Mehr Freiheit und Selbstständigkeit im Job, das wünschen sich viele deutsche Arbeitnehmer und leiden unter der Vormundschaft und Kontrolle ihrer Vorgesetzten. Viele Führungskräfte „regieren“ hier nämlich nach dem Autoritätsprinzip, überwachen und steuern jeden Schritt ihrer Mitarbeiter. Und dann gibt es da noch den Gegenpart: Moderne, innovativ denkende Führungskräfte mit einem demokratischen Führungskonzept. Doch kann das funktionieren oder ist es nicht auch gefährlich, die Kontrolle einmal loszulassen? Wir sehen uns die beiden Extreme heute einmal genauer an.

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Welcher ist nun also der richtige Führungsstil?
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1. Zur Theorie der Führungsstile
2. Was bedeutet überhaupt „Führungsstil“?
3. Was erwarten Mitarbeiter von einer „guten“ Führungskraft?
4. Der autoritäre Führungsstil
5. Motivation ist das A und O
6. Der demokratische Führungsstil
7. Achtung: Demokratisch heißt nicht Laissez-Faire
8. Welcher ist nun also der „richtige Führungsstil“?

Zur Theorie der Führungsstile

Zwischen den zwei Extremen gibt es natürlich noch zahlreiche weitere Führungsstile und Mischformen. Kurt Lewin, Vorreiter der heutigen Sozialpsychologie, sprach zum Beispiel von den drei Führungskonzepten autoritärer, kooperativer und Laissez-Faire-Führungsstil. Der Soziologe Max Weber fügte den autokratischen, patriarchalischen, charismatischen und bürokratischen Führungsstil hinzu. Weiterhin gibt es Theorien vom richtungsbezogenen Führungsstil nach Robert Blake und Jane Mouton oder gruppenbezogenen Führungsstil nach Horst-Joachim Rahn. Sie sehen, Führungsstile sind ein komplexes Thema, mit welchem Sie sich als Führungskraft intensiv beschäftigen sollten. Die Grundfrage, die sich jede Führungskraft zu Beginn ihrer Karriere aber stellen sollte, ist: Welcher Führungsstil ist besser? Knallhart und autoritär oder weich und demokratisch?

Was bedeutet überhaupt „Führungsstil“?

Per Definition bedeutet „Führungsstil“ ein typisches Verhalten von Vorgesetzten gegenüber ihren Mitarbeitern und eine individuelle Art und Weise der Motivation von Gruppen oder einzelnen Untergebenen. Auch wenn Sie sich als Führungskraft also nicht bewusst für einen der theoretischen Ansätze entschieden haben, haben Sie einen eigenen Führungsstil. Dieser ergibt sich aus Ihrer Persönlichkeit, Ihren Erwartungen, Bedürfnissen, Qualifikationen, Ihrem Umgang mit Emotionen sowie auch aus Ihren Werten uvm. Sie nehmen also automatisch eine Rolle ein, um mit den an Sie gestellten Erwartungen und Anforderungen umzugehen.

Völlige Kontrolle? Bei der Generation Y ist das nicht erwünscht. Doch wie immer im Leben gibt es natürlich auch bei den Führungsstilen stets sowohl Vor- als auch und Nachteile.

Der autoritäre Führungsstil

Wer seine Mitarbeiter mit Autorität und völliger Kontrolle führt, behält natürlich auch stets einen optimalen Überblick. In Krisensituationen können Sie schnell reagieren und müssen keine Autoritätskämpfe in Kauf nehmen. Sie geben klare Anweisungen, können Aufgaben gezielt delegieren und die Ergebnisse jederzeit überprüfen. Widerspruch durch die Mitarbeiter ist bei diesem Führungsstil eher selten. Das spart Zeit und Ressourcen. Die Motivation der „Untergebenen“ resultiert dann aber eher aus Respekt oder sogar Angst, als aus wahrer Identifikation mit den Aufgaben oder dem Unternehmen. Befehle, Strafen oder gar der Verlust des Jobs – eine solche Motivation aus Angst setzt die Mitarbeiter unter Stress. Dadurch steigert sich kurzfristig die Leistung der Mitarbeiter, weshalb viele Führungskräfte anfänglich auf den autoritären Führungsstil setzen und sich über die schnellen Erfolge freuen. Allerdings lässt sich diese Leistungssteigerung niemals dauerhaft halten.

Im Gegenteil: Durch das erhöhte Stresslevel bei den Mitarbeitern passieren in der Regel langfristig mehr Fehler und die Krankheitsrate steigt. Zudem wird sich schon bald eine erhöhte Mitarbeiterfluktuation feststellen lassen. Denn wenn Sie einmal ehrlich sind: Das Prinzip „Befehl und Gehorsam“ ist meistens nur für eine Seite angenehm, und zwar jene, welche die Befehle gibt.

Motivation ist das A und O

Das größte Problem, das mit dem autoritären Führungsstil einhergeht, ist das der mangelnden Motivation. Wenn die Mitarbeiter nur noch Befehle ausführen, werden sie zu einer Art „Maschine“ herabgesetzt. Dabei sind doch gerade die eigenen Gedanken, die Erfahrungen, Ideen und der Input der Mitarbeiter für das Unternehmen besonders wertvoll. Menschen sind schließlich in der Masse stets intelligenter als einzelne Individuen – die sogenannte Schwarmintelligenz. Und diese soll im sogenannten demokratischen Führungsstil bewusst genutzt werden.

Der demokratische Führungsstil

Beim demokratischen, oder auch kooperativen, Führungsstil wird nämlich gezielt großer Wert auf die Selbstständigkeit der Mitarbeiter gelegt. Als Führungskraft vertrauen Sie auf deren Kompetenz, beziehen ihre Ideen in den Arbeitsalltag mit ein und führen bewusst Diskussionen auf sachlicher Grundlage. Es geht darum, die Mitarbeiter zu fördern und als selbstständige Arbeitskräfte auszubilden. Fehler werden daher nicht hart bestraft, sondern als Anlass zu Verbesserung gesehen. In einem demokratisch geführten Unternehmen identifizieren sich die Mitarbeiter viel mehr mit ihrer Arbeit, sind dadurch motivierter, glücklicher, leistungsbereiter und langfristig auch gesünder. Die Führung resultiert hier nicht aus Angst, sondern aus der Arbeit auf Augenhöhe und einem tieferen Sinnstreben. Davon profitiert nicht nur das Arbeitsklima im Unternehmen, sondern auch die Qualität der Arbeit steigt und ein ständiger Verbesserungsprozess wird überhaupt erst möglich.

Achtung: Demokratisch heißt nicht Laissez-Faire

Doch auch der demokratische Führungsstil bringt natürlich nicht nur Vorteile mit sich: Dadurch, dass alle Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden, sind diese deutlich verlangsamt. Eventuell verliert die Führungskraft an Durchsetzungsvermögen, wird weniger ernst genommen und die Disziplin der Mitarbeiter lässt zu wünschen übrig. Weiterhin droht die Gefahr, dass Sie als Führungskraft nicht den optimalen Mittelweg aus Autorität und Demokratie finden, sondern stattdessen in den Laissez-Faire Führungsstil abrutschen, in welchem die Führungsperson als solche gar nicht mehr wirklich präsent ist. Nicht jeder Mitarbeiter kann mit zu vielen Freiheiten umgehen.

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Welcher ist nun also der „richtige Führungsstil“?

Ein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es beim Thema Führungsstile prinzipiell nicht. Experten sind jedoch der Meinung, dass sich Mitarbeiter durch reine Zahlen und Fakten langfristig nicht motivieren lassen.

Sie brauchen das Gefühl von Sinn in ihrer Arbeit, Spaß und einer Perspektive. Positive Gefühle sind das, was Ihre Mitarbeiter zu dauerhaften Höchstleistungen veranlasst. Je mehr sich die Mitarbeiter mit einem Unternehmen identifizieren, desto länger werden sie dort arbeiten und desto besser werden ihre Leistungen sein.

Der demokratische Ansatz ist hierfür deshalb besser geeignet. Er baut die Motivation auf psychologischer und emotionaler Basis auf, nicht auf rationalen Motiven. In Veränderungs- und Krisensituationen jedoch, sind schnelle Entscheidungen und klare Anweisungen wichtig. An dieser Stelle sollten Sie deshalb wiederum zum autoritären Führungsstil greifen. Ebenso bei Routinearbeiten oder Projekten unter Zeitdruck. In kreativen Arbeitsprozessen oder bei sehr komplexen Projekten hingegen, wo keine vollständige Überwachung mehr möglich ist, müssen Sie wieder auf einen demokratischeren Führungsstil zurückgreifen. Sie sehen: Welche Führung schlussendlich die „beste“ ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Art der Tätigkeit, den Hierarchieebenen, der aktuellen Unternehmenssituation, Ihrer Persönlichkeit uvm. Entscheiden Sie sich deshalb selbst für den für Sie am besten geeigneten Führungsstil und bleiben Sie dabei, trotz dessen Nachteilen. Schlussendlich ist nämlich nichts schlimmer als eine unberechenbare und wankelmütige Führungskraft.

Für welchen Führungsstil haben Sie sich entschieden? Oder wie erleben Sie als Mitarbeiter/in Ihre/n Vorgesetzte/n? Welcher ist also Ihrer Meinung nach der „bessere“ Führungsstil: demokratisch oder autoritär?