Förderprogramme: So wird Ihre Weiterbildung finanziell gefördert

Dass sich Fortbildung positiv auf die Karriere und das Einkommen auswirkt, ist bekannt. Trotzdem scheut mancher Arbeitnehmer die Investition.

Einen Spanischkursus, EDV-Lehrgang oder andere Schulungen neben dem Job zu belegen, kostet Zeit, aber auch Geld. Tausend Euro und mehr schlagen schnell zu Buche und sind nicht für jeden ein Pappenstiel. Deshalb ist es ratsam, sich über die staatlichen Förderprogramme zu informieren – falls Sie nicht Ihren Boss fragen wollen oder aber dieser nicht für die Kosten Ihrer Weiterbildung aufkommen will.

Das Statistische Bundesamt beziffert die Zahl der Beschäftigten, die Fortbildungschancen ergreifen, auf lediglich 20 Prozent. Das entspricht sieben bis acht Millionen Arbeitnehmern in Deutschland, die sich die Weiterbildung etwas kosten lassen – beispielsweise über ein Fernstudium, das mehrere Tausend Euro kosten kann.

Doch aus eigener Tasche müssen Sie diesen wertvollen Beitrag zu Ihrem beruflichen Weiterkommen nicht unbedingt bezahlen. Nicht alle Chefs schlagen die Bitte um Unterstützung aus, manche sind zumindest bereit, einen Zuschuss zu leisten, damit sich der Mitarbeiter fortbildet. Allerdings wollen die meisten Unternehmen natürlich wissen, was sie selbst davon haben. Dass ein bestimmter Kurs auch ein zusätzlicher Motivationsschub für den derzeitigen Job sein könnte, reicht nicht immer als Argument aus. Aber probieren können Sie es natürlich.

Falls Sie jedoch bereits im Hinterkopf haben, Ihren Arbeitsplatz wechseln zu wollen, empfiehlt es sich nicht, den derzeitigen Chef um Geld für Ihre Weiterbildung zu bitten. Denn Sie müssen damit rechnen, dass er nur dazu bereit sein wird, wenn Sie eine sogenannte Bindungsklausel unterschreiben – sich also verpflichten, für eine bestimmte Zeit in der Firma zu bleiben.

Staatliche Fördertöpfe entdecken und nutzen

Es ist nicht immer leicht, die geeigneten Hilfsprogramme zu finden, denn allein der Bund ist Herr über sieben verschiedene Fördertöpfe, und ca. die Hälfte der Bundesländer hat zusätzlich weitere Varianten zu bieten. Bundesweit stehen Ihnen ggf. folgende Förderprogramme zur Verfügung – falls Sie nicht zu alt sind oder zu viel verdienen:

Zahl Eins Die Bildungsprämie

können alle Angestellten und Selbstständigen beantragen, die mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten. Dann zahlt der Staat einen Zuschuss von 50 Prozent zu allen Weiterbildungen, maximal allerdings nur 500 Euro. Voraussetzung: Der Antragsteller darf nicht mehr als 20.000 Euro versteuerbares Einkommen haben, ist er verheiratet, sind es 40.000 Euro.
Info: Extra-Seite des Bundesbildungsministeriums

Zahl Zwei Der Bildungsgutschein

wird kostenmäßig hundertprozentig vom Staat getragen. Je nach Bedarf können Sie sogar auf Staatskosten reisen und übernachten. Anspruch darauf haben allerdings ausschließlich Arbeitslose. Auch wird nicht jede Fortbildung mithilfe des Bildungsgutscheins gefördert. Diese muss als Chance anerkannt werden, sich wieder in den Arbeitsmarkt eingliedern zu können.
Info: Lokale Arbeitsagenturen

Zahl Drei Die WeGebAU

ist ein weiterer Weg, um an staatliche Fördermittel zu kommen. Die „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ übernimmt der Staat zu 100 Prozent, ggf. legt er auch noch einen Lohnzuschuss obendrauf. Antragsteller sind Geringqualifizierte, die seit mindestens vier Jahren nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. Auch Beschäftigte, die in einem Betrieb mit weniger als 250 Mitarbeitern arbeiten, können die WeGebAU beantragen.
Info: die Arbeitsagentur am Wohnort

Zahl Vier Das Meister-Bafög

hat eine ähnliche Funktion wie das für Studierende. Es ist ein staatliches Darlehen, das beim Meister-Bafög höchstens 10.226 Euro beträgt. Der staatliche Zuschuss beläuft sich auf 30,3 Prozent, die Differenz müssen Sie als Antragsteller zurückzahlen. Es wird nur dann gewährt, wenn Ihre Weiterbildung einen Umfang von wenigstens 400 Unterrichtsstunden beträgt und Ihrem beruflichen Aufstieg zuträglich ist.
Info: Bafögamt vor Ort

Zahl Fünf Das Aufstiegsstipendium

kann für Sie infrage kommen, die Sie Ihre Ausbildung sehr gut abgeschlossen haben und gern an einer Hochschule studieren möchten. Der Vorteil des Aufstiegsstipendiums besteht darin, dass Sie es als Berufstätiger nicht zurückzahlen müssen. Es ist möglich, dass Sie 670 Euro pro Monat plus 80 Euro Büchergeld erhalten, wenn Sie ein Vollzeitstudium absolvieren. Entscheiden Sie sich hingegen für ein berufsbegleitendes Studium, ist nur eine einmalige Zahlung von 2.000 Euro jährlich drin. Sie dürfen das Aufstiegsstipendium nur dann beantragen, wenn Sie mit mindestens der Note 1,9 abgeschlossen haben und zwei Jahre Berufserfahrung belegen können.
Info: Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung

Zahl Sechs Das Weiterbildungsstipendium

fördert Sie nicht nur, wenn Sie an einer Hochschule studieren wollen, sondern auch bei anderen Maßnahmen – sei es, dass Sie Ihren Handwerksmeister machen wollen oder aber einen Intensiv-Sprachkurs belegen wollen. Ebenso wie beim Aufstiegsstipendium muss das Geld nicht zurückgezahlt werden. Als Stipendiat erhalten Sie maximal 6.000 Euro, müssen sich aber an Ihrer Weiterbildung mit einem Eigenanteil von 10 Prozent beteiligen. Sie dürfen nicht älter als 25 Jahre sein und sollten besondere Leistungen in Beruf oder Ausbildung vorweisen können:
Info: Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung

Wer die genannten Kriterien nicht erfüllt, sollte sich schlau machen über die Förderprogramme in den einzelnen Bundesländern. Für gewöhnlich werden die Möglichkeiten für staatliche Zuschüsse nicht an die große Glocke gehängt – ein wenig Recherche ist daher vonnöten. Über das Internet geht das meistens relativ leicht – klicken Sie sich einfach durch die entsprechenden Seiten, und scheuen Sie sich nicht, sich telefonisch zu erkundigen.

Zusatzinfo: Übrigens können Sie die Kosten für eine Weiterbildung von der Steuer absetzen. Die Finanzämter erkennen einen Betrag von bis zu 1.000 Euro pauschal als Werbungskosten an.


Wer von euch hat Erfahrung mit staatlicher Förderung im Bereich Fortbildung? Lief alles glatt, oder gab es Probleme?

1 Kommentar

  1. Alexandra Bock on

    Beim Aufstiegsstipendium kann ich noch ergänzen, dass man sich auch mit einer Empfehlung des Arbeitgebers dort bewerben kann. Das mache ich gerade, da ich 2 Punkte unter dem zulässigen Schnitt liege. Man kann sich z. B. nämlich auch mit seinem IHK-Abschluss dort bewerben. Zusätzlich hat man noch die Möglichkeit, wenn man bei einem speziellen Wettbewerb gewonnen hat. Also Daumen drücken 😉

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