Bald ist es wieder so weit: Die Zeitumstellung naht und bereitet den Deutschen zweimal jährlich so allerhand Kopfzerbrechen à la „Wird die Uhrzeit denn nun vor- oder zurückgestellt“ oder „Wie kann ich den typischen „Zeitumstellungs-Jetlag“ vermeiden? Wie Sie die kommenden Zeitumstellungen problemlos meistern, möchten wir Ihnen deshalb heute verraten.

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Inhalt
1. Rätselraten „Zeitumstellung“: Wieso wird die Uhr überhaupt umgestellt?
2. Wie sinnvoll sind Sommer- und Winterzeit also wirklich?
3. Mediziner warnen: Zeitumstellung kann Schlafprobleme verursachen
4. Prognose: Wird die Zeitumstellung in Deutschland abgeschafft – und wenn ja, wann?
5. Termine: Wann werden im Jahr 2017 die Uhren umgestellt?
6. Checkliste: Maßnahmen gegen den „Jetlag“ durch die Zeitumstellung

Rätselraten „Zeitumstellung“: Wieso wird die Uhr überhaupt umgestellt?

Viele Menschen plädieren in Deutschland Jahr für Jahr für die Abschaffung der Zeitumstellung. Tatsächlich stellen nicht alle Länder der Welt zweimal jährlich ihre Uhren um. In Europa ist die Zeitumstellung einheitlich geregelt. Russland verharrt seit dem Jahr 2011 in der Sommerzeit und hat die Umstellung der Uhren komplett abgeschafft, in Island gab es sie hingegen noch nie. In den USA ist es sogar noch komplizierter: Hier stellen zwar die meisten Staaten um, nicht aber Arizona und Hawaii. Und im US-Bundesstaat Indiana wird das auch noch je nach Region unterschiedlich gehandhabt. Auf der Südhalbkugel findet die Zeitumstellung – wenn überhaupt in dem entsprechenden Land – natürlich „umgekehrt“ statt, sprich wenn wir in die Sommerzeit starten, beginnt dort die Winterzeit, und andersherum.

„Die Zeit ist selbst ein Element.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Wirklich notwendig ist sie also nicht, die Zeitumstellung. Viele Länder auf dieser Welt kommen auch ganz gut ohne das zweimal jährliche „Uhrenchaos“ zurecht. Warum existiert sie dann überhaupt, fragen Sie sich jetzt? Die Zeitumstellung hängt mit dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus zusammen, der mit der Erdumdrehung sowie den Jahreszeiten einhergeht. Im Sommer sind die Tage bekanntlich länger, die Sonne geht später unter und die Zahl der Sonnenstunden steigt. Im Winter hingegen ist es draußen meist schon dunkel, während Sie noch am Arbeiten sind und auf den Feierabend hin fiebern. Und auch am Morgen wird es verhältnismäßig spät erst hell. Der Tag ist also schlichtweg deutlich kürzer und die Nacht viel länger als im Sommer. Bei der Zeitumstellung handelt es sich daher um eine künstliche Anpassung der Uhrzeit an die verschiedenen Jahreszeiten, um das (vor allem im Winter geringe) Tageslicht optimal nutzen zu können.

Das hat aber nicht, wie Sie jetzt vielleicht vermuten möchten, soziale Gründe, im Sinne von „wir möchten, dass die Deutschen nach Feierabend noch etwas Tageslicht genießen können“, sondern der eigentliche Gedanke hinter der Einführung der Zeitumstellung in Deutschland sowie in ganz Europa ist jener, Energie zu sparen. Durch die optimalere Nutzung des Tageslichts in der Sommer- beziehungsweise Winterzeit sollen die Menschen weniger häufig den Lichtschalter betätigen und dadurch Energie sparen. Klingt sinnvoll, oder?

Wie sinnvoll sind Sommer- und Winterzeit also wirklich?

Das Problem ist nur: Viele Menschen leiden dank der Umstellung der Uhren zweimal pro Jahr unter einer Art „Zeitumstellungs-Jetlag“ und brauchen bis zu einer Woche, um sich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen. Gemunkelt wird sogar, dass in dieser Woche aufgrund des durcheinander geratenen Schlaf-Wach-Rhythmus die Unfallzahlen erhöht sind und auch die Fehleranfälligkeit im Job ansteigt. Eine Studie des BDEW zur Zeitumstellung kam weiterhin zu dem Ergebnis:

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Die Zeitumstellung bringt keinerlei Energieeinsparung, da die Deutschen ihre Abende auch im Sommer mittlerweile lieber drinnen verbringen als draußen an der frischen Luft.

Genauer gesagt, bedeutet das: Zwar wird der Lichtschalter am Abend natürlich erst später betätigt, wenn es bis 21 oder sogar 22 Uhr hell ist, doch verbringen die Deutschen ihre Freizeit mittlerweile am liebsten vor TV, Laptop, Playstation & Co – und diese sind eben viel größere Stromfresser als eine Glühbirne. Nur acht Prozent macht demnach das Licht überhaupt an Stromverbrauch in deutschen Haushalten aus. Zudem werden bereits flächendeckend Energiesparlampen eingesetzt, die einen noch geringeren Stromverbrauch und dadurch auch noch geringere Stromeinsparungen durch die Zeitumstellung aufweisen. Alles in allem verbrauchen wir hierzulande also durch das veränderte Freizeitverhalten mehr Strom, und das sowohl im Sommer als auch im Winter. So sinnvoll, wie der Gedanke „Energiesparen durch Zeigerdrehen“ also auf den ersten Blick klingen mag, so wirkungslos ist er auf den zweiten.

Mediziner warnen: Zeitumstellung kann Schlafprobleme verursachen

Aus medizinischer Sicht sei die Umstellung der Uhren nicht nur wirkungslos, sondern sogar gefährlich, so Experten. Vor allem die Umstellung von der Winterzeit (auch als „Normalzeit“ betitelt) auf die Sommerzeit sei dabei als kritisch zu betrachten. Wieso? Weil die Menschen dann keine Stunde Schlaf „geschenkt“ bekommen, wie im Winter der Fall, sondern sie verlieren eine wertvolle Stunde. In einer Gesellschaft, in der viele ohnehin immer zu wenig schlafen, kann das zu einem unangenehmen Jetlag führen. Der Schlafmangel macht sich dann mehr denn je bemerkbar, der Schlaf-Wach-Rhythmus gerät endgültig durcheinander und Schlafstörungen nehmen in ihrer Häufigkeit und Ausprägung merklich zu.

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Selbst depressive Verstimmungen sind im Sommer – im zeitlichen Zusammenhang mit der Umstellung der Uhren – vermehrt zu beobachten. Und das, obwohl die Sommerzeit gemeinhin als die „glücklichere“ Zeit wahrgenommen wird und Depressionen eher im Winter vermutet werden, zum Beispiel als klassische Winterdepression. Im Sommer könnte also alles so schön sein, wenn da nicht diese blöde Zeitumstellung wäre – werden sich jetzt viele von Ihnen denken.

Prognose: Wird die Zeitumstellung in Deutschland abgeschafft – und wenn ja, wann?

Der Ruf nach der Abschaffung der Zeitumstellung wird in Deutschland daher verständlicherweise immer lauter. Tatsächlich wäre dieser gewiss ein sinnvoller Schritt. Auch zahlreiche Initiativen und Online-Petitionen wurden zu diesem Anlass bereits ins Leben gerufen. Einige liegen dem Wirtschaftsministerium sowie Europaparlament bereits zur Prüfung vor. Konkrete Anhaltspunkte, ob und wann die Zeitumstellung in Deutschland abgeschafft wird, gibt es bislang allerdings nicht. „Europaparlament“ ist dabei ein wichtiges Stichwort: Das Problem mit der Abschaffung der Zeitumstellung liegt vor allem darin, dass diese europaweit beschlossen und umgesetzt werden müsste. Fahrpläne müssten geändert, Terminpläne neu abgestimmt und Funkuhren umprogrammiert werden. Das ist zwar möglich, geht aber mit einer Menge Aufwand einher.

„Die Zeitumstellung hat sich verselbstständigt“,

so lautete die Aussage von stern-Wissenschaftsexperte Christoph Koch im eingangs verlinkten Video. In näherer Zukunft ist wohl erst einmal keine europaweite Abschaffung der Zeitumstellung zu erwarten. Zumindest im laufenden Jahr 2017 werden die Uhren deshalb noch zweimal verstellt: Aber wann genau und in welche Richtung?

Termine: Wann werden im Jahr 2017 die Uhren umgestellt?

Die Umstellung von der „Normalzeit“ auf die Sommerzeit findet am letzten Märzwochenende statt, sprich in der Nacht vom 25. März 2017 auf den 26. März 2017. Damit das „Zeigerdrehen“ möglichst unkompliziert verläuft, findet es natürlich stets in der Nacht von Samstag auf Sonntag statt. Wenn Ihre Uhr also am 26. März 2017 zwei Uhr anzeigt, stellen Sie die Zeiger auf drei Uhr vor. Umgekehrt stellen Sie am 29. Oktober Ihre Zeiger um drei Uhr auf zwei Uhr zurück. Das bedeutet: Während Sie bei der Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit eine Stunde „verlieren“, wird Ihnen diese bei der Rückstellung auf die Normalzeit im Oktober wieder „geschenkt“. Hier eine einfache Eselsbrücke, wie Sie sich die Richtung der Zeitumstellung merken können:

Merksatz: Im Sommer wird es warm, deshalb holen Sie Ihre Gartenmöbel aus dem Schuppen und stellen sie vor auf die Terrasse. Die Uhren werden beim Wechsel zur Sommerzeit im Frühjahr deshalb vorgestellt. Bevor es im Winter aber wieder kalt wird, holen Sie die Gartenmöbel wieder von der Terrasse und stellen sie zurück in den Schuppen. Sie stellen die Uhren beim Wechsel von der Sommer- zur „Normalzeit“, sprich Winterzeit, also zurück.

Klar, dass die Menschen deshalb vor allem unter der Umstellung auf die Sommerzeit leiden. Die fehlende Stunde Schlaf kann den gefürchteten „Zeitumstellungs-Jetlag“ hervorrufen. Ganz machtlos sind Sie diesem aber nicht ausgeliefert. Was Sie tun können, um die Umstellung der Uhren möglichst beschwerdefrei zu überstehen, haben wir Ihnen deshalb in einer kurzen Checkliste zusammengetragen.

Checkliste: Maßnahmen gegen den „Jetlag“ durch die Zeitumstellung

Um den „Zeitumstellungs-Jetlag“ und alle damit einhergehenden negativen Konsequenzen für Ihre Gesundheit sowie Ihren Job zu verhindern, können Sie durchaus die ein oder andere Maßnahme ergreifen – präventiv sowie anschließend:

  • Berücksichtigen Sie die Zeitumstellung bereits am Vorabend. Gerade bei der fehlenden Stunde durch den Wechsel von der Winter- auf die Sommerzeit kann es durchaus hilfreich sein, einfach eine Stunde früher schlafen zu gehen.
  • Um sich den neuen Rhythmus möglichst schnell einzuverleiben, sollten Sie am Abend nur noch leichte Mahlzeiten zu sich nehmen. Probieren Sie es doch zudem mit einem Glas heißer Milch mit Honig oder Sauerkirschsaft als natürliches Schlafmittel.

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  • Lassen Sie zudem spätestens ab dem Nachmittag Kaffee, Schwarztee, Cola oder andere aufputschende Getränke weg.
  • Auch, wenn es Wochenende ist und Sie vielleicht noch mit Freunden in einer Bar oder auf einer Familienfeier sind: Trinken Sie wenig oder besser überhaupt keinen Alkohol!
  • Legen Sie vor dem Frühstück einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft ein. Der Sauerstoff sowie – bei gutem Wetter – das Sonnenlicht bringen Ihren Kreislauf in Schwung und machen unmittelbar fitter.
  • Wenn Sie zu den sportlichen Kandidaten gehören, gehen Sie vielleicht sogar eine Runde Joggen, machen Sie Yoga im Freien oder fahren Sie mit dem Fahrrad zum Bäcker. Auch das bringt Ihren Kreislauf zusätzlich in Schwung und kann der morgendlichen Müdigkeit dadurch optimal entgegenwirken.

  • Im Büro schlägt die Müdigkeit wieder bleiern zu? Versuchen Sie es doch einmal mit einer Tageslichtlampe. Die hilft nämlich nicht nur gegen Winterdepressionen, sondern kann auch bei dem „Zeitumstellungs-Jetlag“ gegen müde Augen helfen, indem die Ausschüttung von Melatonin – dem Schlafhormon – gehemmt wird.

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  • Trinken Sie zudem viel Wasser und achten Sie besonders auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Große und „schwere“ Mahlzeiten können eine ohnehin vorhandene Müdigkeit noch einmal verstärken. Wählen Sie deshalb leichte Speisen und nehmen Sie lieber mehrere kleine Snacks zu sich.
  • Hilft auch das nicht, so legen Sie in den Tagen nach der Zeitumstellung bei der Arbeit einfach etwas häufiger eine kurze Pause ein als gewöhnlich. Suchen Sie die Toilette auf, holen Sie sich einen Kaffee oder gehen Sie kurz an die frische Luft – die Bewegung bringt Ihren Geist wieder auf Trab.

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  • Halten sich Ihre Schlafprobleme trotz allem hartnäckig und Sie werden den Jetlag einfach nicht los, greifen Sie zu pflanzlichen Schlafmitteln. Empfehlenswert sind hierbei neben Baldrian zum Beispiel Melissen Tee oder Hopfen.
  • Sollten Sie auch noch Wochen nach der Zeitumstellung unter einer Art „Jetlag“ leiden, suchen Sie einen Arzt auf und lassen Sie abklären, ob gegebenenfalls andere Ursachen hinter den Beschwerden stecken. Den Arzt sollten Sie zudem unbedingt konsultieren, bevor Sie chemische Schlafmittel in Erwägung ziehen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Prävention oder Behandlung eines „Zeitumstellungs-Jetlags“ – und vielleicht haben wir ja Glück und irgendwann wird die Umstellung der Uhren doch noch abgeschafft, damit wir ganzjährig in der Normalzeit verharren können. Der einzige Nachteil wird dann wohl sein, dass es keine lustigen Anekdoten jener Menschen mehr gibt, die trotz Digitalisierung und Funkuhr-Technik die Zeitumstellung verschlafen und dann am Montag eine böse Überraschung erleben.

Haben auch Sie eine solche Anekdote auf Lager? Oder was möchten Sie sonst noch zum Thema Zeitumstellung loswerden? Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren mit uns und lassen Sie uns wissen, ob Sie pro oder contra Uhrumstellung sind!