Kleine Ungeschicklichkeit oder großer Fauxpas: Auch Sie werden im Beruf schon einmal einen Fehler gemacht haben. Doof nur, wenn das auf Kosten einer anderen Person geht, eines Kollegen vielleicht oder sogar Ihres Vorgesetzten. Wie verhalten Sie sich nach einem solchen Fehler am besten und wie entschuldigen Sie sich eigentlich richtig?

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Inhalt
1. Weshalb Entschuldigen gar nicht so einfach ist
2. Wer Verantwortung übernimmt, gewinnt Respekt
3. Schritt 1: Sich den Fehler eingestehen
4. Schritt 2: Sofort das Gespräch suchen
5. Schritt 3: Eine Lösung vorschlagen
6. Schritt 4: Eine Entschuldigung reicht
7. Schritt 5: Aus Fehlern lernen

Weshalb Entschuldigen gar nicht so einfach ist

Wer einen Fehler macht, entschuldigt sich und lernt daraus. In der Theorie klingt das ganz einfach. In der Praxis fällt vielen Menschen eine Entschuldigung aber äußerst schwer, nicht nur im Berufs-, sondern auch im Privatleben. Aber wieso eigentlich? Das Grundproblem liegt häufig darin, dass Sie sich mit der Entschuldigung ja automatisch einen Fehler eingestehen und das auch noch öffentlich bekennen müssen. Das ist nicht selten ein schmerzhafter Prozess und nagt am Selbstbewusstsein. Da ist es doch einfacher, den Fehler einfach zu ignorieren oder, noch besser, die Schuld bei jemand anderem zu suchen. Hinzu kommt natürlich die Gefahr, dass die Person, bei welcher Sie sich entschuldigen möchten, diese nicht annimmt und Ihre Entschuldigung dadurch ergebnislos bleibt – oder vielleicht sogar in einem neuen Streit mündet.

Viele Menschen fürchten sich auch gerade im Beruf davor, dass sie durch Fehler ihr Ansehen bei den Kollegen und Kolleginnen oder dem Vorgesetzten verlieren könnten. Manch einer fürchtet vielleicht sogar um seinen Job, etwa dann, wenn es sich um einen Fehler handelt, welcher das Unternehmen viel Geld gekostet hat. In den meisten Fällen ist solch eine Angst aber völlig unbegründet. Wieso?

Wer Verantwortung übernimmt, gewinnt Respekt

Fehler sind menschlich, wenn auch unerfreulich. Natürlich wäre es am besten, Ihnen würde nie ein Fehler unterlaufen. Das ist aber schlichtweg unmöglich. Ist es also doch einmal passiert, hinterlassen Sie einen besseren Eindruck, wenn Sie die Verantwortung dafür übernehmen und den Fehler wieder ausbügeln, anstatt dass Sie diesen zu vertuschen versuchen. Wer Verantwortung übernimmt, verdient sich den Respekt seiner Kollegen, geht als gutes Vorbild voran und beweist dadurch Führungsqualitäten. Merken Sie sich also:

Egal, ob Sie sich bei Ihrem Vorgesetzten, einem Kollegen oder dem Kunden entschuldigen müssen, eine Entschuldigung ist keine Schande und auch kein Gesichtsverlust. Sie steht stattdessen für innere Stärke, Ehrlichkeit, Mut und die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen. So können Sie sich durch eine Entschuldigung Respekt verdienen, als kompetente Führungskraft beziehungsweise als Mitarbeiter mit echten Führungsqualitäten positionieren und so Ihrer Karriere vielleicht sogar noch einmal frischen Schwung verleihen.

Allerdings natürlich nur dann, wenn Sie sich „richtig“ entschuldigen. Aber wie geht das eigentlich? Mit dieser Frage haben sich Forscher der US-amerikanischen Ohio State University beschäftigt und so die „perfekte Entschuldigung“ entwickelt:

Schritt 1: Sich den Fehler eingestehen

Der erste Schritt ist für viele Menschen der schwerste: Sie müssen sich selbst eingestehen, dass Sie einen Fehler begangen haben. Das kann durchaus schmerzhaft sein, wer gibt schließlich schon gerne zu nicht perfekt zu sein. Nun können Sie sich überlegen, wie Sie mit dem Fehler umgehen werden, bei wem Sie sich entschuldigen müssen und vielleicht auch direkt: Wie Sie die Situation retten, also den Fehler wieder ausbügeln können. Zum besseren Verständnis hier ein kleines Beispiel:

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Sie haben den Reisepass für Ihren Vorgesetzten nicht eingeschickt, wodurch er sein Visum zu spät erhält. Daraufhin muss dessen Geschäftsreise um eine Woche verschoben werden, die Umbuchung kostet das Unternehmen viel Geld und die Geschäftspartner im Ausland sind aufgrund des verschobenen Meetings verärgert.

Wichtig ist nun, dass Sie den Vorgesetzten erst einmal über Ihren Fehler aufklären – falls dieser noch nicht davon weiß – und sich aufrichtig bei ihm entschuldigen. Verwenden Sie hierfür auf keinen Fall „Aber“-Sätze, versuchen Sie also nicht die Schuld von sich zu weisen oder sogar auf jemand anderen zu schieben. Sagen Sie also zum Beispiel niemals:

„Ich weiß, dass es mein Fehler war, aber Sie haben mich so mit Arbeit zugeschüttet, da habe ich es einfach vergessen.“

„Es tut mir leid, aber Sie kennen das ja: Sie haben doch selbst erst letzte Woche bei dem Projekt XXX einen Fehler gemacht.“

„Ich möchte mich entschuldigen, aber es war ja schließlich mein erster Fehler. Sehen Sie mal, wie viele Fehler Herrn XXX und Frau XXX allein im letzten Jahr unterlaufen sind.“

Schritt 2: Sofort das Gespräch suchen

Sobald Sie sich Ihres Fehlers bewusst geworden sind, sollten Sie das Gespräch mit der betroffenen Person suchen, in diesem Fall mit Ihrem Vorgesetzten. Obwohl Sie ohnehin schon mit Reue, einem schlechten Gewissen oder angeknacksten Selbstbewusstsein durch die Tür treten, müssen Sie dennoch mit einer unangenehmen Reaktion rechnen. Auch Ihr Vorgesetzter ist schließlich nur ein Mensch und es ist durchaus verständlich, dass er auf die schlechte Nachricht im ersten Moment erbost, genervt oder auch vorwurfsvoll reagiert. Suchen Sie deshalb das Vieraugengespräch in einer ruhigen Minute, schließen Sie die Tür hinter sich und achten Sie darauf, dass Ihr Gesprächspartner auch ausreichend Zeit für das Gespräch hat. Es sollte nicht „zwischen Tür und Angel“ stattfinden.

Schritt 3: Eine Lösung vorschlagen

Mit einer aufrichtigen Entschuldigung haben Sie bereits den ersten Schritt zur Wiedergutmachung getan. Machen Sie deutlich, dass Sie die vollständige Verantwortung für das Geschehene übernehmen. Nun sollten Sie umgehend anbieten, bei der Lösung des aus dem Fehler entstandenen Problems zu helfen, am besten haben Sie bereits einen konkreten Vorschlag.

In unserem Beispiel könnte das wie folgt aussehen: Sie bieten an, am nächsten Arbeitstag persönlich zur Botschaft zu fahren, um das Visum so vielleicht doch noch rechtzeitig zu erhalten. Ist das nicht möglich, könnten Sie Ihrem Vorgesetzten offerieren, bei den nun verärgerten Geschäftspartnern im Ausland anzurufen, sich noch einmal persönlich zu entschuldigen, die Situation zu erklären und die Verantwortung zu übernehmen. Zudem könnten Sie ein kleines Präsent organisieren, das den betroffenen Personen als Zeichen der Höflichkeit und des Respekts zugestellt oder dann beim verspäteten Besuch von Ihrem Vorgesetzten persönlich überreicht wird. So zeigen Sie Ihren guten Willen sowie strategisches Denkvermögen und können die Situation vielleicht direkt entschärfen, gemäß dem Motto „Gerade noch einmal gut gegangen“.

Schritt 4: Eine Entschuldigung reicht

Egal, ob Ihre Entschuldigung sowie Ihre Lösungsvorschläge angenommen wurden oder nicht: Wenn Sie das Gefühl haben, dass ihre Entschuldigung aufrichtig war, dass Sie die Verantwortung übernommen, Wiedergutmachung angeboten und das Beste aus der Situation gemacht haben, dann haben Sie das Schlimmste hinter sich. Eine „richtige“ Entschuldigung reicht nämlich völlig aus. Sie müssen sich nun nicht wieder und wieder für Ihren Fehler entschuldigen. Auch dann nicht, wenn der oder die Betroffene Ihnen noch nicht (vollständig) verziehen hat. Wenn Sie sich nämlich fortan bei jedem Aufeinandertreffen und auch lange Zeit nach dem eigentlichen Vorfall immer und immer wieder dafür entschuldigen, geht Ihrem Gegenüber das irgendwann gehörig auf die Nerven. Zudem machen Sie sich unnötig klein und begeben sich in die Bittsteller-Rolle. Das müssen Sie nicht: Bleiben Sie selbstbewusst und begegnen Sie dem oder der Betroffenen auf Augenhöhe. Ein Fehler macht Sie schließlich nicht gleich zu einem schlechten Menschen beziehungsweise zu einer schlechten Arbeitskraft. Zumindest dann nicht, wenn es bei dem einen Mal bleibt.

Schritt 5: Aus Fehlern lernen

Das führt uns zum letzten Punkt einer „perfekten“ Entschuldigung: Lernen Sie aus Ihrem Fehler. Auf keinen Fall dürfen Sie diesen ein zweites Mal begehen. Natürlich kann Ihnen früher oder später wieder ein anderer Fehler passieren, es darf nur eben nicht derselbe sein. Nun wissen Sie es ja schließlich besser und beantragen – in unserem Beispiel – in Zukunft das Visum rechtzeitig. Kennen Sie das Sprichwort „Ein Fehler ist erst dann ein Fehler, wenn man in zweimal macht“?

Du machst keine Fehler, Du sammelst Erfahrungen.
Bild: Arbeits-ABC/Canva.com

Oder Folgendes:

Ist Ihnen auch schon einmal ein Fehler unterlaufen? Waren Ihr Vorgesetzter, eine Kollegin, die Geschäftspartner oder Kunden so richtig wütend auf Sie? Wie haben Sie sich verhalten? Oder hat sich umgekehrt schon einmal jemand bei Ihnen richtig oder falsch entschuldigt? Wir freuen uns auf Ihre Tipps und Erfahrungen in den Kommentaren.

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