Soziale Netzwerke spielen nicht nur in unserer Freizeit, sondern auch im Beruf eine zentrale Rolle. Xing und LinkedIn, sogenannte Karriere-Netzwerke, sind Darstellungsplattform, digitaler Lebenslauf und Jobbörse in einem. Wer hier interessante Kontakte knüpfen oder eine neue Stelle finden will, darf jedoch nicht einfach auf sein Glück warten, sondern muss aktiv werden. Wir verraten Ihnen in diesem Beitrag, wie Sie Xing und LinkedIn richtig nutzen, um Ihrer Karriere den nötigen Kick zu geben.

1. Xing und LinkedIn: Was ist eigentlich der Unterschied?
2. Die Ziele und Aufgaben der Karriere-Netzwerke im Überblick
3. Die „Grundregeln“ der Karriere-Netzwerke
4. Qualitatives Networking
5. Karriere-Netzwerke als Jobbörsen
6. Die digitale Visitenkarte
7. Xing oder LinkedIn: Was ist nun besser?

Xing und LinkedIn: Was ist eigentlich der Unterschied?

Die beiden Karriere-Netzwerke Xing und LinkedIn werden häufig in einem Atemzug genannt. Das liegt daran, dass sie sich thematisch sehr ähnlich sind und sich somit klar von anderen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat abgrenzen. Doch trotz der thematischen Nähe (Beruf und Karriere) muss gesagt werden, dass sich beide Plattformen auch voneinander unterscheiden. Die folgende Übersicht zeigt Ihnen die wichtigsten Unterschiede auf.

Xing LinkedIn
deutschsprachiger RaumVerbreitunginternational (vorrangig im englischsprachigen Raum)
ca. 10 Millionen (Stand: Januar 2016)Nutzer-Zahlen350 Millionen (Stand: Januar 2016)
national / regionalAusrichtunginternational
Karriere-Menschen allgemeinZielgruppevorrangig Führungskräfte
groß, da die Seite sehr übersichtlich aufgebaut istNutzerfreundlichkeitniedriger, da viele verschiedene Funktionen die Übersichtlichkeit beeinträchtigen
1 („Premium-Mitgliedschaft“)Anzahl der Bezahlversionen3 (Business, Business Plus und Executive)

 

Tipp: Sie wollen noch mehr über den „typischen Xing-Nutzer“ erfahren? Dann empfehlen wir Ihnen diese Übersicht.

Die Tabelle zeigt deutlich, worin der größte Unterschied zwischen Xing und LinkedIn besteht: Während das Hamburger Unternehmen Xing auf den deutschsprachigen Raum fokussiert ist, agiert LinkedIn, das erst kürzlich vom Internet-Riesen Microsoft übernommen wurde, international. Dementsprechend ergeben sich für Sie als Nutzer auch ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Wer sein Profil bei Xing anmeldet, knüpft vorrangig deutschsprachige Kontakte und kann sich auf die Suche nach regionalen Jobausschreibungen machen. Bei LinkedIn geht alles viel internationaler zu. Natürlich finden Sie hier auch deutsche Kontakte, die Mehrheit der User kommt jedoch aus der ganzen Welt. Auch die Stellenanzeigen sind bei LinkedIn international. Das US-amerikanische Karriere-Netzwerk lohnt sich also besonders dann, wenn Sie eine berufliche Laufbahn im Ausland anstreben.

Die Ziele und Aufgaben der Karriere-Netzwerke im Überblick

Trotz diverser Unterschiede sind sich LinkedIn und Xing sehr ähnlich. Das wird vor allem dann deutlich, wenn man sich die Ziele und Aufgaben der beiden Karriere-Netzwerke einmal genauer anschaut:

  • Aufbau eines beruflichen Netzwerkes (virtuelles Knüpfen neuer und bereits bestehender Kontakte)
  • Direkte Kommunikation
  • Austausch (beispielsweise in Gruppen)
  • Informieren über Karriere- und Networking-Events
  • Suchen und Finden von Jobs
  • Präsentation für Headhunter
  • Ausschreiben von offenen Jobs
  • Bereitstellen von Referenzen und Arbeitsproben
  • Bereitstellen von Informationen, News, interessanten Links, etc.

An dieser Stelle wird deutlich, warum Xing und LinkedIn als Karriere-Netzwerke betitelt werden. Sie weisen typische Merkmale sozialer Netzwerke auf (Verknüpfen mit anderen Usern, Kommunikation, Teilen von Inhalten), hüllen jedoch jede Komponente in einen „Karriere-Mantel“. Während wir auf Facebook und Instagram Urlaubsbilder finden und es auf Twitter in der Regel meinungsstark und politisch zugehen, führt auf Xing und LinkedIn kein Weg um berufliche Aufstiege, neue Jobchancen und bewundernswerte Lebensläufe herum. Diese Fokussierung hat einen großen (positiven) Einfluss auf die Qualität der Karriere-Netzwerke.

Die „Grundregeln“ der Karriere-Netzwerke

Dass sich Xing und LinkedIn von Facebook, Twitter und Co. thematisch unterscheiden, bedeutet auch, dass hier generell andere „Verhaltensregeln“ herrschen. Diese zu kennen ist der erste Schritt hin zu einer ertragreichen Nutzung der Karriere-Netzwerke.

Regel #1: Der professionelle Auftritt

Beziehungsstatus? Hashtags? Anstupsen? In Netzwerken, die sich rund um das Thema Karriere drehen, haben Social Media-Trends wie diese nichts verloren. Die Menschen, die sich hier tummeln und miteinander vernetzen wollen, sind vor allem eines: professionell. Der professionelle Auftritt beginnt beim Profilfoto und endet beim lückenlosen Lebenslauf. Auch bei der Kommunikation gilt es immer, einen professionellen Ton anzustimmen. Mehr dazu weiter unten.

Regel #2: Die Kontaktaufnahme

In vielen anderen sozialen Netzwerken ist es vollkommen normal, völlig fremden Menschen zu folgen oder diese auch als Freunde hinzuzufügen. Die Kontaktaufnahme bei Xing und LinkedIn ist ähnlich wie bei Facebook, also wechselseitig. Zusätzlich können Sie bei LinkedIn auch bestimmten Gruppen und Unternehmen (so wie bei Twitter) folgen.

Wer sich in den Karriere-Netzwerken mit (noch) unbekannten Nutzern verknüpfen will, sollte hierfür immer eine gute Erklärung parat haben. Eine unkommentierte Kontaktanfrage wird in der Regel als unhöflich und wenig aussagekräftig aufgenommen und nicht selten auch entsprechend ignoriert.

Regel #3: Die Kommunikation

Besser ist es, wenn Sie Ihrer Anfrage gleich eine kurze, höflich formulierte Nachricht beifügen. Die Kommunikation bei Xing und LinkedIn ist – ähnlich wie der generelle Auftritt – professionell und rational. Es ist üblich, die Personen zu siezen und Wert auf Anfangs- und Schluss-Formeln zu legen. Diese Regeln entfallen natürlich, wenn Sie den Nutzer bereits persönlich kennen und eventuell auch per „du“ mit ihm sind. Dann kann die Kommunikation ruhig auch vertraut und locker sein.

Regel #4: Die Angaben zu Ihrer Person

In Karriere-Netzwerken gilt ein einfaches Prinzip: Wer hieraus einen Nutzen ziehen will, muss bereit sein, überdurchschnittlich viel von sich preiszugeben. Wenn Sie beispielsweise von einem Headhunter gefunden werden wollen, sollten Sie sich die Zeit nehmen, detaillierte Angaben zu all Ihren bisherigen beruflichen Stationen zu machen. Auch Informationen über ehrenamtliches Engagement, Hobbys und Organisationen, in denen Sie tätig sind, sind auf Xing und LinkedIn nicht unüblich. Auch hier sollten Sie stets auf Professionalität achten.

Regel #5: Die Wahrheit

Die Verlockung, sich in den Karriere-Netzwerken etwas besser oder erfolgreicher darzustellen, ist groß – schließlich will jeder aus der Masse hervor- und die Konkurrenz ausstechen. Doch Vorsicht! Der einzig richtige Weg zum (virtuellen) Erfolg ist der ehrliche. Lügen und selbst kleine Flunkereien fliegen schnell auf und sorgen dafür, dass der Schuss nach hinten losgeht. Machen Sie nur Angaben, die der Wahrheit entsprechen, auch wenn diese weniger glanzvoll wirken. Ehrlichkeit währt immer noch am längsten.

Regel #6: Die Absichten

Sie haben sich bei Xing und/oder LinkedIn angemeldet und wollen nun den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen? Dann sollten Sie sich zu allererst fragen, was Sie von dem jeweiligen Netzwerk erwarten. Wollen Sie neue Kontakte knüpfen oder bestehende vertiefen? Wollen Sie sich auf die Suche nach einem neuen Job machen oder sogar von einem Headhunter entdeckt werden? Wenn Sie eine Antwort auf die Frage gefunden haben, sollten Sie diese in die Gestaltung Ihres Profils einfließen lassen. In Karriere-Netzwerken wird gern mit offenen Karten gespielt. Die Nutzer haben keine Zeit, zweideutige Aussagen zu interpretieren. Stattdessen wissen sie es zu schätzen, zu wissen, woran sie sind. Formulieren Sie Ihre Absichten daher stets unmissverständlich.

Hinweis: Wenn Sie einen neuen Job suchen und wissen, dass auch Ihr bisheriger Chef in dem Karriere-Netzwerk angemeldet ist, ist Fingerspitzengefühl bei der Formulierung Ihres Anliegens gefragt – immerhin wollen Sie unter Umständen nicht, dass Ihr Vorgesetzter (und auch die Kollegen) sofort Wind von Ihren Wechselabsichten bekommt. Mehr zu diesem Thema können Sie im Beitrag „So schaffen Sie es auf das Radar der Headhunter“ lesen.

Regel #7: Das Verhalten in Gruppen

Wie bei Facebook können Sie auch bei Xing und LinkedIn verschiedenen Gruppen beitreten. Diese sind häufig regional ausgerichtet oder bieten den Mitgliedern andere, sehr konkrete Schnittstellen. So unterschiedlich die Gruppen auch sind (es gibt beispielsweise auch Fußball-Tippgemeinschaften und Stammtische), sie alle haben eines gemeinsam: Bestimmte Verhaltensregeln. Studieren Sie diese gut, ehe Sie in der entsprechenden Gruppe aktiv werden. Es kann schnell passieren, dass Ihr Posting nicht so gut wie erhofft aufgenommen wird. Das gilt vor allem, wenn es um „Eigenwerbung“ geht.

Es gibt durchaus ein paar Stolperfallen bei der Nutzung von Karriere-Netzwerken – angefangen bei der richtigen Kontaktaufnahme über das Verhalten in Gruppen bis hin zur optimalen (und wahrheitsgetreuen) Gestaltung des persönlichen Profils. Wer sich jedoch erst einmal durch diesen Dschungel gekämpft und den Dreh heraus hat, wird schnell merken, wie profitabel Xing und LinkedIn sein können – und zwar sowohl für Selbstständige als auch Angestellte. Um welche möglichen Vorteile es sich hierbei konkret handelt, soll im nächsten Teil dieses Beitrags erläutert werden.

Regel #8: Die aktive Nutzung

Wenn Sie Karriere-Netzwerke zur Steigerung Ihres Erfolgs nutzen wollen, ist es das A und O, wenn Sie aktiv sind. Einfach nur ein Profil anlegen und danach abwarten, reicht hier definitiv nicht aus. Achten Sie stattdessen darauf, dass Ihr Profil stets aktuell ist und teilen Sie relevante Inhalte mit Ihren Kontakten. Auch Aktivitäten in Gruppen und das Interessieren für Events können dabei helfen, die Netzwerke optimal zu nutzen.

Qualitatives Networking

Die Bezeichnung „Karriere-Netzwerk“ macht sehr deutlich, worum es hier vorrangig geht – nämlich um das Vernetzen. Der große Vorteil von Xing und LinkedIn im Gegensatz zu Facebook und anderen Plattformen ist, dass Sie hier sehr gezielt netzwerken können. Um diesen Punkt zu verdeutlichen, ist es sinnvoll, wenn Sie einmal einen Blick in Ihre Facebook-Kontaktliste werfen. Wen finden Sie dort alles? Alte Schulkammeraden, Kommilitonen, Freunde und Familie, (ehemalige) Arbeitskollegen, vielleicht auch den einen oder anderen Kunden… Kurzum: Die meisten Netzwerke sind ein buntes Potpourri der Kontakte. Das hat selbstverständlich auch seine Vorteile, ist für Karriere-Zwecke jedoch eher hinderlich. Wer hier gern den Überblick bewahren und qualitativ hochwertig netzwerken will, tut gut daran, sich ein Xing- oder LinkedIn-Profil anzulegen und dort alle relevanten Kontakte an einem Ort zu „sammeln“.

Der Unterschied zwischen LinkedIn und Xing: Während die Wahrscheinlichkeit, bekannte Gesichter zu finden, bei Xing ziemlich groß ist, werden Sie bei LinkedIn von der schieren Masse an fremden Kontakten „überrollt“. Hier findet Networking auf einer wesentlich anonymeren (und internationalen) Ebene statt. Wenn Sie im Ausland arbeiten oder beabsichtigen, diesen Schritt zu gehen, bietet Ihnen LinkedIn weitaus bessere Chancen der Vernetzung. In den meisten anderen Fällen kann Xing als ausreichend eingestuft werden.

Karriere-Netzwerke als Jobbörsen

Es wurde bereits mehrmals angesprochen: Karriere-Netzwerke sind gute Orte, um entweder aktiv nach einem neuen Job zu suchen oder aber von diesem (beziehungsweise einem Personalmitarbeiter) gefunden zu werden. Eines ist Fakt: In diesem Punkt kann es keines der anderen social networks – nicht einmal der Riese Facebook – mit den Karriere-Netzwerken aufnehmen.

Wenn es um das Recruiting im deutschsprachigen Raum geht, hat Xing klar die Nase vorn. LinkedIn spielt hier überraschenderweise nur eine untergeordnete Rolle. Das ändert sich allerdings schnell, wenn man den Blick über die Grenzen unseres Landes schweifen lässt. Auf internationalem Pflaster ist der US-Konzern LinkedIn erwartungsgemäß die erste Adresse für Personaler und Headhunter, wenn es um das Thema Social Media Recruiting geht. Welches Netzwerk Sie für einen angestrebten Jobwechsel nutzen, hängt also maßgeblich davon ab, wo Sie arbeiten wollen. Hierbei gilt:

  • Inland ? Xing ist die bessere Wahl
  • Ausland ? LinkedIn ist die bessere Wahl

Allgemeiner Hinweis: Social Media Recruiting spielt – trotz der immer weiter wachsenden Bedeutung der Netzwerke – in vielen Unternehmen noch immer eine untergeordnete Rolle. Die Gründe hierfür sind in erster Linie mangelndes Budget und mangelnde Zeit. (Quelle)

Die digitale Visitenkarte

Sie wollen nicht (übermäßig viel) netzwerken und sind auch nicht auf der Suche nach einem neuen Job? Karriere-Netzwerke könnten trotzdem sehr interessant für Sie sein, denn sie können als eine Art digitale (und generell kostenfreie) Visitenkarte verstanden werden. An dieser Stelle kommen wir wieder zur Regel #4 (in Kombination mit Regel #5): Machen Sie wahrheitsgemäße Angaben zu Ihrer Person und Ihrem beruflichen Werdegang, um anderen einen umfassenden Einblick zu gewähren. Es ist auch üblich, bei Xing und LinkedIn (berufliche) Kontaktdaten zu hinterlegen. Wenn jemand Informationen zu Ihnen im Internet sucht, hat er dann gleich die Möglichkeit, mit Ihnen in Kontakt zu treten. Gleiches gilt natürlich auch anders herum. Auch Sie werden sehr davon profitieren, gut gefüllte Profile in den Karriere-Netzwerken vorzufinden.

Xing oder LinkedIn: Was ist nun besser?

Auch wenn Xing derzeit in der DACH-Region noch die Nase vorn hat, holt LinkedIn mit großen Schritten auf. Der internationale Konkurrent gewinnt für viele mehr und mehr Attraktivität, was beispielsweise an den zahlreichen Features liegt. Gleichzeitig wird Xing in vielen verschiedenen Medien als „Geisterstadt“ bezeichnet. Es gibt zwar viele Nutzer, aber nur wenige, die wirklich aktiv sind. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass es sich trotzdem lohnt, bei Xing angemeldet zu sein und das Karriere-Netzwerk aktiv zu nutzen.

Dennoch wird über kurz oder lang LinkedIn den Kampf zwischen David und Goliath gewinnen. Der US-Riese hat schlicht und ergreifend mehr zu bieten. Wenn Sie die Zeit dafür haben, empfehle ich Ihnen, in beiden Netzwerken aktiv zu sein. Auf diese Weise können Sie das Beste aus beiden Welten – den regionalen Bezug von Xing und die vielen Möglichkeiten von LinkedIn – genießen und davon profitieren. Ein weiterer Tipp ist es, mit gutem Beispiel vorauszugehen. Ihr Xing-Netzwerk ist Ihnen zu träge und ereignislos? Dann beleben Sie es mit Ihren Aktivitäten. Eventuell gelingt es Ihnen, damit andere zu motivieren, es Ihnen gleichzutun.

Uns interessiert sehr, wie Ihre Meinung zu Karriere-Netzwerken ist. Nutzen Sie diese? Wenn ja, welches? Finden Sie Xing oder LinkedIn besser? Warum ist das so? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

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