Du sitzt im Jahresgespräch, dein Chef lobt deine Arbeit, und am Ende steht trotzdem keine Gehaltserhöhung im Raum. Für viele Beschäftigte ist das der Moment, in dem der Gedanke an einen Jobwechsel zum ersten Mal konkret wird. Die Randstad Employer Brand Research 2026, eine Online-Befragung von 4.331 Beschäftigten in Deutschland im Januar 2026, zeigt, wie groß dieser Hebel ist: 40 Prozent nennen eine zu niedrige Vergütung als Grund, den Arbeitgeber zu verlassen oder verlassen zu wollen. Damit steht das Geld an der Spitze aller Kündigungsgründe.
Das Wichtigste in Kürze
- Größter Hebel: 40 Prozent der Beschäftigten geben zu niedrige Vergütung als Hauptgrund für einen Jobwechsel an.
- Der Widerspruch: Beim idealen Arbeitgeber landet das Gehalt nur auf Platz vier, beim Kündigen steht es auf Platz eins.
- Über alle Generationen: Vom Berufseinsteiger bis zum Babyboomer ist das Gehalt der wichtigste Kündigungsgrund. Nur die Schmerzpunkte daneben verschieben sich.
Das Gehalt ist ein Abstoßungsfaktor, kein Anziehungsfaktor
Fragst du Beschäftigte, was ihr idealer Arbeitgeber bieten soll, landet das Gehalt nur auf Platz vier. 50 Prozent nennen es als Kriterium, hinter Arbeitsplatzsicherheit (58 Prozent), einer angenehmen Arbeitsatmosphäre (54 Prozent) und der Work-Life-Balance (52 Prozent). Geld wirkt damit wie ein Faktor unter vielen.
Drehst du die Frage um und fragst nach den Gründen für einen Abschied, ändert sich das Bild. Dann steht die zu niedrige Vergütung mit 40 Prozent ganz vorne, vor der Work-Life-Balance (30 Prozent) und einem negativen Arbeitsumfeld (27 Prozent). Das Gehalt zieht also kaum jemanden an, aber ein zu niedriges treibt zwei von fünf Beschäftigten aus dem Job.
Der Grund für diese Lücke liegt in der Art, wie wir bewerten. Ein faires Gehalt fällt im Alltag selten auf, solange es stimmt. Erst wenn es spürbar hinter dem zurückbleibt, was du für angemessen hältst, wird es zum Thema. Sicherheit und Atmosphäre nennst du, wenn du an deinen Traumjob denkst. Das Geld nennst du, wenn du gehst.
Vom Berufseinsteiger bis zum Babyboomer: Geld zählt für alle
Bei einem Punkt sind sich die Generationen einig. Eine zu niedrige Vergütung ist über alle Altersgruppen hinweg der wichtigste Grund für eine Kündigung. Egal ob Gen Z oder Babyboomer, das Gehalt steht jeweils an der Spitze.
Unterschiede zeigen sich erst bei den Gründen daneben. Jüngere Beschäftigte legen mehr Wert auf die Work-Life-Balance, die für sie als Wechselgrund bei rund 30 Prozent liegt, bei den Älteren bei etwa 26 Prozent. Umgekehrt führen ältere Generationen häufiger ein negatives Arbeitsumfeld an, mit etwa 32 Prozent gegenüber rund 25 Prozent bei den Jüngeren.
Daraus lässt sich ableiten, worauf es ankommt. Jüngere wollen Balance und Flexibilität wahren, Ältere achten stärker auf die Qualität des Arbeitsumfelds und die Beziehungen am Arbeitsplatz. Das Gehalt bleibt für beide die Grundlage, auf die alles andere aufbaut.
Beschäftigte kündigen genau dort, wo Arbeitgeber schwächeln
Die Wechselgründe treffen genau die Bereiche, in denen Arbeitgeber die Erwartungen ihrer Mitarbeiter nicht erfüllen. Beim Gehalt, bei der Work-Life-Balance und bei den Aufstiegsmöglichkeiten klafft die größte Lücke zwischen dem, was Beschäftigte erwarten, und dem, was sie erleben.
Beim Arbeitsumfeld sieht es anders aus. Zwar nennen viele ein negatives Klima als Kündigungsgrund, doch mehr als drei von fünf Beschäftigten bewerten ihre aktuelle Arbeitsatmosphäre positiv. Das Problem ist hier also weniger akut als beim Geld. Genau deshalb wiegt die Vergütung so schwer: Sie ist nicht nur ein häufiger Wechselgrund, sondern auch einer der Punkte, an denen Arbeitgeber am deutlichsten hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Für Unternehmen heißt das, dass Bemühungen um Mitarbeiterbindung an den richtigen Stellen ansetzen müssen. Wer das Gehalt, die Balance und die Aufstiegschancen ignoriert und stattdessen am Obstkorb feilt, verliert Mitarbeiter trotz guter Stimmung im Team.
Nachgefragt
Das Gehalt entscheidet selten allein, ob du dich für einen Job entscheidest. Aber es entscheidet, ob du bleibst oder zumindest länger bleibst. Wer sich unterbezahlt fühlt, sucht früher oder später das Gehaltsgespräch oder den Ausgang.
Nachgefragt: War das Gehalt schon einmal der Grund, warum du über einen Jobwechsel nachgedacht hast? Oder hat dich ein anderer Faktor zuerst aus dem Job getrieben?

Der kompakte Überblick zur modernen Arbeitswelt. Karriere, Leadership, KI & Fachkräftemangel – klar, relevant, direkt ins Postfach.





