Viele Bewerber sind bei ihrer Jobsuche nur wenig kreativ. Sie suchen nach Stellenausschreibungen, senden ihre Unterlagen ein und warten auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch – meistens vergeblich. Was sie dabei vergessen ist, dass es noch zahlreiche weitere, einfallsreichere und vor allem erfolgversprechendere Varianten der Jobsuche gibt. Wie also könnte Ihre Strategie aussehen, um sich viele Enttäuschungen, Nerven und auch Zeit zu sparen?

Anzeige
Bewerber hat endlich den passenden Job gefunden und freut sich riesig darüber
Bildnachweis: iStock.com/izusek

Inhalt
1. Strategie #1: Nur fünf Prozent der Bewerber nutzen den verdeckten Stellenmarkt
2. Strategie #2: Initiativbewerbungen sind erfolgreicher, als Sie vielleicht denken
3. Strategie #3: Bewerber machen den Fehler, die Macht des „Vitamin B“ zu unterschätzen
4. Strategie #4: Social Media ist nicht nur zur passiven Jobsuche geeignet
5. Strategie #5: Positionieren Sie sich als Experte auf Ihrem Fachgebiet
6. Strategie #6: Ein Lebenslauf ist nicht in Stein gemeißelt
7. Strategie #7: Zu überzeugen heißt niemals, um einen Job zu betteln
8. Strategie #8: Ein höfliches „Danke“ hat noch nie geschadet

Strategie #1: Nur fünf Prozent der Bewerber nutzen den verdeckten Stellenmarkt

Ist Ihnen bewusst, dass rund zwei Drittel aller vakanten Stellen in Deutschland niemals öffentlich ausgeschrieben werden? Wenn nicht, sind Sie nicht alleine: Rund 95 Prozent aller Bewerber nutzen lediglich den öffentlichen Stellenmarkt für ihre Suche und damit nur die Chance auf 33,3 Prozent aller offenen Stellen. Die anderen 66,6 Prozent werden unter der Hand vergeben, über Kontakte beispielsweise oder eine Initiativbewerbung. Nur rund fünf Prozent der Bewerber nutzen diese Möglichkeit aber für ihre Jobsuche. Zusammenfassend bedeutet das:

Fünf Prozent der Jobsuchenden bewerben sich auf 66,6 Prozent der vakanten Stellen auf dem verdeckten Stellenmarkt, während sich 95 Prozent der Bewerber auf die 33,3 Prozent der Stellen auf dem öffentlichen Arbeitsmarkt stürzen.

Wie also sieht die Schlussfolgerung aus? Ihre Chancen sind deutlich (!) höher, wenn Sie zu den fünf Prozent der Bewerber gehören, die sich ab sofort auf den verdeckten Stellenmarkt konzentrieren.

Strategie #2: Initiativbewerbungen sind erfolgreicher, als Sie vielleicht denken

Eine Möglichkeit, auf diesen verdeckten Stellenmarkt zuzugreifen, ist die bereits erwähnte Initiativbewerbung. Viel Bewerber schrecken vor dieser Variante zurück. Zu groß sei das Risiko, viel Zeit sowie Mühe in die Unterlagen zu investieren, um niemals eine Rückmeldung zu erhalten. Tatsächlich führen Initiativbewerbungen in der Realität aber viel öfter zum Erfolg, als Sie vermutlich annehmen.

Lese-Tipp: Initiativbewerbung: Tipps zu Form und Aufbau + Muster

Natürlich gehört stets auch ein Funken Glück dazu, doch kann eine Initiativbewerbung eine gute Möglichkeit für den Erstkontakt mit dem Unternehmen darstellen – auf welchem Sie später aufbauen können. Auch, wenn Ihre Initiativbewerbung also nicht sofort zum gewünschten Erfolg führt, so kommt doch manchmal nach einigen Wochen bis Monaten die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch herein oder Sie haben zumindest Ihr Netzwerk erweitert.

Anzeige

Strategie #3: Bewerber machen den Fehler, die Macht des „Vitamin B“ zu unterschätzen

Netzwerk ist ein wichtiges Stichwort, wenn es um den verdeckten Stellenmarkt geht. Je mehr Kontakte Sie haben – seien sie privater oder beruflicher Art – umso höher ist die Chance, dass diese von vakanten Stellen wissen und Sie darauf aufmerksam machen. Vielleicht schlagen sie Sie direkt als potenziellen Kandidaten vor oder reichen Ihnen die Kontaktdaten weiter, an welche Sie Ihre Bewerbung senden können. Wenn Sie noch mehr Glück haben, erhalten Sie sogar direkt ein attraktives Jobangebot.

Lese-Tipp: Vitamin „B“: Wie Sie im Job Freundschaften knüpfen

Mit Glück hat das jedoch nur teilweise zu tun. Wichtig ist, dass Sie Ihr Netzwerk stetig ausbauen und im Fall der Fälle – sprich bei der Jobsuche – auch richtig zu nutzen wissen. Machen Sie Ihre Kontakte darauf aufmerksam, dass Sie sich aktuell auf der Suche nach einer neuen Anstellung befinden und was Sie sich in etwa vorstellen. Treten Sie direkt an Ihre beruflichen sowie privaten Connections heran, um diese zu fragen, ob sie von etwas wissen…oder jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt…manchmal verläuft die Jobsuche mittels Netzwerk über die verrücktesten Ecken und plötzlich ist Ihr Traumjob zum Greifen nahe.

Strategie #4: Social Media ist nicht nur zur passiven Jobsuche geeignet

Eine tragende Rolle für das Networking spielt in den heutigen Zeiten der Digitalisierung natürlich das Internet. Viele Bewerber verfallen aber dem Irrtum, Social Media eigne sich nur zur passiven Jobsuche. Sie senden ihre Bewerbungsunterlagen auf dem klassischen Postweg oder via E-Mail ein und rechnen anschließend damit, auf Facebook, Twitter, XING & Co „gescannt“ zu werden. Vielleicht durchforsten sie die beruflichen Netzwerke XING und LinkedIn zudem nach Stellenanzeigen – womit sie sich aber wieder auf dem öffentlichen Stellenmarkt bewegen.

Infografik: Über Social Media zum Job | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Soziale Netzwerke dienen längst nicht mehr nur dem Hintergrundcheck von Bewerbern. Recruiter begeben sich stattdessen bewusst in die digitale Welt, um dort nach geeigneten Kandidaten für vakante Stellen auf dem verdeckten Arbeitsmarkt zu suchen. Bewerber können und sollten Social Media Plattformen also auch für die aktive Stellensuche nutzen. Aber wie?

  • Pflegen Sie Ihre bestehenden Kontakte auch über soziale Netzwerke. Stellen Sie Ihren Bekannten also Freundschaftsanfragen und veröffentlichen Sie auf Ihrem Profil die Meldung, dass Sie sich aktuell auf Stellensuche befinden.
  • Knüpfen Sie zudem neue Kontakte, indem Sie Personen aus Ihrer Branche adden, relevante Beiträge aus Ihrem Fachbereich kommentieren oder direkt Headhunter, Personaler & Co anschreiben, um auf Ihre Jobsuche aufmerksam zu machen. Hierbei ist allerdings ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt, denn vor allem Entscheider in wichtigen Positionen erhalten Tag für Tag solche Nachrichten. Kommen Sie also direkt auf den Punkt, sagen Sie, weshalb Sie gerade diese Person anschreiben, wonach Sie suchen und was Sie zu „bieten“ haben.
  • Bringen Sie Ihr Profil auf den neuesten Stand und machen Sie auch für fremde Besucher auf den ersten Blick ersichtlich, dass Sie aktuell eine neue Arbeitsstelle suchen. Achten Sie hierbei auf die Einheitlichkeit all Ihrer Profile in sozialen Netzwerken. Weitere nützliche Tipps finden Sie im Artikel:

Lese-Tipp: Xing und LinkedIn: Karriere-Netzwerke richtig nutzen

Strategie #5: Positionieren Sie sich als Experte auf Ihrem Fachgebiet

Sie können die sozialen Netzwerke zudem nutzen, um Beiträge zu Ihrem Fachgebiet zu veröffentlichen und sich dadurch als Experte zu positionieren – oder, um auf einen entsprechenden Fachblog zu verweisen. Es ist mittlerweile nicht mehr unüblich, als Bewerber einen eigenen Blog ins Leben zu rufen und dadurch potenzielle Arbeitgeber auf sich aufmerksam zu machen.

Strategie #6: Ein Lebenslauf ist nicht in Stein gemeißelt

Doch weder ein Lebenslauf noch ein Bewerberblog & Co sind in Stein gemeißelt. Sie müssen diese also in regelmäßigen Abständen überarbeiten und an Ihre aktuelle Situation sowie die Jobsuche anpassen. Suchen Sie sich zum Beispiel ein Unternehmen aus, bei welchem Sie gerne arbeiten würden. Schreiben Sie eine Initiativbewerbung, knüpfen Sie mittels Social Media Kontakte zu internen Mitarbeitern oder besser noch Führungskräften und passen Sie zugleich Ihr Wording sowie Ihren Lebenslauf auf das Wunschunternehmen beziehungsweise die Wunschstelle an.

Lese-Tipp: Personaler überzeugen: 5 simple Schritte für die perfekte Bewerbung

Das Stichwort ist hierbei der berühmte rote Faden. Es kommt also nicht nur darauf an, auf welchen Kanälen Sie nach einem neuen Job suchen und auf welchem Stellenmarkt Sie sich dabei bewegen, sondern auch auf das „Wie“ – sprich Ihre individuelle Strategie, um den Arbeitgeber von sich zu überzeugen und sich dadurch von der Konkurrenz abzuheben.

Strategie #7: Zu überzeugen heißt niemals, um einen Job zu betteln

Es geht darum, den Personaler sowohl auf digitaler als auch auf persönlicher Ebene davon zu überzeugen, dass er auf Sie als Mitarbeiter quasi nicht verzichten kann. Nachdem Sie über die bereits aufgeführten Wege einen Erstkontakt hergestellt haben, müssen Sie sich anschließend optimal „vermarkten“. Finden Sie die Argumente, welche für Sie sprechen und Ihren individuellen Mehrwert für das Unternehmen bedeuten, mit welchem andere Jobsuchende nicht dienen können. Treten Sie selbstbewusst und als Experte in Ihrem Fachbereich auf. Den Personaler von sich zu überzeugen, bedeutet niemals, in die Position des Bettlers zu gehen. Schreiben Sie keine Nachrichten à la

Sehr geehrter Herr Mustermann,

ich habe gesehen, dass Sie Führungskraft im Musterfachbereich bei der Musterfirma sind. Ich schreibe Ihnen, da ich mich ganz dringend auf Jobsuche befinde. Ich würde mich daher sehr über eine Antwort und eventuell eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freuen – für welchen Job ist völlig egal.

Sie merken gewiss selbst, wie verzweifelt und inkompetent eine solche Nachricht wirkt und können sich daher ausrechnen, wie hoch Ihre Chancen mit dieser Strategie sind – in etwa null Prozent. Schreiben Sie stattdessen zum Beispiel:

Sehr geehrter Herr Mustermann,

als Experte im Musterfachbereich trete ich heute an Sie heran, da mir aufgefallen ist, dass Ihre Musterfirma noch Nachholbedarf im Musterproblem hat. Ich verfüge über viel Erfahrung mit der Entwicklung passgenauer Lösungen für diese Problematik und hätte diesbezüglich einige konkrete Ideen für Ihr Musterunternehmen. Ich freue mich daher auf Ihre Rückmeldung und eventuell die Chance auf ein persönliches Gespräch mit der Option auf eine Anstellung im Musterfachbereich.

Nennen Sie der Person also einen Grund, Ihnen zumindest zu antworten oder Sie besser noch direkt zum Vorstellungsgespräch einzuladen, dem sie nicht widerstehen kann. Bieten Sie einen konkreten Mehrwert im Gegenzug für eine Antwort, eine Einladung oder sogar einen Job. Machen Sie dem Unternehmen bewusst, inwiefern sich die „Investition“ in Sie lohnen würde. Sie müssen Ihr Gegenüber also neugierig machen, anstatt um einen Job zu betteln oder es zu Tode zu langweilen.

Strategie #8: Ein höfliches „Danke“ hat noch nie geschadet

Zuletzt kommt es auf Ihr Image an: Möchten Sie Bettler, Langweiler oder lieber Experte sein? Sehen Sie sich als Visionär, als Leistungsträger oder als Führungskraft? Machen Sie sich bewusst, wer Sie sind, wo Sie auf Ihrem beruflichen Weg hin möchten und welches Image Sie sowie Ihre Ziele am besten beschreibt. Pflegen Sie dieses Image anschließend und behandeln Sie es wie ein rohes Ei. Schon ein falscher Satz auf Ihrem Social Media Profil oder eine unhöfliche E-Mail können in Unternehmenskreisen nämlich hohe Wellen schlagen und Ihr Image zerstören.

Lese-Tipp: Experten verraten: Nicht wer leistet, wird befördert. Sondern…?

Achten Sie daher auf ein höfliches sowie professionelles Auftreten. So langweilig es klingt: Ein simples „Danke“ hat auf der Jobsuche schon so manches Wunder bewirkt!

Welche weiteren Tipps haben Sie für ungewöhnliche Strategien bei der Jobsuche? Welche sind Ihrer Erfahrung nach besonders erfolgreich – und welche nicht? Was möchten Sie sonst noch zum Thema beitragen? Wir bedanken uns für Ihre Kommentare!