„Wenn ich als Führungskraft überzeugt bin, dass der Mensch nur arbeitet, wenn ich ihn belohne oder bestrafe, muss ich ein engmaschiges Kontrollsystem einführen, um die Leistung beurteilen zu können.“

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Diese Worte von Niels van Quaquebeke gegenüber brandeins, einem Führungswissenschaftler, sind ein Weckruf an all jene, die noch immer den alten Paradigmen folgen. Ist veraltetes Kontrolldenken überhaupt noch sinnvoll? Und was motiviert uns tatsächlich bei der Arbeit?

Wie Zuckerbrot und Peitsche die Motivation der Mitarbeiter zerstören

Stell dir vor, du bist ein Zirkusdirektor und deine Mitarbeiter sind Löwen. Du hältst die Peitsche in der einen und das Zuckerbrot (nein, ein saftiges Steak) in der anderen Hand. Was passiert? Die Löwen springen durch den Reifen – aber nur, solange die Belohnung in Aussicht steht oder gar Strafe droht. Entfernst du diese externen Anreize, endet die Show abrupt. Das ist das Problem mit traditionellen Ansätzen der Führung, die auf Kontrolle und Belohnung setzen. Es ist eine kurzfristige Lösung, die langfristig nicht funktioniert.

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Die Psychologie zeigt uns, dass solche Methoden nicht nur die intrinsische Motivation untergraben, sondern auch zu einem Misstrauensklima unter Beschäftigten führen. Keine gute Kombination.

Douglas McGregor, ein prominenter Managementtheoretiker, stellte dies bereits in seiner Theorie X und Theorie Y fest. Theorie X geht davon aus, dass Menschen grundsätzlich faul und unmotiviert sind und daher kontrolliert und bestraft werden müssen. Theorie Y hingegen sieht Menschen als von Natur aus motiviert und kreativ, die nur die richtigen Bedingungen benötigen, um ihr Potenzial zu entfalten.

Die Rolle des Managers: Vom Puppenspieler zur Führungskraft

Lange Zeit galten Manager als allwissende Puppenspieler, die die Fäden fest in der Hand halten und Entscheidungen knallhart durchsetzen. Doch die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Die Welt ist komplexer geworden, und das alte „Befehl-Gehorsam-Management“-Modell erweist sich als ineffektiv.

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„Künftig müssen Vorgesetzte mehr bieten. Während herkömmliche Ansätze auf Kontrolle und Belohnung setzen, zeigt sich immer mehr, dass echte Motivation aus dem gemeinsamen Streben nach bedeutungsvollen Zielen erwächst.“

Ein kühner Gedanke, nicht wahr? Was bedeutet das für dich als Führungskraft?

Vertrauen und Sinn als neue Führungsprinzipien

Wenn du wirklich erfolgreich führen möchtest, musst du lernen, loszulassen. Vertrauen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Anerkennung der Stärke deines Teams.

Frage dich selbst: Hast du genug Vertrauen in deine Mitarbeiter, dass sie ohne ständige Überwachung arbeiten können? Glaubst du daran, dass sie ihre Arbeit gut machen wollen, weil sie einen Sinn darin sehen?

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Studien, wie die von Amy Edmondson zur psychologischen Sicherheit, belegen, dass Teams, die in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit arbeiten, innovativer und leistungsfähiger sind. In solchen Teams trauen sich Mitglieder, Fehler zuzugeben und lernen daraus, weil sie keine Angst vor negativen Konsequenzen und sogar Bestrafung haben.

Schon gewusst: Eine Gallup-Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass nur 15% der Beschäftigten weltweit sich stark verbunden und engagiert bei ihrer Arbeit fühlen. In Unternehmen mit hoher Vertrauenskultur und weniger Kontrollmechanismen liegt diese Zahl bei über 50%. 

Der Weg zu einer neuen, modernen Führungskultur

Wie kannst du diesen Wandel vollziehen? Hier sind fünf wichtige Schritte, die du in angehen solltest:

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  1. Fördere Autonomie: Gib deinen Mitarbeitern die Freiheit, ihre Arbeit auf ihre eigene Art und Weise zu erledigen, wann immer dies möglich ist. Setze klare Ziele, aber überlasse ihnen den Weg dorthin.

  2. Biete Sinn: Menschen wollen an etwas Größerem als nur für sich selbst arbeiten. Erkläre, wie ihre Arbeit zum Gesamterfolg des Unternehmens und zum Gemeinwohl beiträgt.

  3. Baue Vertrauen auf: Zeige Vertrauen in die Fähigkeiten und das Urteilsvermögen deines Teams. Vertrauen ist die Grundlage jeder erfolgreichen Zusammenarbeit und Beziehung.

  4. Ermutige zu Offenheit und Lernen: Schaffe eine Kultur, in der Fehler als Lernmöglichkeit gesehen werden. Dies fördert Innovation und kontinuierliche Verbesserung.

  5. Setze auf Zusammenarbeit: Statt ständig Kontrolle auszuüben, arbeite gemeinsam mit deinem Team an Lösungen. Stärke dadurch das Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt im Team.

Schlussgedanken

Die alten Wege der Führung sind wie rostige Zahnräder in einer modernen Maschine – sie passen einfach nicht mehr und greifen somit nicht ineinander. Der Übergang zu einem Führungsstil, der auf Vertrauen, Autonomie und Sinn basiert, ist nicht nur notwendig, sondern auch unumgänglich, wenn du langfristigen Erfolg erzielen möchtest. Denn letztendlich sind es nicht die Peitsche und das Zuckerbrot oder Steak, die das Beste aus uns herausholen, sondern das Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten und das Wissen, dass wir für etwas Bedeutungsvolles arbeiten.

Denk darüber nach liebe Führungskraft: Was könntest du heute noch tun, um eine Kultur des Vertrauens und der echten Motivation in deinem Team zu schaffen?

Bild: FG Trade/istockphoto.com

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