Während Millionen Beschäftigte in Deutschland bei Miete, Energie und Lebensmitteln jeden Euro zweimal umdrehen müssen, haben sich die Vergütungen an der Spitze vollständig von der Lebensrealität vieler Menschen entkoppelt. Eine aktuelle Analyse von Oxfam zum Tag der Arbeit macht deutlich, dass Spitzengehälter weltweit um 54 Prozent nach oben geschossen sind, während die reale Kaufkraft der Arbeitnehmer drastisch einbrach.
Ein CEO-Gehalt reicht für 490 Jahre
Weltweit kletterten die Bezüge der CEOs zwischen 2019 und 2025 inflationsbereinigt von durchschnittlich 5,5 Millionen auf 8,4 Millionen US-Dollar. Für einen normalen Angestellten bedeutet das: Er müsste im weltweiten Durchschnitt 490 Jahre arbeiten, um das zu verdienen, was sein Chef in nur einem Jahr einstreicht.
Die Reallöhne der Beschäftigten gingen weltweit im selben Zeitraum um zwölf Prozent zurück.
In den deutschen DAX-40-Unternehmen zeigt sich eine ähnliche Entkoppelung: Bei 25 untersuchten DAX-Konzernen stiegen die Chef-Gehälter von im Schnitt 4,5 Millionen Euro auf fast 7 Millionen Euro – ein Plus von 56 Prozent. Die Reallöhne der Beschäftigten liegen hierzulande inflationsbereinigt hingegen immer noch leicht unter dem Niveau von vor der Corona-Krise.
Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam, kritisiert:
„Während die Kaufkraft von Beschäftigten in Deutschland im Schnitt immer noch schwächer ist als 2019 und der aktuelle Inflationsschub viele Haushalte belastet, explodieren die Gehälter von Spitzenmanager*innen. Sie entkoppeln sich immer weiter von der Realität vieler Menschen, die sich ohnehin schon täglich fragen müssen, wie sie die Energiepreise, Mieten und Lebensmittel noch bezahlen sollen. Diese immer extremere Ungleichheit ist auch eine Gefahr für unsere Demokratie.“
Dividenden-Regen für die Superreichen
Doch es sind nicht nur die Gehälter, die für Schwindel sorgen. Die Analyse zeigt, dass das System vor allem jene belohnt, die bereits besitzen. Fast 1.000 untersuchte Milliardäre strichen allein im Jahr 2025 satte 79 Milliarden US-Dollar an Dividenden ein. Ein durchschnittlicher Milliardär verdient damit in weniger als zwei Stunden mehr an Ausschüttungen, als ein normaler Arbeiter im ganzen Jahr nach Hause bringt.
Das Vermögen der reichsten Menschen hat 2026 einen neuen Rekordwert erreicht: Es wuchs innerhalb von nur zwölf Monaten um 4 Billionen US-Dollar. Damit besitzen die wenigen Milliardäre dieser Welt zusammen 1,5 Billionen US-Dollar mehr als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – also rund 4,1 Milliarden Menschen.
„Milliardäre ernten die Früchte der Arbeit, zahlen aber oft geringere Steuersätze als Arbeiter. Das ist nicht nur per se ungerecht, auch mangelt es Regierungen dadurch an Geld für dringend benötigte Investitionen in soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz“, so Schmitt.
Besteuerung Superreicher voranzutreiben
Angesichts dieser Zahlen fordert Oxfam ein Umsteuern der Politik, um die soziale Schieflage zu korrigieren: eine Milliardärssteuer auf globaler und nationaler Ebene, deutlich höhere Spitzensteuersätze auf Einkommen und einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 15 Euro pro Stunde. Die Steuermehreinnahmen sollen gezielt in soziale Gerechtigkeit und den Klimaschutz fließen.
Wie lange kann ein Wirtschaftssystem stabil bleiben, wenn die Früchte der Arbeit so einseitig verteilt werden? Die Verantwortung liegt nun bei der Politik, die Spielregeln so zu ändern, dass Erfolg wieder bei allen ankommt – und nicht nur bei denen, die ohnehin schon oben stehen.
Quelle: Oxfam

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