Mütter mit Kleinkindern sind in Deutschland weiterhin deutlich seltener erwerbstätig als Väter — und der Abstand hat sich in zehn Jahren kaum verringert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren im vergangenen Jahr 39,7 Prozent der Mütter mit mindestens einem Kind unter drei Jahren berufstätig. Bei Vätern, die mit einem oder mehreren Kleinkindern im Haushalt lebten, lag die Erwerbstätigenquote bei 88,7 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Mütter mit Kleinkindern in Deutschland sind nur zu 39,7 % erwerbstätig, während es bei Vätern 88,7 % sind.
  • 73 % der erwerbstätigen Mütter mit Kleinkindern arbeiten Teilzeit, im Vergleich zu nur 9 % der Väter, was eine erhebliche Teilzeit-Kluft darstellt.
  • Frauen leisten im Durchschnitt 1 Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Sorgearbeit pro Tag als Männer, was den Gender Care Gap in Deutschland verstärkt.
  • Väter bleiben oft in Vollzeit im Job, während Mütter erheblich längere Pausen im Berufsleben einlegen müssen nach der Geburt eines Kindes.

91 von 100 Vätern arbeiten Vollzeit

Wer Vater wird, bleibt im Job – und zwar meist in Vollzeit: 91 % der erwerbstätigen Väter mit Kleinkind arbeiten voll. Bei den Müttern sind es nur 27 %. Die Geburt eines Kindes hinterlässt im Lebenslauf eines Vaters meist eine Pause von wenigen Monaten, im Lebenslauf einer Mutter oft eine Lücke von Jahren.

„Diese Zahlen spiegeln einerseits die von der Forschung oft belegte ungleiche Verteilung von Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen“, erklärt Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI, angesichts der aktuellen Daten.

Sie verweist auf Reformbedarf beim Elterngeld: Der Anteil der nicht übertragbaren Monate müsse ausgebaut werden, um echte Anreize für eine gleichberechtigte Aufteilung zu setzen. Hinzu kämen Defizite bei der Kinderbetreuung, die trotz Rechtsanspruchs bestehen. Kohlrauschs Fazit: „Ausbaden müssen das vor allem die Mütter.“

Schon gewusst? Sobald die Kinder älter werden, kehren Mütter zwar verstärkt zurück – 2025 waren 71,2 % der Mütter mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren erwerbstätig. Doch die Pause wirkt nach: Auf eine lange Auszeit folgt selten direkt der nächste Karriereschritt.

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Neun Stunden unsichtbare Arbeit pro Woche

Frauen verwenden täglich eine Stunde und 19 Minuten mehr Zeit für Hausarbeit und Kinderbetreuung als Männer. Auf die Woche umgerechnet sind das rund neun Stunden, im Jahr knapp 470 — ein Volumen, das etwa drei Monaten Vollzeitarbeit entspricht. Der Gender Care Gap liegt aktuell bei 44,3 %. Skandinavische Quotenmodelle zeigen hier oft deutlich ausgeglichenere Werte, da dort politische Anreize die Sorgearbeit der Väter stärker forcieren. Bei diesem Tempo dauert es noch rund 55 Jahre, bis Männer und Frauen in Deutschland gleich viel unbezahlte Arbeit leisten — länger als ein ganzes Berufsleben.

Lese-Tipp: Care-Arbeit: Wer macht was im Haushalt?

Was du als Entscheider jetzt tun musst

Aus den Zahlen ergeben sich für dich klare Strategien, um echte Potenziale zu heben:

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  • Hole die Reserve ab: Mütter mit kleinen Kindern sind die größte ungenutzte Gruppe am Arbeitsmarkt. Wenn du ihnen belastbare Karrierepfade in Teilzeit und echte Flexibilität bietest, gewinnst du Talente, die andere ignorieren.
  • Prüfe deine eigenen Muster: Wenn du Müttern nach der Elternzeit automatisch weniger Verantwortung zutraust, während du Vätern Beförderungen anbietest, schreibst du die Statistik in deinem Team fort.
  • Vätermonate ermöglichen: Wenn Väter länger als die zwei üblichen Monate aussteigen, kommen ihre Partnerinnen schneller und mit mehr Stunden zurück in den Job. Dafür braucht es saubere Vertretungsregelungen und Vorgesetzte, die das aktiv fördern. Sachsen führt den Bundesländer-Schnitt an: 30 Prozent Väteranteil beim Elterngeld.

Nachgefragt: Wie ist die Aufteilung von Job und Sorgearbeit bei dir geregelt – und welche Unterstützung bietet dein Arbeitgeber dabei an?

Quellen

  • Statistisches Bundesamt (Destatis): „39,7 % der Mütter mit einem Kind unter drei Jahren sind erwerbstätig“ — Pressemitteilung Nr. 19/2026 zum Muttertag (Mikrozensus 2025). destatis.de
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): „Fast jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit“ — Pressemitteilung Nr. 175 vom 19.05.2025 (Mikrozensus 2024). destatis.de
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): „Gender Care Gap 2022″ — Korrigierte Pressemitteilung Nr. 073 vom 28.03.2024 (Zeitverwendungserhebung 2022). destatis.de
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): „Elterngeld 2025: Anteil der Eltern mit Elterngeld Plus auf Höchststand“ — Pressemitteilung Nr. 136/2026 (April 2026). destatis.de
  • dpa-Meldung: Stellungnahme Bettina Kohlrausch (WSI, Hans-Böckler-Stiftung) zur Destatis-Muttertag-Pressemitteilung, Mai 2026 (Originalzitate und Reformforderung zum Elterngeld). Rhein-Zeitung
  • Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestags: Sachstand WD 8-036/25 „Gender Care Gap im europäischen Vergleich“, 2025 (skandinavische Quotenmodelle). bundestag.de (PDF)
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