin gibt es Theorien vom richtungsbezogenen Führungsstil nach Robert Blake und Jane Mouton oder gruppenbezogenen Führungsstil nach Horst-Joachim Rahn. Du siehst, Führungsstile sind ein komplexes Thema, mit welchem du dich als Führungskraft intensiv beschäftigen solltest. Die Grundfrage, die sich jede Führungskraft zu Beginn ihrer Karriere aber stellen sollte, ist: Welcher Führungsstil ist besser? Knallhart und autoritär oder weich und demokratisch?

Definition: Was bedeutet überhaupt „Führungsstil“?

Per Definition bedeutet „Führungsstil“ ein typisches Verhalten von Vorgesetzten gegenüber ihren Mitarbeitern und eine individuelle Art und Weise der Motivation von Gruppen oder einzelnen Untergebenen. Auch wenn du dich als Führungskraft also nicht bewusst für einen der theoretischen Ansätze entschieden hast, hast du einen eigenen Führungsstil. Dieser ergibt sich aus deiner Persönlichkeit, deinen Erwartungen, Bedürfnissen, Qualifikationen, deinem Umgang mit Emotionen sowie auch aus deinen Werten uvm. Du nimmst also automatisch eine Rolle ein, um mit den an Dich gestellten Erwartungen und Anforderungen umzugehen.

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Völlige Kontrolle? Bei der Generation Y ist das nicht erwünscht. Doch wie immer im Leben gibt es natürlich auch bei den Führungsstilen stets sowohl Vor- als auch und Nachteile.

Der autoritäre Führungsstil

Wer seine Mitarbeiter mit Autorität und völliger Kontrolle führt, behält natürlich auch stets einen optimalen Überblick. In Krisensituationen kannst du schnell reagieren und musst keine Autoritätskämpfe in Kauf nehmen. Du gibst klare Anweisungen, kannst Aufgaben gezielt delegieren und die Ergebnisse jederzeit überprüfen. Widerspruch durch die Mitarbeiter ist bei diesem Führungsstil eher selten. Das spart Zeit und Ressourcen. Die Motivation der „Untergebenen“ resultiert dann aber eher aus Respekt oder sogar Angst, als aus wahrer Identifikation mit den Aufgaben oder dem Unternehmen. Befehle, Strafen oder gar der Verlust des Jobs – eine solche Motivation aus Angst setzt die Mitarbeiter unter Stress. Dadurch steigert sich kurzfristig die Leistung der Mitarbeiter, weshalb viele Führungskräfte anfänglich auf den autoritären Führungsstil setzen und sich über die schnellen Erfolge freuen. Allerdings lässt sich diese Leistungssteigerung niemals dauerhaft halten.

Im Gegenteil: Durch das erhöhte Stresslevel bei den Mitarbeitern passieren in der Regel langfristig mehr Fehler und die Krankheitsrate steigt. Zudem wird sich schon bald eine erhöhte Mitarbeiterfluktuation feststellen lassen. Denn wenn du einmal ehrlich bist: Das Prinzip „Befehl und Gehorsam“ ist meistens nur für eine Seite angenehm, und zwar jene, welche die Befehle gibt.

Motivation ist das A und O

Das größte Problem, das mit dem autoritären Führungsstil einhergeht, ist das der mangelnden Motivation. Wenn die Mitarbeiter nur noch Befehle ausführen, werden sie zu einer Art „Maschine“ herabgesetzt. Dabei sind doch gerade die eigenen Gedanken, die Erfahrungen, Ideen und der Input der Mitarbeiter für das Unternehmen besonders wertvoll. Menschen sind schließlich in der Masse stets intelligenter als einzelne Individuen – die sogenannte Schwarmintelligenz. Und diese soll im sogenannten demokratischen Führungsstil bewusst genutzt werden.

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Der demokratische Führungsstil

Beim demokratischen, oder auch kooperativen, Führungsstil wird nämlich gezielt großer Wert auf die Selbstständigkeit der Mitarbeiter gelegt. Als Führungskraft vertraust du auf deren Kompetenz, beziehst ihre Ideen in den Arbeitsalltag mit ein und führst bewusst Diskussionen auf sachlicher Grundlage. Es geht darum, die Mitarbeiter zu fördern und als selbstständige Arbeitskräfte auszubilden. Fehler werden daher nicht hart bestraft, sondern als Anlass zu Verbesserung gesehen. In einem demokratisch geführten Unternehmen identifizieren sich die Mitarbeiter viel mehr mit ihrer Arbeit, sind dadurch motivierter, glücklicher, leistungsbereiter und langfristig auch gesünder. Die Führung resultiert hier nicht aus Angst, sondern aus der Arbeit auf Augenhöhe und einem tieferen Sinnstreben. Davon profitiert nicht nur das Arbeitsklima im Unternehmen, sondern auch die Qualität der Arbeit steigt und ein ständiger Verbesserungsprozess wird überhaupt erst möglich.

Achtung: Demokratisch heißt nicht Laissez-Faire

Doch auch der demokratische Führungsstil bringt natürlich nicht nur Vorteile mit sich: Dadurch, dass alle Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden, sind diese deutlich verlangsamt. Eventuell verliert die Führungskraft an Durchsetzungsvermögen, wird weniger ernst genommen und die Disziplin der Mitarbeiter lässt zu wünschen übrig. Weiterhin droht die Gefahr, dass Sie als Führungskraft nicht den optimalen Mittelweg aus Autorität und Demokratie finden, sondern stattdessen in den Laissez-Faire Führungsstil abrutschen, in welchem die Führungsperson als solche gar nicht mehr wirklich präsent ist. Nicht jeder Mitarbeiter kann mit zu vielen Freiheiten umgehen.

Welcher ist nun also der „richtige Führungsstil“?

Ein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es beim Thema Führungsstile prinzipiell nicht. Experten sind jedoch der Meinung, dass sich Mitarbeiter durch reine Zahlen und Fakten langfristig nicht motivieren lassen.

Du brauchst das Gefühl von Sinn in deiner Arbeit, Spaß und einer Perspektive. Positive Gefühle sind das, was deine Mitarbeiter zu dauerhaften Höchstleistungen veranlasst. Je mehr sich die Mitarbeiter mit einem Unternehmen identifizieren, desto länger werden sie dort arbeiten und desto besser werden ihre Leistungen sein.

Der demokratische Ansatz ist hierfür deshalb besser geeignet. Er baut die Motivation auf psychologischer und emotionaler Basis auf, nicht auf rationalen Motiven. In Veränderungs- und Krisensituationen jedoch, sind schnelle Entscheidungen und klare Anweisungen wichtig. An dieser Stelle solltest du deshalb wiederum zum autoritären Führungsstil greifen. Ebenso bei Routinearbeiten oder Projekten unter Zeitdruck. In kreativen Arbeitsprozessen oder bei sehr komplexen Projekten hingegen, wo keine vollständige Überwachung mehr möglich ist, musst du wieder auf einen demokratischeren Führungsstil zurückgreifen. Du siehst: Welche Führung schlussendlich die „beste“ ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Art der Tätigkeit, den Hierarchieebenen, der aktuellen Unternehmenssituation, deiner Persönlichkeit uvm. Entscheide dich deshalb selbst für den für dich am besten geeigneten Führungsstil und bleibe dabei, trotz dessen Nachteilen. Schlussendlich ist nämlich nichts schlimmer als eine unberechenbare und wankelmütige Führungskraft.

Für welchen Führungsstil hast du dich entschieden? Oder wie erlebst du als Mitarbeiter/in deine/n Vorgesetzte/n? Welcher ist also deiner Meinung nach der „bessere“ Führungsstil: demokratisch oder autoritär?

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Bildnachweis: Photo by BP Miller on Unsplash

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