Kündigung, Jobverlust, Arbeitslosigkeit – zucken Sie bei diesen Worten auch unmittelbar zusammen? Dann sind Sie nicht alleine, denn rund 45 Prozent der Deutschen haben Angst vor dem Verlust ihrer Arbeitsstelle (Quelle: Statista). In den meisten Fällen mag diese Angst völlig unbegründet sein. Dennoch gibt es handfeste Warnzeichen dafür, dass tatsächlich schon bald die Kündigung im Briefkasten liegen könnte. Möchten Sie wissen, welche das sind?

Es ist 5 vor 12 für eine Kündigung
Bildnachweis: iStock.com/yuriyzhuravov

Inhalt
1. Experten sind sich einig: Industriebeamte sind „out“, Jobwechsel sind „in“
2. Die Angst vor der Kündigung – Realität oder deutsche Angstkultur?
3. Erstes Warnzeichen: Boreout statt Burnout
4. Zweites Warnzeichen: Mikromanagement statt Selbstständigkeit
5. Drittes Warnzeichen: Ausladung statt Einladung
6. Viertes Warnzeichen: Rechtfertigung statt Anerkennung
7. Fünftes Warnzeichen: Abmahnung statt Unterstützung
8. Fazit: Vorsorge ist besser als Nachsorge

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Experten sind sich einig: Industriebeamte sind „out“, Jobwechsel sind „in“

In den Zeiten der Patchwork-Karrieren und befristeten Arbeitsverträge sollten der Wechsel der Arbeitsstelle oder auch der Jobverlust die Arbeitnehmer eigentlich weniger schrecken als noch zur Ära der „Industriebeamten“. Den Job zu wechseln ist in vielen Branchen nicht einmal mehr ein notwendiges Übel, sondern sogar von vielen Experten empfohlen. Eine berufliche Veränderung im Sinne des Jobwechsels – egal ob freiwillig oder aufgrund eines Verlustes der Arbeitsstelle – könne für die Karriere durchaus förderlich sein, so die landläufige Meinung qualifizierter Karriereberater. Sie raten zu einem regelmäßigen Wechsel der Arbeitsstelle nach spätestens fünf bis sieben Jahren. Einen solchen Jobwechsel nehmen daher jedes Jahr rund drei Prozent der deutschen Arbeitnehmer vor (Quelle: IAB).

Die Angst vor der Kündigung – Realität oder deutsche Angstkultur?

Das Problem an der Sache ist: Nicht jeder dieser Jobwechsel findet freiwillig statt. Trotz des strengen Kündigungsschutzes, welchen wir hierzulande genießen, verlieren jedes Jahr zahlreiche Beschäftigte ihre Arbeitsstelle. Möglichkeiten hierfür gibt es viele: Das Auslaufen eines befristeten Arbeitsvertrages, die krankheitsbedingte Kündigung oder auch betriebsbedingte Umstrukturierungen. Wirklich „sicher“ ist in Deutschland wohl kaum ein Arbeitsplatz mehr. Dennoch scheinen die Arbeitnehmer hierzulande enorm unter dieser Angst vor dem Jobverlust zu leiden.

Eine Gelassenheit à la „dann suche ich mir eben einen neuen Job“ wäre zwar wünschenswert, scheint aber einfach nicht in unserer deutschen Angstkultur verankert zu sein. Stattdessen quälen sich bereits Kinder mit der Befürchtung des Jobverlustes ihrer Eltern, wie eine bei Statista veröffentlichte Studie mit schockierenden Zahlen darlegt:
Statistik: Zustimmung zur Aussage
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Es scheint eindeutig: In den Kindern spiegelt sich die Angst ihrer Eltern vor einer Kündigung wider. Betrachten wir als Kontrast die gerade einmal drei Prozent der Arbeitnehmer pro Jahr, welche tatsächlich einen Jobwechsel verzeichnen, und das Rekordtief der Arbeitslosenzahlen im vergangenen Jahr 2015,scheint das

Fazit klar: Die Angst vor einem Jobverlust ist in Deutschland in den meisten Fällen rein kulturell bedingt und alles andere als realitätsnah.

Wann aber müssen Sie wirklich um Ihre Arbeitsstelle fürchten? Gibt es konkrete Warnzeichen für eine drohende Kündigung? Ja! Wir verraten folgend, wann bei Ihnen die Alarmglocken läuten sollten und es tatsächlich Zeit für die ersten Bewerbungen wird – oder um ein finanzielles Polster zu hamstern.

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Erstes Warnzeichen: Boreout statt Burnout

Wenn Sie einst mit zahlreichen Projekten betraut waren oder eine Menge Verantwortung innehatten und sich langsam ein Wandel abzeichnet, könnte es sich durchaus um ein Warnzeichen für den bevorstehenden Jobverlust handeln. Werden Ihnen keine neuen Projekte mehr zugeteilt, Verantwortungsbereiche entzogen oder Sie fühlen sich sogar durch eine bewusst herbeigeführte Langeweile im Job gemobbt, sollten Sie das Vieraugengespräch mit dem Verantwortlichen suchen. Tatsächlich kann die Langeweile am Arbeitsplatz eine Form von Mobbing sein, in Fachkreisen „Straining“ genannt, welche Sie entweder in die „freiwillige“ Kündigung treiben soll oder aber in das sogenannte „Boreout“.

Wenn Sie sich mittlerweile mehr vor diesem Boreout- als dem Burnout-Syndrom fürchten, kann dies aber auch andere Gründe haben. Vielleicht ist im Unternehmen momentan schlichtweg zu wenig Arbeit vorhanden, aufgrund einer schlechten Auftragslage. Auch dann könnte daraus allerdings die betriebsbedingte Kündigung resultieren. Merken Sie sich also: Bleibt die Arbeit aus, bemühen Sie sich um eine Klärung der Situation und sehen Sie sich schon einmal vorsorglich nach einer neuen Anstellung um. Sie möchten ohnehin nicht in einer Arbeitsstelle verharren, welche Sie zu Tode langweilt, oder?

Zweites Warnzeichen: Mikromanagement statt Selbstständigkeit

Sie konnten bislang recht selbstständig arbeiten und genossen ein hohes Vertrauen durch Ihre Vorgesetzten? Wenn diese nach und nach immer mehr zum Mikromanagement übergehen und Ihnen jede Möglichkeit der Eigenverantwortung entziehen, stehen Sie vermutlich unter genauester Beobachtung. Dies kann Resultat eines Fehlers Ihrerseits sein, welcher die Vorgesetzten an Ihrer Kompetenz zweifeln lässt. Leider nehmen zahlreiche Unternehmen eine solche Beobachtung aber auch vor, wenn sie Arbeitsplätze abbauen möchten und gezielt nach Möglichkeiten suchen, Mitarbeiter rechtmäßig zu kündigen. Jedes noch so kleine Fehlverhalten kann dann den Jobverlust bedeuten. Wenn Sie sich also mehr und mehr „mikrogemanagt“ fühlen, wird es Zeit für die Jobsuche.

Drittes Warnzeichen: Ausladung statt Einladung

Im Artikel „7.000 Stunden Meetings – Deutschland verfällt der Sitzungssucht“ haben wir uns bereits mit dem Thema befasst, dass hierzulande gerne viel zu viele und absolut unnötige Meetings abgehalten werden. Gerade in höheren hierarchischen Positionen hagelt es im Postfach eine Meeting-Einladung nach der anderen, selbst zu für Ihren Fachbereich eigentlich völlig irrelevanten Belangen. Sollte diese Einladungsflut plötzlich aufhören, fühlen Sie sich daher gewiss im ersten Moment erleichtert. Doch auf den zweiten Blick sollten Ihre Alarmglocken schrillen: Wenn Sie in Meetings plötzlich nur noch ausgeladen oder nicht einmal mehr über Sitzungen informiert sind, könnte dies ein dringendes Warnzeichen für die drohende Kündigung sein.

Viertes Warnzeichen: Rechtfertigung statt Anerkennung

Steht das jährliche Feedbackgespräch an oder Sie suchen das Mitarbeitergespräch in der Hoffnung auf eine Gehaltserhöhung und anstelle von Anerkennung oder Wertschätzung finden Sie sich hier plötzlich in der Verteidigungsposition wieder? Sobald Sie sich für Ihren Job rechtfertigen müssen, könnte das Unternehmen bereits über dessen Wegrationalisierung nachsinnieren. In einigen Unternehmen werden Arbeitsplätze in regelmäßigen Perioden auf den Prüfstand gestellt. Wer als Arbeitskraft nicht ausreichend „gerechtfertigt“ werden kann – also unverzichtbar ist – wird kurzerhand gegangen.

Klingt drastisch? Ist aber so! Selbst das US-amerikanische Unternehmen Netflix, welches als einer der besten Arbeitgeber der Welt gilt und zum Beispiel das Modell des unbegrenzten Urlaubs vertritt, handelt strikt nach der Devise: Die internen Manager müssen mindestens einmal jährlich den Wert ihrer Mitarbeiter für das Unternehmen hinterfragen. Wer nicht gebraucht wird, „darf“ gehen. Eine Mentalität, die trotz strengem Kündigungsschutz leider auch in Deutschland immer mehr um sich greift. Die Rechtfertigung Ihrer Arbeitsstelle rechtfertigt daher für Sie die Suche nach einem neuen Arbeitgeber – lieber zu früh als zu spät. Ohne Anerkennung und Wertschätzung ist ein erfülltes Berufsleben ohnehin unmöglich.

Fünftes Warnzeichen: Abmahnung statt Unterstützung

Ein klareres Warnzeichen für den drohenden Jobverlust als eine Abmahnung gibt es wohl kaum. Für eine Abmahnung müssen Sie sich allerdings etwas zu Schulden kommen lassen. Zwar gibt es Unternehmen, die für Fehler Verständnis zeigen und Sie dabei unterstützen, dass eben jener Fauxpas kein zweites Mal auftritt, sodass Sie Ihre Arbeitsstelle dennoch (vorerst) behalten können. Häufig sehen Arbeitgeber in einem Fehler aber leider auch die willkommene Gelegenheit zur Kündigung. Dieser muss laut Kündigungsschutzgesetz aber in den meisten Fällen eine Abmahnung vorausgehen. Sie stellt daher den ersten großen Schritt auf dem Weg zur arbeitgeberseitigen Kündigung dar und dient Ihnen als Warnzeichen, dass Sie bereits auf der Abschussliste und daher unter Beobachtung stehen.

Fazit: Vorsorge ist besser als Nachsorge

Auch, wenn die Angst vor dem Jobverlust im Großteil der Fälle absolut unbegründet ist, gibt es also konkrete Warnzeichen für eine bevorstehende Kündigung. Und dann gilt das Motto: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Gehen Sie proaktiv mit der Situation um, anstatt sich von Ihren Ängsten lähmen zu lassen und in Selbstmitleid zu versinken. Werden Sie sich bewusst, dass es in der Regel nicht die Angst vor dem Jobverlust selbst ist, welche Sie quält, sondern vor dessen möglichen Konsequenzen. 64 Prozent der Befragten gaben in einer bei Statista veröffentlichten Studie nämlich an, im Falles des Verlustes ihrer Arbeitsstelle Angst vor einer drohenden Armut zu haben.
Statistik: Haben Sie Angst vor echter materieller Not im Falle eines Jobverlustes? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Im Artikel „Drohende Kündigung? So verhalten Sie sich richtig“ erklären wir Ihnen deshalb, wie Sie sich verhalten sollen, wenn eines oder mehrere der genannten Warnzeichen für den Jobverlust eintreten und wie Sie bereits vorab präventiv die Armut im Falle der Arbeitslosigkeit verhindern können. Wir freuen uns zudem auf Ihre persönlichen Tipps und Erfahrungen zum Thema Warnzeichen und Jobverlust in den Kommentaren.