Seit 2011 misst das Forschungsinstitut Gallup jährlich, wie eng deutsche Beschäftigte emotional an ihren Job gebunden sind. 2025 fällt das Ergebnis so schlecht aus wie nie zuvor: Nur 11 Prozent gelten als „engaged“ — also als Menschen, die sich innerlich mit ihrer Arbeit verbunden fühlen. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Damit liegt Deutschland deutlich unter dem globalen Durchschnitt von 20 Prozent. Das eigentlich Verblüffende daran: Privat geht es denselben Menschen wieder besser.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Nur 11 Prozent der deutschen Beschäftigten fühlen sich emotional an ihren Job gebunden, was einen historischen Tiefstand darstellt.
  • Die Lebenszufriedenheit der Deutschen steigt leicht an: 48 Prozent bewerten ihr Leben als „thriving“.
  • Deutschland liegt unter dem europäischen Durchschnitt von 12 Prozent bei emotionalem Engagement am Arbeitsplatz.
  • Das Engagement der Führungskräfte sinkt erheblich, von 27 auf 22 Prozent, was zur allgemeinen Engagement-Krise beiträgt.

Zufriedenheit kommt nicht vom Job

Gallup misst Lebenszufriedenheit über die Cantril-Leiter — eine Skala von 0 bis 10, auf der Befragte ihr aktuelles Leben einordnen. Wer sein Leben mit mindestens sieben Punkten bewertet und seine Zukunft in fünf Jahren mit mindestens acht, gilt als „thriving„. 48 Prozent der Deutschen schafften das 2025. Ein Jahr zuvor waren es noch 45 Prozent — und damit lag die Bundesrepublik mitten in einer Phase, in der Inflation und Rezessionsängste das Lebensgefühl gedrückt hatten. Jetzt geht die Kurve wieder leicht nach oben.

Auffällig daran: Diese Erholung speist sich nicht aus dem Berufsleben. Während der „Thriving“-Wert um drei Punkte zulegt, verliert das Engagement im gleichen Zeitraum erneut an Boden. Wer optimistische in die Zukunft blickt, schöpft das vor allem aus seinem Privatleben. Der Job trägt dazu immer seltener bei.

Deutschland liegt sogar unter dem europäischen Durchschnitt

Mit Engagement meint Gallup die innere Bindung, die jemand zu seiner Arbeit, seinem Team und seinem Arbeitgeber aufbaut. Wer engagiert ist, weiß, was von ihm erwartet wird, und kann seine Stärken einbringen. Aus zwölf Items dieser Art berechnet das Institut, wer ins „engaged„-Segment fällt — und wer nicht.

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In Deutschland zählen nur 11 Prozent dazu. Das heißt Umkehrschluss: 89 Prozent zählen sich nicht zu den emotional Engagierten. Damit liegt Deutschland sogar unter dem europäischen Schnitt von 12 Prozent. Und das, obwohl Europa im weltweiten Vergleich ohnehin die schwächste Region ist: 73 Prozent der europäischen Beschäftigten gelten als „not engaged“ und machen, salopp gesagt, Dienst nach Vorschrift. Weitere 15 Prozent zählen zu den „actively disengaged“ — Menschen, die innerlich abgeschaltet haben und ihren Frust auch nach außen tragen.

Selbst die Chefetage zieht sich innerlich zurück

Eine zentrale Erklärung für den globalen Engagement-Verlust liegt nach Gallups Lesart in den Führungsetagen selbst. Bis vor wenigen Jahren hatten Manager weltweit einen Bindungsbonus gegenüber ihren Teams. Sie galten als die Gruppe, die sich überdurchschnittlich mit dem Unternehmen identifiziert. Dieser Vorsprung schmilzt. Allein zwischen 2024 und 2025 ist das Manager-Engagement global von 27 auf 22 Prozent gefallen — der größte Jahresrückgang, den Gallup in der Gruppe bisher gemessen hat. Seit 2022 sind es minus neun Punkte.

Vielleicht beobachtest du Ähnliches im eigenen Arbeitsumfeld: Vorgesetzte, die früher als Brückenbauer auftraten, ziehen sich heute zurück. Sie erledigen die Aufgaben, die zum Job gehören und fertig. Doch was Mitarbeiter zunehmend vermissen, ist das Signal, dass ihre Vorgesetzten selbst noch mit dem Herzen dabei sind. Wenn schon die Führungsebene nicht mehr brennt, fehlt im Unternehmen shlicht jemand, der diese Bindung an die nächste Ebene weitergibt. Gallup sieht darin den Hauptgrund für den jüngsten Engagement-Rückgang weltweit.

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In der Summe zeichnet die Gallup-Studie für Deutschland ein Bild, das viele Beschäftigte aus eigener Erfahrung kennen und wir hier bei Arbeits-ABC auch aus unzähligen Kommentaren erlesen:

Menschen gehen zur Arbeit, machen den Job — und holen ihre Zuversicht aus dem Privatleben.

Sie sind körperlich da, emotional aber längst woanders — im Feierabend, bei ihren Liebsten oder schon beim nächsten Arbeitgeber.

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Nachgefragt: Würdest du dich gerade eher zu den 11 Prozent zählen, die für ihren Job brennen — oder zu den 89, bei denen die Bindung längst verflogen ist? Und was war für dich der Wendepunkt?

Quellen: 

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