Seit künstliche Intelligenz die Büros erobert hat, schwindet offenbar der Respekt vor der menschlichen Arbeitskraft. Vier von fünf Führungskräften halten ihre Mitarbeiter heute für weniger wertvoll als noch vor dem großen KI-Boom. Zu diesem Ergebnis kommt der dritte AI at Work Report des Personaldienstleisters G-P.

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Für die Studie befragte das Marktforschungsunternehmen Wakefield Research im März 2026 weltweit 2.850 Führungskräfte ab dem VP-Level in den USA, Deutschland, Singapur, Australien und Frankreich sowie separat 500 US-Personalverantwortliche. Die nackten Zahlen sind ein Offenbarungseid:

82 Prozent der Chefs gaben an, dass KI den Stellenwert, den sie menschlichen Mitarbeitern beimessen, gesenkt hat.

Je leistungsfähiger also Algorithmen werden, desto mehr schwindet der Fokus Mensch. Und: 88 Prozent der Vorgesetzten fürchten gar, dass ihre Mitarbeiter KI-Tools vor allem nutzen, um Produktivität vorzutäuschen – ein digitales Theater der Geschäftigkeit statt echter Wertschöpfung.

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Misstrauen wandert vom Mitarbeiter zur Maschine

Während das Management teils abwertet und verdächtigt, bleibt die Technologie den Beweis ihrer Überlegenheit im Arbeitsalltag noch schuldig. Zwar nutzen mittlerweile alle der befragten Führungskräfte künstliche Intelligenz in ihren Unternehmen. Doch das Vertrauen in die Systeme selbst ist dann doch gering: Nur 23 Prozent vertrauen der Genauigkeit ihrer KI-Anwendungen vollständig.

Das führt zu einer neuen Form der Kontrollarbeit: 69 Prozent der Führungskräfte investieren heute mehr Zeit in die Nachbesserung maschineller Fehler, als sie durch den Einsatz der Technologie überhaupt einsparen. Ironischerweise könnte man dies als eine Art Entlastung für die Belegschaft interpretieren: Der operative Argwohn des Managements richtet sich nun primär auf die Mängel der Algorithmen und lässt den Mitarbeitern zumindest in der Theorie eine kurze Atempause vom unmittelbaren Mikromanagement.

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Die ökonomische Ernüchterung folgt prompt. 73 Prozent der Befragten berichten, dass ihre KI-Investitionen der vergangenen zwölf Monate die Erwartungen nicht erfüllt haben. Und somit wollen fast 70 Prozent der Führungskräfte ihre KI-Budgets drastisch kürzen, sollten die gesetzten Ziele für das Jahr 2026 verfehlt werden.

Das Solow-Phänomen des 21. Jahrhunderts

Auf der einen Seite steht die gefühlte Entwertung des Personals, auf der anderen eine Technologie, die im alltäglichen Betrieb noch nicht ausgereift scheint.

Neu ist dieses Phänomen gewiss nicht. Schon in den späten 1980er-Jahren stellte der Ökonom und Nobelpreisträger Robert Solow fest, dass das Computerzeitalter zwar überall zu sehen sei – nur nicht in den Produktivitätsstatistiken. Es dauerte damals Jahre, bis Unternehmen ihre internen Abläufe so weit umgestaltet hatten, dass Computer tatsächlich messbare Renditen abwarfen. Bei der künstlichen Intelligenz deutet derzeit vieles auf genau diese technologische Verzögerung hin.

Der Denkfehler liegt folglich in der Erwartungshaltung der Entscheider. Wenn eine Software theoretisch komplexe Text- und Analyseaufgaben im Sekundentakt erledigen kann, wirkt der Mensch schnell wie der einzige verbliebene Engpass. Doch solange die KI keinen nachweisbaren Mehrwert generiert, tragen weiterhin die Angestellten das operative Geschäft.

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Widerspruch beim Blick auf den Fachkräftemangel

Obwohl Chefs den Wert ihrer Mitarbeiter anzweifeln, nennt mehr als die Hälfte der Befragten den Mangel an qualifiziertem Personal mit echten KI-Kompetenzen als eine der größten Hürden für ihre technologischen Ziele. Die Belegschaft wird abgewertet, während man sie gleichzeitig dringender braucht denn je.

Das Misstrauen, das 88 Prozent der Chefs derzeit gegen ihre Teams hegen, lässt sich nicht durch noch mehr Kontrollen auflösen. Wenn bereits heute 69 Prozent der Führungskräfte kostbare Stunden mit dem Nachprüfen von KI-Outputs verbringen, hat das mit Effizienz nichts zu tun. Mehr Argwohn schafft auch keinen wirtschaftlichen Wert – er vernichtet ihn.

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