Die Waschmaschine rattert im Bad, in der Pfanne brutzelt das Steak, und in Teams leuchtet dein Status seit zwei Stunden grün. Geöffnet ist die Tabelle, an der du seit gestern sitzt. Angefasst hast du sie seit dem Frühstück nicht. Das nennt sich Task Masking – eine Reaktion auf eine Arbeitswelt, die Anwesenheit höher bewertet als konkrete Ergebnisse.
Das Wichtigste in Kürze
- Neuer Befund: Zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland haben im vergangenen Jahr vorgetäuscht, produktiv zu sein.
- Dein Statussymbol: 27,7 Prozent halten im Homeoffice ihren Online-Status künstlich auf „anwesend“.
- Das Problem dahinter: 55,9 Prozent glauben, ihr Arbeitgeber zählt Anwesenheit mehr als Ergebnisse.
Viel Energie für die Show, wenig für den Job?
Zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland haben im vergangenen Jahr gezielt etwas getan, um produktiver zu wirken, als sie letzten Endes tatsächlich waren. Das zeigt eine Befragung der Jobplattform Indeed gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Appinio unter 1.000 hybrid arbeitenden Beschäftigten, veröffentlicht im März 2026. Task Masking beschreibt eine Belegschaft, die ihre Energie quasi in das Vortäuschen von Arbeit steckt statt in die Arbeit.
Hand aufs Herz: Hast du noch nie mal schnell die Wäsche gemacht oder dir ein paar Reels von einigen Creatorn bei Insta angesehen? Falls nicht, gehörst du fast schon zu einer Minderheit.
Der grüne Punkt in Teams ist die neue Stechuhr
Wie das im Alltag aussieht, zeigen die Zahlen der Befragung:
- Den Online-Status im Homeoffice künstlich auf „anwesend“ halten: 27,7 Prozent.
- Länger im Büro bleiben, weil die Führungskraft noch da ist: 25,4 Prozent.
- E-Mails bewusst zu ungewöhnlichen Zeiten verschicken, etwa spätabends: 23,2 Prozent.
- Sich in Meetings zu Wort melden, ohne etwas beizutragen: 22,3 Prozent.
- Die Jacke oder Tasche im Büro lassen, um Anwesenheit vorzutäuschen: 17,3 Prozent.
Übrigens: Die Mail um 23 Uhr belegt keinen ultimativen Einsatz. Sie zeigt lediglich, dass jemand gelernt hat, wann sein Chef in den Posteingang schaut.
Hinter dem Produktivitäts-Theater steckt selten Faulheit
Den Antrieb für Task Masking liefert ein Arbeitsklima, in dem Sichtbarkeit über die Bewertung eines Mitarbeiters entscheidet. Ganze 55,9 Prozent der Befragten glauben gar, ihr Arbeitgeber wertet Präsenz höher als das eigentliche Ergebnis. Die übrigen Gründe liegen dicht beieinander:
- Eine von Präsenzkontrolle geprägte Unternehmenskultur: 32,5 Prozent.
- Sorge um den eigenen Arbeitsplatz angesichts der Wirtschaftslage: 31,6 Prozent.
- Druck oder Mikromanagement durch Vorgesetzte: 24,4 Prozent.
Frank Hensgens, Deutschland-Geschäftsführer von Indeed, sieht die Verantwortung bei den Arbeitgebern:
Wer vor allem Anwesenheit einfordert, darf sich nicht wundern, wenn genau diese optimiert wird. Wer Präsenz misst, bekommt Präsenz.
Warum das Büro uns auch von produktiver Arbeit abhält
Das Büro ist nicht immer der ideale Ort, um konzentriert und produktiv zu arbeiten. Über die Hälfte (50,9 Prozent) fährt morgens zur Arbeit und hängt vor Ort dann doch wieder in unzähligen Videocalls. Wer sich in eine Aufgabe vertiefen will, scheitert letzten Endes auch am Arbeitsumfeld: 69 Prozent der Befragten werden durch ständigen Lärm, Smalltalk oder spontane Rückfragen regelmäßig aus dem Takt gebracht. Und so kommt es, dass sich 48,8 Prozent nach einem Tag im Büro erschöpfter fühlen als zu Hause.
Wer Ergebnisse will, muss aufhören, Stunden zu zählen
Solange die Wärme des Sitzkissens im Büro mehr zählt als das Ergebnis, ist das Vortäuschen von Fleiß die einzig logische Überlebensstrategie. Schluss also mit dem Präsenz-Bluff im Büro. Erst wenn Unternehmen klare Ziele setzen und Menschen an Resultaten messen, verliert das Vortäuschen seinen Zweck. Dazu gehört, unproduktive Meetings zu streichen und permanente Erreichbarkeit nicht als Leistung zu werten. Die Bereitschaft dazu ist da: 66,2 Prozent der Befragten würden auf fünf Prozent ihres Gehalts oder mehr verzichten, wenn im Gegenzug allein ihr Ergebnis zählte.
Was ist dir wichtiger: Das falsche Sicherheitsgefühl der Anwesenheit oder eine echte Leistungskultur? Würdest du für eine Arbeitsweise ohne Präsenzkontrolle einen Gehaltsabstrich in Kauf nehmen? Diskutiere dazu gern mit uns auf unserer Linkedin-Seite.

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