Jeder fünfte Beschäftigte hat schon einmal gekündigt, weil er den eigenen Vorgesetzten nicht länger ertragen hat. So steht es im „Bad Bosses Report„, für den das Karriereportal LiveCareer 1.000 Beschäftigte aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien befragt hat. Fast jeder Fünfte also. Und es bleibt nicht bei denen, die schon die Reißleine gezogen haben: Weitere 41 Prozent denken ernsthaft über einen Jobwechsel nach. Zählt man beide Gruppen zusammen, hat die Mehrheit wegen des Chefs bereits gekündigt oder denkt zumindest darüber nach.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder Fünfte hat schon wegen seines Chefs gekündigt, 41 Prozent denken darüber nach.
  • Für drei von vier Befragten gehört schlechte Führung zum Arbeitsalltag.
  • 66 Prozent glauben, leistungsstarke Chefs sind unantastbar, unabhängig von ihrem Führungsverhalten.
  • 54 Prozent halten es für riskant, sich offiziell über einen schlechten Chef zu beschweren.

Daran erkennst du toxische Führung

Ein schlechter Tag macht noch keinen toxischen Chef. Vielmehr sind es die kleinen Nadelstiche im täglichen Miteinander, die sich summieren. Typische Anzeichen:

  • Er heimst das Lob für deine Arbeit ein, schiebt Fehler aber auf dich
  • Er hat seine Lieblinge und lässt den Rest der Belegschaft spüren, wer nicht dazu gehört.
  • Er kontrolliert jede Kleinigkeit und traut dir nichts allein zu.
  • Er setzt Ziele, die faktisch kaum zu erreichen sind und macht dich dann für das Scheitern verantwortlich
  • Er ist für Fragen nie ansprechbar, mit Kritik an dir und deiner Leistung spart er hingegen nicht

Einzeln ist das ärgerlich. In Kombination und über Monate wird daraus der Grund, warum gute Leute Unternehmen verlassen.

Schlechte Führung gilt vielen als Normalzustand

76 Prozent der Befragten erleben schlechte Führung als etwas, das zum Job irgendwie dazugehört. Drei von vier. Das ist die eigentliche Nachricht hinter der Kündigungszahl: Ein schlechter Chef ist für die meisten kein Ausreißer, sondern Teil des Joballtages.

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Wenn schlechte Führung als gegeben gilt, beschwert sich kaum jemand. Die meisten ziehen sich innerlich zurück, machen Dienst nach Vorschrift oder sehen sich nach etwas Neuem um. Genau hier beginnt, was viele unter Quiet Quitting verstehen.

Schon gewusst? In den USA ist das Bild noch drastischer: Laut der Harris-Poll-Umfrage „Toxic Bosses Survey“ (April 2026, 1.334 Beschäftigte) arbeiten dort sechs von zehn Berufstätigen aktuell unter einem Chef mit toxischem Verhalten.

Leistung schützt schlechte Chefs

Warum ändert sich so wenig? Weil Leistung schützt. 66 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass ein Vorgesetzter mit guten Ergebnissen im Unternehmen praktisch unantastbar ist. Wie er mit dem Team umgeht, spielt dann kaum noch eine Rolle.

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Heißt: Beschwer dich ruhig, es ändert nichts. Solange die Abteilung ihre Ziele erreicht, sitzt der Chef fest im Sattel und agiert so weiter. Der Erfolg gibt ihm schließlich Recht.

Mehr als die Hälfte hält lieber den Mund

Genau deshalb landet das Problem selten dort, wo man es lösen könnte. 54 Prozent gehen mit ihrem Ärger nicht zur Personalabteilung – aus Sorge, dass es ihnen am Ende selbst schadet. Dabei ist Schweigen für Unternehmen faktisch teuer. Wer kündigt, ist weg, und mit ihm das Wissen und die Kontakte – die nächste Kraft muss erst wieder eingearbeitet werden. Und wer dennoch bleibt und auf Sparflamme weiterarbeitet, kostet Produktivität, Tag für Tag.

Was toxische Führung Unternehmen kostet

Ein toxischer Vorgesetzter treibt die Fluktuation in die Höhe, schreckt potenzielle Bewerber ab und schadet zwangsläufig dem Firmenimage. Jede Kündigung, die auf das Konto der Führungskraft geht, kostet richtig Geld – von der Suche über die Auswahl bis zur Einarbeitung neuer Kräfte.

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Trotzdem bleiben viele dieser Chefs ihrem Wesen treu. Klar, solange die Zahlen stimmen, drückt das Management mal ein Auge zu. Und so belohnen Unternehmen Ergebnisse und übersehen, wie sie zustande kommen, ob gewollt oder nicht.

Übrigens: Führung lässt sich verändern, durch Feedback, Coaching und natürliche Konsequenzen bei bestimmten Verhaltensweisen. Nur passiert das selten von allein. Klar, denn solange schlechtes Führungsverhalten ohne Folgen bleibt, gibt es keinen Grund, es abzulegen.

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Was du tun kannst, bevor du selbst zur Statistik wirst

Bevor du kündigst, dokumentiere Vorfälle schriftlich – mit Datum und kurzer Schilderung der Situation. Such dir Verbündete im Team, denn was mehrere bezeugen, lässt sich schwerer als Einzelfall herunterspielen. Und prüfe, ob es eine Stelle jenseits deines direkten Vorgesetzten gibt, an die du dich wenden kannst, etwa den Betriebsrat.

Bewegt sich nichts, bleibt nur der Wechsel. Die 19 Prozent, die schon gegangen sind, haben ihn vollzogen. Die Frage ist, ob dein Arbeitgeber das Muster erkennt und sein Führungsverhalten hinterfragt, bevor die nächsten 41 Prozent nachziehen.

Nachgefragt: Hast du schon einmal einen Job wegen deines Chefs hingeschmissen oder ernsthaft damit gerungen? Was hat am Ende den Ausschlag gegeben? 

Verwendete Quellen: Bad Bosses Report von LiveCareer, Toxic Bosses Survey

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