Schon wieder ist ein Jahr vergangen, der lang ersehnte Urlaub war gefühlt wie ein Fingerschnippen vorüber und das langweilige Meeting zieht sich hingegen wie Kaugummi. Kennen Sie das: Eine Minute, eine halbe Stunde oder eine Woche können sich je nach Lebenssituation verblüffend unterschiedlich anfühlen. Und tendenziell vergeht die Zeit im Laufe des Lebens gefühlt immer schneller. Also wo ist sie wirklich geblieben, die Zeit? Und wie entsteht dieser Effekt?

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Inhalt
1. Zeitempfinden ist subjektiv
2. Jeder kennt es: Das Urlaubs-Zeit-Phänomen
3. Neues bleibt in Erinnerung – und Erinnerungen beeinflussen das Zeitempfinden
4. Wann haben Sie zuletzt etwas „Neues“ erlebt?
5. Der Code zu mehr Lebenszeit lautet: Mehr leben!
6. Dankbarkeit: Zeit ist das höchste Gut eines jeden Menschen

Zeitempfinden ist subjektiv

Albert Einstein Relativität Zitat
Bild: Arbeits-ABC/Canva.com

Früher haben sich die Menschen an Himmelskörpern oder dem Sonnenauf- und Sonnenuntergang orientiert. Heutzutage besitzt wohl jeder eine Armbanduhr oder – neumodischer – ein Smartphone, das uns stets die aktuelle Uhrzeit wissen lässt. Dennoch: Auch, wenn die Zeit theoretisch für alle Menschen gleich schnell vergehen müsste, so tut sie das in der Regel nicht. Denn Zeitempfinden ist subjektiv und kann daher von Mensch zu Mensch stark schwanken.Tendenziell vergeht die Zeit für ältere Menschen schneller als für jüngere. Besonders extrem kann das Empfinden der „rasenden“ Zeit zudem werden, wenn sich die Lebenszeit dem Ende neigt, zum Beispiel aufgrund einer schweren Erkrankung. Vielleicht kennen Sie das aus einem weniger drastischen Zusammenhang: Wenn Sie im Urlaub nur noch einen Tag übrighaben, vergeht er dann nicht gefühlt viel schneller als der erste Urlaubstag zu Beginn?

Jeder kennt es: Das Urlaubs-Zeit-Phänomen

Es handelt sich natürlich nicht um einen wissenschaftlich anerkannten Fachausdruck. Doch lassen Sie es uns einmal das „Urlaubs-Zeit-Phänomen“ nennen. Nehmen wir an, Sie haben zwei Wochen Urlaub und verreisen in ein fernes – und für Sie neues – Land. Voller Euphorie und neuer Eindrücke haben Sie in der ersten Woche das luftig leichte Gefühl, Ihr Urlaub ginge noch ewig. Das Ende ist noch lange nicht in Sicht und Sie schmieden Plan um Plan. Doch dann bricht die zweite Woche an. Plötzlich rast die Zeit, prompt ist der Urlaub vorbei und Sie finden sich auf Ihrem Schreibtischstuhl im Großraumbüro wieder. Die zweite Woche fühlte sich nur wie ein Bruchteil der ersten an. Gewiss kennen Sie dieses „Urlaubs-Zeit-Phänomen“. Doch wie entsteht es?

Neues bleibt in Erinnerung – und Erinnerungen beeinflussen das Zeitempfinden

Die Jugend wäre eine schönere Zeit... von Charlie Chaplin
Bild: Arbeits-ABC/Canva.com

Das „Urlaubs-Zeit-Phänomen“ lässt sich eins zu eins auf das gesamte Leben übertragen. Dieses „Lebens-Zeit-Phänomen“ hängt stark mit unserem Erinnerungsvermögen zusammen. Tendenziell bleiben nämlich jene Erlebnisse besonders in Erinnerung, welche neu sind. Schließlich fordern sie einerseits das Gehirn, lassen es aus der täglichen Routine ausbrechen und spornen es zu Höchstleistungen an. Andererseits wecken neue Erlebnisse in der Regel stärkere Emotionen in uns. Seien es die Schmetterlinge im Bauch bei einer neuen Liebe, die Aufregung beim Antreten eines neuen Jobs oder das Adrenalin, wenn Sie das erste Mal im Geschwindigkeitsrausch eine Achterbahn hinunterrasen.

Hand aufs Herz: Wie viele solcher neuer, aufregenden oder tief emotionalen Erlebnisse hatten Sie in der laufenden Woche? Im letzten Monat? Oder im vergangenen Jahr? Im Erwachsenenalter werden diese in der Regel immer seltener. Sie hängen im Alltagstrott fest, wohnen seit zehn Jahren in derselben Wohnung oder dem abbezahlten Eigenheim, genießen das Privileg eines unbefristeten Arbeitsvertrages und befinden sich in einer stabilen Beziehung. Für Sie gibt es nichts Schöneres als sich am Abend auf das Sofa zu kuscheln und den stressigen Arbeitstag ruhig ausklingen zu lassen. Und am Wochenende will die Hausarbeit erledigt werden oder Sie verbringen Quality Time mit Ihren Kindern auf dem Spielplatz.

Wann haben Sie zuletzt etwas „Neues“ erlebt?

Apropos Kinder: Erinnern Sie sich, als Sie noch freudestrahlend durch die Welt getanzt sind und an jeder Ecke etwas Neues erkundet haben? Als Kind ist natürlich noch vieles neu. Ständig erleben Sie „erste Male“: Eine neue Eissorte, ein aufregender Spielplatz, Bekanntschaften im Sandkasten, das Austesten von Spielsachen, der erste Urlaub, Schlittenfahren… Und auch im Jugendalter setzt sich dieses abwechslungsreiche Leben in der Regel noch fort: Eine neue Schule, die erste Liebe, der Schulabschluss und dann endlich die erste eigene Wohnung. Sie lassen es im Studium mit Ihren neuen Freunden richtig krachen, schleppen sich nervös zur gefürchteten Prüfung und absolvieren erste spannende Praktika.
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Und dann folgt irgendwann der Berufseinstieg, das Leben beruhigt sich, sowohl privat als auch beruflich gelangen Sie in ruhigere Fahrwasser. Genau jetzt nehmen viele Menschen erstmalig das subjektive Empfinden wahr: Irgendwie vergeht die Zeit viel schneller! Aber wieso? Die Antwort lautet also: Weil Sie weniger Neues erleben und daher weniger Erlebnisse und Emotionen abspeichern, an welche Sie sich nach einer Woche, einem Monat oder einem Jahr zurückerinnern. Es ist also gefühlt „nichts“ passiert. Die Zeit ist einfach so vorbeigerast und hat Sie mit nicht mehr als ein paar neuen Fältchen zurückgelassen. Mal ehrlich: Wann haben Sie das letzte Mal diese kindlich überschwängliche Lebensfreude empfunden?
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Der Code zu mehr Lebenszeit lautet: Mehr leben!

Wenn Sie also Ihr Leben entschleunigen möchten, müssen Sie sich wieder in Ihre Kindheits- und Jugendtage zurückversetzen. Nein, Sie sollen nicht in Erinnerungen versinken. Sondern werden Sie aktiv und gehen Sie wieder mit offenen und interessierten Augen durch die Welt. Erleben Sie Abenteuer, probieren Sie Neues aus und nehmen Sie einmalige Chancen wahr. Werden Sie wieder zum Entdecker, denn gewiss haben auch Sie noch lange nicht alles gesehen oder gar „ausgelernt“. Beschreiten Sie beruflich wie privat neue Pfade.

„Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“
(Lucius Annaeus Seneca)

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Abenteuer-Tagebuch? Ihr neues Motto sollte lauten: Ab sofort erleben Sie jede Woche, jeden Monat oder auch alle zwei Monate mindestens eine neue Sache. Ob es der Bungeesprung ist, der Ausflug in das atemberaubend schöne Thermalbad oder ein neues Hobby: Die Wahl liegt ganz bei Ihnen. Sie haben den Schlüssel zu (gefühlt) mehr Lebenszeit selbst in der Hand. Es wird für Sie wieder Zeit zu leben, für neue „erste Male“ – sowohl im Job als auch in Ihrer Freizeit.

Dankbarkeit: Zeit ist das höchste Gut eines jeden Menschen

Doch es gibt noch einen weiteren Mechanismus, der dafür sorgt, dass die Zeit im Zuge des Älterwerdens gefühlt immer schneller vergeht. Dabei handelt es sich um reine Mathematik:

  • Als Zehnjähriger sind zehn Jahre 100 Prozent Ihres Lebens.
  • Als 20-Jähriger sind zehn Jahre 50 Prozent Ihres Lebens.
  • Als 100-Jähriger sind zehn Jahre zehn Prozent Ihres Lebens.

Das steigende Alter verschiebt also schlichtweg die Relation unserer Lebenszeit. Und dann ist ein Jahr eben im großen Ganzen plötzlich nicht mehr so viel wie damals in unserer Kindheit. Ihnen bleibt also eigentlich nichts Anderes übrig, als wieder ein Bewusstsein für Ihre Lebenszeit zu kreieren, Ihre Zeit „sinnvoll“ einzusetzen – sei es für eine große Karriere oder ein erfülltes Familienleben – und dankbar zu sein. Leben Sie wieder mehr in der Gegenwart und weniger in der Zukunft oder Vergangenheit. Und vor allem: Leben Sie wieder!

Empfinden auch Sie die Zeit mittlerweile schneller als noch vor wenigen Jahren oder in Ihrer Kindheit? Wann kommen Ihnen die Minuten und Stunden ewig vor – zum Beispiel in einem Meeting – und wann verfliegen sie stattdessen – im Urlaub? Bei einem Hobby? Oder einem Date? Welche persönlichen Tipps haben Sie, um sich das subjektive Zeitempfinden zunutze zu machen oder es eben gezielt zu verändern? Wir freuen uns über Ihren Beitrag zum Thema in den Kommentaren.

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