Er hebt die Umzugskiste ins Auto, wuchtet sie zwischen Drucker und Wasserkocher. Die WG ist leer, der Kühlschrank abgetaut, die Schlüssel liegen auf dem Tisch. In drei Stunden beginnt sein neues Leben – in einem Bundesland, das er bisher nur aus Urlaubsbroschüren kennt. Ein Jobangebot hat gereicht. Jetzt heißt es: Servus statt Moin. Und während er sich auf den Weg macht, liegt ein Duft zwischen Aufbruch und Abschied in der Luft.
Was bedeutet berufliche Umzugsbereitschaft?
Es geht um mehr als nur einen Wohnortwechsel. Wer für den Job umzieht, verabschiedet sich nicht selten von Freunden, Familie und dem Lieblingsbäcker um die Ecke. Der Schritt in eine neue Stadt bedeutet Aufbruch, Risiko, Hoffnung – und eine gehörige Portion Mut. Denn mit dem neuen Job kommt nicht nur eine neue Adresse, sondern oft auch ein neues soziales Umfeld, andere Arbeitskulturen, ungewohnte Dialekte, neue Routinen. Es ist ein Sprung ins Ungewisse, den immer mehr Arbeitnehmer bereit sind zu wagen.
Wie mobil sind Arbeitnehmer heute?
Laut EY-Jobstudie können sich 44 Prozent der Befragten vorstellen, für einen neuen Job umzuziehen. Das ist Rekordniveau, trotz unsicherer Wirtschaftslage. Unter Berufseinsteigern liegt die Quote sogar bei 62 Prozent. Doch: Vor zwei Jahren waren es noch 73 Prozent. Die Bereitschaft sinkt leicht, bleibt aber hoch.
Und während Männer (52 Prozent) deutlich entschlossener packen würden als Frauen (36 Prozent), führen Branchen wie Telekommunikation, Maschinen- und Anlagenbau oder Finanzwesen beim Umzugswillen. In der Gesundheitsbranche oder der gebeutelten Autoindustrie ist das Kistenpacken dagegen weniger gefragt. Dort, wo Belastung hoch und Planungsperspektive niedrig ist, scheint die Bereitschaft zu einem radikalen Neustart zu sinken.
Warum zieht es Jobwechsler nach Bayern?
Wenn es nach den Umzugszielen geht, ist Bayern das gelobte Bundesland: 34 Prozent würden dorthin ziehen. Mehr als irgendwo sonst. Hamburg (27 Prozent) und Baden-Württemberg (24 Prozent) folgen. NRW dagegen rutscht aus den Top 3 und teilt sich Platz vier mit Berlin. Ein Standort mit Industrie, Tradition und Alpenblick scheint eben mehr zu ziehen als Staus auf der A40. Besonders auffällig: In der Automobilbranche genießt Bayern fast Kultstatus – 60 Prozent der dort Beschäftigten sehen den Freistaat als Top-Ziel.
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Und dafür gibt es gute Gründe: Bayern punktet mit einer Kombination, die schwer zu schlagen ist – wirtschaftliche Stärke trifft Lebensqualität. Die Arbeitslosenquote liegt bei ca. 4 Prozent, der Bundesdurchschnitt bei 6. Wer hier arbeitet, verdient im Schnitt gut: Das Mediangehalt in Bayern liegt bei 57.750 Euro brutto im Jahr – Platz vier bundesweit. In München sogar bei 64.750 Euro, damit gehört die Landeshauptstadt mit zu den bundesweiten Spitzenreiter unter allen Großstädten.
Der Freistaat vereint Weltkonzerne wie BMW, Siemens und Infineon mit über 100 sogenannten Hidden Champions – mittelständische Unternehmen, die in ihrer Nische weltweit führend sind. Auch die Start-up-Szene boomt: 2025 legte sie um 46 Prozent zu. München überholte sogar Berlin bei den Gründungen pro Kopf. Und mit der TU München und der LMU zählen zwei der besten Universitäten Europas zur bayerischen Bildungslandschaft.
Doch Bayern zieht nicht nur mit Jobchancen. Es ist das sicherste Bundesland, bietet Berge, Seen, Kulturvielfalt – und eine Lebensqualität, mit der viele andere Regionen nicht mithalten können. „Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen“, wirbt der Freistaat selbstbewusst.
Die Kehrseite? München ist teuer. Richtig teuer. Mieten von 20 Euro pro Quadratmeter und Lebenshaltungskosten bis zu 2.000 Euro im Monat fressen das Gehaltsplus schnell wieder auf. Wer hier hinzieht, braucht nicht nur Mut, sondern auch ein ordentliches Gehaltspaket.
Was macht ein Bundesland attraktiv?
Es sind nicht nur die Jobs. Es geht um Perspektive. Wer umzieht, sucht mehr als nur einen Schreibtisch – gefragt sind Lebensqualität, Sicherheit, Flexibilität. Und ein bisschen Glanz. Bayern punktet mit guter Bezahlung, stabiler Wirtschaft, ländlicher Idylle mit S-Bahn-Anschluss. Berlin lockt mit Start-ups und Clubkultur, Hamburg mit Hafenflair und Elbblick. Die Motive sind vielfältig: Karrierechancen, Natur, Familienfreundlichkeit oder kulturelle Angebote.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Was der Jobwechsel auslöst
Doch so groß die Umzugsbereitschaft auch ist – der Schritt bleibt ein Kraftakt. Neue Stadt, neue Wohnung, oft sogar neue Lebensphase. Wer umzieht, verlässt mehr als nur vier Wände. Oft sind es Paare, die vor einer Fernbeziehung kapitulieren. Alleinerziehende, die auf bessere Betreuungsangebote hoffen. Fachkräfte, die dem Kleinstadt-Trott entfliehen. Das neue Leben lockt, doch der Preis ist hoch. Einsamkeit, Orientierungslosigkeit, Heimweh gehören für viele dazu. Und doch sagen Tausende: Ich mache das.
Jobwechsel ja, aber bitte mit Homeoffice
48 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen Homeoffice wichtig ist. Ein Trend, der bleibt. Zwar planen einige Arbeitgeber Einschränkungen, aber sieben von zehn Beschäftigten sagen: Ich muss nicht ins Büro. Ein flexibles Arbeitsmodell wird zum Dealbreaker. Wer heute umzieht, will keine Stechuhr, sondern Gestaltungsspielraum. Weniger Pendeln, mehr Selbstbestimmung. Homeoffice wird zum Standortfaktor – und zur Bedingung für den Tapetenwechsel.
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Was bedeutet das für Unternehmen?
Wer Talente will, muss mehr bieten als ein Jobticket. Umzugsbereitschaft ist kein Selbstläufer, sondern eine Einladung zum Neuanfang. Unternehmen, die das verstehen, bieten mehr als nur einen Arbeitsvertrag: Unterstützung beim Umzug, flexible Arbeitsmodelle und ein mitarbeiterorientiertes Onboarding, das den Einstieg erleichtert. Wer hingegen auf Präsenzpflicht und Papierberge setzt, bleibt auf seinen offenen Stellen sitzen. Die Botschaft ist klar: Wer Menschen gewinnen will, muss Lebensentwürfe mitdenken – nicht nur Arbeitsverträge.
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Neue Stadt, neues Glück?
Der Kofferraum ist voll, das Navi zeigt gen Süden. Umzugsbereitschaft ist mehr als eine Statistik. Es ist ein Signal: Menschen sind bereit, ihr Leben zu verändern – für einen Job, der es wert ist. Arbeitgeber, die das verstehen, holen sich nicht nur Fachkräfte, sondern auch frischen Wind ins Unternehmen. Und während er die ersten Kilometer hinter sich bringt, fragt er sich: Wird es klappen? Die Antwort kennt er noch nicht. Aber er ist losgefahren. Und das ist der erste Schritt.
Quelle: br.de, DDW, Zeit, bayern.de






