Künstliche Intelligenz soll viele Aufgaben übernehmen, für die Unternehmen bislang auf menschliche Kompetenzen setzten. Entsprechend groß ist die Sorge, dass mit dem Einsatz der Technologie massiv Arbeitsplätze verschwinden könnten. Eine neue Studie aus den USA zeichnet jedoch ein anderes Bild: Unternehmen, die besonders intensiv in KI investieren, verzeichneten nach der Einführung ein deutlich stärkeres Beschäftigungswachstum.
Für ihre Untersuchung verknüpften Forscher von Ramp und Revelio Labs die KI-Ausgaben von Unternehmen mit deren Beschäftigungsdaten. Insgesamt flossen Daten von 21.559 US-Unternehmen in die Analyse ein. Der untersuchte Zeitraum reicht von Januar 2021 bis Februar 2026.
Bei Unternehmen mit intensiver KI-Nutzung wächst die Belegschaft
Entscheidend ist dabei, wie intensiv Unternehmen in die Technologie investieren. Die Forscher teilten die KI-Anwender anhand ihrer Ausgaben für KI pro Beschäftigtem in zwei Gruppen ein. Unternehmen im oberen Drittel galten als intensive Anwender, die übrigen zwei Drittel als weniger intensive Anwender. Maßgeblich waren die durchschnittlichen monatlichen KI-Ausgaben pro Beschäftigtem in den ersten drei Monaten nach Beginn der dauerhaften Nutzung.
Als dauerhafte KI-Nutzung werteten die Forscher den ersten Monat einer mindestens dreimonatigen Phase, in der ein Unternehmen jeden Monat mindestens 100 US-Dollar bei KI-Anbietern ausgab.
Das Ergebnis fällt deutlich aus: Bei Unternehmen mit hoher KI-Intensität lag die Zahl der Beschäftigten in den ersten 24 Monaten nach Einführung der Technologie im Schnitt 10,2 Prozent höher als bei Unternehmen derselben Intensitätsgruppe, die KI erst später einführten. Bei Unternehmen mit geringerer KI-Intensität ließ sich dagegen keine statistisch signifikante Veränderung der Gesamtbeschäftigung feststellen.
Auch bei Berufseinsteigern zeigte sich ein deutlicher Unterschied. Ihre Zahl lag bei den intensiven KI-Anwendern 12 Prozent höher. Damit zeigt sich ausgerechnet bei jener Beschäftigtengruppe Wachstum, bei der häufig die Sorge besteht, dass KI einen Teil bisheriger Einstiegsaufgaben übernehmen könnte.
Wachstum zeigt sich in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen
Das Wachstum beschränkt sich der Untersuchung zufolge nicht auf technische Berufe. Bei Unternehmen mit hoher KI-Intensität lag die Beschäftigtenzahl im Vertrieb 10,3 Prozent höher, in der Verwaltung waren es 7,8 Prozent und im Engineering 7,3 Prozent. Im Kundenservice betrug der Unterschied 6,3 Prozent. Bei wissenschaftlichen Tätigkeiten waren es 5,6 Prozent.
Für Marketing ermittelten die Forscher einen Anstieg von 5,7 Prozent, für Finanzen von 4,6 Prozent. Beide Ergebnisse waren allerdings nur schwächer statistisch abgesichert. Bei Operations zeigte sich kein statistisch signifikanter Beschäftigungszuwachs.
Die Ergebnisse sprechen damit zumindest bislang nicht dafür, dass Unternehmen mit hohen KI-Investitionen ihre Belegschaften auf breiter Front verkleinern. Die Autoren schreiben in ihrem Fazit, dass ihre bevorzugten Berechnungen keine Hinweise darauf liefern, dass die Einführung von KI zu Entlassungen führt.
Besonders deutlich ist der Effekt in der Informationsbranche
Allerdings lässt sich das Ergebnis nicht ohne Weiteres auf die gesamte Wirtschaft übertragen. Auf Branchenebene konzentriert sich der statistisch signifikante Beschäftigungszuwachs bislang auf den Bereich Information. Dazu zählen in der Untersuchung viele Software-, Internet- und Medienunternehmen.
Bei intensiven KI-Anwendern dieser Branche lag die Gesamtbeschäftigung rund 13,4 Prozent höher. Für die anderen untersuchten Branchengruppen konnten die Forscher dagegen keinen statistisch signifikanten Beschäftigungszuwachs nachweisen.
Das passt zu einem weiteren Befund der Studie: KI wird bislang keineswegs überall gleich stark eingesetzt. Besonders verbreitet war naturgemäß die dauerhafte bezahlte KI-Nutzung im Informationssektor sowie im Finanz- und Versicherungswesen und bei professionellen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Deutlich geringer war sie beispielsweise im Baugewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Gastgewerbe.
Die Studie beweist nicht, dass KI neue Jobs schafft
Bei der Interpretation der Zahlen ist eine Einschränkung besonders wichtig. Die Untersuchung zeigt einen Zusammenhang zwischen intensiven KI-Investitionen und Beschäftigungswachstum. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass KI dieses Wachstum verursacht hat.
Denn Unternehmen, die KI einsetzen, unterscheiden sich bereits vor der Einführung der Technologie von anderen Firmen. Die KI-Anwender in der Stichprobe waren im Durchschnitt größer, technischer ausgerichtet und wuchsen bereits vor der Einführung schneller als Unternehmen, die keine KI einsetzten.
Genau deshalb vergleichen die Forscher die KI-Anwender in ihrer bevorzugten Berechnung nicht einfach mit Unternehmen, die während des Untersuchungszeitraums überhaupt keine KI einführten. Stattdessen ziehen sie Unternehmen derselben späteren KI-Intensitätsgruppe heran, die die Technologie erst zu einem späteren Zeitpunkt einführten und zum jeweiligen Vergleichszeitpunkt noch nicht als Anwender galten. Zusätzlich berücksichtigen die Berechnungen Unterschiede zwischen Wirtschaftssektoren.
Auch die Datengrundlage setzt Grenzen. Die untersuchten Unternehmen bilden keinen repräsentativen Querschnitt der gesamten US-Wirtschaft. Die Autoren weisen darauf hin, dass ihre Stichprobe vermutlich stärker auf technologieorientierte Unternehmen und wissensintensive Arbeit ausgerichtet ist.
Die Studie liefert deshalb keine endgültige Antwort darauf, wie künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkt verändern wird. Sie zeigt jedoch, dass die Entwicklung komplexer sein könnte als die einfache Rechnung, nach der mehr KI automatisch weniger Beschäftigte bedeutet. Zumindest bei Unternehmen, die früh und intensiv in die Technologie investieren, ging die Nutzung bislang mit einem deutlichen Wachstum der Belegschaft einher.

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