Dein Chef tippt deinen Namen in ChatGPT und fragt das Programm, ob er dich behalten soll. Was nach düsterer Science-Fiction klingt, ist für viele Firmen längst Alltag. Der Lebenslauf-Anbieter ResumeBuilder befragte im Juni 2025 über die Plattform Pollfish 1.342 US-Manager mit Personalverantwortung. Das Ergebnis: Unter den Führungskräften, die KI bei der Arbeit nutzen, ließen sich 66 Prozent von einem Sprachmodell wie ChatGPT bei Entlassungen beraten.

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Das Wichtigste in Kürze

  • ResumeBuilder.com befragte 2025 in den USA 1.342 Manager mit direkten Mitarbeitern, online über die Plattform Pollfish.
  • Unter den KI-nutzenden Führungskräften setzen 66 Prozent das Tool bei Entlassungen ein, 64 Prozent bei Kündigungen, 78 Prozent bei Gehaltsfragen.
  • Mehr als jeder Fünfte lässt die KI ohne menschliche Kontrolle das letzte Wort sprechen.
  • Zwei Drittel dieser Manager wurden nie formal geschult, wie sie KI im Umgang mit Menschen einsetzen.

Wofür Chefs die KI befragen

Rund 65 Prozent der befragten Manager nutzen KI-Werkzeuge im Job. Von ihnen verwenden fast alle, nämlich 94 Prozent, die Technik für Entscheidungen über ihre Mitarbeiter. Am häufigsten greifen sie zu ChatGPT mit 53 Prozent, danach folgen Microsofts Copilot und Googles Gemini.

Die Fragen, die sie der KI stellen, verändern Leben. 78 Prozent holen sich Rat bei Gehaltserhöhungen, 77 Prozent bei Beförderungen. Bei Entlassungen sind es 66 Prozent, bei Kündigungen im engeren Sinn 64 Prozent. Damit sitzt die Maschine bei fast jeder wichtigen Personalfrage mit am Tisch.

Wenn die Maschine allein entscheidet

Ein Chef, der sich beraten lässt, urteilt am Ende selbst. Bei einem Teil der Befragten stimmt das nicht mehr. Mehr als jeder Fünfte gab an, die KI häufig ohne menschliche Prüfung das letzte Wort sprechen zu lassen.

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Dazu kommt das fehlende Wissen. Nur 32 Prozent der KI-nutzenden Manager wurden formal geschult, wie sie die Technik im Umgang mit Menschen verantwortungsvoll einsetzen. 24 Prozent erhielten gar keine Anleitung. Sie überlassen einer Software Urteile, deren Grenzen sie kaum kennen.

Warum die KI womöglich die falschen Mitarbeiter entlässt

Ein Sprachmodell kennt keine Familiensituation, kein Burnout, keinen Konflikt im Team. Es kennt nur Daten, und die können verzerrt sein. Wurden früher eher Männer befördert, empfiehlt das Modell weiter Männer. Herrscht in einer Abteilung hohe Fluktuation, deutet die KI das schnell als schwaches Team und schlägt die nächste Entlassung vor, statt nach der Ursache zu fragen.

Eine Eigenschaft macht ChatGPT zusätzlich heikel: Das Modell neigt dazu, dem Nutzer nach dem Mund zu reden. Wer einen Vorwand sucht, einen Mitarbeiter loszuwerden, bekommt von der KI schnell die Bestätigung, die er hören will. Stacie Haller, Karriereexpertin bei ResumeBuilder, warnt, der KI fehle es an Kontext, Empathie und Urteilsvermögen.

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Kalter Klick statt Kündigungsgespräch

Wer erfährt, dass ihn ein System aussortiert hat, weil er nicht mehr zur Leistungskurve passt, reagiert mit Entfremdung und Wut. Führung verliert ihre menschliche Seite und wird zum Zahlenspiel. Das beschädigt das Klima im Team und am Ende den Ruf des Arbeitgebers.

Was du jetzt tun kannst

Noch ist das vor allem ein US-Befund. In Deutschland schützt das Kündigungsschutzgesetz Beschäftigte in Betrieben mit mehr als zehn Mitarbeitern, und ein Betriebsrat redet bei Kündigungen mit. Hinzu kommt Artikel 22 der Datenschutz-Grundverordnung: Eine Kündigung, die allein eine Maschine trifft, ist danach unzulässig. Die KI darf zuarbeiten, das letzte Wort gehört einem Menschen. Ein Grund zur Sorglosigkeit ist das keiner. Vier Dinge helfen dir:

  • Dokumentiere deine Erfolge selbst, damit deine Leistung sichtbar bleibt und nicht in einer KI-Zusammenfassung untergeht.
  • Frag im Mitarbeitergespräch offen, ob und wie dein Arbeitgeber KI bei Beurteilungen einsetzt.
  • Kenne deine Rechte: Bei einer rein automatisierten Entscheidung über deinen Job kannst du verlangen, dass ein Mensch sie prüft, und ihr widersprechen.
  • Bau dir tragfähige Beziehungen im Job auf. Empathie und Teamgeist bewertet kein Modell, und darüber entscheiden am Ende Menschen.

Nachgefragt: Würdest du es hinnehmen, wenn ein Chatbot mitentscheidet, ob du befördert wirst oder deinen Job verlierst? Oder gehört dieses Urteil allein in Menschenhand? 

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