Wie viel Herzblut stecken Beschäftigte in Deutschland wirklich in ihre Arbeit? Einige offenbar nicht viel, legt zumindest der aktuelle Gallup Engagement Index nahe. Die jährlich erscheinende Langzeitstudie zur emotionalen Bindung der Arbeitnehmerschaft kommt für 2025 lassen aufhorchen: Wer wirklich brennt für das, was er tut, gehört zur absoluten Minderheit. Die Mehrheit kommt, erledigt das Nötigste – und geht wieder.
Das Wichtigste in Kürze
- Nur zehn Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind emotional hoch an ihren Arbeitgeber gebunden.
- 77 Prozent erledigen ihre Aufgaben pflichtgemäß, bringen sich aber darüber hinaus nicht ein.
- 13 Prozent haben innerlich gekündigt – volkswirtschaftliche Kosten: bis zu 142,3 Milliarden Euro.
- Emotional hoch gebundene Mitarbeitende fehlen 41 Prozent seltener als Beschäftigte ohne Bindung.
- Gallup sieht die Ursache weniger bei den Mitarbeitenden als bei der Führungsqualität.
Und das kostet: Allein die sogenannten „inneren Kündiger“ verursachten der deutschen Volkswirtschaft im Jahr 2025 Produktivitätsverluste zwischen 119,2 und 142,3 Milliarden Euro.
Schwache Bindung auf historischem Niveau
Für die Studie wurden zwischen November und Dezember 2025 insgesamt 1.700 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer repräsentativ befragt. Das Ergebnis ist wenig schmeichelhaft: Drei von vier Beschäftigten – genau 77 Prozent – haben kaum eine emotionale Verbindung zu ihrem Arbeitgeber. Sie tun, was von ihnen erwartet wird. Nicht mehr, nicht weniger.
Als wirklich engagiert, also bereit, sich über das vereinbarte Mindestmaß hinaus einzubringen, gelten lediglich zehn Prozent. Nach dem historischen Tiefstand im Vorjahr steigt der Wert zwar um einen Prozentpunkt, bleibt aber auf einem der schwächsten Niveaus seit Beginn der Erhebung im Jahr 2001.
Schon gewusst? Im Jahr 2020, auf dem bisherigen Höchststand, waren noch 17 Prozent der Beschäftigten emotional hoch gebunden. Seitdem ist der Wert kontinuierlich gesunken.
Hauptsächlich ein Führungsproblem
Auffällig ist, dass Gallup die Ursache für die schwache emotionale Bindung nicht primär bei den Mitarbeitenden selbst sieht. „Geringe emotionale Bindung ist kein Einstellungs-, sondern ein Führungsproblem“, sagte Studienmitautor Marco Nink. Wer sich von seiner Führungskraft nicht gesehen, gefördert und eingebunden fühle, erledige zwar seine Aufgaben, aber ohne den inneren Antrieb, der Innovation und Produktivität vorantreibe.
Dass es nicht an der grundsätzlichen Einstellung zur Arbeit liegt, zeigen weitere Zahlen der Studie: 65 Prozent der Beschäftigten würden auch dann weiterarbeiten, wenn sie durch ein Erbe finanziell abgesichert wären und nicht mehr müssten. Mehr als sieben von zehn Befragten sind zudem zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer konkreten Tätigkeit. Zufriedenheit und emotionale Bindung, so das Gallup-Fazit, seien jedoch zwei grundverschiedene Dinge.
Hohe Bindung zahlt sich messbar aus
Die wirtschaftliche Relevanz emotionaler Bindung lässt sich in Zahlen fassen. Beschäftigte ohne emotionale Bindung fehlten in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt 9,7 Tage krankheitsbedingt – emotional hoch gebundene Mitarbeitende dagegen nur 5,7 Tage. Das entspricht einem Rückgang von 41 Prozent. Da jeder Fehltag den Arbeitgeber im Schnitt rund 347 Euro kostet, ergibt sich für ein Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitenden ein Einsparpotenzial von knapp 1,4 Millionen Euro – allein durch eine verbesserte emotionale Bindung.
Hinzu kommen deutliche Unterschiede bei der Wechselbereitschaft: 77 Prozent der emotional hoch gebundenen Beschäftigten suchen nicht aktiv nach einem neuen Job. Bei denjenigen ohne Bindung kehrt sich das Bild um – dort sind 39 Prozent aktiv auf der Suche, weitere 25 Prozent halten zumindest Ausschau.
Auch die Bereitschaft, das eigene Unternehmen als Arbeitgeber weiterzuempfehlen, ist drastisch höher: 72 Prozent der hoch Gebundenen würden Freunden oder Familienmitgliedern ihren Arbeitgeber empfehlen. Bei denjenigen ohne emotionale Bindung sind es gerade einmal sieben Prozent.
Führungskräfte brauchen mehr Unterstützung
Gallup macht in seiner Analyse deutlich, dass viele Führungskräfte schlicht zu wenig Unterstützung erhalten, um emotionale Bindung aktiv aufzubauen. Nur 40 Prozent von ihnen hätten in den vergangenen zwölf Monaten ein Coaching zu ihrer Führungsaufgabe erhalten. Dabei seien punktuelle Trainings zwar ein Schritt in die richtige Richtung – könnten aber eine kontinuierliche, systematische Begleitung nicht ersetzen.
Die Studie zeigt zugleich, was möglich ist, wenn Unternehmen gezielt an Führungsqualität und Arbeitsumfeld arbeiten: In solchen Betrieben liegt die Bindungsquote im Durchschnitt bei 40 Prozent – in den besten Unternehmen sogar bei knapp 60 Prozent. Der Abstand zur deutschen Gesamtquote von zehn Prozent macht das ungenutzte Potenzial mehr als deutlich.
In eigener Sache: Laut Gallup sucht bereits jeder fünfte Beschäftigte, der seit weniger als zwölf Monaten im Unternehmen ist, aktiv nach einem neuen Job – und nur 21 Prozent bewerten ihr Onboarding als ausgezeichnet. Wer das ändern will, braucht einen klaren Plan. Unser Onboarding-Guide begleitet dich und deine neuen Mitarbeitenden Schritt für Schritt durch die ersten 101 Tage – mit Checklisten, Vorlagen und konkreten Anleitungen. Jetzt Guide sichern!
„Wer Führung nicht priorisiert, schwächt seine eigene Zukunftsfähigkeit“, heißt es im Bericht. Gute Führung sei beileibe kein reines Wohlfühlthema, sondern ein harter Wettbewerbsfaktor.
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Nachgefragt: Wie erlebst du emotionale Bindung in deinem eigenen Arbeitsumfeld – und was glaubst du: Liegt es eher an der Führung oder auch an den Mitarbeitenden selbst?

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