Ein typischer Morgen. Du sitzt in der Bahn, zwischen Pendlern mit Kaffeebechern und Augenringen, als hätte die Nacht mit einem Filzstift unterschrieben. In deinen Kopfhörern läuft ein Podcast, in dem jemand erzählt, wie er alles hinter sich lässt, um nochmal ganz neu anzufangen. Und plötzlich schießt dir ein Gedanke durch den Kopf: Wenn ich morgen finanziell unabhängig wäre – würde ich trotzdem wieder ins Büro gehen? Spürst du ein „auf keinen Fall“? Dann lies weiter.
Was verrät die Freiheitsfrage über deinen Job?
Diese kleine, unschuldige Frage hat es in sich. Denn sie bringt auf den Punkt, was im Arbeitsalltag nur allzuoft verdrängen: Arbeite ich in diesem Job, weil ich wirklich will – oder einfach nur, weil ich muss? Wer bei dieser Frage ohne zu zögern „Ja“ denkt, hat offenbar einen Beruf gefunden, der erfüllt. Wer innerlich „Tschüss Chef“ ruft, tut das vermutlich nicht. Und das ist okay. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
Studien zeigen: Viele sind im falschen Job gefangen
Laut dem Gallup Engagement Index fühlen sich nur neun Prozent der Beschäftigten in Deutschland ihrem Arbeitgeber wirklich verbunden. Der Rest? Pendelt zwischen innerer Kündigung und stumpfer Pflichterfüllung. Rund ein Viertel der Befragten gibt sogar offen zu, nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen – gerade genug, um nicht negativ aufzufallen.
Und nein, das ist kein kollektives Stimmungstief mit Montagsmuffel-Charme. Das ist Alltag. Viele Menschen machen ihren Job, aber leben ihn nicht. Sie funktionieren – tagein, tagaus – , ohne sich selbst darin wiederzuerkennen.
Was viele stattdessen antreibt – oder besser: zum Job treibt -, sind pragmatische Gründe: ein vermeintlich sicherer Arbeitsvertrag, ein ordentliches Gehalt, ein lückenloser Lebenslauf. Freude, Neugier oder persönlicher Sinn bleiben dabei leider nur allzuoft auf der Strecke. Die Folge: Millionen Menschen arbeiten nicht mit Begeisterung an einer Mission – die im besten Fall auch etwas mit ihnen zu tun hätte -, sondern drücken sich wie Zahnpasta aus der Tube des Arbeitsmarkts.
Zwischen Wunsch und Realität: Warum so viele bei „Nein“ landen
Deutschland ist ein Land der Fleißarbeiter. Schon in der Schule lernen wir: Sei brav, streng dich an, dann bekommst du gute Noten – und später einen „sicheren Job“. Der Beruf als Belohnung für Gehorsam und Disziplin. Nicht als Ausdruck deiner Persönlichkeit, sondern als Pflichtübung fürs Leben.
Kein Wunder also, dass viele ihr Arbeitsleben nach dem Prinzip Vernunft organisieren – nicht nach Leidenschaft. Hauptsache, es macht „irgendwie Spaß“. Die Frage nach Selbstverwirklichung? Ähh … lieber nicht. Wer kündigt, weil der Job nicht (mehr) passt, wird belächelt oder direkt für verrückt erklärt.
Der perfekte Job? Klingt wie ein Luxusproblem, wenn man Miete zahlen, Kinder versorgen oder den Kredit fürs Haus bedienen muss. Und trotzdem brennt diese Frage in vielen von uns: Was, wenn da draußen etwas Besseres auf mich wartet?
Das Dilemma: Wir wurden darauf konditioniert, Arbeit als notwendige Lebensaufgabe zu sehen, aber nicht als Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun oder uns selbst weiterzuentwickeln. Dabei wäre es doch viel zielführender zu fragen: Welche Aufgaben machen mir wirklich Freude? Was gibt mir Energie – und wie kann ich mehr davon in meinen Alltag holen?
Was, wenn ich mit „Nein“ geantwortet habe?
Dann heißt das nicht, dass du morgen alles hinwerfen und deinen Job kündigen musst. Es heißt: Da ist Luft nach oben.
Vielleicht gibt es innerhalb deines Jobs bereits Tätigkeiten, die dir Energie geben – Kundengespräche, kreative Aufgaben, Organisation, Austausch. Der Trick ist, diese Anteile zu erkennen und auszubauen. Oder du sprichst mit deiner Führungskraft, ob du dich in bestimmte Projekte einbringen kannst. Kleine Kurskorrekturen können schon viel verändern. Es muss nicht immer der radikale Neustart sein.
Niemand träumt davon, seine Lebenszeit abzusitzen
Ein Job muss nicht immer deine Leidenschaft sein. Aber er sollte dich zumindest nicht innerlich kündigen lassen. Manchmal beginnt Veränderung mit einer simplen Frage – du weißt schon, irgendwo zwischen Kaffeebecher, Bahnsteig und Augenringen, die sich wie dunkle Schatten unter dein Leben legen: Würdest du auch arbeiten, wenn du finanziell frei wärst?
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