Immer mehr Unternehmen verstecken sich in ihren Stellenbeschreibungen hinter der Floskel „faires & wettbewerbsfähiges Gehalt“ und führen Bewerber in die Irre. Personalvermittler Jeff Hyman und Jennifer Herrity verraten gegenüber „CNBC Make It“ die besten Strategien, um im Gehaltsnebel Klarheit zu schaffen und sich optimal im Bewerbungsprozess zu positionieren.

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Was steckt hinter einem „wettbewerbsfähigem Gehalt“?

In den USA stieg der Anteil der Stellenanzeigen, die ein „wettbewerbsfähiges Gehalt“ versprechen, von 2,5 % auf 3 %, berichtet Indeed. Und auch hierzulande erfreut sich diese Floskel wachsender Beliebtheit. Doch was verbirgt sich hinter dieser Formulierung? Laut Jeff Hyman, einem erfahrenen Personalvermittler, versuchen Unternehmen so, Flexibilität zu bewahren und die Bezahlung je nach Bewerber anzupassen. Für dich als Bewerber ist dies jedoch schlichtweg nutzlos.

Jennifer Herrity von Indeed erklärt, dass die Verantwortung, herauszufinden, was ein wettbewerbsfähiges Gehalt tatsächlich bedeutet, somit auf dich abgewälzt wird. Es ist also an der Zeit, diese Intransparenz zu durchbrechen.

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Lese-Tipp: Gehalts-Urteil: Wie komme ich bei unfairer Bezahlung an mein Geld?

Top-Gehalt sichern: Kenne deine Branche, erkenne deinen Wert

1. Kenne deinen Marktwert

Nutze Gehaltsportale wie Glassdoor, Lohnspiegel oder den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, um herauszufinden, was deine Position in deiner Branche wert ist. Diese Daten geben dir einen Richtwert, um selbstbewusst in Gehaltsverhandlungen zu treten. Wichtig ist, dass du genau weißt, wie viel andere in ähnlichen Positionen verdienen. Das gibt dir ein starkes Fundament für deine Verhandlungen.

2. Frage im zweiten Gespräch konkret nach

Um nicht zu früh zu viel zu verlangen und übers Ziel hinauszuschießen, solltest du bis zum zweiten oder dritten Vorstellungsgespräch warten. Dann hat der Personalchef bereits Interesse an dir und ist eher bereit, konkrete Zahlen zu nennen. Nutze diesen Moment geschickt. Du kannst beispielsweise sagen:

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„Ich bin sehr an der Position interessiert. Können Sie mir bitte das Gehaltsspektrum nennen, das für diese Rolle vorgesehen ist?“

So zeigst du Interesse und gibst dem Arbeitgeber die Chance, den ersten Schritt zu machen.

3. Stelle dich dumm – auch wenn du es nicht bist

Wenn du nach deinen Gehaltsvorstellungen gefragt wirst, drehe den Spieß einfach um. Sage beispielsweise:

„Ich bin mir nicht sicher, was halten Sie für angemessen?“

Lass den Arbeitgeber zuerst eine Zahl nennen, um dich nicht selbst zu unterbieten. Diese Taktik gibt dir eine bessere Verhandlungsbasis und zeigt, dass du bereit bist, über dein Gehalt zu sprechen, aber auch darauf bestehst, dass der Arbeitgeber transparent ist.

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Deine 3 Schlüssel für ein erfolgreiches Gehaltsgespräch

  1. Zeit ist Geld: Frage frühzeitig, aber nicht zu früh nach dem Gehalt. Eine gute Faustregel ist, wenn möglich, dies erst im zweiten Gespräch zu tun. Dann bist du in einer stärkeren Verhandlungsposition. Der Arbeitgeber hat bereits Interesse an dir und möchte dich möglicherweise nicht mehr gehen lassen.
  2. Schweigens ist jetzt Gold wert: Wenn der Personalchef dir eine Gehaltsspanne nennt, höre aufmerksam zu und lasse die Stille wirken und für dich arbeiten. Diese Strategie zeigt, dass du deine Verhandlungsposition ernst nimmst und Wert auf eine faire Bezahlung legst. Stille kann bewirken, dass der Arbeitgeber seine Angebote weiter präzisiert oder sogar verbessert.
  3. Zahlenjongleur: Vermeide es, dein derzeitiges Gehalt zu nennen. Stattdessen solltest du eine breite Gehaltsspanne nennen, wenn du dazu gedrängt wirst. Beispiel: „Basierend auf meiner Recherche und Erfahrung denke ich, dass ein Gehalt zwischen 60.000 und 70.000 Euro angemessen wäre.“ So gibst du eine Vorstellung, ohne dich festzulegen.

Fazit: Mehr Transparenz und Fairness bei Gehaltsverhandlungen

Die Floskel „wettbewerbsfähiges Gehalt“ ist oft ein Deckmantel für Intransparenz und Flexibilität zugunsten des Arbeitgebers. Lass dich nicht auf diese Spielchen ein. Recherchiere, frage gezielt nach und lass den Arbeitgeber den ersten Schritt machen. So sicherst du dir die beste Verhandlungsposition und ein faires Gehalt.

Nachgefragt: Teile deine Erfahrungen mit uns! Wie gehst du mit nebulösen Gehaltsangaben um?

Bild: Liubomyr Vorona/istockphoto.com

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